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Mittwoch, 25. September 2013

Up North and Down South

Meine Herren, lange nichts hochgeladen und trotzdem ein recht kurzer Post. Wir verlassen also unseren letzten Campingplatz, düsen die knapp 250 Kilometer nach Süden und eiern kurz in St. Cloud rum bevor wir Ricks Arbeitsstelle finden und ihn überraschen. Für alle, die die Story noch nicht kennen: Tine hatte Rick vor 12 Jahren über einen Schüleraustausch kennengelernt und wir versuchen uns regelmäßig, gegenseitig über den Atlantik zu besuchen. Nach großem Hallo und einer Kippe hinter der Werkstatt bekommen wir seinen Wohnungsschlüssel und düsen am Coborn's Supermarkt vorbei zu ihm nach Hause. Wir holen das letzte Mal unseren Kram aus dem Kofferraum und beziehen unsere Bleibe für die nächsten 11 Tage. Nach Feierabend machen wir nicht viel, außer lange zu quatschen und (sehr leckeres) Nordeast (sic) zu trinken. Um Kohle zu sparen, hatten wir die Karre nur bis zum folgenden Tag gemietet und so rollen wir am nächsten Mittag gen Minneapolis um unser treues Gefährt abzugeben. Auf dem Weg knacken wir noch schnell die 10.000 Kilometer-Marke in Nordamerika und stellen das Fahrzeug, trotz der kleinen Schramme ohne Probleme, am Flughafen ab. Hurra. Die folgenden Tage sind wohl die entspanntesten unseres gesamten Trips; am Freitag gibt es eine kleine Party mit Fish Fry für die Eingeborenen und Kartoffelsalat für uns und Garagentrinken bei den Hoihjelles, Ricks Freunden in Melrose; tags darauf Muskyfishing auf dem Lake Miltona (einer der Riesenfische folgt meinem Köder aber niemand außer Mitch fängt etwas); viel Spielen und Rumhängen mit Andi, Ricks Tochter, die auch wenn sie noch nicht viel sprechen kann schon (dank Rick) Meister im Headbanging ist; später dann Crappyfishing mit Jerry, einem Freund Ricks (Tine und Rick fangen Fische, die zu Tines Freude wieder in die Freiheit entlassen werden, während ich wiedermal erfolglos bleibe). An den Abenden wird viel gekocht, gequatscht und sich mit Family Guy und diversen Bieren bespaßt. Wir haben uns sehr auf diese Zeit gefreut, denn auch wenn das Rumreisen und jeden Abend woanders schlafen aufregend und immer neu ist, schlaucht es doch nach vielen Monaten etwas. Dieser Aspekt des Reisens; das Kennenlernen des Alltages von Freunden und Leuten in verschiedenen Ländern der Welt; gefällt mir fast besser als das bloße Abreißen und Anschauen von Sehenswürdigkeit nach Sehenswürdigkeit. Ich empfehle jedem, lieber weniger zu sehen und dafür mehr zu erleben, wenn er die Möglichkeit hat. Am letzten Donnerstag geht es nochmal zu Mitch und Alyson (die Hoihjelles) nach Melrose, es wird viel Bier (das erste Mal Keystone Light; geht, wenn's eiskalt ist und nüscht anderes da ist) getrunken und währenddessen mit dem Luftgewehr auf die Garagentür und geleerte Bierdosen geballert. Hier zeigt Tine, trotz anfänglicher Skepsis, ungeahnte Fähigkeiten und ballert die Dosen vom Draht wie ein junger John Wayne (hat aber im Gegensatz zu ihm nichts gegen die Ureinwohner des Kontinents). Am Freitagmorgen versuchen wir das letzte Mal unser Glück auf dem See. Ricky verpasst den größten Fisch seines Lebens ("That's a big fucking fish!") nur um Haaresbreite und auf der Rückfahrt wächst das lebende U-Boot in den Beschreibungen ins Unermessliche. Am Abend verabschieden wir uns von allen, denn unser letzter Tag (Samstag) führt uns noch in die Mall of America und zu Becky unten in Minneapolis. Wir hatten das letzte Mal Hairball verpasst, da diese ihre Show wegen strömenden Regens abgesagt hatten, doch diesmal spielen sie im Zelt und haben keine Ausrede. Wir (vielmehr ich) quackern uns also Miller High Life (Pferdeurin) und Miller Lite (verdünnter Pferdeurin) rein, während wir eine der witzigsten Covershows aller Zeiten sehen. Hairball covern fast ausschließlich 80er Hairmetal und haben mehrere Sänger, die dann jeweils im passenden Outfit (incl. Perücke) und Originalmoves der Sänger auf der Bühne stehen und ihre Gesänge perfekt draufhaben. Wir sehen nacheinander Ozzy, Poison, Prince (passt nicht ganz, ist aber aus Minnesota), Queen, AC/DC, Van Halen, Whitesnake und zum Schluß endlich Guns 'n Roses auf der Bühne. Die Kombination aus plärrigem Bier und Paradise City versüßt uns den Abschied von Konzert und Minnesota und kaum lagen wir im Bett, klingelt früh halb 5 der Wecker. Rick fährt uns zum Flughafen und wir verabschieden uns ein wenig traurig, war doch die Zeit in Minnesota eine der schönsten hier in Nordamerika und fühlte sich, Dank des Besuches vor 2 Jahren, fast wie eine Heimat an. Nach kurzer Zwischenlandung und Imbiss in Atlanta sind wir schon wenige Stunden später in Jacksonville, Florida, wo uns Anna, eine Erfurter Freundin, die jetzt mit Kind und Kegel in Georgia wohnt, erwartet. Wir fahren über die Staatengrenze (nicht ohne vorher Bier gekauft zu haben, denn das gibt es in Georgia sonntags nicht im Supermarkt), freuen uns halbwegs über die schwüle Hitze und sind am späten Nachmittag am Haus der kleinen Familie. Es wird etwas gequatscht und gegrillt und wir liegen dank der kurzen letzten Nacht früh im Bett. Am Montag dann schauen wir uns die, im Gegensatz zu Minnesota, geradezu uralte Innenstadt Savannahs an, kaufen Bier im Beer Growler (60 Craft Biere vom Fass direkt in die Riesenflasche) und ich angle später (wieder erfolglos, was nicht schlimm ist, gell ;) ) mit Bryant im Teich hinter dem Haus bevor es in die Heia geht. Der Dienstag ist mein Geburtstag und ich verbringe den Vormittag dank gebührender Beliebtheit im Netz um Glückwünsche und Lobeshymnen zu beantworten. Danach fahren wir nach Tybee Island, ich schwimme das erste Mal auf der Westseite des (hier sonnig warmen, aber stürmischen) Atlantiks und bekomme, ebenfalls zum ersten Mal, eine der ältesten lebenden Tierarten (400 Millionen Jahre!), einen Pfeilschwanzkrebs zu Gesicht. Beeindruckend. Bevor es zum Abendessen nach Downtown Savannah geht, halten Bryant und ich noch schnell am Schießstand und ballern mit seiner Glock männermäßig eine Stunde lang die Bahn runter. Ich hab das vor über 15 Jahren bei der Army mal gemacht und bin auch heute nicht der große Fan. Naja, andere Länder, andere Sitten und man sammelt ja Erfahrungen. Vorm Insbettgehen bekomme ich noch ein weiteres Pils und den am Vormittag gebackenen Schokokuchen. Heute geht dann außer Blogschreiben nicht viel, während morgen gepackt wird. Dies ist wohl der letzte Post von unterwegs, aber geplant sind noch Highlight-, Routen-, Rezept- und natürlich Panoramaposts für alle besuchten Länder. Ich kann mit Gewissheit sagen, dass die letzten 6 Monate einige der schönsten meines Lebens waren und ich/wir hoffentlich lange von den Erlebnissen und damit verbundenen Erinnerungen zehren können, auch wenn der Gedanke an das eigene Bett und Freunde daheim auch gerade ziemlich verlockend ist. Am Samstag sind wir dann wahrscheinlich wieder im guten, kalten Europa und wundern uns, wie eine solch lange Zeit so schnell vergehen konnte.

Donnerstag, 22. August 2013

Wälder, Craftbeer, Meeressäuger


Nach dem wohlverdienten Gammel- und Organisiertag im Norden Kaliforniens machen wir uns auf den Weg nach Oregon und steuern, nach beiläufigem Hinweis eines Pärchens aus Colorado, Port Orford an, denn hier soll man Wale beoachten können. Auch auf den hiesigen Informationstafeln wird nur nebenbei erwähnt, dass hier eine Gruppe Grauwale resident ist und man sie vom Ufer betrachten könne. Nach vielen Versuchen Wale zu sehen, also jetzt der nächste. Wir krauchen durch die Ufervegetation, treffen ein älteres Oregoner Pärchen, dass hier vergeblich Ausschau hält und ... brüllen innerlich begeistert: "Na da, Junge!" Ein Grauwal bläst und zieht hungrig seine Kreise im Kelpwald. Endlich! Das locker 15 Meter lange Tier taucht immer mal wieder auf und zeigt seinen massigen Rücken. Tinchen ist ganz aus dem Häuschen und auch die auf den Felsen liegenden Robben tragen zum Naturgefühl bei. Allerdings ist nach einer halben Stunde Schluß mit der Show und der/die Wale machen Mittagsschlaf oder haben es satt begafft zu werden. Also machen wir uns auch vom Acker und fahren weiter Richtung Oregon Sand Dunes. Nach dem Knispen des patriotischsten Autos der USA, checken wir in einem der vielen anliegenden Campingplätze ein und ärgern uns ein wenig, denn erst später entdecken wir, dass man inmitten der Sanddünen auch viel günstiger, allerdings ohne Duschen, Klo und WLAN, hätte übernachten können. Wir schauen uns die Sandberge an, sind nicht besonders begeistert, hatten wir doch in Australien (Wilson's Prom) viel beeindruckendere Wüstenlandschaften gesehen und machen uns nach einem kurzen Spaziergang um den Blue Lake wieder zurück auf dem Zeltplatz. Der anfängliche Ärger ist sehr schnell verflogen, denn neben uns parkt ein kanadisches Pärchen (alles voller Pärchen heute), die gerade aus San Francisco angereist sind. Wir verbringen einen sehr netten Abend mit den beiden, verdrücken das ein oder andere Bier und tauschen Reisegeschichten aus. Ashley und Tyler haben für ihren 19-tägigen USA und Kanada Roadtrip (12000 Kilometer!) ihre Jobs gekündigt und fahren am Tag um die 10 Stunden, was unser Fahrpensum ziemlich lächerlich erscheinen lässt. Der Morgen beginnt müde und mit dem Aufbruch Richtung Bend, einer der Craftbeer-Haupstädte Oregons (und der ganzen Staaten). Ich hab ja beim letzten Besuch hier schon geschwärmt, aber es ist wirklich schön, nicht nur Budweiser und Coors (am besten noch Light!) zur Auswahl zu haben. Auch die Wholefoods Märkte sind immer einen Besuch (wenn man auf Hippy- und Ökolebensmittel steht, wie wir) wert. Oft steht man lange vor der riesigen Bierauswahl und überlegt, welcher Brauerei aus welchem Staat man nun seinen Durst anvertraut. Es gibt leider wenig Pilsner, aber die vielen, kleinen Ales, Pale Ales, Indian Pale Ales (ob aus Weizen oder Gerste), Stouts und Porters sind nie von schlechten Eltern. Im Laufe des Vormittages passieren wir Eugene (Band of Brothers) und sind am frühen Nachmittag in der Mitte Oregons. Wir haben einen gucken lassen und in weiser Voraussicht auf den geplanten Brauereibesuch ein Motel gebucht. Worüber ich jetzt dankbar bin, denn statt in die Deschutes Brewery geht es Dank des gestrigen, ausgelassenen Abends heute nur schnell rüber zum Vietnamesen, Pho essen und dann (fast) direkt ins Bett. Ausfälle bestätigen die Regel. Naja, das gute Bier gibt es ja auch im Supermarkt. Genau dahin geht es morgens. Gordon, der im Safeway Bier und Käse einräumt quatscht eine Weile mit uns, begeistert mit Wissen über diverse Gebräue, macht uns neidisch, denn das Bierfest is wohl in town, und, schwupps, sind wir wieder on se road. Wir halten kurz am John Day Fossil Monument, schaffen es aber wegen der drückenden Hitze kaum aus dem Auto und noch viel weniger auf den nächsten Trail, also düsen wir nur schnell rüber zur Aussicht, machen Bildchen vom (hier) fast wüstenähnlichen Oregon und fahren weiter gen Nordosten. Wir halten heute im Dale-Ukiah Scenic Corridor und schlafen seit längerem mal wieder im Nationalpark. Das ist saugünstig (8 Glocken), ruhig und ziemlich entspannend. Wir gewöhnen uns, trotz fehlernder Isomatten oder Luftmatratzen immer mehr ans Zelten, glaube ich. Am nächsten Tag halten wir kurz in La Grande (nein, nicht französisch ausgesprochen ;) ) und danach in Joseph. Joseph ist ganz niedlich, irgendwo gibt es Wifi und nach Tee und Espresso sitzen wir wieder im Auto, denn der Hells Canyon ruft. Nach weiteren, knapp 1,5 Stunden Fahrt über Hügel und durch tiefen Wald sind wir da und bewundern und fotografieren den tieferen Bruder des Grand Canyon und rufen "Kartoffel" rüber nach Idaho, haha. Danach müssen wir nur noch kurz den Berg herunterrollen, bis wir auf dem Zeltplatz sind und da der Host kein Wechselgeld hat, wird diese Nacht in der State Recreation Area noch günstiger als die letzte. Aufgrund der extremen Trockenheit machen wir nur ein kleines Feuer (das ist wichtig, denn Oregon ist Cougarland!), warten vergebens auf die fiesen Großkatzen (und einen Kampf auf Leben und Tod, wie die Broschüre warnt) und schlafen, wie immer, vor 10 ein. Der nächste Tag bringt die bisher größte Tour der Reise (fast 600 km) mit sich, denn von der Grenze zu Idaho fahren wir wieder weit in den Westen zum Mount Hood. Tine fährt tapfer fast 8 Stunden (nix Autobahn), wir umrunden den höchsten Berg Oregons halb und finden einen sehr, sehr schönen Zeltplatz auf fast 2000 Meter, knapp unterhalb der Timberline Lodge, wo auch jetzt im Sommer noch Ski gefahren wird. Also schnell das Zelt aufgeschlagen, (ein klitzekleines) Feuerchen (man muss ja zwischen Berglöwen und Waldbrand abwägen) gemacht und, husch, ins Zelt. Nach dem Aufstehen ziehen wir fix auf einen sonnenbeschienenen Platz um, frühstücken und fahren dann nochmal schnell die Straße rauf zum Berg, denn wir sind im Gegensatz zu Australien und Neuseeland richtig faul geworden, was Wanderungen angeht. Also alibimäßig ein Mal auf den Pacific Crest Trail gesprungen, eine Stunde gelaufen und nach dem Beobachten der Skifahrer zurück zum Wagen. Wir müssen heute nicht weit fahren, denn die nächste geplante Station ist Portland und so tanken wir nur an der billigsten Tanke des Staates (erzählt uns Randy, der hier die Karren befüllt, ganze 3,48$ pro Gallone!) und in Hood River zum Kaffeetrinken, bevor wir für 2 Tage Halt auf dem KOA in Cascade Locks machen, Wäsche und uns mal richtig waschen und viel über die riesigen "Wohnmobile" einiger Amerikaner und Kanadier lachen und staunen. Die sind teilweise größer, als unsere Bude in Berlin, haben Duschen, Klos und Sat-Schüsseln. Jetzt schreibe ich hier die letzten Worte im Ascheregen des nahen Blackburn Buschfeuers in The Dalles und hoffe, dass die heroischen Berichte über die amerikanischen Feuerwehrleute nicht erlogen sind. Morgen geht es dann in die größte Stadt Oregons, wo wir, Dank Noras (Dankeschön!!! ;) ) Freund Jeremiah günstig unterkommen. Let's keep Portland weird!


 
 
  
 
 
 
 
 
 

Mittwoch, 24. Juli 2013

Fjorde, Städte, Heuler

Wir verlassen den wahrscheinlich besten Caravanpark Neuseelands in Wanaka um nur wenige Fahrminuten später in der von Waynes Frau Claudia wärmstens empfohlenen Puzzling World einzukehren. Dort erwarten uns erstmal unzählige Knobelspiele, an denen wir größtenteils kläglich scheitern, weshalb wir uns die Illusion Rooms anschauen und unter Gelächter und Mittelohrverwirrung durchlaufen. Am Ende schauen wir uns das riesige, außen liegende 3D-Labyrinth an und schließen es Dank meines alten Tricks (immer links an der Wand lang) relativ fix ab. Lustig, wie man immer wieder allen Leuten begegnet und beobachten kann, wie sie bei der Kälte immer verzweifelter versuchen, den Ausgang zu finden. Harhar. Unser eigentliches Tagesziel ist heute Queenstown, eine auch im Winter (aufgrund der vorhandenen Skigebiete) sehr touristisch daherkommenden Kleinstadt. Wir werden auf dem Weg dahin erneut von sehr ansehnlichen Berglandschaften unterhalten und entscheiden uns nach einmaligem Durchfahren des aus allen Nähten berstenden Queenstown, dass das doch nicht unser Hood ist. Also schnell Kohle aus dem Automaten gezerrt und weiter nach Glenorchy, einem verschlafenen Alpenörtchen, welches, in traumhafter Kulisse gelegen, nicht viel mehr als eine Handvoll Pubs, Cafés und einen Campingplatz zu bieten hat. Milka hat hier übrigens seine Werbespots gedreht, da dieses Fleckchen Erde mehr nach Alpen aussieht als das europäische Pendant. Wir lassen uns im Glenorchy Café nieder, verdrücken ein paar Sandwiches (mal mit dunklem Brot, geil!) und schütten uns unglaublich leckeren Glühwein rein. Tinchen und ich trinken noch ein Bierchen im Pub und quatschen mit der bunten Truppe Gäste. Ich quäle mir mit verzerrtem Gesicht die erste Auster meines Lebens in den Mund und wir sind froh nicht das Oyster Raffle gewonnen zu haben. Danach schwanken wir durch die bittere Kälte (diesmal wirklich: so -10°) zum Van und freuen uns erneut über unseren Heater, denn das kleine, stromhungrige Gerät versüßt uns hier den Winter. Mit kleinem Kater besuchen wir am Morgen noch Paradise, einem noch kleineren Ort, der seinem Namen alle Ehre macht, denn in der atemberaubend stillen Umgebung hat schon Peter Jackson einen Haufen Szenen für den Herrn der Ringe gedreht. Gegen Mittag geht es entlang des Lake Wakatipu zurück nach Queenstown, Einkaufen, Tanken und weiter nach Te Anau. Te Anau ist die Basis für Fahrten ins neuseeländische Fjordland, was unseren Campingplatz ungewohnt bevölkert sein läßt. Dort angekommen schließen wir gleich Freundschaft mit zwei Aussies aus Adelaide, die hier ihren Winterurlaub verbringen und quatschen lange in Eiseskälte. Des Nachts entscheiden wir uns doch noch beim Milford Sound vorbeizuschauen; wenn man schon mal hier ist, kann man auch den bekanntesten der Fjorde Neuseelands besuchen. Am nächsten Morgen werden wir, kaum aus Te Anau raus an die Seite geleitet und befragt ob Schneeketten an Bord sind. Wir stellen uns auf das Schlimmste ein, versprechen ganz vorsichtig zu sein und müssen, nach etwa einstündiger Fahrt, Halten, denn auf der Strecke wird Schnee und Eis geräumt. Langsam sammeln sich Autos und Busse und die Touribusinsassen werden immer nervöser, schließlich haben sie ja zu fest gebuchten Zeiten auf dem Boot durch den Milford Sound zu fahren. Ich düse noch schnell an einem der vielen, aus den warmen Teilen Asiens kommenden, Touristen vorbei um die Serpentinen nicht im Schritttempo zu befahren, doch der nun vor mir fahrende Neuseeländer ist auch kein Geschenk. Statt der erwarteteten 3 Meter Schnee liegen gerade mal 20 Zentimeter am Straßenrand und dafür der Split faustdick auf der Straße. Kein Problem also für winterharte Europäer, was genug Zeit und Kraft läßt die umgebende Landschaft zu bestaunen. Gefühlte Kilometer hoch umschließen einen die vereisten Bergwände auf der Fahrt nach dem Homer-Tunnel. Beindruckend, vor allem wegen der, durch Nebel und Schnee scheinbar schwarz-weißen Felsmassen. Am eigentlichen Fjord angekommen, haben wir wieder Ruhe, denn alle Voraus- und Hinterherfahrenden erklimmen die bereitstehenden (und für uns wieder mal zu teuren) Boote und rauschen gen Westen. Wir hingegen erkunden die Umgebung, schießen hunderte Bilder (ja, auch vom Mitre Peak hinter Palmen, wie auf fast allen Neuseelandreiseführern!), die der Realität aufgrund des riesigen Kontrastbereiches leider nicht gerecht werden können und gönnen uns einen Kaffee im ansässigen Teehaus. Danach ist unser Abenteuer Milford Sound im Grunde vorbei, denn wir treten die, wieder atemberaubende, Rückreise nach Te Anau an. Ähnlich wie am Vortag, gabeln Tine und ich diesmal zwei Belgier auf, quatschen und trinken Bier, während Sophie kocht. Pieterjan (Rosenkohl- Spargel, Chicoree-Bauer) und Ellen (Lehrerin) verbringen ihre Flitterwochen im kalten Neuseeland. Der kommende Tag führt uns an die Südküste und den südlichsten Zipfel Neuseelands über das von Keith Richards einst als "Arschloch der Welt" bezeichnete Invercargill nach Bluff. Besonders spektakulär ist es hier nicht, deshalb trinken wir nur schnell Kaffee am "wannabe" Südkap Stirling Point und machen uns auf der Southern Scenic Route wieder auf gen Norden. Mit kurzem Übernachtungsstop irgendwo im Nirgendwo fahren wir weiter in Richtung Dunedin, machen kurz halt am Nugget Point, an dem man wunderbar Pinguine beobachten können soll. Wir finden keine Pinguine, dafür aber einen Klopper von Seelöwen, der sich erst faul ins Gras kuschelt, dann aber (sicher genervt von uns) nach kurzem Gepose wieder ins Meer stürzt. Am Nachmittag checken wir auf dem Campingplatz in Dunedin ein und machen uns auf den steilen den Weg in die Stadt. Dunedin ist eine kleine, recht alternative Universitätsstadt, die neben ein paar Kirchen und sehr vielen, sehr steilen Straßen einen Haufen Cafés und Bars zu bieten hat. Leider sind sowohl Sam als auch Sam (unsere beiden Kontakte in Dunedin) gerade heute nicht verfügbar, weshalb wir, nach einem schönen Stadtrundgang, fast unspektakulär in einer kleinen Bar und rechtzeitig wieder im Van landen. Da wir ganz verliebt in die spektakulären Berglandschaften der Südinsel sind, zieht es uns nach diesem kurzem Stadtintermezzo, vorbei an surrealen, von Schafen bevölkerten, Hügellandschaften zurück in die südlichen Alpen. Wir halten kurz in Alexandra, sind wenig beeindruckt von der dortigen "Shaky Bridge" und auch das wilde Daraufrumspringen bringt nicht den gewünschten Kick. Also wieder rein in die Karre und weiter nach Cromwell, wo wir die Nacht verbringen werden. Tinchen verpasst mir und Sophie einen neuen Haarschnitt und am Morgen schauen wir uns die, aus dem benachbarten Stausee gerette, Altstadt des kleinen Örtchens an. Der nächste Weg führt uns nach Mount Cook Village, einem 100 Seelendörfchen, welches sich in der Hauptsaison (den Touristen sei Dank) mindestens verzehnfacht. Nicht ohne Grund. Dutzende Wanderwege eröffnen hier grandiose Blicke auf Berge, Gletscher, Seen und Täler, doch wenn die Westküste das hübsche Gesicht Mount Cooks ist, zeigt sich hier (zumindest heute) sein nasser Hintern. Da unsere Zeitfenster hier immer knapp bemessen sind und wir uns am heutigen Tag alle beim Mittagessen überfressen haben, entscheiden wir uns für zwei kurze Walks, die uns zum Kea Point und zum längsten Gletscher Neuseelands, dem Tasman Glacier führen. Unter lautem Oh- und Ah-Geraune werden Bildchen gemacht, die Eisberge im Gletschersee bestaunt und immer wieder mit offenem Mund in die Gegend gestaunt. Ich möchte gern im Sommer noch mal her um die tagelangen Wanderungen in der Gegend zu machen, denn die müssen der Kracher sein. Nach der Nacht in Glentanner sind wir ganz aus dem Häuschen, denn sie Sonne beschert uns heute beste Aussichten auf Mount Cook und Umgebung und verbessert unsere Laune ungemein. Bei einem Stopp auf dem Mount John, der, malerisch am Lake Tekapo gelegen, herrliche Blicke in die umgebende Bergwelt bietet,entscheiden wir uns heute, statt nach Christchurch, ins 200 Kilometer weiter entferntere Kaikoura zu fahren. Tinchen bringt uns nach über 500 Kilometern und knapp 7 Stunden Fahrt sicher in die Whale-Watching-Hauptstadt Neuseelands und wir beziehen den Campingplatz gleich für 2 Nächte, denn alle haben das Fahren (wir knacken beim Einfahren die 6000er Marke!) etwas satt und freuen sich auf einen Tag außerhalb der Karre. Der nächste Tag bringt herrliches Wetter uns ich springe überwältigt vom Frühstückstisch auf, als mit einem Mal die hinter Kaikoura liegenden, fast 3000 Meter hohen, Berge durch die Wolken linsen. Klar, dass viele Leute herkommen, um vor dieser Kulisse Fotos von Walfluken zu schießen. Wir sind (wie so oft) zu arm und laufen stattdessen zum östlichen Ende der Halbinsel und erfreuen uns an den dort faul auf Wegen und Kaimauern liegenden Robben und dem Ausblick über den Pazifik. Auf dem Weg zurück scheucht ein sicher zentnerschweres Robbenmännchen die neben ihm posende Sophie durch aggressives Gähnen (Hahaha!) vom Bretterweg. Nach dem stundenlangen Laufen gönnen wir uns den, durch unsere Top 10-Mitgliedschaft kostenlosen, Spa des Zeltplatzes. Klasse! Bevor wir am nächsten Tag Richtung Süden und Christchurch fahren, donnern wir noch schnell an den Ohau Waterfall, denn hier tummeln sich angeblich... dutzender... kleiner... süßer... BABYROBBEN! Schon auf dem Weg zu den Fällen sitzen immer wieder Heuler im Wald, doch der Höhepunkt ist das Becken unter dem eigentlichen Wasserfall: Sicher 50 junge Robben springen und spielen im Wasser, schauen uns mit tränigen Augen an, oder prügeln sich untereinander. Niiiiiiieeeeeeedlich!!! Wir knipsen die kleinen Racker und fahren dann gen Süden. Nach kleinem Umweg über die Banks Peninsula kommen wir am Abend in Christchurch an und beginnen den Van für die Abgabe klar zu machen. Am Morgen waschen wir den Ponyhunter das erste und einzige Mal und geben ihn (im Gegensatz zu Australien ohne Probleme) bei seinen Besitzern ab. John vom Shuttleservice bringt uns fix ins Foley Towers Hostel, wir legen unseren Kram ab und machen uns gleich auf den Weg in die Stadt. Wenn man es noch Stadt nennen kann, denn nach dem Erdbeben vom Februar 2011 sieht diese eher aus wie das Set eines Katastrophenfilms; beinahe 1700 Gebäude wurden allein im Zentrum abgerissen und es gibt unglaublich viele Baulücken und Häuser, die nicht betreten werden dürfen und ebenfalls auf den Abriss warten. Krass. Tinchen hat kurz darauf ihre 15 (eigentlich 20) Minuten Ruhm, denn sie muss spontan dem Mullet Man bei seiner sehr witzigen Jonglier-Show auf der Mall assistieren (ich versuche demnächst mal das Video hochzuladen). Später sehen wir uns Teile des Botanischen Gartens an, trinken ein Bierchen und sind gegen frühen Abend zurück im Hostel, wo ich wieder zwei Belgier und einen Franzosen aufgabele und zum Biertrinken im nahen Pub überrede. Tine und ich wandern am nächsten Tag noch einmal in die Stadt, probieren das öffentliche Verkehrsnetz und sehen uns das Air Force Museum an. Gegen Nachmittag zurück im Hostel bestelle ich das erste Mal online Pizza (Willkommen im 21. Jahrhundert, Herr Exner) und wir verbringen den letzten gemeinsamen Abend sehr ruhig bei Sachenpacken und Bücherlesen. Vorhin verabschieden wir dann Sophie, denn sie fliegt heute zurück ins hoffentliche warme Europa, während wir uns noch den Tag in Christchurch um die Ohren schlagen, um am Abend nach Auckland und morgen vormittag nach Hawaii weiterzufliegen! Tora, Tora, Tora!