Mittwoch, 17. April 2013

Mabuhay ang Pilipinas!


Nach sehr langem Warten (7 Stunden) am Saigoner Flughafen, unsere letzte vietnamesische Hotelbesitzerin hatte sicher unsere Abflugs- und gewünschte Abfahrtszeit verwechselt, landen wir nach kurzen 2,5 Stunden Flug wohlbehalten in der aufgehenden Morgensonne Manilas. Nach der Passkontrolle und dem Verabschieden von zwei Deutsch-Filipinos, die schon 40 Jahre in Hannover wohnen, ging's vor den Flughafen, wo uns nach wenigen Minuten Jay und Leianne finden und freudig begrüßen. Leianne (oder Lorelei, die Filipinos und -nas haben immer viele Namen) ist die kleine Schwester meiner Freundin Deth und Jay ihr Verlobter. Wir kennen uns eigentlich nur über Facebook aber abgeholt haben sie uns trotzdem und und ein kleines Frühstück gab's auch. Klasse! Beim Rausfahren aus dem Flughafengelände fällt mir gleich ein Unterschied zu vor elf Jahren auf: Manila hat inzwischen eine richtige Skyline gegen die die Frankfurter einfach lächerlich erscheint. Manila kann hier locker mit vielen amerikanischen Städten mithalten. Nach kurzer Suche im riesigen Straßengewirr erreichen wir unser Hostel in Makati City (Metro Manila besteht eigentlich, wie der Ruhrpott, aus vielen zusammengewachsenen Städten: Manila, Makati, Quezon City, Pasig usw.) und werden, trotz des frühen Morgens (so halb 8) und unserer schlechten Hygiene, sehr freundlich empfangen. Ein Zimmer gibt es natürlich noch nicht, aber die Madam hinter dem Schreibtisch quatscht mit uns, ordert Kaffee und noch mehr kleine Brötchen und die Maids sausen durch den Raum und folgen. Gleich fällt mir wieder auf, was hier in Haushalten immer für eine Hierarchie herrscht. Jeder Gast wird mit "Sir" angesprochen und die Mutter des Hauses ist immer "Madam". Hätte ich fast vergessen, denn das ist manchmal ein bisschen unangenehm, wenn man aus einem Freundeskreis wie ich komme, wo man höchstens als "Prinz Valium" oder Schlimmeres bezeichnet wird. Naja. Wir drehen eine kurze Runde durch den erstmal fies an South Central erinnernden Neighbourhood, holen Geld und merken bald, dass alle Leute immer zurückgrüßen und sich freuen, uns Weißbrote hier zu sehen. Ich werde das erste Mal seit 11 Jahren wieder mit "Hey Joe" angequatscht und ich lache ob der Erinnerung, dass Quaste wegen seines Bartes hier immer "Osama" gerufen wurde. Hahaha. Nach der Rückkehr ins Hostel geht Tinchen nochmal allein raus, kauft Wasser und pennt dann auf einer Couch im Hostel ein. Ich halte tapfer durch und gehe zum Rauchen immer mal ins Zimmer der Madam und nutze die Zeit zum Aufholen der jüngsten und älteren Geschichte der Philippinen. Toll. So gegen halb 11 wird ein Zimmer frei, die Maids wirbeln mit Besen und Geschick durch und wir ziehen ein. Aufgrund des extremen Schlafmangels letzte Nacht, pennen wir beide nach kurzer Dusche ein und schlafen bis zum Nachmittag. Nach dem Schläfchen geben wir die Wäsche gegenüber ab und schon holen uns Jay und Lorelei wieder ab. Quaste und ich hatten ja das letzte Mal nicht besonders viel gesehen und so bin ich froh, dass die Zwei diesmal als Guides fungieren. Wir fahren durch den, verglichen mit Saigon natürlich lächerlichen, verglichen mit jeder europäischen Stadt haarsträubenden, Verkehr nach Intramuros, parken und sehen uns um. Wir besuchen Fort Santiago und verfolgen die letzten Schritte des, nach Angaben der Madam im Hotel amerikanisch-gemachten, Nationalhelden Rizal zur Erschießung durch die Spanier. Amerikanisch-gemacht deshalb, weil die eigentlich philippinischen Freiheitskämpfer mehr als nur Präsenz im spanischen (und später amerikanischen) Parlament forderten und dieses auch mit Waffengewalt durchsetzen wollten. Da passt natürlich ein hochgebildeter, aus der Oberschicht kommender Feingeist wie Rizal weit besser. Ok, danach fahren wir durch die Rush Hour zur Mall of Asia und schauen uns dieses Monstrum (die viertgrößte Mall der Welt) an und entschließen uns die beiden zum Essen einzuladen. Beim Betrachten der Preise rutscht mir das Lachen des reichen Europäers aus dem Gesicht. Der Fortschritt läßt sich vor allem daran ablesen. Monster und ich essen die beiden einzigen(!!!) vegetarischen Gerichte auf der Karte: gebratener Reis und Chili Cheese Sticks während sich die beiden über Rindfleischstücken und geröstete Schweineschwarte hermachen. Bier kostet in Manila nun 4-mal so viel, wie vor elf Jahren (früher 25 Cent / 13 Peso, gelle Quaste?) also kippen wir uns dank tightem Budgets jeder nur eins rein. Nach dem Essen fahren uns die beiden wieder nach Makati, wir verabschieden und verabreden uns für den morgigen Mittag und Tine und ich fallen in einen elfstündigen Schlaf. Am nächsten Mittag bereiten wir uns auf's Auschecken vor, denn wir hatten gestern schon Tickets für den Nachtbus nach Legazpi erstanden, holen die Wäsche ab und düsen mit den beiden Richtung "Duty Free", einem Laden, wo Ausländer und Filipinos mit ausländischen Pässen "steuerfrei" einkaufen können. Wir brauchen noch eine Taucherbrille also fix noch Geld geholt und rein in den Importpalast. Ich erkundige mich nach den Kippenpreisen und lache innerlich, denn die sind "steuerfrei" teurer als vor der Mall. Wer kauft die? Wir besehen uns die weiteren Produkte und kriegen denn Mund kaum zu: Erdnuss M&Ms die in den Staaten 80 Cent kosten, kosten hier $7. Krass! Lorelei wird dank Jay, der eigentlich in den Staaten lebt und meiner Shopping Card (denn ich hab den ausländischen Pass) Schokolade und Kosmetika im Wert von über $70 erstehen, während wir uns mit Taucherbrille und Schnorchel für $23 begnügen. Mehr ist nicht drin. Danach düsen wir wieder zur Mall um etwas an der Bay spazieren zu gehen, allerdings brennt die Sonne so unbarmherzig, dass wir wassertrinkend im Schatten der Kaimauer sitzen und anschließend Eisläufern zuschauen und witzig umhüllte, japanische Eiscreme essen. Nach kurzem Einkauf im riesigen, hiesigen Supermarkt fahren uns die beiden zum Bus und wir nehmen einen Abschiedstrunk im nahegelegenen "München", einer deutschen Expat-Kneipe. Das Rausgehen fühlt sich wie das Durchschreiten eines Wurmlochs an: vom heimeligen Interieur der Kneipe, inklusive Tellern auf Regalen, dunklem Holzbesatz und blau-weißen Platzdeckchen in das laute und etwas chaotische Manila mit Jeepneys und hupenden Taxis. Nach herzlichem Abschied sitzen wir im, durch die Klimaanlage eiskaltem, Bus und sind nach circa 2 Stunden Fahrt durch die Stadt aus Manila raus. Aufgrund der Kälte schlafen wir mehr schlecht als recht und kommen ordentlich gerädert früh kurz nach 6 (wie beim ersten Mal) in Legazpi an. Unser Host Rey (ein pensionierter Australier) holt uns trotzdem ganz fix vom Busbahnhof ab und wir nutzen den Vormittag zum Erholen und Reinigen. Am frühen Nachmittag fährt uns Rey in die Stadt, denn wir leben hier im Bonzenviertel und wir kaufen vegetarische Burger und Zwiebelringe am Marktstand. Die Preise hier sind nicht vergleichbar mit Manila, denn für jeweils 2x Burger und Zwiebelringe legen wir nur 1,10€ in die Hand der netten Verkäuferin. Dann folgt Tines erste Tricyclefahrt zum Haus im Lakandula Drive, wo Quaste und ich damals eine Woche wohnten. Ich frage die Kiddies im kleinen Laden am Haus nach "Tita Lenlen" und die brüllen ganz aufgeregt nach hinten, dass hier ein Ausländer steht, der Mamas Namen kennt. Tante Lenlen kommt nach vorn und nach kurzem "do I know you" werden wir mit großen Hallo ins Haus geführt und bekommen Bierchen und Snacks vorgesetzt. Das Haus sieht fast aus wie früher, der Fernseher ist neuer und die Wände sind inzwischen gestrichen aber der große Unterschied sind die Kinder von damals, denn die sind ja auch um 11 Jahre gealtert! Alle damaligen Teenager haben inzwischen eigene Kinder und Denmarl, unser Liebling ist inzwischen 20. Alle, ich voran, freuen sich sehr und wir quatschen locker 3 Stunden, bevor Ate  Rodeth (Ate ist die respektvolle Anredeform für ältere Mädchen, Tine ist ab jetzt auch bei allen "Ate Tine") von der Arbeit kommt. Deth hat ja immer den Kontakt mit mir gehalten und sie ist quasi die Hauptperson des Besuches. Geschockten Blicken erklären wir, Vegetarier zu sein und bekommen Reis mit Rührei zum Abendbrot. Dann springen wir in den nächsten Jeepney (wieder eine Premiere für's Monster) und fahren Richtung Magayon Festival. Deth gefällt der Trubel hier nicht so, also geht's erneut per Jeepney in die Stadt und in Deths Lieblingsbar "Wacky's Republic". Wir trinken 3 Buckets Red Horse (6,9%!) und quatschen und erzählen bis kurz vor Barschluß. Dann bekommen wir eine private Trikefahrt zurück zur Unterkunft und ich bin so glücklich, dass ich trotz Angedonnertheit noch ein San Miguel auf dem Balkon trinken muss. Danach fange ich mittels eines Glases eine riesige Küchenschabe, die sich frecherweise ins Zimmer geschmuggelt hat und wir schlafen, nach ihrer Entsorgung in die freie Wildbahn, mächtig erschöpft ein. Da ja alle arbeiten müssen, verbringen wir den Vor- und frühen Nachmittag auf der riesigen Terrasse der Unterkunft, trinken San Miguel und genießen die unglaubliche Aussicht auf die Legazpi Bay. Dann fährt uns Reys philippinische Frau Sally zum Haus der Familie und wir klettern mit Denmarl und einem Freund auf den nahegelegenen Lignon Hill von dem man einen Wahnsinnsausblick auf Mayon und Legazpi City hat. Ich hatte ganz vergessen zu erwähnen, dass Legazpi ja am Fuße eines der aktivsten und wahrscheinlich schönsten Vulkans der Welt liegt. Nordwestlich der Stadt thront der Mount Mayon und raucht aus seinem über 2400 Meter hohem, perfekt geformten Kegel. Dieser Klopper von Vulkan ist aufgrund seiner Größe fast überall aus der Stadt sichtbar und bietet ständig atemberaubende Ansichten. Wie nehmen erst die Straße und dann die direkte Abkürzung durch den Busch um den Gipfel des Lignon Hill zu erreichen und ich gönne mir mit den Jungs eine Kokosnuss, während Tinchen herumschlendert und Bilder macht. Nach dem (hier ja immer sauschnellen) Hereinbrechen der Dunkelheit machen wir noch mehr Bilder von der Stadt und machen uns nach einem kurzem Stromausfall (begleitet vom Gegröle der Häftlinge im nahegelegenen Knast von Legazpi) auf den Weg zurück. Unten schnell den zweiten Jeepney gestoppt (der erste war eine Privatfahrt mit Särgen) und ab zur Happy Lane, der Fressreihe auf dem Markt. Ich versuche die Fishballs, Tine verschiedenste Erdnüsse und wir enden wieder mit vegetarischem Burger und Zwiebelringen. Dann treffen wir Deth, die sich nach der Arbeit die Nägel machen läßt und ziehen gemeinsam nochmal zu Wacky's Republic. Dort gibt es wieder 2 Buckets (diesmal das schwächere San Miguel), viel, viel Erzählen und die nächtliche Tricycleheimfahrt zur Unterkunft. Am nächsten Tag haben wir bis Mittag Zeit, ruhen uns aus, genießen die Aussicht auf Legazpi Bay und Mount Mayon und werden kurz nach zwölf von Rey zum Haus der Familie gefahren. Tita Lenlen hat extra Essen für die Vegis gemacht und wir fahren mit ihrem Mann (Tito Alex) und den zwei Kindern Shermaine und Paul Alexis zu den Ruinen der Kirche in Cagsawa. Der Mayon ist ein fieser Berg und hat hier vor 199 Jahren über tausend Menschen in einer Kirche begraben. Außer dem oberen Teil des Turmes und des Kirchenschiffes gibt es hier nicht viel zu sehen, alles ist meterdick unter Asche (jetzt Erde) begraben. Neben vielen Verkaufsständen gibt es einen Pool, den wir nach circa einer Stunde im Schatten quatschen auch nutzen. Wir bekommen Bier, hausgemachte Vegi-Burger und unglaublich leckere Zwiebelringe zu essen, schwimmen (ich und Alexis) und unterhalten uns vorm Mayonpanorama, bevor es nach einigen Stunden wieder nach Hause geht. Im Haus der Lelis-Familie gibt es nochmal Bier und dann springen wir in den Jeepney Richtung Malls und Markt. In der Mall holen wir Geld und stellen fest, dass die Preise für Essen hier locker 5 mal so hoch sind, wie auf dem Markt und nur relativ wohlhabende Filipinos sich die Burgerketten leisten (können). Da wir nicht bereit sind, Weltkonzernen Geld für überteuertes (und beschissenes) Essen in den Rachen zu werfen, gehen wir wieder auf den Markt zur Burgertante, erstehen Eisandwich und Vegiburger, Fritten und ganz leckere Minipancakes und fahren dann mit dem Tricycle zum letzten Mal in die Expatsiedlung von Ridgeview. Auf der Dachterrasse essen wir das Gekaufte, kippen ein San Miguel und jetzt werden die Rucksäcke für den morgigen Island Trip gepackt. Früh um 6 geht es los nach Daet und dann übermorgen früh um 6 stechen wir von Vinzons aus in See. Bootfahren!
 
 
 
 
 

 

Sonntag, 14. April 2013

Uncle Ho's City Saigon

Ok, voraussichtlich letzter Post aus Vietnam. Hui, das ging fix. Nach 3 Nächten Mui Ne gings vor 6 Tagen schon mittags mit dem Sleeperbus nach Saigon. Versteh ich zwar nicht ganz, aber ich kenne ja meinen Hintensitztrick. Die Reisedauer ist mit 4,5 Stunden angegeben, wir werden, dank des Verkehrs, der Straßenverhältnisse und eines leichten, durch unseren Fahrer verursachten, Unfalls mit keinen Verletzten, knapp 7 Stunden brauchen und kommen kurz nach 19:00 Uhr in Ho Chi Minh Stadt an. Dieser Name ist den Bewohnern hier '75 aufgedrückt worden und niemand den wir trafen benutzt ihn. Der Bus hält angenehmerweise direkt in der Hostelstraße und nach kurzem Laufen und bewundern der vielen Verkäufer am Straßenrand finden wir die Bude, ziehen die Schuhe aus und checken ein. Anschließend sofort Abendessen und, nach kurzem Zank, Bierchen im Straßencafé. Hier wieder, wie in Hanoi auf Miniplastestühlen. Wir treffen Torven (ich bezweifle, dass er wirklich so heißt), einen älteren Vietnamesen, der mal für BP malocht hat und dementsprechend gutes Englisch spricht. Wir quatschen bis relativ spät (vielleicht so bis 11, hier sind die Nächte lang, fangen aber früh an!), er erklärt uns wo das Wort "Phở" herkommt; nämlich vom französischen "feu", was die Kolonialherren den lokalen Suppenverkäufern hinterheriefen, wenn die mit ihren tragbaren Herden durch die Straßen latschten. Dann verschwinden wir im Hostel. Am Morgen treffen wir zwei relativ komische Schweden und sind (ich zumindest) froh, dass das Frühstück ein kleines ist. Da wir hier, aufgrund von null Bock, immer mit langweiligen anderen Touristen durch die Gegend gekarrt zu werden, keine Touren buchen wollten (Mekong Delta und Cu Chi Tunnel fallen aus), haben wir uns wie in New York zu Fuß auf den Weg gemacht, um die Stadt zu erkunden. Saigon sieht in den edleren Bezirken viel, viel weltstädtischer aus als Hanoi. Es gibt einen riesigen Finanzturm, ultrahochpreisige Hotels wie Sheraton und Caravelle, eine Oper und allerlei anderen postkolonialen Prunk. Wir laufen Richtung Notre Dame Kathedrale, sind etwas enttäuscht ob ihrer Größe und ihres Alters und werden keine 3 Minuten später von einem der tropischen und unmittelbar auftretenden Regenschauer überrascht. Wir flüchten in ein nahes Café, trinken eisgekühlten Jasmintee, Zitroneneistee, Eiskaffee und nutzen das allgegenwärtige freie WLAN. Nach ca. einer halben Stunde endet der Platzregen fast so plötzlich wie er beginnt und wir machen uns mit leicht unterkühltem Magen auf Richtung War Remnants Museum. Da dieses jedoch seine tägliche Mittagspause hält, laufen wir kurz zum Hotel zurück und checken dann den nächsten Vegi-Imbiss aus. Klasse: Hier zeigt man einfach grunzend auf ein Buffet und der freundliche Mensch dahinter schaufelt einem die Leckereien auf den Teller. In diesem Laden gibt es unglaublich viel Fakefleisch, was mich ja immer freut. Gespeist, es sehr genossen und beim Rausgehen insgesamt 2,50€ hingelegt. Wenn man hier nur etwas abseits der Touriwege geht, fallen die Preise um bis zu 75%. Auch hier gilt unsere alte Tschechenregel (gelle Dave und Moe!?), je einsprachiger die Speisekarte, desto günstiger und echter isst man. Dann nun wirklich ins Kriegsmuseum und öfter mal mit dem Kopf geschüttelt. In diesem Krieg gab es so viele Seiten (hier im Museum natürlich eher zwei: Imperialisten gegen kommunistische Freiheitskämpfer) und die Bilder zeigen zu 80% zivile Opfer. Da hat sich niemand was geschenkt und die Amis haben mit ihrer Ranch Hand-Agent Orange-Entlaubungskampagne ganze Arbeit am Genpool ganzer Landstriche geleistet. Bitter, bitter, bitter. Naja, pünktlich um 17:00 Uhr folgen die vietnamesischen "Verlassen sie augenblicklich das Gelände"-Durchsagen und wir räumen das Feld gen Park hinter dem Wiedervereinigungspalast. Quatschen und schlürfen Eistee. Eine knappe Stunde später geht ja schon die Sonne unter und wir finden uns auf der Veranda einiger Vietnamesen wieder, begaffen die Leute auf der Straße und trinken Bier. Lustig, wie man hier direkt vorm Wohnzimmer der Einheimischen sitzt, trinkt und ihnen beim Kochen in den überall sichtbaren kleinen Wägelchen zuschauen kann. Zwischenrein treffen wir unseren ersten Komorer und seine, sehr junge philippinische Frau. Die zwei verschwinden allerdings nach ihrem Essen gleich wieder, was auch nicht so schlimm ist, da er sehr dominant war und sie kaum zu Wort kam. Wir entschließen uns heimzugehen, bleiben an der gestrigen Bar hängen, sehen Torven und Tine kommt zu einem Abendbrot und ich zu einem weiteren Bier. Ein Koreaner sitzt bei uns, man tauscht Trinksprüche aus und ich vergesse die koreanischen gleich wieder, weil sie ewig lang sind. Der vietnamesische bleibt im Kopf: "Mot, hai, ba Jo-u!" Zu deutsch: "Eins, zwei, drei, Prost!" So einfach, dass selbst ein Simpel wie ich ihn mir merke. Am nächsten Morgen müssen wir aus dem Hotel auschecken, da dieses nur für 2 Tage ein Zimmer für uns hatte. Zwischenzeitlich hatte ich bei AirBnB eine Anfrage an einen, hier lebenden, amerikanischen Englischlehrer gestellt, der sich allerdings (zu meiner Verzeiflung) immer noch nicht gemeldet hat. Also für eine Nacht ins nächste Hostel und weiter hoffen. Wir nutzen den Tag um weiter im Finanz- und Businessviertel Saigons rumzulatschen und Einkaufsmöglichkeiten zu suchen. Wir finden wiedermal ein nettes Café, trinken Eiskaffee, nutzen das Netz um Emails zu lesen und siehe da: der Typ und unser australischer Campervanverleih haben sich gemeldet. Ich bin erstmal beruhigt, auch wenn wir das angepeilte Restaurant danach nicht finden und nach 1,5 stündigem Fussmarsch wieder im Fakefleischbistro essen. Im Hostel treffen wir Torben aus (bei) Hamburch und quatschen eine Weile bevor er zum Flughafen und nach Schanghai verschwindet. Im Hotel lese ich ein paar weitere Mails des AirBnb-Vermieters und wir entscheiden uns ob seiner latenten Unheimlichkeit (er fragt, was uns so an seiner Bude anzieht, sagt uns, dass uns der eigentliche Vermieter vielleicht nicht reinläßt und klingt in späteren Mails etwas gruselig verzweifelt), doch lieber noch ein Hotelzimmer im Touribezirk zu nehmen. Am nächsten Morgen also Einchecken ins dritte (und letzte) Hotel in Saigon. Danach weiteres Erkunden der Stadt Richtung Chinatown. Wie immer Kaffee im Café und dort und im Laufe des Tages am Kümmern und Organisieren für Australien. Das Abendessen beinhaltet diesmal irgendein komisches Kraut, was Tine zur Kohletablette und mich zum zweiten Bier greifen sowie den Abend irgendwie früh enden läßt. Keine üble Sache, denn so kann Tine den vorigen Blogeintrag schreiben. Wir haben ja hier sowieso viel Zeit und hängen viel mehr im Hotelzimmer ab als vorher. Das mag langweilig klingen, aber manchmal gefällt mir schon das Rumlaufen und Aufbauen einer mentalen Karte und abendliches Biertrinken zum glücklich sein. Nebenbei haben wir ja auch endlich Zeit gefunden, um uns um die Mietwagengeschichten in Oz und NZ zu kümmern. Vorgestern kauft sich Tine dann ein Paar "The North Face" Botten und handelt den Verkäufer um satte 33% runter. Klasse, ab jetzt führt Tine die Preisverhandlungen. Abends dann beim auf der Straße hocken zwei vietnamesische Tourguides getroffen (Eric und Henry) von denen Eric so gut deutsch sprach, dass sogar sein Englisch deutsch akzentuiert war. Super. Mit den Jungs ein paar Bierchen gekippt und gequatscht. Gestern erst relativ spät los, um meine Schuhe reparieren zu lassen. Hier quatschen einen eh ständig Leute an, ob man die Shoes geshined haben möchte. Gut, im Park so ein paar Jungs, die gefragt, ob sie die Dinger auch reparieren und nicht nur putzen. Sofort hatten die die Ahle (nein, nicht die Tine) und meine Schuhe in der Hand und ich konnte nur irgendwas von Preis stammeln. Naja, da halt so 15 Minuten gesessen und den Jungs beim Löcherstechen und Nähen zugeschaut und eine geraucht. Wir sind wie ein Schuhreinigermagnet, denn zwischendurch sitzen 5 Mann um uns rum. Wir hatten uns irgendwie auf 10$ geeinigt (zum großen Ärger von "Preisverhandeltine") und ich war auch, aufgrund der Vielzahl der jungen Männer, gewillt diese zu zahlen. Zum neuen Vernähen der Schuhe gab's dann noch ein paar Einlegesohlen und gereinigt wurden sie natürlich auch. Der eine Frechdachs war trotzdem noch unzufrieden mit dem schon sehr hohen Preis, aber der "good cop" der 4 Jungs hat gezwinkert und uns gehen lassen. Mal schauen, ob sie halten. Abends dann noch ein kleines Highlight: Wir treffen Dirk und Conny, die so 2 Wochen nach uns nach Vietnam gekommen sind. Man tauscht Erlebnisse aus, quatscht und trinkt Bier. Ich zeige meinen Lieblingsbaguette- und Tine ihren Lieblingsfruchtshakestand. Toll! Kurz vor Mitternacht geht's nach Hause, denn die beiden wollen früh raus. Die letzte Nacht verläuft unspektakulär, denn heute verlassen nicht Dutzende Franzosen krakelend und türenschmeißend das Hotel. Heute Abend geht's zum Flughafen und wir schließen quasi die erste von sechs Stationen ab. Morgen früh halb 5 (Manila Ortszeit, irgendwann vor Mitternacht daheime) landen wir und werden, ganz lieb, von der kleinen Schwester meiner Freundin Deth und ihrem Verlobten abgeholt. Ich bin schon ganz aufgeregt und hoffe diesmal mehr von Manila zu sehen, als vor 11 Jahren. Für's Monster isses ja ganz Premiere, dementsprechend gespannt ist sie auch. Wir sind in der ersten Woche dort relativ ausgebucht, aber ich hoffe, spätestens nach unser Rückkehr vom Island Trip berichten zu können!






Dienstag, 9. April 2013

Mui Ne - wenig Sand, viel Meer

Da wir Mui Ne am Abend erst nach Sonnenuntergang erreicht haben, waren wir natürlich sehr gespannt wie es bei Tage aussieht und vor allem freuen wir uns nach ein paar Tagen Hochland auf das Meer und den Strand. Mui Ne ist sehr, sehr touristisch. Resort reiht sich an Resort, Dazwischen Spas und Restaurants, die weniger vietnamesische, mehr "internationale" Gerichte also Pizza, Pasta, Burger für (relativ) viel Geld anbieten. Mui Ne scheint einer der Lieblingsurlaubsorte von Russen in Vietnam zu sein. Quasi jeder Laden schmückt sich mit kyrillischer Schrift, was sicher schön für die Russen, aber weniger authentisch ist. Ist es aber eh nicht, denn hier wohnen so gut wie keine Vietnamesen. Unser erstes Ziel soll der Strand sein, zu dem wir uns nach einem kurzen aber teuren Supermarktfrühstück begeben. Der Zutritt gestaltet sich als nicht ganz so einfach, denn um diesen zu erreichen, muss man sich den Weg durch die direkt an den Strand angrenzenden Resorts bahnen. Man hat also entweder Glück und wird beim unbefugten Zutritt der Resorts nicht erwischt oder man wird gebeten das Feld zu räumen und es irgendwo anders zu versuchen. Unser erster Versuch glückt und wir stehen kurze Zeit später auf 50cm Sandstrand. Vor uns das Meer. Jetzt sehen wir was unser Bungalowvermieter Tuan (ein Angehöriger der King (sprich: Kin) Minderheit) meinte, als er davon sprach, dass das Meer nach und nach den Sand des Strandes wegspült. Viele der Resorts haben mittlerweile gar keinen Strand mehr. Da die Sonne schon morgens um 8 extrem drückt suchen wir nach einem schattigen Plätzchen, was sich ebenfalls als tricky herausstellt. Denn alles was an diesem Strand Schatten spendet ist Eigentum der Resorts. Mist. Naja wir entscheiden uns rebellisch zu sein, hocken uns in eine kleine Hütte und hoffen, nicht von der Security weggetragen zu werden. Wir halten es nicht lange am Strand aus und da das Wasser maximal wenige Grad kälter ist als die Luft entscheiden wir uns für eine kurze Abkühlung im Bungalow, der glücklicherweise mit Air Con ausgestattet ist. Mui Ne ist eine der wärmsten und trockensten Gegenden Vietnams. Es regnet so gut wie nie und es ist das ganze Jahr heiß. Am Strand weht häufig ein raues Lüftchen, weshalb Mui Ne ein Paradis für Kitesurfer ist. Wir entscheiden uns später ein bisschen auf Erkundungstour in Richtung dem 8 km entfernen Fischerdörfchen (das wahre Mui Ne) zu gehen. Sehr dumme Idee in der Mittagshitze  aufzubrechen. Wir zerlaufen quasi und werden von den Einheimischen abwechselnd angestarrt oder herzlich ausgelacht. Exi macht dann auch noch darauf aufmerksam, dass die meisten Kokosnusspalmen neben uns ziemlich viele Früchte (über uns) tragen. Für den Rest der Strecke werde ich zum Hans guck in die...Palme. Ich möchte unter keinen Umständen eine Kokosnuss auf der Rübe haben. Hätte er es nur nicht gesagt. Die Hitze ist so extrem, dass wir nach einer halben Stunde aufgeben und im "Sindbad" einkehren, einem kleinen Dönerladen, in dem wir uns einen überraschend guten Vegiedöner sowie Saft und Exi (wie immer) Bier schmecken lassen. Exi entdeckt auf der anderen Straßenseite die Pogo Beach Bar. Hier kehren wir direkt danach ein um uns den von uns heißgeliebten, eiskalten vietnamesischen Kaffee (Cà phê sữa đá) zu bestellen. Da wir mittlerweile keine Angst mehr vor Eiswürfeln haben, ist das neben Bier unser allerliebstes Getränk geworden. Kurz vor Sonnenuntergang machen wir uns auf den Nachhauseweg und bestaunen die unzähligen kleinen Straßenrestaurants, in denen die frisch gefangenen Meeresfrüchte, für jeden Gast sichtbar, ausgestellt werden. Da weint das Vegetarierherz, neben allerhand alienartigem Getier stehen auch Schildkröten und kleine Haie auf dem Speiseplan. Wie fast überall in Vietnam gibt es auch hier mindestens 20 direkt nebeneinanderliegende "Seefood Restaurants", die alle exakt das Gleiche verkaufen. Trotzdem gab es viel zum Schauen. Wer also Lust auf kostenloses Aquarium hat, sollte sich diese 200 Meter der Küstenstraße auf jeden Fall geben. Selbstverständlich kehren wir nicht in eines der Restaurants ein, sondern entscheiden uns an diesem Tag ganz bodenständig für die gute alte mit Minimum 10 E Stoffen versetzte Supermarktnudelsuppe. Mui Ne hat neben dem Strand und der unzähligen Restaurants noch ein paar andere Attraktionen zu bieten. Wir entscheiden uns am nächsten Tag für den Fairy Stream, ein breites und flaches Bächlein, welches sich durch canyonartige Felsgebilde schlängelt. Wir sind zu geizig für ein Taxi und laufen eine Stunde durch die Hitze. Wieder eine sehr dumme Idee. Ob um 8 oder um 12. Hier ist es immer gleich heiß. Der Fairy Stream ist meistens wirklich nett anzuschauen und an diesem Tag nicht überlaufen. Wenn man aber etwas genauer hinsieht, fällt der viele Müll auf, der sowohl von Touristen, als auch von den dort ansässigen Menschen einfach in den Bach geworfen wird. Überhaupt nicht cool und sehr traurig zu sehen, wie sich die Einheimischen ihre eigene Existenzgrundlage zerstören. Eine weitere Attraktion sollen die roten und weißen Sanddünen sein, wenige Kilometer außerhalb des Touristreifens. Wir werden uns nicht auf den Weg dahin machen. Durch Müll, Millionen Touris und die vielen Quads, die man sich mittlerweile ausleihen kann um über die Dünen zu sausen, scheint dieses Ausflugsziel nicht mehr wirklich sehenswert zu sein; liest man zumindest im Netz. Wir glauben es und gehen lieber noch ein bisschen an den Strand um die vielen Kitesurfer zu bestaunen, die sich auf dem Meer tummeln. Am Abend finden wir dann doch noch ein tolles Restaurant direkt am Meer. Das versöhnt mich ein bisschen mit Mui Ne, obwohl ich doch ein wenig enttäuscht bin. Ob Mui Ne oder Berlin. Extremer Tourismus tut einem Ort meistens auf Dauer nicht gut. Morgen geht es nach Saigon! Fortsetzung folgt!
 
 
 
 
 

Donnerstag, 4. April 2013

Berge, Frühling und Motorräder


Uiui, lange nichts geschrieben, wir werden fauler. Vor 5 Tagen verlassen wir Hoi An per Nachtbus. Alle Wertgegenstände sind trotz der unterirdischen Reviews des Hotels noch vorhanden. Der Bus holt uns, wie immer, überpünktlich um 5:30 am Hotel ab und wir legen uns in unsere Schlafsessel. Diese sind, für Mitteleuropäer, natürlich viel zu klein, sodaß meine Füße ständig anstoßen und ich etwas verquer liege. Nach kurzer Zeit und weiteren Pick-ups startet die Crew eine Dance-Show des vietnamesischen Fernsehens aus der Konserve und wir schauen asiatischen Tanzkitsch auf dem Onboard-Entertainment-System. Nach kurzer Zeit entdecke ich, dass hinten im Bus gleich drei Liegesessel nebeneinander liegen, die zudem keine Fußhöhle haben. Bombe. Also meinen Scheiß hintergebracht und das Tinchen rangewunken. Wir passen zu zweit ganz wunderbar auf diese Couch und nach ein paar Minuten dämmere ich, wie auch der Tag (hier wird's ja immer um 6 dunkel) zum ersten Mal ein. Abgesehen von einem sehr lauten Pick-Up von ca. 10 Vietnamesen, die meines Dafürhaltens noch nie in einem solchen Bus gesessen haben und dementsprechend aufgeregt waren und einer kurzen Raucherpause passiert auf der Fahrt nach Nha Trang wenig und so steigen kurz nach 6 ebendort aus dem Bus. Wir warten ca. 1 Stunde, erstehen leckere Banh Mi vom Straßenrand und steigen dann in den nächsten, kleineren Bus, der uns nach Da Lat bringt. Die Fahrt ist erst relativ belanglos, steigert sich aber nach dem Besuch einer kleinen Raststätte zu einer der schönsten Busfahrten unseres Lebens, denn wir klettern quasi innerhalb weniger Minuten von Meeresspiegelhöhe auf über 1500 Meter. Es bieten sich kilometerweite Sichten auf das Tiefland und unglaubliche Ausblicke auf die dicht mit Urwald bewachsenen Hänge gegenüber. Ich hechte mit der Kamera auf der Rückbank hin und her, um die schönsten Vistas einzufangen. Allerdings werden einzelne Bilder der Aussicht nicht gerecht. Wenn wir wieder da sind, bin ich sicher eine Woche mit Panoramas bauen beschäftigt. Nach circa 4 Stunden Fahrt erreichen wir Da Lat und suchen unsere Bleibe für diese Nacht. Angekommen, machen wir uns nach einer Dusche sofort auf die Socken, denn alle haben außer des kleinen Baguettes und etwas Geburtstagskuchen (Tine ist jetzt offiziell Ende 20, haha!) seit gestern Mittag nichts gegessen. Nach 150 Metern Fußmarsch bricht der heftigste Regensturm der Welt los und wir verbringen die nächsten 20 Minuten unter einem Vordach und bestaunen die Fluten, die sich die Straße entlang wälzen. Danach leiht eine nette Frau den beiden Mädchen Regencapes und es geht die 150 Meter zurück zum Hotel. Umziehen und von vorne los. Diesmal geht wettermäßig alles gut und wir essen dank Happycow und geschultem Blick in einem der vegetarischen Restaurants der Stadt. Nach dem Essen folgt ein kleiner Stadtrundgang und wir verspeisen, wenn schon keinen richtigen Geburtstagskuchen eine geeiste Kokosnuss, Tee und den hier wahnsinnig leckeren Kaffee. Auf dem Rückweg zum Hotel laufen wir am Office des Easy Rider Clubs Dalat vorbei und Long, ein älterer Vietnamese quatscht uns davor an. Long hat viele Jahre (wie wir! :D ) in der Zone verbracht, als Dolmetscher gearbeitet und spricht auch nach 22 Jahren noch super deutsch. Da wir relativ wenig Geld ausgeben können, aber diese Dalater Attraktion nicht missen möchten, entscheiden wir uns für eine Tagestour. Gesagt, getan. Nach einem kleinen Bier mit Son, der singenden Ranwinkdame des danebenliegenden Cafés geht es ins Hotel und schwupp ins Bett. Pünktlich 8:30 Uhr stehen Thien, Bom und Khouang vor dem Hotel und nach dem Aufsetzen der Helme geht es los. Woohoo, das erste Mal Moped fahren! Komisch, dass es so lange gedauert hat, schließlich gibt es in Vietnam circa. 33 Millionen. Wir fahren zu schönen Aussichten, auf eine Kaffeeplantage (und trinken Tee), eine Wieselkaffeeplantage (sehr fragwürdig; und trinken Wieselscheißekaffee), dann den Elephant Waterfall und den nahegelegen Tempel (mit Buddhas und Shivas, komisch), danach eine Seidenfarm und schlußendlich das "Crazy House" in Dalat. Dazu gibt es jeweils viele, viele Informationen seitens der 3 Jungs und zwischendurch auch Essen. Beim Begehen des Crazy Houses beginnt es wieder erst zu Tröpfeln und dann wie aus Eimern zu schütten. Wir setzen uns mit den 3 Easy Ridern unter die Plane eines Cafés, quatschen noch ein bisschen und trinken Bier. Ich hätte ja gerne eine der von Thien (sprich: Tin) vorgeschlagenen, längeren Touren durch das Hochland nach Mui Ne gemacht, aber dank des engen Budgets wird das nichts. Nach dem Regenguss wird sich mit Umarmungen verabschiedet und Tine und ich lassen Nici kurz allein im Hotel, denn sie fährt am Abend noch nach Saigon, während wir in die nächste (und viel schönere, aber gestern leider ausgebuchte) Bleibe umziehen. Nach einer guten Stunde treffen wir uns im Easy Rider Headquarter wieder, bezahlen die Jungs und machen uns, nach einem Eiskaffee, auf die längere Suche nach etwas zu Essen. Nach knapp 1,5 Stunden geben wir die Suche auf und essen im, eh in der Nähe von Nicis (und unserem alten) Hotel, gelegenem Vegi-Restaurant, dass wir auch gestern Abend besucht hatten. Dann noch kurzes Quatschen und Abhängen, gefolgt vom etwas traurigen Abschied von Nici. Alle sind jetzt ein bisschen stiller und Monster und ich laufen zum neuen Hotel zurück, wo vor dem Schlafen noch mit Tines Eltern geskypt wird. Am nächsten Morgen frühstücken wir in einem der vielen umliegenden Cafés und besuchen danach den Sommerpalast des letzten Kaisers von Vietnam. So Bauhausstil und wenig europäisch royal. Wurde aber auch erst 1938 fertig gebaut. Anschließend sitzen wir im Garten eines, relativ unscheinbaren aber tollen Cafés und trinken Eiskaffee, Bier, Avocadosmoothie und kalten Kakao (alles nacheinander und lecker). Gegen Mittag speisen wir im nächsten Vegi-Laden und ich esse das erste Mal Fake Roastbeef. So lecker, das ich mich Stunden später noch übers Rülpsen freue. Am Nachmittag quatsche ich auf der Dachterrasse mit dem Besitzer des Hotels und erfahre so einige interessante Sachen über die Psyche von Nord- und Südvietnamesen. Am Abend holen wir eine Ladung Bier und sitzen quatschend und trinkend auf dem Dach mit herrlichem Blick über Dalat. Am nächsten Morgen wie immer Frühstück im Café mit anschließendem Rundgang durch die weniger touristischen Viertel der Stadt. Hier wird man (vor allem Monster) noch interessiert bestaunt und kann die Leute mit " Xin chào"-Sagen erfreuen. Nach einem leider viel zu kurzem Gespräch mit unserer ganz lieben (und kleinen) Gastgeberin holt uns ein Minibus ab und wir besteigen ihn in der Erwartung, am Busbahnhof noch in einen größeren umzusteigen. Haha, weit gefehlt! Mehr und mehr Leute werden in das alte, koreanische Gefährt gequetscht, sodaß wir uns am Ende zu dreißigst (!!!) auf den Weg nach Mui Ne machen. Nach 2 etwas langweiligen Stunden im Hochland, klettert unser international besetzter Bus langsam den Pass ins Tiefland hinab. Als ich auf der Herfahrt dachte, die Aussischt sei ungeschlagen, konnte ich nicht ahnen, was sich einem hier bietet. Locker 200 Kilometer weit kann man, an den Bergen vorbei, bis zum Meer und viel weiter schauen. Imposant! Alle, Schanghaier, Franzosen, Polen, Russen und Deutschen im Bus versuchen möglichst eindrucksvolle Bilder zu schießen. Leider hält der eisern dreinstarrende und ständig rauchende Fahrer hier nicht an, sondern konzentriert sich, uns nicht den Abhang hinabrauschen zu lassen. Gut gemacht! Nach circa 4 Stunden Fahrt halten wir zur Pinkelpause, was uns die Gelegenheit zum Gespräch mit Daniel aus Polen, der in Mui Ne als Kitesurflehrer arbeitet und seiner aufreizend gekleideten, russischen "Schülerin", gibt. Nach einer weiteren Stunde Fahrt, dem Abliefern eines Paketes und dem Sonnenuntergang sind wir endlich auf der Resortstraße und finden unsere kleine Bungalowsiedlung auf der dem Meer abgewandten Seite der Straße. Unsere Hygiene ist nach 5 Stunden Busfahrt im Keller und nach einer Dusche und dem hastigen Genuss zweier "Tiger Beer" machen wir uns auf die Suche nach einer Abendbrotgelegenheit. Da das hier eine krasse Touriecke ist, schauen wir diesmal mit vegetarisch etwas blöd aus der Wäsche und enden, nach kurzem Streit, im "Smoky House" nicht weit vom Bungalow entfernt. Ich esse "Club Sandwich" mit Käse und (waren nicht drauf) Zwiebeln und Tine die vietnamesische, vegetarische Spezialität ""gebratener" (ja, in doppelten Anführungsstrichen) Reis mit Ananas". Im Vergleich sauteuer und unglaublich enttäuschend. Allein das günstige Bier lindert den Schmerz. Da müssen wir uns morgen wohl besser umschauen.
Hier noch ein paar (dank Blogger wieder zeitlich ungeordnete) Impressionen aus der teilweise unheimlich an den Thüringer Wald erinnernde Landschaft rings um Dalat: