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Freitag, 13. September 2013

Having a blast blaming Canada

Wir machen uns also relativ früh auf den Weg nach Banff, dem St. Moritz Kanadas, um Germain zu treffen. Vor zwei Jahren noch per Anhalter in Nordamerika unterwegs, hat er in Banff sowas wie eine neue Heimat gefunden. Nach über 8 Stunden Fahrt (plus einer Zeitverschiebung) durch die beeindruckenden Rocky Mountains und dem Sichten eines kleinen Schwarzbären am Straßenrand, erreichen wir am Abend Banff. Germain überlässt uns netterweise für ein paar Nächte seine kleine Einliegerwohnung und wenig später sitzen wir schon bei Veggieburger und Bier in Bruno's Bar, Germains Arbeitsstelle, die keine 5 Minuten Fußweg von seiner Wohnung entfernt liegt. An diesem Abend geht, Dank der langen Fahrt, außer Erzählen nicht viel und einen ausgegebenen Jägermeister später liegen wir im Bett. Germain malocht am nächsten Morgen, während wir am letzten Blogeintrag (nicht dieser, der davor) basteln und dann beschliessen, die beiden Hauptattraktionen neben den Bergen hier in Banff anzusehen. Jeder kennt ja die Bildchen des Moraine Lake und des Lake Louise. Nach erfolgreichem Lackabrieb an der Gartenmauer des Hauses geht es los und wir bestaunen die Umgebung und kurz nach Erreichen der Seeumgebung (weniger fröhlich) den Verkehr, der hier am Labor Day Weekend herrscht. Da es unmöglich ist irgendwo einen Parkplatz zu finden und man vor lauter iPads den Wald nicht sehen könnte, entscheiden wir uns umzukehren und es am Dienstag, nach Abreise der meisten Touris erneut zu versuchen. Am selben Nachmittag holt Tinchen Germain aus der Bar ab, wir versorgen uns mit ein paar Kannen Bier und verbringen den Abend bei Steve, einem Australier und Kollegen von Germain, der uns zum Barbeque eingeladen hat. Erste Erkenntnis: das Bier ist so lala und ziemlich teuer. Da haben die Amis ganze andere Sachen auf Lager. Allgemein scheint Kanada teurer als die Staaten zu sein, Lebensmittel, Sprit, Bier und Tabak immerhin sind im Vergleich zwischen anderthalb mal und doppelt so teuer; und das obwohl die meisten Kanadier weniger verdienen als die Leute im (flächenmäßig) kleineren, südlichen Nachbarn. Ok, nach gefühlten 3 Stunden Mario Kart auf einem viergeteilten, kleinen Fernsehbild, Grillen und viel Gequatsche liegen wir endlich ins Germains kleiner Buchte im Bett. Am nächsten Tag machen wir uns gegen späten Vormittag von Banff rüber nach Canmore, denn wir wollen den Ha Ling (auch Chinaman) Peak besteigen. Germain ist, seitdem er vor 2 Jahren (auch durch unsere Hilfe, yes! :D ) nach Banff kam, ein großer Besteiger der umliegenden Berge geworden. Wir stellen also die Karre ab und machen uns mit Germain und Ginger (ja, sie hat rote Haare) auf den 3-stündigen Weg nach oben. Laut Germains Kletter- und Wanderbuch ist es eine leichte Tour, allerdings stellen wir später fest, dass es da allein um die benötigte Technik geht. Die ist gleich Null, aber steil ist es trotzdem wie die Sau. Ginger muss zwischendurch aufgeben, weil ihr Knie kaputt ist, wir anderen 3 allerdings erreichen den Gipfel und bestaunen die Wahnsinnsaussicht und direkt neben uns liegende 800 Meter Wand Richtung Canmore. Wir knipsen, machen ein kurzes Video für Germains Bergsteigetruppe (Hikes and Peaks), füttern Streifenhörnchen mit Appelgriebschen und sind auf dem Weg zurück. Der Rückweg dauert nicht einmal die Hälfte des Aufstiegs und wir sind am frühen Abend wieder in Banff. Ginger und Germain wissen als Locals natürlich, wo es heute günstig Pizza gibt, also sitzen wir kurz darauf bei Pizza und Wasser (erstmal hydrieren!) in der Pizzeria und gleichdrauf bei Bier am Billardtisch. Heute Abend gibt es die erste von (hoffentlich vielen) Metalshows in Banff und wir müssen trotz der Kletter- und Wanderei durchhalten. Wir ziehen vom Billard runter in Bruno's Bar, wo heute Abend Pubquiz ist. Scheinbar ist die Kombination kanadischer und germanischer Bildung perfekt, denn wir ziehen die anderen Truppen volle Bude ab und vertrinken flux die 50 gewonnenen "Bruno Dollars". Danach rüber ins Aurora, wo wir leider schon die erste Band verpasst haben, aber die "Hellborn Death Engines" gerade anfangen. Geil: lange, dürre Typen mit langen Haaren und Metaläxten rumpeln durch ihr Set und wir kippen uns $4 Kookanees rein. Danach geht's ziemlich fix und durch das Gelaufe ziemlich müde ins Bett. Am Morgen schaffen wir es endlich, die beiden Seen (Moraine und Louise) ohne zuviel Menschenmassen zu begehen und machen uns danach, nicht ohne uns von Ginger und Germain zu verabschieden, auf den relativ kurzen Weg nach Calgary. Nach schnellen 1,5h Fahrt und etwas Gesuche finden wir das Haus der Schwester unseres Freundes John, bei der wir (wieder mal unbekannterweise) für 2 Tage nächtigen dürfen. Cool! Wir sitzen bei Bier und (sehr leckerem) vegetarischem BBQ auf der Terrasse und quatschen bevor wir im Gästezimmer verschwinden. Nach dem Aufstehen (und einem kleinen Treppensturz Tines) machen wir uns zu Fuß auf den Weg Downtown. Wie so viele nordamerikanische Städte ist auch die Innenstadt Calgarys als Schachbrett angeordnet, was manchmal etwas langweilig ist, aber die Orientierung unglaublich erleichtert. Wir finden den Calgary Tower in der Centre Street, gönnen uns seit langer Zeit mal etwas und düsen mit dem Fahrstuhl hoch. Oben natürlich Bombenausblicke und ein gläserner Boden. Tine steht sofort drauf, während ich 'ne Minute mit wackeligen Beinen davor rumeiere und mich dann auch drauftraue. Wir machen hunderttausend Bilder und fahren wieder runter. Auf der 17th Avenue gibt es dann endlich wieder Poutine bevor wir uns auf den "Spaziergang" durch Kensington und zurück zum Haus der beiden machen. Die Poutine reicht auch noch für's Abendbrot und wir sitzen bald mit Ian auf der Terrasse und klingeln uns Bierchen rein bis Katherine spät von der Arbeit kommt. Dann verabschieden wir uns schon, denn wir stehen ja später auf als die beiden und fahren am nächsten Tag an Edmonton vorbei in den Elk Island National Park, denn ich will Bisons sehen! Also schnell die knapp 400 Kilometer gefahren, den Nationalpark um den Eintritt geprellt (unfreiwilig, denn der Automat ging nicht), das Zelt aufgestellt und los auf den gut 12 Kilometer langen Pfad um den Oster Lake. Wir spüren einen Koyoten auf, aber für über eine Stunde zeigt sich kein weiteres größeres Lebewesen. Dann endlich: auf einer wilden Kreuzung am Weg entdecke ich eine Bisonkuh und ihr Kalb. Wir erschrecken uns gegenseitig und Tine verschwindet gleich wieder 20 Meter nach hinten, während ich mutig Fotos schieße. Plötzlich tauchen zwei weitere Mütter mit Kälbern auf und ich sehe mich gezwungen, mir dreimal auf den Bauch (natürliche Pauke) zu kloppen um sie zu verscheuchen. Es folgt eine kleine Stampede und die Tiere sind vorerst verschwunden. Wir laufen weiter am See entlang und ich beruhige das Monster wieder, bevor wir die (nun um einiges) größere Herde auf einer Wiese auf dem Weg wiederentdecken. Wir umrunden die neugierig schauenden, knapp eine halbe Tonne schweren, Tiere und lesen am Wegesrand noch schnell mal die Warnhinweise zum Umgang mit Bisons. Danach laufen wir noch schneller durch den Birken- und Eschenwald, denn die Dämmerung beginnt und wir hatten statt Mückenspray lieber Sonnenmilch eingepackt, was sich hier als Fehler erweist. Auf dem Rückweg sehen wir nur ein paar bunte Raupen, kleine Frösche und die überall lebenden Eichhörnchen und beschließen daher noch den Bison Loop zu fahren; eine kleine Rundstraße durch Bisonbullenland. Großer Erfolg! Auf einer Wiese neben der Straße steht eines der stattlichen Männchen und grast. Wir knipsen den 800 Kilo Klopper und fahren zurück Richtung Zelt. Auf dem Weg tuckern wir langsam durch eine kleine Herde Bisons und kommen so noch einmal in den Genuß, diese aus nächster Nähe zu sehen. Klasse. Am Zelt angekommen gibt es nur schnell Abendbrot und dann huschen wir ins Bett, denn am nächsten Tag soll es bis Saskatoon gehen, um eine alte Studienfreundin Tines zu besuchen. Am späten Nachmittag rollen wir bei Kathrin ein, kaufen ein und warten noch kurz auf ihren Freund, denn wir fahren übers Wochenende an den Emma Lake nördlich von Prince Albert. So cool! Mikes Vater hat hier eine "Hütte" und zwei "Bötchen" am See. Wir sitzen nach der knapp 2,5 stündigen Fahrt abends noch im mückensicheren Pavillon ums Gasfeuer und gleich nach dem Frühstück im Boot. Es wird gewakeboarded! Mike macht das schon seit Jahren, Kathrin ist auch schon hundert Mal gefahren und wir zwei können erstmal nichts. Aber so nach 15 Anläufen stehen wir beide auf dem Brett und düsen hinterm Boot übers Wasser. Spitze! Am Nachmittag fahren wir nochmal mit Mikes Cousins und deren Wake Boat raus um uns ein Auge an deren Kunststückchen zu holen. Als es dämmert, fahren wir das Speedboat zur Ruhestätte über den Winter und lassen uns während der gut 100 km/h schnellen Fahrt über'n See die Mücken ins Gesicht klatschen. Krass. Ich bin abends so kaputt vom Wakeboarden, dass ich gegen 10 ins Bett falle, während die anderen Nichtweicheier noch eine Weile bei Bier und Feuer sitzen. Am Morgen quäle ich mich mit üblem (üüüüberall) und Tine mit mäßigem Muskelkater aus dem Bett. Wir verplempern ein bisschen Zeit im vom Nachbar geklauten WLAN, quatschen mit Mikes Vater und dessen Freundin, trinken mein neues In-Getränk Clamato (Gemüsesaft) mit Bier und sitzen nach dem Mittagessen und dem Abbau des Docks wieder im Boot auf dem See. Wir sehen uns heute den dritten (und menschenleersten) See der kleinen Seenplatte an und die Mädchen wakeboarden wieder. Tine schafft es sogar auf dem Wakeskate zu fahren, während ich faul und dick bei Bier und Zigarette im Gefährt sitze. Mike und ich bringen, nachdem ich mich noch eine Runde an einem Jetski festkrallen durfte, auch dieses Boot zum Trailer, um es für den Winter zu verstauen, auch wenn uns kurz vor Erreichen der Bootsrampe der Vorwärtsgang und Leerlauf kaputt gehen und wir rückwärts Achten an die Rampe fahren. Wir donnern noch am selben Abend zurück nach Saskatoon, denn Kathrin schreibt hier fleißig an der Doktorarbeit und muss früh an die Uni. Genau dorthin fahren wir sie am nächsten Morgen und machen uns anschließend auf den langen Weg nach Winnipeg. Wir schlagen unser Zelt nach gut 8 Stunden Fahrt (und einer Zeitverschiebung) auf, kochen Abendessen und liegen das vorletzte Mal im Zelt. Der nächste Tag bringt außer viel Nebel in Winnipeg, Souvenirgekaufe, Kartengeschreibe und der (unverhofft problemlosen) Wiedereinreise in die Staaten nicht viel, Winnipeg entpuppt sich als teilweise sehr an Erfurter Plattenbauviertel erinnernd und North Dakota als sehr, sehr flach und waldlos. Am Nachmittag überfahren wir den Mississippi und damit die Grenze nach Minnesota und schlafen auf dem Long Lake Park and Campground das wirklich letzte Mal in unserem geliebten Zelt bevor es am Morgen weiter nach Sauk Rapids zu Rick geht. Dazu dann später mehr!



Mittwoch, 24. Juli 2013

Fjorde, Städte, Heuler

Wir verlassen den wahrscheinlich besten Caravanpark Neuseelands in Wanaka um nur wenige Fahrminuten später in der von Waynes Frau Claudia wärmstens empfohlenen Puzzling World einzukehren. Dort erwarten uns erstmal unzählige Knobelspiele, an denen wir größtenteils kläglich scheitern, weshalb wir uns die Illusion Rooms anschauen und unter Gelächter und Mittelohrverwirrung durchlaufen. Am Ende schauen wir uns das riesige, außen liegende 3D-Labyrinth an und schließen es Dank meines alten Tricks (immer links an der Wand lang) relativ fix ab. Lustig, wie man immer wieder allen Leuten begegnet und beobachten kann, wie sie bei der Kälte immer verzweifelter versuchen, den Ausgang zu finden. Harhar. Unser eigentliches Tagesziel ist heute Queenstown, eine auch im Winter (aufgrund der vorhandenen Skigebiete) sehr touristisch daherkommenden Kleinstadt. Wir werden auf dem Weg dahin erneut von sehr ansehnlichen Berglandschaften unterhalten und entscheiden uns nach einmaligem Durchfahren des aus allen Nähten berstenden Queenstown, dass das doch nicht unser Hood ist. Also schnell Kohle aus dem Automaten gezerrt und weiter nach Glenorchy, einem verschlafenen Alpenörtchen, welches, in traumhafter Kulisse gelegen, nicht viel mehr als eine Handvoll Pubs, Cafés und einen Campingplatz zu bieten hat. Milka hat hier übrigens seine Werbespots gedreht, da dieses Fleckchen Erde mehr nach Alpen aussieht als das europäische Pendant. Wir lassen uns im Glenorchy Café nieder, verdrücken ein paar Sandwiches (mal mit dunklem Brot, geil!) und schütten uns unglaublich leckeren Glühwein rein. Tinchen und ich trinken noch ein Bierchen im Pub und quatschen mit der bunten Truppe Gäste. Ich quäle mir mit verzerrtem Gesicht die erste Auster meines Lebens in den Mund und wir sind froh nicht das Oyster Raffle gewonnen zu haben. Danach schwanken wir durch die bittere Kälte (diesmal wirklich: so -10°) zum Van und freuen uns erneut über unseren Heater, denn das kleine, stromhungrige Gerät versüßt uns hier den Winter. Mit kleinem Kater besuchen wir am Morgen noch Paradise, einem noch kleineren Ort, der seinem Namen alle Ehre macht, denn in der atemberaubend stillen Umgebung hat schon Peter Jackson einen Haufen Szenen für den Herrn der Ringe gedreht. Gegen Mittag geht es entlang des Lake Wakatipu zurück nach Queenstown, Einkaufen, Tanken und weiter nach Te Anau. Te Anau ist die Basis für Fahrten ins neuseeländische Fjordland, was unseren Campingplatz ungewohnt bevölkert sein läßt. Dort angekommen schließen wir gleich Freundschaft mit zwei Aussies aus Adelaide, die hier ihren Winterurlaub verbringen und quatschen lange in Eiseskälte. Des Nachts entscheiden wir uns doch noch beim Milford Sound vorbeizuschauen; wenn man schon mal hier ist, kann man auch den bekanntesten der Fjorde Neuseelands besuchen. Am nächsten Morgen werden wir, kaum aus Te Anau raus an die Seite geleitet und befragt ob Schneeketten an Bord sind. Wir stellen uns auf das Schlimmste ein, versprechen ganz vorsichtig zu sein und müssen, nach etwa einstündiger Fahrt, Halten, denn auf der Strecke wird Schnee und Eis geräumt. Langsam sammeln sich Autos und Busse und die Touribusinsassen werden immer nervöser, schließlich haben sie ja zu fest gebuchten Zeiten auf dem Boot durch den Milford Sound zu fahren. Ich düse noch schnell an einem der vielen, aus den warmen Teilen Asiens kommenden, Touristen vorbei um die Serpentinen nicht im Schritttempo zu befahren, doch der nun vor mir fahrende Neuseeländer ist auch kein Geschenk. Statt der erwarteteten 3 Meter Schnee liegen gerade mal 20 Zentimeter am Straßenrand und dafür der Split faustdick auf der Straße. Kein Problem also für winterharte Europäer, was genug Zeit und Kraft läßt die umgebende Landschaft zu bestaunen. Gefühlte Kilometer hoch umschließen einen die vereisten Bergwände auf der Fahrt nach dem Homer-Tunnel. Beindruckend, vor allem wegen der, durch Nebel und Schnee scheinbar schwarz-weißen Felsmassen. Am eigentlichen Fjord angekommen, haben wir wieder Ruhe, denn alle Voraus- und Hinterherfahrenden erklimmen die bereitstehenden (und für uns wieder mal zu teuren) Boote und rauschen gen Westen. Wir hingegen erkunden die Umgebung, schießen hunderte Bilder (ja, auch vom Mitre Peak hinter Palmen, wie auf fast allen Neuseelandreiseführern!), die der Realität aufgrund des riesigen Kontrastbereiches leider nicht gerecht werden können und gönnen uns einen Kaffee im ansässigen Teehaus. Danach ist unser Abenteuer Milford Sound im Grunde vorbei, denn wir treten die, wieder atemberaubende, Rückreise nach Te Anau an. Ähnlich wie am Vortag, gabeln Tine und ich diesmal zwei Belgier auf, quatschen und trinken Bier, während Sophie kocht. Pieterjan (Rosenkohl- Spargel, Chicoree-Bauer) und Ellen (Lehrerin) verbringen ihre Flitterwochen im kalten Neuseeland. Der kommende Tag führt uns an die Südküste und den südlichsten Zipfel Neuseelands über das von Keith Richards einst als "Arschloch der Welt" bezeichnete Invercargill nach Bluff. Besonders spektakulär ist es hier nicht, deshalb trinken wir nur schnell Kaffee am "wannabe" Südkap Stirling Point und machen uns auf der Southern Scenic Route wieder auf gen Norden. Mit kurzem Übernachtungsstop irgendwo im Nirgendwo fahren wir weiter in Richtung Dunedin, machen kurz halt am Nugget Point, an dem man wunderbar Pinguine beobachten können soll. Wir finden keine Pinguine, dafür aber einen Klopper von Seelöwen, der sich erst faul ins Gras kuschelt, dann aber (sicher genervt von uns) nach kurzem Gepose wieder ins Meer stürzt. Am Nachmittag checken wir auf dem Campingplatz in Dunedin ein und machen uns auf den steilen den Weg in die Stadt. Dunedin ist eine kleine, recht alternative Universitätsstadt, die neben ein paar Kirchen und sehr vielen, sehr steilen Straßen einen Haufen Cafés und Bars zu bieten hat. Leider sind sowohl Sam als auch Sam (unsere beiden Kontakte in Dunedin) gerade heute nicht verfügbar, weshalb wir, nach einem schönen Stadtrundgang, fast unspektakulär in einer kleinen Bar und rechtzeitig wieder im Van landen. Da wir ganz verliebt in die spektakulären Berglandschaften der Südinsel sind, zieht es uns nach diesem kurzem Stadtintermezzo, vorbei an surrealen, von Schafen bevölkerten, Hügellandschaften zurück in die südlichen Alpen. Wir halten kurz in Alexandra, sind wenig beeindruckt von der dortigen "Shaky Bridge" und auch das wilde Daraufrumspringen bringt nicht den gewünschten Kick. Also wieder rein in die Karre und weiter nach Cromwell, wo wir die Nacht verbringen werden. Tinchen verpasst mir und Sophie einen neuen Haarschnitt und am Morgen schauen wir uns die, aus dem benachbarten Stausee gerette, Altstadt des kleinen Örtchens an. Der nächste Weg führt uns nach Mount Cook Village, einem 100 Seelendörfchen, welches sich in der Hauptsaison (den Touristen sei Dank) mindestens verzehnfacht. Nicht ohne Grund. Dutzende Wanderwege eröffnen hier grandiose Blicke auf Berge, Gletscher, Seen und Täler, doch wenn die Westküste das hübsche Gesicht Mount Cooks ist, zeigt sich hier (zumindest heute) sein nasser Hintern. Da unsere Zeitfenster hier immer knapp bemessen sind und wir uns am heutigen Tag alle beim Mittagessen überfressen haben, entscheiden wir uns für zwei kurze Walks, die uns zum Kea Point und zum längsten Gletscher Neuseelands, dem Tasman Glacier führen. Unter lautem Oh- und Ah-Geraune werden Bildchen gemacht, die Eisberge im Gletschersee bestaunt und immer wieder mit offenem Mund in die Gegend gestaunt. Ich möchte gern im Sommer noch mal her um die tagelangen Wanderungen in der Gegend zu machen, denn die müssen der Kracher sein. Nach der Nacht in Glentanner sind wir ganz aus dem Häuschen, denn sie Sonne beschert uns heute beste Aussichten auf Mount Cook und Umgebung und verbessert unsere Laune ungemein. Bei einem Stopp auf dem Mount John, der, malerisch am Lake Tekapo gelegen, herrliche Blicke in die umgebende Bergwelt bietet,entscheiden wir uns heute, statt nach Christchurch, ins 200 Kilometer weiter entferntere Kaikoura zu fahren. Tinchen bringt uns nach über 500 Kilometern und knapp 7 Stunden Fahrt sicher in die Whale-Watching-Hauptstadt Neuseelands und wir beziehen den Campingplatz gleich für 2 Nächte, denn alle haben das Fahren (wir knacken beim Einfahren die 6000er Marke!) etwas satt und freuen sich auf einen Tag außerhalb der Karre. Der nächste Tag bringt herrliches Wetter uns ich springe überwältigt vom Frühstückstisch auf, als mit einem Mal die hinter Kaikoura liegenden, fast 3000 Meter hohen, Berge durch die Wolken linsen. Klar, dass viele Leute herkommen, um vor dieser Kulisse Fotos von Walfluken zu schießen. Wir sind (wie so oft) zu arm und laufen stattdessen zum östlichen Ende der Halbinsel und erfreuen uns an den dort faul auf Wegen und Kaimauern liegenden Robben und dem Ausblick über den Pazifik. Auf dem Weg zurück scheucht ein sicher zentnerschweres Robbenmännchen die neben ihm posende Sophie durch aggressives Gähnen (Hahaha!) vom Bretterweg. Nach dem stundenlangen Laufen gönnen wir uns den, durch unsere Top 10-Mitgliedschaft kostenlosen, Spa des Zeltplatzes. Klasse! Bevor wir am nächsten Tag Richtung Süden und Christchurch fahren, donnern wir noch schnell an den Ohau Waterfall, denn hier tummeln sich angeblich... dutzender... kleiner... süßer... BABYROBBEN! Schon auf dem Weg zu den Fällen sitzen immer wieder Heuler im Wald, doch der Höhepunkt ist das Becken unter dem eigentlichen Wasserfall: Sicher 50 junge Robben springen und spielen im Wasser, schauen uns mit tränigen Augen an, oder prügeln sich untereinander. Niiiiiiieeeeeeedlich!!! Wir knipsen die kleinen Racker und fahren dann gen Süden. Nach kleinem Umweg über die Banks Peninsula kommen wir am Abend in Christchurch an und beginnen den Van für die Abgabe klar zu machen. Am Morgen waschen wir den Ponyhunter das erste und einzige Mal und geben ihn (im Gegensatz zu Australien ohne Probleme) bei seinen Besitzern ab. John vom Shuttleservice bringt uns fix ins Foley Towers Hostel, wir legen unseren Kram ab und machen uns gleich auf den Weg in die Stadt. Wenn man es noch Stadt nennen kann, denn nach dem Erdbeben vom Februar 2011 sieht diese eher aus wie das Set eines Katastrophenfilms; beinahe 1700 Gebäude wurden allein im Zentrum abgerissen und es gibt unglaublich viele Baulücken und Häuser, die nicht betreten werden dürfen und ebenfalls auf den Abriss warten. Krass. Tinchen hat kurz darauf ihre 15 (eigentlich 20) Minuten Ruhm, denn sie muss spontan dem Mullet Man bei seiner sehr witzigen Jonglier-Show auf der Mall assistieren (ich versuche demnächst mal das Video hochzuladen). Später sehen wir uns Teile des Botanischen Gartens an, trinken ein Bierchen und sind gegen frühen Abend zurück im Hostel, wo ich wieder zwei Belgier und einen Franzosen aufgabele und zum Biertrinken im nahen Pub überrede. Tine und ich wandern am nächsten Tag noch einmal in die Stadt, probieren das öffentliche Verkehrsnetz und sehen uns das Air Force Museum an. Gegen Nachmittag zurück im Hostel bestelle ich das erste Mal online Pizza (Willkommen im 21. Jahrhundert, Herr Exner) und wir verbringen den letzten gemeinsamen Abend sehr ruhig bei Sachenpacken und Bücherlesen. Vorhin verabschieden wir dann Sophie, denn sie fliegt heute zurück ins hoffentliche warme Europa, während wir uns noch den Tag in Christchurch um die Ohren schlagen, um am Abend nach Auckland und morgen vormittag nach Hawaii weiterzufliegen! Tora, Tora, Tora!