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Mittwoch, 14. August 2013

Aloha Hawaii! Hello Mainland!

Na schön. Weiter geht's. Wir sollten Maui gegen 17:20 Uhr verlassen, allerdings hat unser Flug 3 Stunden (das ist 8 Mal so lang wie der Flug!) Verspätung, wir hatten natürlich das Auto schon abgegeben und sitzen nun auf dem relativ trostlosen Flughafen Kahuluis fest. Nach 2,5 Stunden Warten die Erlösung für uns: wir werden umgebucht und fliegen mit Interislander (in einer Propellermaschine, lange nicht gemacht) rüber nach Honolulu während andere (ärmer drannere :D) Leute noch lange warten müssen, denn inzwischen hat der Flug über 4 Stunden Verspätung. Wir kommen aber trotzdem so spät in Honolulu an, dass die einstündige Fahrt zum Zeltplatz plus Einkaufen und so weiter sehr stressig erscheint, zumal der Zeltplatz mit Einbruch der Dunkelheit das Tor zumacht und wir unseren Spot im Dunkeln hätten suchen müssen. Glücklicherweise hatte ich 3 Tage zuvor Tim auf dem Olowaluer Zeltplatz angelabert, mit ihm gequatscht und dann ein Quartier in Honolulu angeboten bekommen. Bombe! Also noch auf Maui mit Tim getextet, dann in Honolulu die neue Karre abgeholt, Bier und Lebensmittel gekauft und zu Tims Haus direkt neben dem Koko Krater gefahren. Dort nimmt uns Stefanie, seine Freundin in Empfang und wir freuen uns über eine richtige Dusche, ein richtiges Bett und schlafen kurz nach einem Bier ein. Am Morgen ist auch Tim wieder vom Tätowieren zurück und wir sitzen vor dem Haus und quatschen. Da Sonntag ist, hat Tim nichts zu tun (im echten Leben ist er Biologe/Botaniker und kümmert sich um die Erhaltung der hawaiianischen Pflanzenwelt) und wir beschließen, noch ein bisschen Zeit mit ihm zu verbringen. Also geht es mit den beiden Hunden Ginger und Griff an den Makapuu Point Statepark und an einen kleinen Strand,wo die Hunde und ich baden gehen. Am Nachmittag kippen Tim (auch ein großer Craft-Bierfan) und ich uns noch mehrere Gebräue der Kona Brauerei in den Kopp bevor wir uns, etwas traurig, auf den Weg zum Campingplatz in der Malaekahana State Recreation Area machen. Kaum eingetroffen, treffen wir unsere veganen Tschechen zum dritten Mal und quatschen nach dem Zeltaufbau noch eine ganze Weile. Am Morgen darauf fahren wir, auf der Suche nach Schnorchelspots, die Nord- und Nordwestküste O'ahus ab, bleiben aber aufgrund der Massen am Strand und mangelnder Parkplätze erstmal in einem Café in Haleiwa hängen. Dort gibt's klasse Espresso, Smoothies, WiFi und allerlei anderen Kram. Da sich die Parksituation auch auf dem Rückweg nicht bessert, kehren wir zum Campingplatz zurück und Tine leiht sich nach nur kurzem Zögern ein Surfbrett für sich und ein Bodyboard für mich. What's up, waves! Trotz nicht idealem Surfs vertreiben wir uns lustig die Zeit mit Wellenreiten, beobachten dabei öfter Schildkröten vom Brett aus und sind nach 4 Stunden im Wasser ziemlich geschafft. Nach dem Bierholen sitzt Paulina (eine der beiden Tschechen) noch eine Weile bei uns und wir unterhalten uns von amerikanischer Politik bis hin zu veganen Crackerrezepten über alles Mögliche bevor wir im Zelt verschwinden. Der nächste Tag ist unser letzter auf Hawaii und da wir einmal hier sind, besuchen wir auch noch fix Pearl Harbor. Allerdings ist dieser geschichtsträchtige Kriegshafen so voller Touris (plus unheimlich viel Security) und Pathos, dass ich es beim Knipsen einiger Schiffe belasse und wir lieber noch einmal nach Haleiwa fahren, dort Kaffee trinken und die Zeit bis zum Abflug verplempern. Nach der Autoabgabe geht alles recht fix, wir futtern unsere letzten Essensreste, checken ein, sitzen im Flugzeug und landen nach sehr kurzen; kaum 4 Stunden; Flug in Los Angeles. Geplant war, auf dem Nachtflug zu schlafen um dann fit gen Las Vegas zu starten. Naja, wir starten trotzdem Richtung Nordosten, pennen dann in Barstow erstmal eine Runde im Auto und kommen irgendwann im ultraheißen Vegas an. Als ich vor 10 Jahren das letzte Mal hier war, hatte es in der Wüste geregnet und wir sind in Pullovern rumgestürzt. Heute sind wir froh, dass unser sehr billiges und riesig großes Zimmer eine Klimaanlage hat und wir schlafen nach einer dringend benötigten Dusche noch einmal für 2,5 Stunden bevor es auf den Strip geht. Mit dem Alter kommt scheinbar doch etwas Reife, denn was mir vor 10 Jahren so toll vorkam, scheint heute pure Fassade und hässliches Trugbild für die "gutgelaunte" Spielerstadt. Geht man mit offenen Augen über die Bouevards, sieht man unheimlich viele arme und gestrandete Leute, die teilweise wie Säulen in den rasenden Besuchermassen stehen. Dasselbe zeigt sich in den Casinos (wo man zu meiner Freude zwar noch immer rauchen darf, aber es kaum noch Quarter-, Dime- oder Pennyslots mehr gibt; alles geht ab einem Dollar los), wo manche Leute manisch/panisch vor den Maschinen sitzen und Dollar auf Dollar in die Maschinen stecken. Wir sind clever, haben uns ein 5-Dollar Limit gesetzt und dieses auch, nach kurzer Gewinnphase, in Windeseile verspielt. Ich zerre Tine aus dem Treasure Island, versuche sie ein bisschen zu beruhigen und erkläre, dass die Klos hier alle mit Marmor gefließt sind, weil immer die Bank gewinnt. Auf dem langen Rückweg ins Golden Nugget kommen wir tatsächlich noch an einigen coolen Läden und Bars in Las Vegas' alternativem Viertel vorbei. Wer keinen Bock auf den Casinoquatsch hat, kann mal in die Main Street zwischen Las Vegas Boulevard und Charleston Boulevard laufen, da gibt es ein paar schöne Kneipen und Künstlerläden. Zurück im Hotel gibt es noch ein recht teures Bier und philosophische Gespräche über Vegas' Anziehungskraft bevor wir sehr müde ins Kingsize-Bett fallen. Am Morgen machen wir uns auf den Weg zum Walmart, kaufen einen Campingkocher, eine Kühlbox und allerlei anderen Kram den man zum Zelten braucht, denn in den Staaten sind Ferien und alle Motels und Hotels (außer die in Vegas) sauteuer. Danach brausen wir durch Nevada und eine kleine Ecke Arizonas zum Bryce Canyon in Utah (den hatten mir auf O'ahu ein sehr nettes deutsches Pärchen empfohlen), dem kleinen Bruder des Grand Canyons. Wir finden nach einigem Suchen einen Campingplatz in der Nähe, kochen unser erstes Outdooressen auf dem Festland und schlafen vom vielen Fahren erschöpft fix und sehr früh ein. Frühes Einschlafen (und etwas Frieren auf fast 2500 Meter Höhe) heißt früh Aufwachen und so sind wir am nächsten Morgen eines der ersten Autos im Nationalpark. Die aufgehende Sonne beschert uns unglaublich schöne Blicke über die rauhe Landschaft und auf dem Navajo Loop Trail schießen wir begeistert ganz viele Fotos bevor wir auf die meisten der vielen Aussichtspunkte fahren. An einem der Lookouts lache ich herzlich, als ein kleiner, indischer Amerikaner seinen Vater fragt wer den Canyon geschaffen habe und der mit einem knappen, leicht geschmunzelten "Krishna!" antwortet. Hahaha. Nach knapp 3 Stunden haben wir einen Großteil des Canyons gesehen und machen uns nach kurzem Tankstopp (cool, unser neuer Mietwagen, ein Toyota Camry, verbraucht nur knapp 6,5 Liter!) sind wir wieder auf dem Weg gen Westen. Wir halten kurz in Panguitch, sehen unsere ersten Cowboys, trinken Kaffee und begeistern uns an der menschenleeren und für die nächsten fast 1000 Kilometer ziemlich hoch (immer über 2000 Meter) gelegenen Wüstenlandschaft. Wir durchqueren mehrere, relativ flache Täler, in die Berlin 2-3 mal hineinpassen würde und begegnen auf dem Weg vielleicht 10 anderen Autos. Leider können Fotos die Weite dieser Gegend kaum fassen, weshalb ich jedem einen Abstecher in diese fantastische Landschaft empfehle. Schnurgerade Straßen bis zum Horizont und rechts und links Berge, die trotz der extrem trockenen Luft in der Weite verwischen. Grandios! Gegen Abend halten wir in Ely, Nevada, beziehen unser Zelt und waschen (bitter nötig) unsere Wäsche. Der nächste Halt sollte eigentlich am Lake Tahoe liegen, aber da Wochenende UND Ferienzeit ist, stellt sich die Zeltplatzsuche als fruchtlos heraus und wir setzen unseren Weg über die Sierra Nevada fort und landen schließlich in Placerville, einem kleinen Straßenörtchen 70 Kilometer östlich von Sacramento. Auch dort sind alle Zeltplätze voll belegt und wir übernachten gezwungenermassen aber auch dankbar in einem Motelbett. Tinchen freut sich schon seit fast einem Jahr auf den Besuch bei Cinnaholic in Berkeley also führt uns der nächste Tag in dieses hochakademische "Städtchen" nördlich von San Francisco. Tine futtert begeistert ihr veganes Cinnabon, wir frühstücken danach im benachbarten vegetarischen Diner und fahren weiter über die Bay Bridge nach San Francisco. Glücklicherweise ist heute Sonntag und damit der CBD wie ausgestorben, was uns die Möglichkeit gibt, das Auto sehr günstig (Zehner) in der City zu parken. Wir machen uns, wie so oft in Städten, zu Fuß auf den Weg, laufen die Howard Street hoch, biegen in die Haight Street ab, sind sofort in der Hipsterzone und schlürfen Käffchen im Café International. Danach schlurfen wir die Hügel weiter auf und ab, sehen, begehen den Buena Vista Park und lachen, da wie bei anderen Sehenswürdigkeiten, auch hier sofort Nebel aufzieht. Durch die Bäume erspähen wir allerdings die unbewachsenen Corona Heights gegenüber, laufen den Hügel und runter und drüben wieder rauf und werden mit einer wunderbaren Aussicht auf (fast) ganz San Francisco belohnt. Herrlich! Die Spitzen der Wolkenkratzer im Zentrum sind zwar immer noch in Wolken verborgen, aber man hat eine Klassesicht auf die umliegenden Wohn- und Geschäftsviertel. Sehr, sehr schön. Und windig. Auf dem Weg nach unten treffen und quatschen wir mit Spencer, einem jungen Typen aus Ohio, den wir mit unserer Reise begeistern und (hoffentlich wertvolle) Tipps geben. Auf dem Weg zurück zum Auto (denn wir müssen noch eine Stunde zum Zeltplatz fahren, da wir uns kein Motel leisten können) kommen wir in der Market Street (gleich um die Ecke des Castros ;) ) an der Lucky 13 vorbei, einer exzellenten "Divebar", die hier eine Klasseauswahl an Bieren für 3 Dollar verkloppt. Und wir müssen noch fahren, Miiiiiisssttt!!! Es läuft Pantera als wir gehen und der Barkeeper sieht aus, als hätte er bei Exodus gespielt. So cool! Naja, auf dem Weg durch die Stadt kommen wir neben dem ersten nackten Mann (ok, er hat eine Socke an) an noch mehr Obdachlosen, den Cable Cars und immer größer werdenden Häusern vorbei und finden die Karre unversehrt auf ihrem Platz. Puh! Es folgt eine Stunde Gegurke durch die immer noch volle Stadt, die Fahrt über die, leider wie oft im Nebel stehende, Golden Gate Bridge und noch mehr Fahren bis zum Zeltplatz in Petaluma. Zum Tagesabschluß gibt es Erbsensuppe und eine lange Unterhaltung mit zwei kanadischen Mädels aus Prince George in British Columbia, mit denen wir am Feuer sitzen. Da die Brücke am Vortag kaum zu sehen war, beschließen wir die 60 Kilometer noch einmal nach Süden zu fahren, bevor wir nach Nordkalifornien weiterreisen. Gesagt, getan, stehen wir knapp eine Stunde nach Verlassen des Zeltplatzes bei Sausalito unter der Brücke, knipsen, staunen und fahren kurz darauf den Highway 1 hinauf nach Norden. Ich hatte diese Straße, die wir vor 10 Jahren von Los Angeles nach San Francisco gefahren sind, nicht einmal annähernd so kurvig in Erinnerung weshalb wir nach kurzem Kaffee- und Gebäckstopp in Tomales wieder auf die 101 fahren, um den Ritt bis Mendocino doch bis zum Abend zu schaffen. Auf der Fahrt zeigt sich Kalifornien wieder von einer anderen Seite, nach Wüste, Wald und hohen Bergen sind die Hügel hier mit Dutzenden Weingütern bedeckt und überall gibt es Kleinkunst und Biogemüse zu kaufen. In Mendocino angekommen, bauen wir das Zelt auf, sehen nicht ein, wie für die Dusche auch fürs Feuerholz Geld zu zahlen, sammeln dieses also im umliegenden Wald und sitzen am Abend zu zweit am Feuer und Quatschen. Nach dem Auftstehen und über die "Instant Hot Shower" ärgern/lachen, die weder instant noch hot war, aber Geld kostete, halten wir an einem sehr schönen Punkt am Pazifik und beobachten die sich sonnenden und im Wasser spielenden Robben und mampfen wildwachsende Brombeeren um anschließend, ein paar Kilometer weiter, die "Avenue of the Giants" abzufahren. Wir wollten vor 10 Jahren die Sequioas im Nationalpark südlich des Yosemite sehen, was dann nicht klappte, aber ich werde hier versöhnt, denn die teilweise 100 Meter (ohne Scheiß!) hohen Redwoods sind extrem beeindruckend und es gibt sogar einige "Drive Thru Trees". Da wir gestern außer Fahren und Bäumgucken nicht viel gemacht haben und, nach einem Besuch im sehr häßlichen Eureka (ich dachte immer, da wäre es viel schöner!), den ersten Offday in Crescent City eingelegt haben, beschließe ich mal diesen Eintrag. Morgen geht es weiter nach Norden Richtung Oregon! Da wollte ich schon immer mal hin!
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Sonntag, 4. August 2013

Endstation Abenteuerspielplatz

Ok, Steve vom Shuttleservice holt uns ab, dann schwupps rein in den Flieger nach Auckland, Laurel vom Airport Bed&Breakfast ist so lieb, uns dort abzuholen, obwohl es schon ziemlich spät ist. Wir verschwinden auch gleich im Bett, denn die folgende Nacht wird auf dem Flughafen gepennt, da unser Flug nach Maui schon 6:45 geht. Laurel schippert uns und die Rucksäcke am Morgen wieder an den Aucklander Flughafen und wir heben durch die Wolken ab gen Nordwesten. Auf dem Flug gibt es nicht viel zu sehen, allerdings reisen wir witzigerweise in der Zeit zurück, gestartet sind wir am Morgen des 25., landen werden wir am Abend (so kurz nach 21:00) des 24. Cool! In Honolulu angekommen (und wie immer stundenlang an der Customs&Border Protection angestanden) genießen wir kurz die plötzliche Wärme (immerhin sind hier nachts 25° mehr als in NZ) und merken anschließend, dass hier ALLES zu hat. Kein Kiosk, keine Schnellfresse, nichts, der Flughafen ist gerade eine ziemliche Baustelle. Prima. Und wir hängen jetzt hier 9 Stunden ab. Also wie die Penner auf 'ne Bank gelegt und versucht etwas Schlaf zu bekommen. Ich schaffe 2,5, Tine knapp 3 Stunden. Zwischendurch entdecken wir dankbarerweise einen Automaten, der uns ziemlich teuer Wasser verkauft und noch später, dass es überall die typischen Trinkbrunnen gibt. Hervorragend. Na schön, der Morgen naht und wir schleppen uns und das Gepäck rüber zum Inter-Island-Terminal. Und warten, denn die Angestellten unserer Fluglinie kommen sehr spät. Gut, irgendwann haben wir dann endlich eingecheckt und sitzen müde am klitzekleinen Gate als der Aufruf zum Boarden kommt. Tranig schleppen wir uns über's Rollfeld zum ... Gebäude daneben. Die Karre wird noch "routinemäßig" gecheckt, alles gut. Nur ein paar Minuten später geht es dann wirklich los, die Stewardess nuschelt gelangweilt die Sicherheitseinweisung vor sich hin, bringt mir eine Dose japanischen Eiskaffee und wir sind in der Luft. Und gelandet. Der kürzeste Linienflug meines Lebens. Keine 23 Minuten. In Kahului sammeln wir unsere Rucksäcke auf und werden vom Shuttlebus an die Autovermietung gefahren. Drinnen sitzt eine sehr hübsche aber UNglaublich dicke (Willkomen in den Staaten) Hawaiianerin und übergibt uns die Schlüssel unseres Gefährtes für die nächsten 10 Tage. Bestellt hatte ich die kleinstmögliche Klasse, wir bekommen einen Chevi Impala, der ist nicht nur locker länger und schwerer als die beiden Campervans in Australien und Neuseeland, dieses Meisterwerk amerikanischer Autobaukunst gurgelt auch genau soviel Sprit weg, wie die beiden (locker 10 Jahre alten) Toyota Hiace in Oz und NZ. Macht wenig, denn Sprit kostet selbst auf Hawaii nur knapp 90 Cent pro Liter. Wir rollen vom Acker und direkt nebenan bei K-Mart wieder drauf. Wir sind im Gegensatz zu den meisten Touristen eher arm und werden auf Maui zelten. Also Kocher, Zelt und allerlei Quatsch (Pfanne, Besteck, blabla) gekauft und danach zu Walmart, Lebensmittel einkaufen. Erst die positive Überraschung: es gibt Bier! Auch Craft Biere, unter anderem aus Big Island. Dann die negative: die Groceryabteilung ist so groß wie Vieselbachs Dorfkonsum und es gibt im Grunde nur Schrott. Chemie, Zucker, Fett, you name it. Nicht eine Frucht liegt hier neben Tiefkühlburgern, Fertigpizzen und asiatischen Nudelsuppen. Shit. Also die Variety Box der Kona Brewery und die bestmöglichen Lebensmittel rausgesucht, ab in die Karre und nach kurzem Besuch in Lahaina direkt nach Olowalu, wo unser erster Zeltplatz wartet. Der kostet dasselbe wie die neuseeländischen ist aber verglichen mit diesen lächerlich ausgestattet, es gibt Dixiklos, immer mal ein Waschbecken und ein Paar (ja groß) Duschen. Dafür liegt er direkt am Wasser, man kann Kayaks, Schnorchelzeug und Stand-up Boards leihen und hat eine herrliche Sicht auf den gegenüberliegenden Vulkan. Wir springen kurz ins Wasser und verpennen den Nachmittag ziemlich müde im Zelt. Am nächsten Morgen lernen wir Jessica und Michele aus dem Tessin kennen, die hier, wie wir die letzten drei Monate, im Campervan unterwegs sind. Wir quatschen eine Weile, verschenken unsere Nudeln und Dosentomaten, die wir doch nicht kochen können, da wir keinen geeigneten Topf haben und machen uns auf, die Westküste Mauis abzufahren. Wir besuchen eines der vielen Blowholes, werden aber wegen gerade herrschender Ebbe etwas enttäuscht und fahren die immer schmaler werdende Straße weiter durch teilweise an die Philippinen erinnernde Landschaft und kleine Dörfer. Zurück in Olowalu kaufen wir (sehr teure) Früchte vom Tourifruchtstand, kippen ein paar Bier und schlafen, auch vom vielen Verkehr ermüdet, relativ fix ein. Der nächste Tag bringt die erste Kayaktour, wunderschönes Schnorcheln (wir sehen Korallen, Fische und ich begrapsche eine der vielen Seeschildkröten) und das erste Kentern mit dem Kayak. Am späten Nachmittag cruisen wir noch schnell mal nach Kihei, schauen uns dieses ultratouristische Örtchen an und sitzen abends mit den beiden Tessinern bei Spaghetti und Bier zusammen und quatschen. Einer der Zeltplatzlocals (Jake) gesellt sich zu uns und er erzählt, wie wir später merken, wie viele der hier wohnenden Amis, ohne Punkt und Komma. Allerdings hat er die Logik des metrischen Systems wohl verstanden und ist ein ziemlich kritischer Amerikaner. Nach dem Aufstehen beschließen wir, heute den Highway to Hana zu befahren, bauen unser Zelt ab und sitzen kurz danach im Auto. Erste Station ist Paia, ein relativ alternatives Örtchen an der Nordküste. Hier bekommt man prima Kaffee im Café des Amis, statt Malls gibt es kleine Hippylädchen und viele Wunderheiler und andere Esoteriker. Wir fahren weiter gen Osten, beschweren uns immer wieder über die, die extrem kurvige und enge Straße superlangsam befahrenden Mainlandtouristen, halten in Ke'anae, bewundern das kleine Dorf, die schwarzen Felsformationen und die, darauf teilweise sehr tollpatschig herumstorchenden Touris. Wir halten an einem der vielen fotogenen Punkte und sind überrascht, als in einer Kettenreaktion dutzende Leute ebenfalls an die Seite fahren um zu sehen, was wir da entdeckt haben. Haha, witzig! Wir erreichen Hana nach circa 3,5 Stunden, finden die etwas versteckte Red Sand Beach, machen Bildchen, beobachten, wie die Wellen in einem der Lavalöcher pulsieren und sitzen kurz danach wieder im Auto, denn wir müssen noch weitere 10 Meilen bis nach Kipahulu fahren, dort befindet sich einer der Zeltplätze des Haleakalā-Nationalparks auf dem wir die Nacht verbringen werden. Auf dem Weg nach Osten wurde das Radioprogramm immer wieder unterbrochen um (unserer Meinung nach etwas übertrieben) vor dem aufziehenden tropischen Sturm "Flossy" zu warnen. Man soll sich Lebensmittel, Wasser und Sprit für mehrere Tage besorgen und bei Bedarf in die öffentlichen Schutzräume aufsuchen. Wir machen uns wenig draus, besuchen die am Nachmittag sehr überrannten "Seven Sacred Pools" unterhalb einiger malerischer Wasserfälle und bauen unser Zelt wegen des stärker werdenden Windes direkt hinterm Auto auf. Die Nacht ist ordentlich windig und es regnet immer wieder, doch das Zelt bleibt einigermassen trocken und wir besuchen die Pools erneut, sind aber diesmal dank Herrgottsfrühe die einzigen hier. Sehr, sehr schön. Wir knipsen und machen uns auf den Weg zurück nach Westen (ohne allerdings das Grab Charles Lindberghs besucht zu haben, schade!), halten kurz in Hāmoa Beach, beobachten einige Surfer und fahren im immer wieder einsetzenden Regen ins Queen Ka'ahumanu Center, wo Starbucks mit WLAN lockt. Gegen Nachmittag sind wir wieder auf dem Zeltplatz in Olowalu, Schnorcheln ein bisschen und schauen besorgt gen Himmel. Keine 10 Minuten nach der Dusche setzt ein mächtiger, tropischer Regen ein und wir beschließen, die Nacht im Auto zu verbringen, denn der Zeltplatz ähnelt immer mehr einem dreckigen Swimming Pool. Mehr schlecht als recht ausgeschlafen kullern wir früh aus der Karre, packen unser (wieder nur mäßig feuchtes) Zelt ein und fahren den Vulkan hinauf. Bevor ich herkam, konnte ich mir kaum vorstellen, auf dieser kleinen Insel einen beinahe 3000 Meter hohen Berg zu finden, allein die Fahrt hinauf ist atemberaubend, schon nach kurzer Zeit befindet man sich über den tiefhängenden Wolken und wir entdecken, dank unseres "Maui revealed" Buches einen Ausblick, der eine imposante Sicht über den riesigen Krater des Vulkans bietet. Wir besuchen den Gipfel und parken unser Vehikel dann am Besucherzentrum denn es lockt ein "Spaziergang" über den "Sliding Sands Trail" im Krater. Beim Hinablaufen wird einem immer wieder das Ausmaß dieses Loches im Berg bewußt, aus der knapp 20 Kilometer weiten "Ebene" stechen immer wieder kleine Vulkane (mit den eigentlichen Kratern, den großen hat die Erosion geschaffen) heraus und weit und breit wachsen nur sehr vereinzelt Pflanzen. So müssen sich die Marsrover fühlen. Krass! Diese Landschaft hätte ich im sonst so tropischen Hawaii nicht erwartet. Ich schieße hunderte Bilder und wir laufen die im Besucherzentrum mit 3 Stunden angegebene Strecke in 90 Minuten, begehen noch den nächsten "Cinder Cone" (so heißen die kleinen Vulkane), picknicken und machen uns auf den Rückweg. Der natürlich ist weitaus schwerer, wir sind über 750 Meter nach unten gelaufen, die müssen wir jetzt wieder hinauf. Wir haben glücklicherweise ordentlich Wasser dabei und unglücklicherweise keine Sonnencreme. Nach dem fast eine Stunde länger dauernden Aufstieg haben wir beide rote Clownsnasen und ich mir die Hände verbrannt. Gut, das wir unsere Kapuzen aufhatten, sonst hätte uns die Sonne als Streichhölzer verkleidet. Nach unserem 17 km Ritt sind wir beide ziemlich kaputt und rollen den Berg hinab zum zweiten der Zeltplätze im Haleakalā-Nationalpark. Nach Zeltaufbau und kurzem Gequatsche mit zwei veganen(!) und nicht trinkenden(!!!) Tschechen, die wir schon vorgestern gesehen hatten, fallen wir sehr müde ins langsam zur Heimat werdende Zelt. Am Morgen fahren wir das bis jetzt noch nicht gesehene Stück Südküste ab (der Highway to Hana ist zwar hiermit verbunden, aber nach unserem australischen Dirtroad-Abenteuer haben wir wenig Lust auf solche Aktionen), erfreuen uns an der Rauhheit und Einsamkeit der Region und fahren auf dem Rückweg wieder nach Paia, essen das erste Mal auswärts und sitzen bald darauf wieder in Olowalu auf dem Campingplatz, schnorcheln, trinken Bier und verschwinden im Zelt. Tine möchte unbedingt Souvenirs mitbringen, also fahren wir am Morgen wieder nach Lahaina, sehen uns die Tourimaschine (überall werden Perlenketten usw. verkauft, von denen die meisten "Handmade in the Philippines" sind) an, kaufen dann also doch nichts und leihen uns nach der Rückkehr zum Zeltplatz zwei Kayaks aus. Allerdings ist der Wind heute auch noch mächtig stark und so bringt Tinchen ihr Boot relativ fix zum Ufer zurück und begleitet meine Kayaksurfing-Versuche schwimmend. Nach mehreren imposanten Runs und dem Gefühl der Meister in dieser von mir erfundenen Sportart zu sein, kommt es wie es kommen muss: ich kentere und das leichte Bötchen wird sofort vom Wind abgetrieben und wir müssen mit gerettetem Doppelpaddel ans Ufer schwimmen. Ron, unser Kayakverleiher wirft sich mutig in Tines am Ufer liegende Kayak, paddelt raus, um meinen zu bergen und ... kentert. Immer wieder. Na prima. Vom Ufer aus ist er gar nicht zu sehen, denn das Boot klappert ihm immer mal wieder über den Kopf. Niemand der am Ufer sitzenden Amis ist bereit zu helfen und es fallen Sätze wie: "Uh, maybe we should call the Coast Guard or something", also schnappen Monster und ich uns, kurzentschlossen und von solcher Luscherei enttäuscht, das nächstliegende Doppelkayak, düsen wie die Nassen durch den fast tobenden Pazifik raus zu Ron, übernehmen sein Kayak und retten ihn damit. Tief ist es dort nicht, aber die Korallen liegen direkt unter der Oberfläche und die Wellen spülen einen immer wieder hin und her. Tine steigt in ihr altes Kayak um, ich sitze weiter in dem langen Lulatsch und Ron schwimmt und läuft langsam und vom Ballast befreit zum Ufer. Tinchen und ich rudern nebenher, wobei ich den Spaß rückwärts mitmache, weil man das lange Elend nicht gegen den Wind gerdeht bekommt. Nach circa 1000 Fastliegestützen sind alle sicher am Ufer und atmen durch. Aufregend und gerade nochmal gutgegangen! Mit dem Ozean ist also nicht zu spaßen. Noch leicht geschockt kaufen wir ein 12er Pack Bier und kippen diese bis spät abends mit Ron und Tom, einem anderen Zeltplatzbewohner. Was am Anfang wie ältere Touris aussah (wobei ich mich immer wunderte, warum sie nicht die schönen Plätze direkt am Meer belegen) hat sich im Laufe unseres Aufenthaltes als viele auf Maui gestrandete Amis herausgestellt. Einige leben seit mehreren Jahren hier, teilweise weil die Wohnkosten auf Maui extrem hoch sind, teilweise weil sie einfach kein Geld für die Rückkehr aufs Mainland haben. Das Realisieren dieses Faktes ändert mein Beobachten dieser Leute mächtig. Steigend ist der Eindruck, dass sie, typisch amerikanisch, gute Miene zum bösen Spiel machen und nicht wirklich wollen, dass man ihre Situation erkennt, das fängt beim Ablenken in Gesprächen an und manifestiert sich auch in den nicht enden wollenden, ohne Punkt und Komma erzählten, ordentlich aufgebauschten Lebensgeschichten vieler (immer männlicher) Bewohner des Platzes. Jeder war mal sehr erfolgreich und verdiente viel Geld (was sicher wahr ist) und doch sitzen sie nun auf einer, zugegebenermassen schönen, Insel fest. Die Höhen und Tiefen des Lebens in den USA. Allerdings sind alle sehr freundlich, es gibt nie Ärger und wir quatschen öfter mit den verschiedenen Charakteren. Zurück zum eigentlichen Geschehen: Gestern, dem vorletzten Tag auf Maui fahren wir nochmal ins, bis jetzt nicht besuchte Iao Valley, bestaunen die, hier der  Vorstellung entsprechende Landschaft mit ihren extrem steilen, grünen Felswänden und lernen einiges über die Kriegstreiberei der alten Hawaiianer. Den Rest des Tages verbringen wir relativ langweilig in einigen Orten auf der Insel und abends noch einmal lange quatschend mit Ron, der uns offensichtlich ziemlich dankbar ist, ihn da rausgeholt zu haben. Heute geht nicht viel, außer Zelt abzubauen, Rucksäcke zu packen, Auto abzugeben, nach Honolulu zu fliegen, Auto abzuholen und zum nächsten Zeltplatz zu fahren und Zelt wieder aufzubauen, denn unsere ziemlich intereassante Zeit auf dem doch so anderen Maui ist fast vorbei.