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Freitag, 13. September 2013

Having a blast blaming Canada

Wir machen uns also relativ früh auf den Weg nach Banff, dem St. Moritz Kanadas, um Germain zu treffen. Vor zwei Jahren noch per Anhalter in Nordamerika unterwegs, hat er in Banff sowas wie eine neue Heimat gefunden. Nach über 8 Stunden Fahrt (plus einer Zeitverschiebung) durch die beeindruckenden Rocky Mountains und dem Sichten eines kleinen Schwarzbären am Straßenrand, erreichen wir am Abend Banff. Germain überlässt uns netterweise für ein paar Nächte seine kleine Einliegerwohnung und wenig später sitzen wir schon bei Veggieburger und Bier in Bruno's Bar, Germains Arbeitsstelle, die keine 5 Minuten Fußweg von seiner Wohnung entfernt liegt. An diesem Abend geht, Dank der langen Fahrt, außer Erzählen nicht viel und einen ausgegebenen Jägermeister später liegen wir im Bett. Germain malocht am nächsten Morgen, während wir am letzten Blogeintrag (nicht dieser, der davor) basteln und dann beschliessen, die beiden Hauptattraktionen neben den Bergen hier in Banff anzusehen. Jeder kennt ja die Bildchen des Moraine Lake und des Lake Louise. Nach erfolgreichem Lackabrieb an der Gartenmauer des Hauses geht es los und wir bestaunen die Umgebung und kurz nach Erreichen der Seeumgebung (weniger fröhlich) den Verkehr, der hier am Labor Day Weekend herrscht. Da es unmöglich ist irgendwo einen Parkplatz zu finden und man vor lauter iPads den Wald nicht sehen könnte, entscheiden wir uns umzukehren und es am Dienstag, nach Abreise der meisten Touris erneut zu versuchen. Am selben Nachmittag holt Tinchen Germain aus der Bar ab, wir versorgen uns mit ein paar Kannen Bier und verbringen den Abend bei Steve, einem Australier und Kollegen von Germain, der uns zum Barbeque eingeladen hat. Erste Erkenntnis: das Bier ist so lala und ziemlich teuer. Da haben die Amis ganze andere Sachen auf Lager. Allgemein scheint Kanada teurer als die Staaten zu sein, Lebensmittel, Sprit, Bier und Tabak immerhin sind im Vergleich zwischen anderthalb mal und doppelt so teuer; und das obwohl die meisten Kanadier weniger verdienen als die Leute im (flächenmäßig) kleineren, südlichen Nachbarn. Ok, nach gefühlten 3 Stunden Mario Kart auf einem viergeteilten, kleinen Fernsehbild, Grillen und viel Gequatsche liegen wir endlich ins Germains kleiner Buchte im Bett. Am nächsten Tag machen wir uns gegen späten Vormittag von Banff rüber nach Canmore, denn wir wollen den Ha Ling (auch Chinaman) Peak besteigen. Germain ist, seitdem er vor 2 Jahren (auch durch unsere Hilfe, yes! :D ) nach Banff kam, ein großer Besteiger der umliegenden Berge geworden. Wir stellen also die Karre ab und machen uns mit Germain und Ginger (ja, sie hat rote Haare) auf den 3-stündigen Weg nach oben. Laut Germains Kletter- und Wanderbuch ist es eine leichte Tour, allerdings stellen wir später fest, dass es da allein um die benötigte Technik geht. Die ist gleich Null, aber steil ist es trotzdem wie die Sau. Ginger muss zwischendurch aufgeben, weil ihr Knie kaputt ist, wir anderen 3 allerdings erreichen den Gipfel und bestaunen die Wahnsinnsaussicht und direkt neben uns liegende 800 Meter Wand Richtung Canmore. Wir knipsen, machen ein kurzes Video für Germains Bergsteigetruppe (Hikes and Peaks), füttern Streifenhörnchen mit Appelgriebschen und sind auf dem Weg zurück. Der Rückweg dauert nicht einmal die Hälfte des Aufstiegs und wir sind am frühen Abend wieder in Banff. Ginger und Germain wissen als Locals natürlich, wo es heute günstig Pizza gibt, also sitzen wir kurz darauf bei Pizza und Wasser (erstmal hydrieren!) in der Pizzeria und gleichdrauf bei Bier am Billardtisch. Heute Abend gibt es die erste von (hoffentlich vielen) Metalshows in Banff und wir müssen trotz der Kletter- und Wanderei durchhalten. Wir ziehen vom Billard runter in Bruno's Bar, wo heute Abend Pubquiz ist. Scheinbar ist die Kombination kanadischer und germanischer Bildung perfekt, denn wir ziehen die anderen Truppen volle Bude ab und vertrinken flux die 50 gewonnenen "Bruno Dollars". Danach rüber ins Aurora, wo wir leider schon die erste Band verpasst haben, aber die "Hellborn Death Engines" gerade anfangen. Geil: lange, dürre Typen mit langen Haaren und Metaläxten rumpeln durch ihr Set und wir kippen uns $4 Kookanees rein. Danach geht's ziemlich fix und durch das Gelaufe ziemlich müde ins Bett. Am Morgen schaffen wir es endlich, die beiden Seen (Moraine und Louise) ohne zuviel Menschenmassen zu begehen und machen uns danach, nicht ohne uns von Ginger und Germain zu verabschieden, auf den relativ kurzen Weg nach Calgary. Nach schnellen 1,5h Fahrt und etwas Gesuche finden wir das Haus der Schwester unseres Freundes John, bei der wir (wieder mal unbekannterweise) für 2 Tage nächtigen dürfen. Cool! Wir sitzen bei Bier und (sehr leckerem) vegetarischem BBQ auf der Terrasse und quatschen bevor wir im Gästezimmer verschwinden. Nach dem Aufstehen (und einem kleinen Treppensturz Tines) machen wir uns zu Fuß auf den Weg Downtown. Wie so viele nordamerikanische Städte ist auch die Innenstadt Calgarys als Schachbrett angeordnet, was manchmal etwas langweilig ist, aber die Orientierung unglaublich erleichtert. Wir finden den Calgary Tower in der Centre Street, gönnen uns seit langer Zeit mal etwas und düsen mit dem Fahrstuhl hoch. Oben natürlich Bombenausblicke und ein gläserner Boden. Tine steht sofort drauf, während ich 'ne Minute mit wackeligen Beinen davor rumeiere und mich dann auch drauftraue. Wir machen hunderttausend Bilder und fahren wieder runter. Auf der 17th Avenue gibt es dann endlich wieder Poutine bevor wir uns auf den "Spaziergang" durch Kensington und zurück zum Haus der beiden machen. Die Poutine reicht auch noch für's Abendbrot und wir sitzen bald mit Ian auf der Terrasse und klingeln uns Bierchen rein bis Katherine spät von der Arbeit kommt. Dann verabschieden wir uns schon, denn wir stehen ja später auf als die beiden und fahren am nächsten Tag an Edmonton vorbei in den Elk Island National Park, denn ich will Bisons sehen! Also schnell die knapp 400 Kilometer gefahren, den Nationalpark um den Eintritt geprellt (unfreiwilig, denn der Automat ging nicht), das Zelt aufgestellt und los auf den gut 12 Kilometer langen Pfad um den Oster Lake. Wir spüren einen Koyoten auf, aber für über eine Stunde zeigt sich kein weiteres größeres Lebewesen. Dann endlich: auf einer wilden Kreuzung am Weg entdecke ich eine Bisonkuh und ihr Kalb. Wir erschrecken uns gegenseitig und Tine verschwindet gleich wieder 20 Meter nach hinten, während ich mutig Fotos schieße. Plötzlich tauchen zwei weitere Mütter mit Kälbern auf und ich sehe mich gezwungen, mir dreimal auf den Bauch (natürliche Pauke) zu kloppen um sie zu verscheuchen. Es folgt eine kleine Stampede und die Tiere sind vorerst verschwunden. Wir laufen weiter am See entlang und ich beruhige das Monster wieder, bevor wir die (nun um einiges) größere Herde auf einer Wiese auf dem Weg wiederentdecken. Wir umrunden die neugierig schauenden, knapp eine halbe Tonne schweren, Tiere und lesen am Wegesrand noch schnell mal die Warnhinweise zum Umgang mit Bisons. Danach laufen wir noch schneller durch den Birken- und Eschenwald, denn die Dämmerung beginnt und wir hatten statt Mückenspray lieber Sonnenmilch eingepackt, was sich hier als Fehler erweist. Auf dem Rückweg sehen wir nur ein paar bunte Raupen, kleine Frösche und die überall lebenden Eichhörnchen und beschließen daher noch den Bison Loop zu fahren; eine kleine Rundstraße durch Bisonbullenland. Großer Erfolg! Auf einer Wiese neben der Straße steht eines der stattlichen Männchen und grast. Wir knipsen den 800 Kilo Klopper und fahren zurück Richtung Zelt. Auf dem Weg tuckern wir langsam durch eine kleine Herde Bisons und kommen so noch einmal in den Genuß, diese aus nächster Nähe zu sehen. Klasse. Am Zelt angekommen gibt es nur schnell Abendbrot und dann huschen wir ins Bett, denn am nächsten Tag soll es bis Saskatoon gehen, um eine alte Studienfreundin Tines zu besuchen. Am späten Nachmittag rollen wir bei Kathrin ein, kaufen ein und warten noch kurz auf ihren Freund, denn wir fahren übers Wochenende an den Emma Lake nördlich von Prince Albert. So cool! Mikes Vater hat hier eine "Hütte" und zwei "Bötchen" am See. Wir sitzen nach der knapp 2,5 stündigen Fahrt abends noch im mückensicheren Pavillon ums Gasfeuer und gleich nach dem Frühstück im Boot. Es wird gewakeboarded! Mike macht das schon seit Jahren, Kathrin ist auch schon hundert Mal gefahren und wir zwei können erstmal nichts. Aber so nach 15 Anläufen stehen wir beide auf dem Brett und düsen hinterm Boot übers Wasser. Spitze! Am Nachmittag fahren wir nochmal mit Mikes Cousins und deren Wake Boat raus um uns ein Auge an deren Kunststückchen zu holen. Als es dämmert, fahren wir das Speedboat zur Ruhestätte über den Winter und lassen uns während der gut 100 km/h schnellen Fahrt über'n See die Mücken ins Gesicht klatschen. Krass. Ich bin abends so kaputt vom Wakeboarden, dass ich gegen 10 ins Bett falle, während die anderen Nichtweicheier noch eine Weile bei Bier und Feuer sitzen. Am Morgen quäle ich mich mit üblem (üüüüberall) und Tine mit mäßigem Muskelkater aus dem Bett. Wir verplempern ein bisschen Zeit im vom Nachbar geklauten WLAN, quatschen mit Mikes Vater und dessen Freundin, trinken mein neues In-Getränk Clamato (Gemüsesaft) mit Bier und sitzen nach dem Mittagessen und dem Abbau des Docks wieder im Boot auf dem See. Wir sehen uns heute den dritten (und menschenleersten) See der kleinen Seenplatte an und die Mädchen wakeboarden wieder. Tine schafft es sogar auf dem Wakeskate zu fahren, während ich faul und dick bei Bier und Zigarette im Gefährt sitze. Mike und ich bringen, nachdem ich mich noch eine Runde an einem Jetski festkrallen durfte, auch dieses Boot zum Trailer, um es für den Winter zu verstauen, auch wenn uns kurz vor Erreichen der Bootsrampe der Vorwärtsgang und Leerlauf kaputt gehen und wir rückwärts Achten an die Rampe fahren. Wir donnern noch am selben Abend zurück nach Saskatoon, denn Kathrin schreibt hier fleißig an der Doktorarbeit und muss früh an die Uni. Genau dorthin fahren wir sie am nächsten Morgen und machen uns anschließend auf den langen Weg nach Winnipeg. Wir schlagen unser Zelt nach gut 8 Stunden Fahrt (und einer Zeitverschiebung) auf, kochen Abendessen und liegen das vorletzte Mal im Zelt. Der nächste Tag bringt außer viel Nebel in Winnipeg, Souvenirgekaufe, Kartengeschreibe und der (unverhofft problemlosen) Wiedereinreise in die Staaten nicht viel, Winnipeg entpuppt sich als teilweise sehr an Erfurter Plattenbauviertel erinnernd und North Dakota als sehr, sehr flach und waldlos. Am Nachmittag überfahren wir den Mississippi und damit die Grenze nach Minnesota und schlafen auf dem Long Lake Park and Campground das wirklich letzte Mal in unserem geliebten Zelt bevor es am Morgen weiter nach Sauk Rapids zu Rick geht. Dazu dann später mehr!



Montag, 2. September 2013

Wild, Weird North West


Ohje, langer Post. Wir haben viel gemacht und erlebt. Wir waren so gegen 9 mit Jeremiah verabredet, weshalb wir uns früh aus dem Zelt schälen, den Rubbel packen und eine gute Stunde nach Portland kullern. Kaum angekommen, lese ich, dass Jeremiah noch mit schlimmem Kopfaua im Bett liegt und wir so gegen 10 auftauchen sollen. Kurz gelacht und ins nahegelegene (per Google Maps gefundene) Open Space Café gelaufen. Erste Portlander Eindrücke sind sehr gesundes Essen auf der Angebotstafel, hip gekleidete junge (und ältere) Menschen und unglaublich viele, witzige Anzeigen am schwarzen Brett des Cafés. Man kann sich über Arbeiteraufstände informieren, seine Hunde ausführen und pflegen lassen und es gibt diverse Geistheiler und Medien. Klasse, der Espresso schmeckt auch. Dann so gegen 10 zurück, von Julie, einer der beiden Mitbewohnerinnen, vor der Tür gesichtet und reingelassen worden und schon stehen wir im Wohnzimmer, wo Sebastian gerade den Kopf aus dem Kissen nimmt; ein Schwede der seit Jahren in Berlin wohnt. Jeremiah steht auch bald im Raume, hat trotz Kopps ziemlich gute Laune und nach kurzer Zeit erscheinen aus dem Nebenzimmer noch Colin, der Cousin Jeremiahs, und Asrai, ein junges Mädchen, dass hier für eine Nacht Unterschlupf fand. Volle Bude also, auch wenn sich Julie gleich darauf mit Katze und Wein für 10 Tage verabschiedet. Nach kurzem Rumgegammel und Kennenlernen geht's für alle zum Jam on Hawthorne, einem Frühstücksladen, der uns durch eine riesige Auswahl vegetarischen Krams begeistert. Während des Mampfens (und Wartens auf Jeremiahs und Tines Essen, was aufgrund der 10-minütigen Verspätung sofort von der Rechnung genommen wird) entscheiden wir am Nachmittag Disc Golf (quasi Golf mit Wurfscheiben) zu spielen, was ich schon immer mal probieren wollte. Also dann quer durch die ganze Stadt erst zu einem Sportoutfitter, wo wir uns 2 Medium Range Frisbees kaufen, um nicht ein gesamtes Set aus Distance Driver und Putter erstehen zu müssen und dann weiter zum Course, der wie ein guter Golfplatz aus 18 "Löchern" besteht. Wir haben natürlich vorher eine Riesenladung Bier gekauft, damit niemand beim Werfen Durst leiden muss. Ich schlage mich trotz meiner jugendlichen Steinewerferfahrung (auf die anderen Kinder, nicht die Polizei) ziemlich bescheiden und hänge bald hinter den Jungs und nur etwas später auch hinter den beiden Mädchen zurück. Ist nicht schlimm, alle haben Spaß, lachen, quatschen und quackern sich Bier in den Kopf. Nach einer längeren Pause werden die letzten Körbe im Halbdunkel geworfen und ich stelle fest, dass ich mit geborgtem Distance Driver und Putter doch super zurechtkomme. Naja, nächstes Mal ziehe ich alle ab. Nach dem Abschlußkorb fahren wir alle mit unserer Karre in die Stadt, suchen Jeremiahs Wagen (Colin musste früher weg, um den Bus nach Seattle zu bekommen), finden diesen, fahren nach Hause, bestellen Pizza, trinken Bier und spielen das sehr witzige Cards against Humanity. Die Wummejungs hatten damals so was ähnliches und wir sind öfter schlimm angeeckt, wenn wir es in der Öffentlichkeit gespielt haben. Diesmal ist alles gut und nach viel herzlichem Lachen verschwinden wir im Bett und Jeremiah zu Jayna, seiner Freundin. Am nächsten Morgen begeistert Tine alle mit Pancakes, danach helfen wir Sebastian (der Jeremiah fast jedes Jahr in Portland besucht) den Whirlpool zu säubern, während Asrai das Unkraut aus dem Garten zerrt und sitzen danach in der Sonne im Garten und quatschen. Asrai muss los, denn sie hat ein Vorstellungsgespräch in einem "Tanzladen". Damit uns nicht langweilig wird, schnappen wir uns ein paar Pils, die Kühlbox und Frisbees und machen uns aufs nahegelege Footballfield zum Scheibenwerfen, bevor uns Jeremiah abholt und zu einem der angesagtesten Tacoläden der Stadt fährt. Dort essen wir mit Jayna, ihrer Mum, Sebastian und Jeremiah leckere mexikanische Speisen und quatschen. Danach kaufen Jeremiah und Seb Schnaps im Laden gegenüber, der soll als Wegzehrung für die morgige Fahrt zum Ozzy-Konzert dienen, allerdings wird er sofort geöffnet und muss für einige "Road sodas" herhalten. Spitze, ich hab noch in keiner amerikanischen Stadt mehr "in public" Alkohol getrunken als in Portland. Der Nordwesten ist halt anders. Gut, wir halten vor einer Bar, trinken Bier, hören den teils afrikanischen, teils südamerikanischen Rhythmen der Band zu und begeben uns in die nächste Bar. Danach dann nach Hause, um in größerer Gruppe Cards against Humanity zu spielen. Am nächsten Morgen müssen wir uns leider schon verabschieden (die Jungs fahren auch gleich nach Washington um Ozzy bzw. Black Sabbath zu sehen) und bekommen noch ein paar Tipps für die heute endlich stattfindende (sehr kurze) Sightseeingtour. Wir düsen also den Tabor Hill hoch, bestaunen die schöne Aussicht auf die Stadt und die im Osten liegenden Berge, wandern ein bisschen und fahren dann zum White Owl Social Club, denn hier soll es den besten Beteburger (wie rote Bete ;) ) der Welt geben. Gesagt, getan, stehen wir kurze Zeit später vorm Club und sind ganz traurig, denn heute ist Lagerfest (ihr wißt schon, wie das Bier) und es gibt keinen Burger. Schlimm enttäuscht, denn wir können ja nicht mal beim Bierfest teilnehmen, weil wir weitermüssen, verlassen wir das Gelände und sitzen kurz darauf im Auto Richtung Südwesten. Tinchen möchte hier noch die 3-Kaps Tour machen, denn diese soll einer der schönsten Abschnitte der nördlichen Pazifikküste sein. Wir werden nicht enttäuscht, denn die Küste begeistert durch raue Felsformationen, herrliche Aussichten auf den Pazifik und tiefe Wälder am Ufer. Die Suche nach einem Zeltplatz allerdings ist weitaus unangenehmer, denn es ist Wochenende und immer noch Ferienzeit. Am Ende finden wir trotzdem einen relativ schönen Wohnmobilpark in Tillamook und verschwinden nach dem Abendbrot fix im Zelt. Am Morgen fahren wir den Rest der Strecke ab und empfinden diese als noch schöner als die gestrige. Wir beobachten Vögel, betrachten die steilen Klippen und besuchen den Octopustree am Kap Meares bevor wir in Astoria über eine riesige Brücke fahren und damit Oregon Richtung Washington verlassen. Gleich fällt auf, dass der Sprit hier nochmal günstiger ist (3,23 pro Gallone!!) und man die Karre endlich wieder selber betanken darf (was in Oregon komischerweise illegal war). Wir zelten heute Abend bei Castle Rock, in der Nähe des Mount St. Helens, denn den wollte ich schon immer mal sehen, seitdem ich vor 20 Jahren einen Film über dessen Ausbruch 1980 gesehen hatte. Also am nächsten Morgen schnell das Zelt in der Sonne getrocknet und dann gen amerikanischen Mount Doom gefahren. Auf dem Weg über immer größer werdende Hügel und durch tiefen Wald, hoffe ich inständig der Berg sei größer als man ihn auf Landkarten wahrnimmt. Meine Erwartungen werden mehr als übertroffen, als wir uns von Lookout zu Lookout immer weiter nähern. Die Zerstörung, die die Explosion vor 32 Jahren anrichtete ist immer gut zu sehen; weite Teile des Waldes in der Blastzone sind noch sehr jung (und damit klein) und in der Ferne wächst der Berg mit dem Riesenloch (denn er hat sich 400 Meter kleiner gesprengt). Mit offenem Mund stehe ich an den letzten Aussichtspunkten und versuche mir klarzumachen, wie diese Explosion mit der 1600(!!!)-fachen Stärke der Hiroshimabombe ausgesehen haben muss. Es ist unglaublich. Die 400 Meter Höhenverlust beziehen sich natürlich nur auf die allgemeine Höhe des Berges, das riesige Loch allerdings muss dazugerechnet werden, welches selber locker noch einmal einen halben Kilometer tief im Berg klafft. Krass, krass, krass. Den Kopf immer wieder gen Berg verrenkend verlassen wir die Gegend, denn wir müssen heute noch bis Seattle fahren. Wir hatten ja in Portland Colin, den Cousin Jeremiahs, kennengelernt und der hatte uns angeboten, in Seattle bei ihm zu übernachten! So cool! Also nach etwas Gegurke durch die Stadt an Colins Haus gelandet, ganz lieb in Empfang genommen worden und fast direkt in die Stadt zur Showbox at the Market, wo heute Pinback, eine der Lieblingstruppen Colins spielen. Für Tinchen geht hier und heute ein Traum in Erfüllung, denn sie wollte schon immer mal nach Seattle und am Besten noch auf ein Konzert gehen. Wir arbeiten hier im Nordwesten der Staaten schön so einige im Leben erträumte Sachen ab. Nach dem Konzert gibt es, nach guter Seattler Tradition Hot Dogs (Vegi für uns) und einen Nachtausklangstrunk (PBR+Whiskey für 'nen Fünfer!) bevor wir im neuen, temporären Zuhause ins Bett fallen. Colin hatte versprochen uns Seattle zu zeigen und da er auch gern läuft (der Nordwesten ist wirklich anders), spazieren wir am nächsten Tag erst durch Downtown, dann zum Markt, zum Waterfront Park (wo ein Typ eine Schlange dabei hat, die versucht, sich eine Taube zu schnappen), Belltown, danach an der Space Needle vorbei durch Queen Anne zu einer Klasseaussicht über die Stadt und am Lake Union entlang zur Washington University (so klassisch aussehende Universitätsgebäude machen mich immer neidisch), weiter über einen Bretterweg über Foster Island und das sehr schöne Arboretum zurück zur Madison Street, wo wir nach circa 9 Stunden und 25 Kilometern (!!!) schlimm hungrig einkaufen. Zuhause gibt es die vielgerühmte Exnersche Erbsensuppe, ein paar Bier und dann liegen wir kaputt im Bett. Da Colins Wochenende immer Dienstag, Mittwoch und Donnerstag ist, hat er auch am nächsten Tag Zeit und so fahren wir mit dem Bus an den Lake Washington, bestaunen einige der riesigen Anwesen, baden und fahren am späten Nachmittag zu einem der Lieblingsplätze Colins, den Carkeek Park. Der liegt direkt am Pugent Sound und hier sitzen wir zum Sonnenuntergang auf Treibholz, beobachten Robben, Fische und das Farbenspiel der Sonne zwischen den Bergen der gegenüberliegenden Olympia Halbinsel. Wunderschön. Allerdings hat Colin seit Mittag immer schlimmer werdende Zahnschmerzen, weshalb ich ihn am nächsten Tag zum Zahnarzt statt uns in die nördlichen Cascades fahre. Ist nicht schimm, so kommen wir zu einem herrlich faulen Ausruhtag und es bleibt noch etwas für den nächsten Besuch über. Am Freitag muss Colin wieder arbeiten und so machen wir uns auch vom Acker; Kanada und Vancouver rufen. Wir überqueren seit Jahren mal wieder eine Landgrenze mit Grenzbeamten; unsere kanadische schaut mürrisch drein, fragt streng, welche Städte wir besuchen wollen und schon sind wir im Land der Biber (haha) und des Eishockeys. Die Fahrt nach Vancouver ist nicht weit, der Zeltplatz im Norden der Stadt ordentlich teuer, aber dafür sind wir flux mit dem Bus in der Stadt. Wir haben noch kein Münzgeld, was uns, Dank eines sehr netten Busfahrers, eine Freifahrt nach Downtown beschert. Supi. Wir laufen durch die Georgia Street, biegen in die Burrard Street ab, betrachten ein riesiges niederländisches Kreuzfahrtschiff am Kai und setzen unsere Tour inmitten von, aus diesem herauswallenden Tourimassen fort. Allerdings läuft es wie immer: kaum laufen wir in der Water Street nicht dem Wegweiser nach Chinatown hinterher sind wir wieder "allein" auf den Straßen. Nach Hinweisen eines lokalen Baristas laufen wir durch ein kleines Industriegebiet weiter Richtung Osten, um den Commercial Drive anzuschauen. Das ist das alte Little Italy und heutzutage eine Alternativmeile und beim Herunterlaufen sehen wir überall kleine Cafés, Bars, vegane Bäckereien und Kunstlädchen. Nach etwas Spazieren kauft sich Monster Backwerk und wir laufen wieder zurück Richtung Downtown. Wir kommen am Jimi Hendrix Schrein vorbei, latschen durch Chinatown und dann die East Hastings Street runter. Hier gibt es einige der heruntergekommensten Etablissements der Stadt, unzählige alte Prostituierte, Suffköppe und Pubs, die ich selbst mit einem Dutzend hartgesottener Schläger im Rücken nicht betreten würde (Späßchen. Klar würde ich reingehen). Kaum einen Block weiter dann wieder Edelrestaurants und Boutiquen. Schon komisch, die beiden Enden der Gesellschaft so nah beisammen zu sehen. Aber unterhaltsam. Statt Bier und Bar entscheiden wir uns nun für den verlängerten Nachhauseweg entlang des Wasserflugzeugflughafens (heißt das so?), der Marina, des Ruderclubs und um den gesamten Stanley Park herum. Dauert lange, ist aber jede Minute wert, denn die untergehende Sonne beleuchtet die Stadt prächtig und das Licht spielt in den Glasfassaden. Wir krauchen hoch zum Prospect Point Ausblick, bewundern erst die Lions Gate Bridge und laufen dann Richtung Zeltplatz darüber. Im Gegensatz zur Golden Gate Bridge ist diese immer offen und ein nur Notdiensttelefon soll Selbstmörder abhalten, sich in die gut 60 Meter tiefer gelegenen Fluten zu stürzen. Wir hingegen stürzen in den Supermarkt und vergebens zum Schnapsladen, denn der macht UNglaublich pünktlich zu. Auch gut, so sind wir für die knapp 900 Kilometer nach Banff gerüstet. Dort treffen wir Germain, den wir vor 2 Jahren von Chicago nach Minnesota mitgenommen hatten. Große Freude!