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Sonntag, 4. August 2013

Endstation Abenteuerspielplatz

Ok, Steve vom Shuttleservice holt uns ab, dann schwupps rein in den Flieger nach Auckland, Laurel vom Airport Bed&Breakfast ist so lieb, uns dort abzuholen, obwohl es schon ziemlich spät ist. Wir verschwinden auch gleich im Bett, denn die folgende Nacht wird auf dem Flughafen gepennt, da unser Flug nach Maui schon 6:45 geht. Laurel schippert uns und die Rucksäcke am Morgen wieder an den Aucklander Flughafen und wir heben durch die Wolken ab gen Nordwesten. Auf dem Flug gibt es nicht viel zu sehen, allerdings reisen wir witzigerweise in der Zeit zurück, gestartet sind wir am Morgen des 25., landen werden wir am Abend (so kurz nach 21:00) des 24. Cool! In Honolulu angekommen (und wie immer stundenlang an der Customs&Border Protection angestanden) genießen wir kurz die plötzliche Wärme (immerhin sind hier nachts 25° mehr als in NZ) und merken anschließend, dass hier ALLES zu hat. Kein Kiosk, keine Schnellfresse, nichts, der Flughafen ist gerade eine ziemliche Baustelle. Prima. Und wir hängen jetzt hier 9 Stunden ab. Also wie die Penner auf 'ne Bank gelegt und versucht etwas Schlaf zu bekommen. Ich schaffe 2,5, Tine knapp 3 Stunden. Zwischendurch entdecken wir dankbarerweise einen Automaten, der uns ziemlich teuer Wasser verkauft und noch später, dass es überall die typischen Trinkbrunnen gibt. Hervorragend. Na schön, der Morgen naht und wir schleppen uns und das Gepäck rüber zum Inter-Island-Terminal. Und warten, denn die Angestellten unserer Fluglinie kommen sehr spät. Gut, irgendwann haben wir dann endlich eingecheckt und sitzen müde am klitzekleinen Gate als der Aufruf zum Boarden kommt. Tranig schleppen wir uns über's Rollfeld zum ... Gebäude daneben. Die Karre wird noch "routinemäßig" gecheckt, alles gut. Nur ein paar Minuten später geht es dann wirklich los, die Stewardess nuschelt gelangweilt die Sicherheitseinweisung vor sich hin, bringt mir eine Dose japanischen Eiskaffee und wir sind in der Luft. Und gelandet. Der kürzeste Linienflug meines Lebens. Keine 23 Minuten. In Kahului sammeln wir unsere Rucksäcke auf und werden vom Shuttlebus an die Autovermietung gefahren. Drinnen sitzt eine sehr hübsche aber UNglaublich dicke (Willkomen in den Staaten) Hawaiianerin und übergibt uns die Schlüssel unseres Gefährtes für die nächsten 10 Tage. Bestellt hatte ich die kleinstmögliche Klasse, wir bekommen einen Chevi Impala, der ist nicht nur locker länger und schwerer als die beiden Campervans in Australien und Neuseeland, dieses Meisterwerk amerikanischer Autobaukunst gurgelt auch genau soviel Sprit weg, wie die beiden (locker 10 Jahre alten) Toyota Hiace in Oz und NZ. Macht wenig, denn Sprit kostet selbst auf Hawaii nur knapp 90 Cent pro Liter. Wir rollen vom Acker und direkt nebenan bei K-Mart wieder drauf. Wir sind im Gegensatz zu den meisten Touristen eher arm und werden auf Maui zelten. Also Kocher, Zelt und allerlei Quatsch (Pfanne, Besteck, blabla) gekauft und danach zu Walmart, Lebensmittel einkaufen. Erst die positive Überraschung: es gibt Bier! Auch Craft Biere, unter anderem aus Big Island. Dann die negative: die Groceryabteilung ist so groß wie Vieselbachs Dorfkonsum und es gibt im Grunde nur Schrott. Chemie, Zucker, Fett, you name it. Nicht eine Frucht liegt hier neben Tiefkühlburgern, Fertigpizzen und asiatischen Nudelsuppen. Shit. Also die Variety Box der Kona Brewery und die bestmöglichen Lebensmittel rausgesucht, ab in die Karre und nach kurzem Besuch in Lahaina direkt nach Olowalu, wo unser erster Zeltplatz wartet. Der kostet dasselbe wie die neuseeländischen ist aber verglichen mit diesen lächerlich ausgestattet, es gibt Dixiklos, immer mal ein Waschbecken und ein Paar (ja groß) Duschen. Dafür liegt er direkt am Wasser, man kann Kayaks, Schnorchelzeug und Stand-up Boards leihen und hat eine herrliche Sicht auf den gegenüberliegenden Vulkan. Wir springen kurz ins Wasser und verpennen den Nachmittag ziemlich müde im Zelt. Am nächsten Morgen lernen wir Jessica und Michele aus dem Tessin kennen, die hier, wie wir die letzten drei Monate, im Campervan unterwegs sind. Wir quatschen eine Weile, verschenken unsere Nudeln und Dosentomaten, die wir doch nicht kochen können, da wir keinen geeigneten Topf haben und machen uns auf, die Westküste Mauis abzufahren. Wir besuchen eines der vielen Blowholes, werden aber wegen gerade herrschender Ebbe etwas enttäuscht und fahren die immer schmaler werdende Straße weiter durch teilweise an die Philippinen erinnernde Landschaft und kleine Dörfer. Zurück in Olowalu kaufen wir (sehr teure) Früchte vom Tourifruchtstand, kippen ein paar Bier und schlafen, auch vom vielen Verkehr ermüdet, relativ fix ein. Der nächste Tag bringt die erste Kayaktour, wunderschönes Schnorcheln (wir sehen Korallen, Fische und ich begrapsche eine der vielen Seeschildkröten) und das erste Kentern mit dem Kayak. Am späten Nachmittag cruisen wir noch schnell mal nach Kihei, schauen uns dieses ultratouristische Örtchen an und sitzen abends mit den beiden Tessinern bei Spaghetti und Bier zusammen und quatschen. Einer der Zeltplatzlocals (Jake) gesellt sich zu uns und er erzählt, wie wir später merken, wie viele der hier wohnenden Amis, ohne Punkt und Komma. Allerdings hat er die Logik des metrischen Systems wohl verstanden und ist ein ziemlich kritischer Amerikaner. Nach dem Aufstehen beschließen wir, heute den Highway to Hana zu befahren, bauen unser Zelt ab und sitzen kurz danach im Auto. Erste Station ist Paia, ein relativ alternatives Örtchen an der Nordküste. Hier bekommt man prima Kaffee im Café des Amis, statt Malls gibt es kleine Hippylädchen und viele Wunderheiler und andere Esoteriker. Wir fahren weiter gen Osten, beschweren uns immer wieder über die, die extrem kurvige und enge Straße superlangsam befahrenden Mainlandtouristen, halten in Ke'anae, bewundern das kleine Dorf, die schwarzen Felsformationen und die, darauf teilweise sehr tollpatschig herumstorchenden Touris. Wir halten an einem der vielen fotogenen Punkte und sind überrascht, als in einer Kettenreaktion dutzende Leute ebenfalls an die Seite fahren um zu sehen, was wir da entdeckt haben. Haha, witzig! Wir erreichen Hana nach circa 3,5 Stunden, finden die etwas versteckte Red Sand Beach, machen Bildchen, beobachten, wie die Wellen in einem der Lavalöcher pulsieren und sitzen kurz danach wieder im Auto, denn wir müssen noch weitere 10 Meilen bis nach Kipahulu fahren, dort befindet sich einer der Zeltplätze des Haleakalā-Nationalparks auf dem wir die Nacht verbringen werden. Auf dem Weg nach Osten wurde das Radioprogramm immer wieder unterbrochen um (unserer Meinung nach etwas übertrieben) vor dem aufziehenden tropischen Sturm "Flossy" zu warnen. Man soll sich Lebensmittel, Wasser und Sprit für mehrere Tage besorgen und bei Bedarf in die öffentlichen Schutzräume aufsuchen. Wir machen uns wenig draus, besuchen die am Nachmittag sehr überrannten "Seven Sacred Pools" unterhalb einiger malerischer Wasserfälle und bauen unser Zelt wegen des stärker werdenden Windes direkt hinterm Auto auf. Die Nacht ist ordentlich windig und es regnet immer wieder, doch das Zelt bleibt einigermassen trocken und wir besuchen die Pools erneut, sind aber diesmal dank Herrgottsfrühe die einzigen hier. Sehr, sehr schön. Wir knipsen und machen uns auf den Weg zurück nach Westen (ohne allerdings das Grab Charles Lindberghs besucht zu haben, schade!), halten kurz in Hāmoa Beach, beobachten einige Surfer und fahren im immer wieder einsetzenden Regen ins Queen Ka'ahumanu Center, wo Starbucks mit WLAN lockt. Gegen Nachmittag sind wir wieder auf dem Zeltplatz in Olowalu, Schnorcheln ein bisschen und schauen besorgt gen Himmel. Keine 10 Minuten nach der Dusche setzt ein mächtiger, tropischer Regen ein und wir beschließen, die Nacht im Auto zu verbringen, denn der Zeltplatz ähnelt immer mehr einem dreckigen Swimming Pool. Mehr schlecht als recht ausgeschlafen kullern wir früh aus der Karre, packen unser (wieder nur mäßig feuchtes) Zelt ein und fahren den Vulkan hinauf. Bevor ich herkam, konnte ich mir kaum vorstellen, auf dieser kleinen Insel einen beinahe 3000 Meter hohen Berg zu finden, allein die Fahrt hinauf ist atemberaubend, schon nach kurzer Zeit befindet man sich über den tiefhängenden Wolken und wir entdecken, dank unseres "Maui revealed" Buches einen Ausblick, der eine imposante Sicht über den riesigen Krater des Vulkans bietet. Wir besuchen den Gipfel und parken unser Vehikel dann am Besucherzentrum denn es lockt ein "Spaziergang" über den "Sliding Sands Trail" im Krater. Beim Hinablaufen wird einem immer wieder das Ausmaß dieses Loches im Berg bewußt, aus der knapp 20 Kilometer weiten "Ebene" stechen immer wieder kleine Vulkane (mit den eigentlichen Kratern, den großen hat die Erosion geschaffen) heraus und weit und breit wachsen nur sehr vereinzelt Pflanzen. So müssen sich die Marsrover fühlen. Krass! Diese Landschaft hätte ich im sonst so tropischen Hawaii nicht erwartet. Ich schieße hunderte Bilder und wir laufen die im Besucherzentrum mit 3 Stunden angegebene Strecke in 90 Minuten, begehen noch den nächsten "Cinder Cone" (so heißen die kleinen Vulkane), picknicken und machen uns auf den Rückweg. Der natürlich ist weitaus schwerer, wir sind über 750 Meter nach unten gelaufen, die müssen wir jetzt wieder hinauf. Wir haben glücklicherweise ordentlich Wasser dabei und unglücklicherweise keine Sonnencreme. Nach dem fast eine Stunde länger dauernden Aufstieg haben wir beide rote Clownsnasen und ich mir die Hände verbrannt. Gut, das wir unsere Kapuzen aufhatten, sonst hätte uns die Sonne als Streichhölzer verkleidet. Nach unserem 17 km Ritt sind wir beide ziemlich kaputt und rollen den Berg hinab zum zweiten der Zeltplätze im Haleakalā-Nationalpark. Nach Zeltaufbau und kurzem Gequatsche mit zwei veganen(!) und nicht trinkenden(!!!) Tschechen, die wir schon vorgestern gesehen hatten, fallen wir sehr müde ins langsam zur Heimat werdende Zelt. Am Morgen fahren wir das bis jetzt noch nicht gesehene Stück Südküste ab (der Highway to Hana ist zwar hiermit verbunden, aber nach unserem australischen Dirtroad-Abenteuer haben wir wenig Lust auf solche Aktionen), erfreuen uns an der Rauhheit und Einsamkeit der Region und fahren auf dem Rückweg wieder nach Paia, essen das erste Mal auswärts und sitzen bald darauf wieder in Olowalu auf dem Campingplatz, schnorcheln, trinken Bier und verschwinden im Zelt. Tine möchte unbedingt Souvenirs mitbringen, also fahren wir am Morgen wieder nach Lahaina, sehen uns die Tourimaschine (überall werden Perlenketten usw. verkauft, von denen die meisten "Handmade in the Philippines" sind) an, kaufen dann also doch nichts und leihen uns nach der Rückkehr zum Zeltplatz zwei Kayaks aus. Allerdings ist der Wind heute auch noch mächtig stark und so bringt Tinchen ihr Boot relativ fix zum Ufer zurück und begleitet meine Kayaksurfing-Versuche schwimmend. Nach mehreren imposanten Runs und dem Gefühl der Meister in dieser von mir erfundenen Sportart zu sein, kommt es wie es kommen muss: ich kentere und das leichte Bötchen wird sofort vom Wind abgetrieben und wir müssen mit gerettetem Doppelpaddel ans Ufer schwimmen. Ron, unser Kayakverleiher wirft sich mutig in Tines am Ufer liegende Kayak, paddelt raus, um meinen zu bergen und ... kentert. Immer wieder. Na prima. Vom Ufer aus ist er gar nicht zu sehen, denn das Boot klappert ihm immer mal wieder über den Kopf. Niemand der am Ufer sitzenden Amis ist bereit zu helfen und es fallen Sätze wie: "Uh, maybe we should call the Coast Guard or something", also schnappen Monster und ich uns, kurzentschlossen und von solcher Luscherei enttäuscht, das nächstliegende Doppelkayak, düsen wie die Nassen durch den fast tobenden Pazifik raus zu Ron, übernehmen sein Kayak und retten ihn damit. Tief ist es dort nicht, aber die Korallen liegen direkt unter der Oberfläche und die Wellen spülen einen immer wieder hin und her. Tine steigt in ihr altes Kayak um, ich sitze weiter in dem langen Lulatsch und Ron schwimmt und läuft langsam und vom Ballast befreit zum Ufer. Tinchen und ich rudern nebenher, wobei ich den Spaß rückwärts mitmache, weil man das lange Elend nicht gegen den Wind gerdeht bekommt. Nach circa 1000 Fastliegestützen sind alle sicher am Ufer und atmen durch. Aufregend und gerade nochmal gutgegangen! Mit dem Ozean ist also nicht zu spaßen. Noch leicht geschockt kaufen wir ein 12er Pack Bier und kippen diese bis spät abends mit Ron und Tom, einem anderen Zeltplatzbewohner. Was am Anfang wie ältere Touris aussah (wobei ich mich immer wunderte, warum sie nicht die schönen Plätze direkt am Meer belegen) hat sich im Laufe unseres Aufenthaltes als viele auf Maui gestrandete Amis herausgestellt. Einige leben seit mehreren Jahren hier, teilweise weil die Wohnkosten auf Maui extrem hoch sind, teilweise weil sie einfach kein Geld für die Rückkehr aufs Mainland haben. Das Realisieren dieses Faktes ändert mein Beobachten dieser Leute mächtig. Steigend ist der Eindruck, dass sie, typisch amerikanisch, gute Miene zum bösen Spiel machen und nicht wirklich wollen, dass man ihre Situation erkennt, das fängt beim Ablenken in Gesprächen an und manifestiert sich auch in den nicht enden wollenden, ohne Punkt und Komma erzählten, ordentlich aufgebauschten Lebensgeschichten vieler (immer männlicher) Bewohner des Platzes. Jeder war mal sehr erfolgreich und verdiente viel Geld (was sicher wahr ist) und doch sitzen sie nun auf einer, zugegebenermassen schönen, Insel fest. Die Höhen und Tiefen des Lebens in den USA. Allerdings sind alle sehr freundlich, es gibt nie Ärger und wir quatschen öfter mit den verschiedenen Charakteren. Zurück zum eigentlichen Geschehen: Gestern, dem vorletzten Tag auf Maui fahren wir nochmal ins, bis jetzt nicht besuchte Iao Valley, bestaunen die, hier der  Vorstellung entsprechende Landschaft mit ihren extrem steilen, grünen Felswänden und lernen einiges über die Kriegstreiberei der alten Hawaiianer. Den Rest des Tages verbringen wir relativ langweilig in einigen Orten auf der Insel und abends noch einmal lange quatschend mit Ron, der uns offensichtlich ziemlich dankbar ist, ihn da rausgeholt zu haben. Heute geht nicht viel, außer Zelt abzubauen, Rucksäcke zu packen, Auto abzugeben, nach Honolulu zu fliegen, Auto abzuholen und zum nächsten Zeltplatz zu fahren und Zelt wieder aufzubauen, denn unsere ziemlich intereassante Zeit auf dem doch so anderen Maui ist fast vorbei.

Mittwoch, 24. Juli 2013

Fjorde, Städte, Heuler

Wir verlassen den wahrscheinlich besten Caravanpark Neuseelands in Wanaka um nur wenige Fahrminuten später in der von Waynes Frau Claudia wärmstens empfohlenen Puzzling World einzukehren. Dort erwarten uns erstmal unzählige Knobelspiele, an denen wir größtenteils kläglich scheitern, weshalb wir uns die Illusion Rooms anschauen und unter Gelächter und Mittelohrverwirrung durchlaufen. Am Ende schauen wir uns das riesige, außen liegende 3D-Labyrinth an und schließen es Dank meines alten Tricks (immer links an der Wand lang) relativ fix ab. Lustig, wie man immer wieder allen Leuten begegnet und beobachten kann, wie sie bei der Kälte immer verzweifelter versuchen, den Ausgang zu finden. Harhar. Unser eigentliches Tagesziel ist heute Queenstown, eine auch im Winter (aufgrund der vorhandenen Skigebiete) sehr touristisch daherkommenden Kleinstadt. Wir werden auf dem Weg dahin erneut von sehr ansehnlichen Berglandschaften unterhalten und entscheiden uns nach einmaligem Durchfahren des aus allen Nähten berstenden Queenstown, dass das doch nicht unser Hood ist. Also schnell Kohle aus dem Automaten gezerrt und weiter nach Glenorchy, einem verschlafenen Alpenörtchen, welches, in traumhafter Kulisse gelegen, nicht viel mehr als eine Handvoll Pubs, Cafés und einen Campingplatz zu bieten hat. Milka hat hier übrigens seine Werbespots gedreht, da dieses Fleckchen Erde mehr nach Alpen aussieht als das europäische Pendant. Wir lassen uns im Glenorchy Café nieder, verdrücken ein paar Sandwiches (mal mit dunklem Brot, geil!) und schütten uns unglaublich leckeren Glühwein rein. Tinchen und ich trinken noch ein Bierchen im Pub und quatschen mit der bunten Truppe Gäste. Ich quäle mir mit verzerrtem Gesicht die erste Auster meines Lebens in den Mund und wir sind froh nicht das Oyster Raffle gewonnen zu haben. Danach schwanken wir durch die bittere Kälte (diesmal wirklich: so -10°) zum Van und freuen uns erneut über unseren Heater, denn das kleine, stromhungrige Gerät versüßt uns hier den Winter. Mit kleinem Kater besuchen wir am Morgen noch Paradise, einem noch kleineren Ort, der seinem Namen alle Ehre macht, denn in der atemberaubend stillen Umgebung hat schon Peter Jackson einen Haufen Szenen für den Herrn der Ringe gedreht. Gegen Mittag geht es entlang des Lake Wakatipu zurück nach Queenstown, Einkaufen, Tanken und weiter nach Te Anau. Te Anau ist die Basis für Fahrten ins neuseeländische Fjordland, was unseren Campingplatz ungewohnt bevölkert sein läßt. Dort angekommen schließen wir gleich Freundschaft mit zwei Aussies aus Adelaide, die hier ihren Winterurlaub verbringen und quatschen lange in Eiseskälte. Des Nachts entscheiden wir uns doch noch beim Milford Sound vorbeizuschauen; wenn man schon mal hier ist, kann man auch den bekanntesten der Fjorde Neuseelands besuchen. Am nächsten Morgen werden wir, kaum aus Te Anau raus an die Seite geleitet und befragt ob Schneeketten an Bord sind. Wir stellen uns auf das Schlimmste ein, versprechen ganz vorsichtig zu sein und müssen, nach etwa einstündiger Fahrt, Halten, denn auf der Strecke wird Schnee und Eis geräumt. Langsam sammeln sich Autos und Busse und die Touribusinsassen werden immer nervöser, schließlich haben sie ja zu fest gebuchten Zeiten auf dem Boot durch den Milford Sound zu fahren. Ich düse noch schnell an einem der vielen, aus den warmen Teilen Asiens kommenden, Touristen vorbei um die Serpentinen nicht im Schritttempo zu befahren, doch der nun vor mir fahrende Neuseeländer ist auch kein Geschenk. Statt der erwarteteten 3 Meter Schnee liegen gerade mal 20 Zentimeter am Straßenrand und dafür der Split faustdick auf der Straße. Kein Problem also für winterharte Europäer, was genug Zeit und Kraft läßt die umgebende Landschaft zu bestaunen. Gefühlte Kilometer hoch umschließen einen die vereisten Bergwände auf der Fahrt nach dem Homer-Tunnel. Beindruckend, vor allem wegen der, durch Nebel und Schnee scheinbar schwarz-weißen Felsmassen. Am eigentlichen Fjord angekommen, haben wir wieder Ruhe, denn alle Voraus- und Hinterherfahrenden erklimmen die bereitstehenden (und für uns wieder mal zu teuren) Boote und rauschen gen Westen. Wir hingegen erkunden die Umgebung, schießen hunderte Bilder (ja, auch vom Mitre Peak hinter Palmen, wie auf fast allen Neuseelandreiseführern!), die der Realität aufgrund des riesigen Kontrastbereiches leider nicht gerecht werden können und gönnen uns einen Kaffee im ansässigen Teehaus. Danach ist unser Abenteuer Milford Sound im Grunde vorbei, denn wir treten die, wieder atemberaubende, Rückreise nach Te Anau an. Ähnlich wie am Vortag, gabeln Tine und ich diesmal zwei Belgier auf, quatschen und trinken Bier, während Sophie kocht. Pieterjan (Rosenkohl- Spargel, Chicoree-Bauer) und Ellen (Lehrerin) verbringen ihre Flitterwochen im kalten Neuseeland. Der kommende Tag führt uns an die Südküste und den südlichsten Zipfel Neuseelands über das von Keith Richards einst als "Arschloch der Welt" bezeichnete Invercargill nach Bluff. Besonders spektakulär ist es hier nicht, deshalb trinken wir nur schnell Kaffee am "wannabe" Südkap Stirling Point und machen uns auf der Southern Scenic Route wieder auf gen Norden. Mit kurzem Übernachtungsstop irgendwo im Nirgendwo fahren wir weiter in Richtung Dunedin, machen kurz halt am Nugget Point, an dem man wunderbar Pinguine beobachten können soll. Wir finden keine Pinguine, dafür aber einen Klopper von Seelöwen, der sich erst faul ins Gras kuschelt, dann aber (sicher genervt von uns) nach kurzem Gepose wieder ins Meer stürzt. Am Nachmittag checken wir auf dem Campingplatz in Dunedin ein und machen uns auf den steilen den Weg in die Stadt. Dunedin ist eine kleine, recht alternative Universitätsstadt, die neben ein paar Kirchen und sehr vielen, sehr steilen Straßen einen Haufen Cafés und Bars zu bieten hat. Leider sind sowohl Sam als auch Sam (unsere beiden Kontakte in Dunedin) gerade heute nicht verfügbar, weshalb wir, nach einem schönen Stadtrundgang, fast unspektakulär in einer kleinen Bar und rechtzeitig wieder im Van landen. Da wir ganz verliebt in die spektakulären Berglandschaften der Südinsel sind, zieht es uns nach diesem kurzem Stadtintermezzo, vorbei an surrealen, von Schafen bevölkerten, Hügellandschaften zurück in die südlichen Alpen. Wir halten kurz in Alexandra, sind wenig beeindruckt von der dortigen "Shaky Bridge" und auch das wilde Daraufrumspringen bringt nicht den gewünschten Kick. Also wieder rein in die Karre und weiter nach Cromwell, wo wir die Nacht verbringen werden. Tinchen verpasst mir und Sophie einen neuen Haarschnitt und am Morgen schauen wir uns die, aus dem benachbarten Stausee gerette, Altstadt des kleinen Örtchens an. Der nächste Weg führt uns nach Mount Cook Village, einem 100 Seelendörfchen, welches sich in der Hauptsaison (den Touristen sei Dank) mindestens verzehnfacht. Nicht ohne Grund. Dutzende Wanderwege eröffnen hier grandiose Blicke auf Berge, Gletscher, Seen und Täler, doch wenn die Westküste das hübsche Gesicht Mount Cooks ist, zeigt sich hier (zumindest heute) sein nasser Hintern. Da unsere Zeitfenster hier immer knapp bemessen sind und wir uns am heutigen Tag alle beim Mittagessen überfressen haben, entscheiden wir uns für zwei kurze Walks, die uns zum Kea Point und zum längsten Gletscher Neuseelands, dem Tasman Glacier führen. Unter lautem Oh- und Ah-Geraune werden Bildchen gemacht, die Eisberge im Gletschersee bestaunt und immer wieder mit offenem Mund in die Gegend gestaunt. Ich möchte gern im Sommer noch mal her um die tagelangen Wanderungen in der Gegend zu machen, denn die müssen der Kracher sein. Nach der Nacht in Glentanner sind wir ganz aus dem Häuschen, denn sie Sonne beschert uns heute beste Aussichten auf Mount Cook und Umgebung und verbessert unsere Laune ungemein. Bei einem Stopp auf dem Mount John, der, malerisch am Lake Tekapo gelegen, herrliche Blicke in die umgebende Bergwelt bietet,entscheiden wir uns heute, statt nach Christchurch, ins 200 Kilometer weiter entferntere Kaikoura zu fahren. Tinchen bringt uns nach über 500 Kilometern und knapp 7 Stunden Fahrt sicher in die Whale-Watching-Hauptstadt Neuseelands und wir beziehen den Campingplatz gleich für 2 Nächte, denn alle haben das Fahren (wir knacken beim Einfahren die 6000er Marke!) etwas satt und freuen sich auf einen Tag außerhalb der Karre. Der nächste Tag bringt herrliches Wetter uns ich springe überwältigt vom Frühstückstisch auf, als mit einem Mal die hinter Kaikoura liegenden, fast 3000 Meter hohen, Berge durch die Wolken linsen. Klar, dass viele Leute herkommen, um vor dieser Kulisse Fotos von Walfluken zu schießen. Wir sind (wie so oft) zu arm und laufen stattdessen zum östlichen Ende der Halbinsel und erfreuen uns an den dort faul auf Wegen und Kaimauern liegenden Robben und dem Ausblick über den Pazifik. Auf dem Weg zurück scheucht ein sicher zentnerschweres Robbenmännchen die neben ihm posende Sophie durch aggressives Gähnen (Hahaha!) vom Bretterweg. Nach dem stundenlangen Laufen gönnen wir uns den, durch unsere Top 10-Mitgliedschaft kostenlosen, Spa des Zeltplatzes. Klasse! Bevor wir am nächsten Tag Richtung Süden und Christchurch fahren, donnern wir noch schnell an den Ohau Waterfall, denn hier tummeln sich angeblich... dutzender... kleiner... süßer... BABYROBBEN! Schon auf dem Weg zu den Fällen sitzen immer wieder Heuler im Wald, doch der Höhepunkt ist das Becken unter dem eigentlichen Wasserfall: Sicher 50 junge Robben springen und spielen im Wasser, schauen uns mit tränigen Augen an, oder prügeln sich untereinander. Niiiiiiieeeeeeedlich!!! Wir knipsen die kleinen Racker und fahren dann gen Süden. Nach kleinem Umweg über die Banks Peninsula kommen wir am Abend in Christchurch an und beginnen den Van für die Abgabe klar zu machen. Am Morgen waschen wir den Ponyhunter das erste und einzige Mal und geben ihn (im Gegensatz zu Australien ohne Probleme) bei seinen Besitzern ab. John vom Shuttleservice bringt uns fix ins Foley Towers Hostel, wir legen unseren Kram ab und machen uns gleich auf den Weg in die Stadt. Wenn man es noch Stadt nennen kann, denn nach dem Erdbeben vom Februar 2011 sieht diese eher aus wie das Set eines Katastrophenfilms; beinahe 1700 Gebäude wurden allein im Zentrum abgerissen und es gibt unglaublich viele Baulücken und Häuser, die nicht betreten werden dürfen und ebenfalls auf den Abriss warten. Krass. Tinchen hat kurz darauf ihre 15 (eigentlich 20) Minuten Ruhm, denn sie muss spontan dem Mullet Man bei seiner sehr witzigen Jonglier-Show auf der Mall assistieren (ich versuche demnächst mal das Video hochzuladen). Später sehen wir uns Teile des Botanischen Gartens an, trinken ein Bierchen und sind gegen frühen Abend zurück im Hostel, wo ich wieder zwei Belgier und einen Franzosen aufgabele und zum Biertrinken im nahen Pub überrede. Tine und ich wandern am nächsten Tag noch einmal in die Stadt, probieren das öffentliche Verkehrsnetz und sehen uns das Air Force Museum an. Gegen Nachmittag zurück im Hostel bestelle ich das erste Mal online Pizza (Willkommen im 21. Jahrhundert, Herr Exner) und wir verbringen den letzten gemeinsamen Abend sehr ruhig bei Sachenpacken und Bücherlesen. Vorhin verabschieden wir dann Sophie, denn sie fliegt heute zurück ins hoffentliche warme Europa, während wir uns noch den Tag in Christchurch um die Ohren schlagen, um am Abend nach Auckland und morgen vormittag nach Hawaii weiterzufliegen! Tora, Tora, Tora!