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Mittwoch, 25. September 2013

Up North and Down South

Meine Herren, lange nichts hochgeladen und trotzdem ein recht kurzer Post. Wir verlassen also unseren letzten Campingplatz, düsen die knapp 250 Kilometer nach Süden und eiern kurz in St. Cloud rum bevor wir Ricks Arbeitsstelle finden und ihn überraschen. Für alle, die die Story noch nicht kennen: Tine hatte Rick vor 12 Jahren über einen Schüleraustausch kennengelernt und wir versuchen uns regelmäßig, gegenseitig über den Atlantik zu besuchen. Nach großem Hallo und einer Kippe hinter der Werkstatt bekommen wir seinen Wohnungsschlüssel und düsen am Coborn's Supermarkt vorbei zu ihm nach Hause. Wir holen das letzte Mal unseren Kram aus dem Kofferraum und beziehen unsere Bleibe für die nächsten 11 Tage. Nach Feierabend machen wir nicht viel, außer lange zu quatschen und (sehr leckeres) Nordeast (sic) zu trinken. Um Kohle zu sparen, hatten wir die Karre nur bis zum folgenden Tag gemietet und so rollen wir am nächsten Mittag gen Minneapolis um unser treues Gefährt abzugeben. Auf dem Weg knacken wir noch schnell die 10.000 Kilometer-Marke in Nordamerika und stellen das Fahrzeug, trotz der kleinen Schramme ohne Probleme, am Flughafen ab. Hurra. Die folgenden Tage sind wohl die entspanntesten unseres gesamten Trips; am Freitag gibt es eine kleine Party mit Fish Fry für die Eingeborenen und Kartoffelsalat für uns und Garagentrinken bei den Hoihjelles, Ricks Freunden in Melrose; tags darauf Muskyfishing auf dem Lake Miltona (einer der Riesenfische folgt meinem Köder aber niemand außer Mitch fängt etwas); viel Spielen und Rumhängen mit Andi, Ricks Tochter, die auch wenn sie noch nicht viel sprechen kann schon (dank Rick) Meister im Headbanging ist; später dann Crappyfishing mit Jerry, einem Freund Ricks (Tine und Rick fangen Fische, die zu Tines Freude wieder in die Freiheit entlassen werden, während ich wiedermal erfolglos bleibe). An den Abenden wird viel gekocht, gequatscht und sich mit Family Guy und diversen Bieren bespaßt. Wir haben uns sehr auf diese Zeit gefreut, denn auch wenn das Rumreisen und jeden Abend woanders schlafen aufregend und immer neu ist, schlaucht es doch nach vielen Monaten etwas. Dieser Aspekt des Reisens; das Kennenlernen des Alltages von Freunden und Leuten in verschiedenen Ländern der Welt; gefällt mir fast besser als das bloße Abreißen und Anschauen von Sehenswürdigkeit nach Sehenswürdigkeit. Ich empfehle jedem, lieber weniger zu sehen und dafür mehr zu erleben, wenn er die Möglichkeit hat. Am letzten Donnerstag geht es nochmal zu Mitch und Alyson (die Hoihjelles) nach Melrose, es wird viel Bier (das erste Mal Keystone Light; geht, wenn's eiskalt ist und nüscht anderes da ist) getrunken und währenddessen mit dem Luftgewehr auf die Garagentür und geleerte Bierdosen geballert. Hier zeigt Tine, trotz anfänglicher Skepsis, ungeahnte Fähigkeiten und ballert die Dosen vom Draht wie ein junger John Wayne (hat aber im Gegensatz zu ihm nichts gegen die Ureinwohner des Kontinents). Am Freitagmorgen versuchen wir das letzte Mal unser Glück auf dem See. Ricky verpasst den größten Fisch seines Lebens ("That's a big fucking fish!") nur um Haaresbreite und auf der Rückfahrt wächst das lebende U-Boot in den Beschreibungen ins Unermessliche. Am Abend verabschieden wir uns von allen, denn unser letzter Tag (Samstag) führt uns noch in die Mall of America und zu Becky unten in Minneapolis. Wir hatten das letzte Mal Hairball verpasst, da diese ihre Show wegen strömenden Regens abgesagt hatten, doch diesmal spielen sie im Zelt und haben keine Ausrede. Wir (vielmehr ich) quackern uns also Miller High Life (Pferdeurin) und Miller Lite (verdünnter Pferdeurin) rein, während wir eine der witzigsten Covershows aller Zeiten sehen. Hairball covern fast ausschließlich 80er Hairmetal und haben mehrere Sänger, die dann jeweils im passenden Outfit (incl. Perücke) und Originalmoves der Sänger auf der Bühne stehen und ihre Gesänge perfekt draufhaben. Wir sehen nacheinander Ozzy, Poison, Prince (passt nicht ganz, ist aber aus Minnesota), Queen, AC/DC, Van Halen, Whitesnake und zum Schluß endlich Guns 'n Roses auf der Bühne. Die Kombination aus plärrigem Bier und Paradise City versüßt uns den Abschied von Konzert und Minnesota und kaum lagen wir im Bett, klingelt früh halb 5 der Wecker. Rick fährt uns zum Flughafen und wir verabschieden uns ein wenig traurig, war doch die Zeit in Minnesota eine der schönsten hier in Nordamerika und fühlte sich, Dank des Besuches vor 2 Jahren, fast wie eine Heimat an. Nach kurzer Zwischenlandung und Imbiss in Atlanta sind wir schon wenige Stunden später in Jacksonville, Florida, wo uns Anna, eine Erfurter Freundin, die jetzt mit Kind und Kegel in Georgia wohnt, erwartet. Wir fahren über die Staatengrenze (nicht ohne vorher Bier gekauft zu haben, denn das gibt es in Georgia sonntags nicht im Supermarkt), freuen uns halbwegs über die schwüle Hitze und sind am späten Nachmittag am Haus der kleinen Familie. Es wird etwas gequatscht und gegrillt und wir liegen dank der kurzen letzten Nacht früh im Bett. Am Montag dann schauen wir uns die, im Gegensatz zu Minnesota, geradezu uralte Innenstadt Savannahs an, kaufen Bier im Beer Growler (60 Craft Biere vom Fass direkt in die Riesenflasche) und ich angle später (wieder erfolglos, was nicht schlimm ist, gell ;) ) mit Bryant im Teich hinter dem Haus bevor es in die Heia geht. Der Dienstag ist mein Geburtstag und ich verbringe den Vormittag dank gebührender Beliebtheit im Netz um Glückwünsche und Lobeshymnen zu beantworten. Danach fahren wir nach Tybee Island, ich schwimme das erste Mal auf der Westseite des (hier sonnig warmen, aber stürmischen) Atlantiks und bekomme, ebenfalls zum ersten Mal, eine der ältesten lebenden Tierarten (400 Millionen Jahre!), einen Pfeilschwanzkrebs zu Gesicht. Beeindruckend. Bevor es zum Abendessen nach Downtown Savannah geht, halten Bryant und ich noch schnell am Schießstand und ballern mit seiner Glock männermäßig eine Stunde lang die Bahn runter. Ich hab das vor über 15 Jahren bei der Army mal gemacht und bin auch heute nicht der große Fan. Naja, andere Länder, andere Sitten und man sammelt ja Erfahrungen. Vorm Insbettgehen bekomme ich noch ein weiteres Pils und den am Vormittag gebackenen Schokokuchen. Heute geht dann außer Blogschreiben nicht viel, während morgen gepackt wird. Dies ist wohl der letzte Post von unterwegs, aber geplant sind noch Highlight-, Routen-, Rezept- und natürlich Panoramaposts für alle besuchten Länder. Ich kann mit Gewissheit sagen, dass die letzten 6 Monate einige der schönsten meines Lebens waren und ich/wir hoffentlich lange von den Erlebnissen und damit verbundenen Erinnerungen zehren können, auch wenn der Gedanke an das eigene Bett und Freunde daheim auch gerade ziemlich verlockend ist. Am Samstag sind wir dann wahrscheinlich wieder im guten, kalten Europa und wundern uns, wie eine solch lange Zeit so schnell vergehen konnte.

Donnerstag, 22. August 2013

Wälder, Craftbeer, Meeressäuger


Nach dem wohlverdienten Gammel- und Organisiertag im Norden Kaliforniens machen wir uns auf den Weg nach Oregon und steuern, nach beiläufigem Hinweis eines Pärchens aus Colorado, Port Orford an, denn hier soll man Wale beoachten können. Auch auf den hiesigen Informationstafeln wird nur nebenbei erwähnt, dass hier eine Gruppe Grauwale resident ist und man sie vom Ufer betrachten könne. Nach vielen Versuchen Wale zu sehen, also jetzt der nächste. Wir krauchen durch die Ufervegetation, treffen ein älteres Oregoner Pärchen, dass hier vergeblich Ausschau hält und ... brüllen innerlich begeistert: "Na da, Junge!" Ein Grauwal bläst und zieht hungrig seine Kreise im Kelpwald. Endlich! Das locker 15 Meter lange Tier taucht immer mal wieder auf und zeigt seinen massigen Rücken. Tinchen ist ganz aus dem Häuschen und auch die auf den Felsen liegenden Robben tragen zum Naturgefühl bei. Allerdings ist nach einer halben Stunde Schluß mit der Show und der/die Wale machen Mittagsschlaf oder haben es satt begafft zu werden. Also machen wir uns auch vom Acker und fahren weiter Richtung Oregon Sand Dunes. Nach dem Knispen des patriotischsten Autos der USA, checken wir in einem der vielen anliegenden Campingplätze ein und ärgern uns ein wenig, denn erst später entdecken wir, dass man inmitten der Sanddünen auch viel günstiger, allerdings ohne Duschen, Klo und WLAN, hätte übernachten können. Wir schauen uns die Sandberge an, sind nicht besonders begeistert, hatten wir doch in Australien (Wilson's Prom) viel beeindruckendere Wüstenlandschaften gesehen und machen uns nach einem kurzen Spaziergang um den Blue Lake wieder zurück auf dem Zeltplatz. Der anfängliche Ärger ist sehr schnell verflogen, denn neben uns parkt ein kanadisches Pärchen (alles voller Pärchen heute), die gerade aus San Francisco angereist sind. Wir verbringen einen sehr netten Abend mit den beiden, verdrücken das ein oder andere Bier und tauschen Reisegeschichten aus. Ashley und Tyler haben für ihren 19-tägigen USA und Kanada Roadtrip (12000 Kilometer!) ihre Jobs gekündigt und fahren am Tag um die 10 Stunden, was unser Fahrpensum ziemlich lächerlich erscheinen lässt. Der Morgen beginnt müde und mit dem Aufbruch Richtung Bend, einer der Craftbeer-Haupstädte Oregons (und der ganzen Staaten). Ich hab ja beim letzten Besuch hier schon geschwärmt, aber es ist wirklich schön, nicht nur Budweiser und Coors (am besten noch Light!) zur Auswahl zu haben. Auch die Wholefoods Märkte sind immer einen Besuch (wenn man auf Hippy- und Ökolebensmittel steht, wie wir) wert. Oft steht man lange vor der riesigen Bierauswahl und überlegt, welcher Brauerei aus welchem Staat man nun seinen Durst anvertraut. Es gibt leider wenig Pilsner, aber die vielen, kleinen Ales, Pale Ales, Indian Pale Ales (ob aus Weizen oder Gerste), Stouts und Porters sind nie von schlechten Eltern. Im Laufe des Vormittages passieren wir Eugene (Band of Brothers) und sind am frühen Nachmittag in der Mitte Oregons. Wir haben einen gucken lassen und in weiser Voraussicht auf den geplanten Brauereibesuch ein Motel gebucht. Worüber ich jetzt dankbar bin, denn statt in die Deschutes Brewery geht es Dank des gestrigen, ausgelassenen Abends heute nur schnell rüber zum Vietnamesen, Pho essen und dann (fast) direkt ins Bett. Ausfälle bestätigen die Regel. Naja, das gute Bier gibt es ja auch im Supermarkt. Genau dahin geht es morgens. Gordon, der im Safeway Bier und Käse einräumt quatscht eine Weile mit uns, begeistert mit Wissen über diverse Gebräue, macht uns neidisch, denn das Bierfest is wohl in town, und, schwupps, sind wir wieder on se road. Wir halten kurz am John Day Fossil Monument, schaffen es aber wegen der drückenden Hitze kaum aus dem Auto und noch viel weniger auf den nächsten Trail, also düsen wir nur schnell rüber zur Aussicht, machen Bildchen vom (hier) fast wüstenähnlichen Oregon und fahren weiter gen Nordosten. Wir halten heute im Dale-Ukiah Scenic Corridor und schlafen seit längerem mal wieder im Nationalpark. Das ist saugünstig (8 Glocken), ruhig und ziemlich entspannend. Wir gewöhnen uns, trotz fehlernder Isomatten oder Luftmatratzen immer mehr ans Zelten, glaube ich. Am nächsten Tag halten wir kurz in La Grande (nein, nicht französisch ausgesprochen ;) ) und danach in Joseph. Joseph ist ganz niedlich, irgendwo gibt es Wifi und nach Tee und Espresso sitzen wir wieder im Auto, denn der Hells Canyon ruft. Nach weiteren, knapp 1,5 Stunden Fahrt über Hügel und durch tiefen Wald sind wir da und bewundern und fotografieren den tieferen Bruder des Grand Canyon und rufen "Kartoffel" rüber nach Idaho, haha. Danach müssen wir nur noch kurz den Berg herunterrollen, bis wir auf dem Zeltplatz sind und da der Host kein Wechselgeld hat, wird diese Nacht in der State Recreation Area noch günstiger als die letzte. Aufgrund der extremen Trockenheit machen wir nur ein kleines Feuer (das ist wichtig, denn Oregon ist Cougarland!), warten vergebens auf die fiesen Großkatzen (und einen Kampf auf Leben und Tod, wie die Broschüre warnt) und schlafen, wie immer, vor 10 ein. Der nächste Tag bringt die bisher größte Tour der Reise (fast 600 km) mit sich, denn von der Grenze zu Idaho fahren wir wieder weit in den Westen zum Mount Hood. Tine fährt tapfer fast 8 Stunden (nix Autobahn), wir umrunden den höchsten Berg Oregons halb und finden einen sehr, sehr schönen Zeltplatz auf fast 2000 Meter, knapp unterhalb der Timberline Lodge, wo auch jetzt im Sommer noch Ski gefahren wird. Also schnell das Zelt aufgeschlagen, (ein klitzekleines) Feuerchen (man muss ja zwischen Berglöwen und Waldbrand abwägen) gemacht und, husch, ins Zelt. Nach dem Aufstehen ziehen wir fix auf einen sonnenbeschienenen Platz um, frühstücken und fahren dann nochmal schnell die Straße rauf zum Berg, denn wir sind im Gegensatz zu Australien und Neuseeland richtig faul geworden, was Wanderungen angeht. Also alibimäßig ein Mal auf den Pacific Crest Trail gesprungen, eine Stunde gelaufen und nach dem Beobachten der Skifahrer zurück zum Wagen. Wir müssen heute nicht weit fahren, denn die nächste geplante Station ist Portland und so tanken wir nur an der billigsten Tanke des Staates (erzählt uns Randy, der hier die Karren befüllt, ganze 3,48$ pro Gallone!) und in Hood River zum Kaffeetrinken, bevor wir für 2 Tage Halt auf dem KOA in Cascade Locks machen, Wäsche und uns mal richtig waschen und viel über die riesigen "Wohnmobile" einiger Amerikaner und Kanadier lachen und staunen. Die sind teilweise größer, als unsere Bude in Berlin, haben Duschen, Klos und Sat-Schüsseln. Jetzt schreibe ich hier die letzten Worte im Ascheregen des nahen Blackburn Buschfeuers in The Dalles und hoffe, dass die heroischen Berichte über die amerikanischen Feuerwehrleute nicht erlogen sind. Morgen geht es dann in die größte Stadt Oregons, wo wir, Dank Noras (Dankeschön!!! ;) ) Freund Jeremiah günstig unterkommen. Let's keep Portland weird!


 
 
  
 
 
 
 
 
 

Mittwoch, 14. August 2013

Aloha Hawaii! Hello Mainland!

Na schön. Weiter geht's. Wir sollten Maui gegen 17:20 Uhr verlassen, allerdings hat unser Flug 3 Stunden (das ist 8 Mal so lang wie der Flug!) Verspätung, wir hatten natürlich das Auto schon abgegeben und sitzen nun auf dem relativ trostlosen Flughafen Kahuluis fest. Nach 2,5 Stunden Warten die Erlösung für uns: wir werden umgebucht und fliegen mit Interislander (in einer Propellermaschine, lange nicht gemacht) rüber nach Honolulu während andere (ärmer drannere :D) Leute noch lange warten müssen, denn inzwischen hat der Flug über 4 Stunden Verspätung. Wir kommen aber trotzdem so spät in Honolulu an, dass die einstündige Fahrt zum Zeltplatz plus Einkaufen und so weiter sehr stressig erscheint, zumal der Zeltplatz mit Einbruch der Dunkelheit das Tor zumacht und wir unseren Spot im Dunkeln hätten suchen müssen. Glücklicherweise hatte ich 3 Tage zuvor Tim auf dem Olowaluer Zeltplatz angelabert, mit ihm gequatscht und dann ein Quartier in Honolulu angeboten bekommen. Bombe! Also noch auf Maui mit Tim getextet, dann in Honolulu die neue Karre abgeholt, Bier und Lebensmittel gekauft und zu Tims Haus direkt neben dem Koko Krater gefahren. Dort nimmt uns Stefanie, seine Freundin in Empfang und wir freuen uns über eine richtige Dusche, ein richtiges Bett und schlafen kurz nach einem Bier ein. Am Morgen ist auch Tim wieder vom Tätowieren zurück und wir sitzen vor dem Haus und quatschen. Da Sonntag ist, hat Tim nichts zu tun (im echten Leben ist er Biologe/Botaniker und kümmert sich um die Erhaltung der hawaiianischen Pflanzenwelt) und wir beschließen, noch ein bisschen Zeit mit ihm zu verbringen. Also geht es mit den beiden Hunden Ginger und Griff an den Makapuu Point Statepark und an einen kleinen Strand,wo die Hunde und ich baden gehen. Am Nachmittag kippen Tim (auch ein großer Craft-Bierfan) und ich uns noch mehrere Gebräue der Kona Brauerei in den Kopp bevor wir uns, etwas traurig, auf den Weg zum Campingplatz in der Malaekahana State Recreation Area machen. Kaum eingetroffen, treffen wir unsere veganen Tschechen zum dritten Mal und quatschen nach dem Zeltaufbau noch eine ganze Weile. Am Morgen darauf fahren wir, auf der Suche nach Schnorchelspots, die Nord- und Nordwestküste O'ahus ab, bleiben aber aufgrund der Massen am Strand und mangelnder Parkplätze erstmal in einem Café in Haleiwa hängen. Dort gibt's klasse Espresso, Smoothies, WiFi und allerlei anderen Kram. Da sich die Parksituation auch auf dem Rückweg nicht bessert, kehren wir zum Campingplatz zurück und Tine leiht sich nach nur kurzem Zögern ein Surfbrett für sich und ein Bodyboard für mich. What's up, waves! Trotz nicht idealem Surfs vertreiben wir uns lustig die Zeit mit Wellenreiten, beobachten dabei öfter Schildkröten vom Brett aus und sind nach 4 Stunden im Wasser ziemlich geschafft. Nach dem Bierholen sitzt Paulina (eine der beiden Tschechen) noch eine Weile bei uns und wir unterhalten uns von amerikanischer Politik bis hin zu veganen Crackerrezepten über alles Mögliche bevor wir im Zelt verschwinden. Der nächste Tag ist unser letzter auf Hawaii und da wir einmal hier sind, besuchen wir auch noch fix Pearl Harbor. Allerdings ist dieser geschichtsträchtige Kriegshafen so voller Touris (plus unheimlich viel Security) und Pathos, dass ich es beim Knipsen einiger Schiffe belasse und wir lieber noch einmal nach Haleiwa fahren, dort Kaffee trinken und die Zeit bis zum Abflug verplempern. Nach der Autoabgabe geht alles recht fix, wir futtern unsere letzten Essensreste, checken ein, sitzen im Flugzeug und landen nach sehr kurzen; kaum 4 Stunden; Flug in Los Angeles. Geplant war, auf dem Nachtflug zu schlafen um dann fit gen Las Vegas zu starten. Naja, wir starten trotzdem Richtung Nordosten, pennen dann in Barstow erstmal eine Runde im Auto und kommen irgendwann im ultraheißen Vegas an. Als ich vor 10 Jahren das letzte Mal hier war, hatte es in der Wüste geregnet und wir sind in Pullovern rumgestürzt. Heute sind wir froh, dass unser sehr billiges und riesig großes Zimmer eine Klimaanlage hat und wir schlafen nach einer dringend benötigten Dusche noch einmal für 2,5 Stunden bevor es auf den Strip geht. Mit dem Alter kommt scheinbar doch etwas Reife, denn was mir vor 10 Jahren so toll vorkam, scheint heute pure Fassade und hässliches Trugbild für die "gutgelaunte" Spielerstadt. Geht man mit offenen Augen über die Bouevards, sieht man unheimlich viele arme und gestrandete Leute, die teilweise wie Säulen in den rasenden Besuchermassen stehen. Dasselbe zeigt sich in den Casinos (wo man zu meiner Freude zwar noch immer rauchen darf, aber es kaum noch Quarter-, Dime- oder Pennyslots mehr gibt; alles geht ab einem Dollar los), wo manche Leute manisch/panisch vor den Maschinen sitzen und Dollar auf Dollar in die Maschinen stecken. Wir sind clever, haben uns ein 5-Dollar Limit gesetzt und dieses auch, nach kurzer Gewinnphase, in Windeseile verspielt. Ich zerre Tine aus dem Treasure Island, versuche sie ein bisschen zu beruhigen und erkläre, dass die Klos hier alle mit Marmor gefließt sind, weil immer die Bank gewinnt. Auf dem langen Rückweg ins Golden Nugget kommen wir tatsächlich noch an einigen coolen Läden und Bars in Las Vegas' alternativem Viertel vorbei. Wer keinen Bock auf den Casinoquatsch hat, kann mal in die Main Street zwischen Las Vegas Boulevard und Charleston Boulevard laufen, da gibt es ein paar schöne Kneipen und Künstlerläden. Zurück im Hotel gibt es noch ein recht teures Bier und philosophische Gespräche über Vegas' Anziehungskraft bevor wir sehr müde ins Kingsize-Bett fallen. Am Morgen machen wir uns auf den Weg zum Walmart, kaufen einen Campingkocher, eine Kühlbox und allerlei anderen Kram den man zum Zelten braucht, denn in den Staaten sind Ferien und alle Motels und Hotels (außer die in Vegas) sauteuer. Danach brausen wir durch Nevada und eine kleine Ecke Arizonas zum Bryce Canyon in Utah (den hatten mir auf O'ahu ein sehr nettes deutsches Pärchen empfohlen), dem kleinen Bruder des Grand Canyons. Wir finden nach einigem Suchen einen Campingplatz in der Nähe, kochen unser erstes Outdooressen auf dem Festland und schlafen vom vielen Fahren erschöpft fix und sehr früh ein. Frühes Einschlafen (und etwas Frieren auf fast 2500 Meter Höhe) heißt früh Aufwachen und so sind wir am nächsten Morgen eines der ersten Autos im Nationalpark. Die aufgehende Sonne beschert uns unglaublich schöne Blicke über die rauhe Landschaft und auf dem Navajo Loop Trail schießen wir begeistert ganz viele Fotos bevor wir auf die meisten der vielen Aussichtspunkte fahren. An einem der Lookouts lache ich herzlich, als ein kleiner, indischer Amerikaner seinen Vater fragt wer den Canyon geschaffen habe und der mit einem knappen, leicht geschmunzelten "Krishna!" antwortet. Hahaha. Nach knapp 3 Stunden haben wir einen Großteil des Canyons gesehen und machen uns nach kurzem Tankstopp (cool, unser neuer Mietwagen, ein Toyota Camry, verbraucht nur knapp 6,5 Liter!) sind wir wieder auf dem Weg gen Westen. Wir halten kurz in Panguitch, sehen unsere ersten Cowboys, trinken Kaffee und begeistern uns an der menschenleeren und für die nächsten fast 1000 Kilometer ziemlich hoch (immer über 2000 Meter) gelegenen Wüstenlandschaft. Wir durchqueren mehrere, relativ flache Täler, in die Berlin 2-3 mal hineinpassen würde und begegnen auf dem Weg vielleicht 10 anderen Autos. Leider können Fotos die Weite dieser Gegend kaum fassen, weshalb ich jedem einen Abstecher in diese fantastische Landschaft empfehle. Schnurgerade Straßen bis zum Horizont und rechts und links Berge, die trotz der extrem trockenen Luft in der Weite verwischen. Grandios! Gegen Abend halten wir in Ely, Nevada, beziehen unser Zelt und waschen (bitter nötig) unsere Wäsche. Der nächste Halt sollte eigentlich am Lake Tahoe liegen, aber da Wochenende UND Ferienzeit ist, stellt sich die Zeltplatzsuche als fruchtlos heraus und wir setzen unseren Weg über die Sierra Nevada fort und landen schließlich in Placerville, einem kleinen Straßenörtchen 70 Kilometer östlich von Sacramento. Auch dort sind alle Zeltplätze voll belegt und wir übernachten gezwungenermassen aber auch dankbar in einem Motelbett. Tinchen freut sich schon seit fast einem Jahr auf den Besuch bei Cinnaholic in Berkeley also führt uns der nächste Tag in dieses hochakademische "Städtchen" nördlich von San Francisco. Tine futtert begeistert ihr veganes Cinnabon, wir frühstücken danach im benachbarten vegetarischen Diner und fahren weiter über die Bay Bridge nach San Francisco. Glücklicherweise ist heute Sonntag und damit der CBD wie ausgestorben, was uns die Möglichkeit gibt, das Auto sehr günstig (Zehner) in der City zu parken. Wir machen uns, wie so oft in Städten, zu Fuß auf den Weg, laufen die Howard Street hoch, biegen in die Haight Street ab, sind sofort in der Hipsterzone und schlürfen Käffchen im Café International. Danach schlurfen wir die Hügel weiter auf und ab, sehen, begehen den Buena Vista Park und lachen, da wie bei anderen Sehenswürdigkeiten, auch hier sofort Nebel aufzieht. Durch die Bäume erspähen wir allerdings die unbewachsenen Corona Heights gegenüber, laufen den Hügel und runter und drüben wieder rauf und werden mit einer wunderbaren Aussicht auf (fast) ganz San Francisco belohnt. Herrlich! Die Spitzen der Wolkenkratzer im Zentrum sind zwar immer noch in Wolken verborgen, aber man hat eine Klassesicht auf die umliegenden Wohn- und Geschäftsviertel. Sehr, sehr schön. Und windig. Auf dem Weg nach unten treffen und quatschen wir mit Spencer, einem jungen Typen aus Ohio, den wir mit unserer Reise begeistern und (hoffentlich wertvolle) Tipps geben. Auf dem Weg zurück zum Auto (denn wir müssen noch eine Stunde zum Zeltplatz fahren, da wir uns kein Motel leisten können) kommen wir in der Market Street (gleich um die Ecke des Castros ;) ) an der Lucky 13 vorbei, einer exzellenten "Divebar", die hier eine Klasseauswahl an Bieren für 3 Dollar verkloppt. Und wir müssen noch fahren, Miiiiiisssttt!!! Es läuft Pantera als wir gehen und der Barkeeper sieht aus, als hätte er bei Exodus gespielt. So cool! Naja, auf dem Weg durch die Stadt kommen wir neben dem ersten nackten Mann (ok, er hat eine Socke an) an noch mehr Obdachlosen, den Cable Cars und immer größer werdenden Häusern vorbei und finden die Karre unversehrt auf ihrem Platz. Puh! Es folgt eine Stunde Gegurke durch die immer noch volle Stadt, die Fahrt über die, leider wie oft im Nebel stehende, Golden Gate Bridge und noch mehr Fahren bis zum Zeltplatz in Petaluma. Zum Tagesabschluß gibt es Erbsensuppe und eine lange Unterhaltung mit zwei kanadischen Mädels aus Prince George in British Columbia, mit denen wir am Feuer sitzen. Da die Brücke am Vortag kaum zu sehen war, beschließen wir die 60 Kilometer noch einmal nach Süden zu fahren, bevor wir nach Nordkalifornien weiterreisen. Gesagt, getan, stehen wir knapp eine Stunde nach Verlassen des Zeltplatzes bei Sausalito unter der Brücke, knipsen, staunen und fahren kurz darauf den Highway 1 hinauf nach Norden. Ich hatte diese Straße, die wir vor 10 Jahren von Los Angeles nach San Francisco gefahren sind, nicht einmal annähernd so kurvig in Erinnerung weshalb wir nach kurzem Kaffee- und Gebäckstopp in Tomales wieder auf die 101 fahren, um den Ritt bis Mendocino doch bis zum Abend zu schaffen. Auf der Fahrt zeigt sich Kalifornien wieder von einer anderen Seite, nach Wüste, Wald und hohen Bergen sind die Hügel hier mit Dutzenden Weingütern bedeckt und überall gibt es Kleinkunst und Biogemüse zu kaufen. In Mendocino angekommen, bauen wir das Zelt auf, sehen nicht ein, wie für die Dusche auch fürs Feuerholz Geld zu zahlen, sammeln dieses also im umliegenden Wald und sitzen am Abend zu zweit am Feuer und Quatschen. Nach dem Auftstehen und über die "Instant Hot Shower" ärgern/lachen, die weder instant noch hot war, aber Geld kostete, halten wir an einem sehr schönen Punkt am Pazifik und beobachten die sich sonnenden und im Wasser spielenden Robben und mampfen wildwachsende Brombeeren um anschließend, ein paar Kilometer weiter, die "Avenue of the Giants" abzufahren. Wir wollten vor 10 Jahren die Sequioas im Nationalpark südlich des Yosemite sehen, was dann nicht klappte, aber ich werde hier versöhnt, denn die teilweise 100 Meter (ohne Scheiß!) hohen Redwoods sind extrem beeindruckend und es gibt sogar einige "Drive Thru Trees". Da wir gestern außer Fahren und Bäumgucken nicht viel gemacht haben und, nach einem Besuch im sehr häßlichen Eureka (ich dachte immer, da wäre es viel schöner!), den ersten Offday in Crescent City eingelegt haben, beschließe ich mal diesen Eintrag. Morgen geht es weiter nach Norden Richtung Oregon! Da wollte ich schon immer mal hin!