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Mittwoch, 24. Juli 2013

Fjorde, Städte, Heuler

Wir verlassen den wahrscheinlich besten Caravanpark Neuseelands in Wanaka um nur wenige Fahrminuten später in der von Waynes Frau Claudia wärmstens empfohlenen Puzzling World einzukehren. Dort erwarten uns erstmal unzählige Knobelspiele, an denen wir größtenteils kläglich scheitern, weshalb wir uns die Illusion Rooms anschauen und unter Gelächter und Mittelohrverwirrung durchlaufen. Am Ende schauen wir uns das riesige, außen liegende 3D-Labyrinth an und schließen es Dank meines alten Tricks (immer links an der Wand lang) relativ fix ab. Lustig, wie man immer wieder allen Leuten begegnet und beobachten kann, wie sie bei der Kälte immer verzweifelter versuchen, den Ausgang zu finden. Harhar. Unser eigentliches Tagesziel ist heute Queenstown, eine auch im Winter (aufgrund der vorhandenen Skigebiete) sehr touristisch daherkommenden Kleinstadt. Wir werden auf dem Weg dahin erneut von sehr ansehnlichen Berglandschaften unterhalten und entscheiden uns nach einmaligem Durchfahren des aus allen Nähten berstenden Queenstown, dass das doch nicht unser Hood ist. Also schnell Kohle aus dem Automaten gezerrt und weiter nach Glenorchy, einem verschlafenen Alpenörtchen, welches, in traumhafter Kulisse gelegen, nicht viel mehr als eine Handvoll Pubs, Cafés und einen Campingplatz zu bieten hat. Milka hat hier übrigens seine Werbespots gedreht, da dieses Fleckchen Erde mehr nach Alpen aussieht als das europäische Pendant. Wir lassen uns im Glenorchy Café nieder, verdrücken ein paar Sandwiches (mal mit dunklem Brot, geil!) und schütten uns unglaublich leckeren Glühwein rein. Tinchen und ich trinken noch ein Bierchen im Pub und quatschen mit der bunten Truppe Gäste. Ich quäle mir mit verzerrtem Gesicht die erste Auster meines Lebens in den Mund und wir sind froh nicht das Oyster Raffle gewonnen zu haben. Danach schwanken wir durch die bittere Kälte (diesmal wirklich: so -10°) zum Van und freuen uns erneut über unseren Heater, denn das kleine, stromhungrige Gerät versüßt uns hier den Winter. Mit kleinem Kater besuchen wir am Morgen noch Paradise, einem noch kleineren Ort, der seinem Namen alle Ehre macht, denn in der atemberaubend stillen Umgebung hat schon Peter Jackson einen Haufen Szenen für den Herrn der Ringe gedreht. Gegen Mittag geht es entlang des Lake Wakatipu zurück nach Queenstown, Einkaufen, Tanken und weiter nach Te Anau. Te Anau ist die Basis für Fahrten ins neuseeländische Fjordland, was unseren Campingplatz ungewohnt bevölkert sein läßt. Dort angekommen schließen wir gleich Freundschaft mit zwei Aussies aus Adelaide, die hier ihren Winterurlaub verbringen und quatschen lange in Eiseskälte. Des Nachts entscheiden wir uns doch noch beim Milford Sound vorbeizuschauen; wenn man schon mal hier ist, kann man auch den bekanntesten der Fjorde Neuseelands besuchen. Am nächsten Morgen werden wir, kaum aus Te Anau raus an die Seite geleitet und befragt ob Schneeketten an Bord sind. Wir stellen uns auf das Schlimmste ein, versprechen ganz vorsichtig zu sein und müssen, nach etwa einstündiger Fahrt, Halten, denn auf der Strecke wird Schnee und Eis geräumt. Langsam sammeln sich Autos und Busse und die Touribusinsassen werden immer nervöser, schließlich haben sie ja zu fest gebuchten Zeiten auf dem Boot durch den Milford Sound zu fahren. Ich düse noch schnell an einem der vielen, aus den warmen Teilen Asiens kommenden, Touristen vorbei um die Serpentinen nicht im Schritttempo zu befahren, doch der nun vor mir fahrende Neuseeländer ist auch kein Geschenk. Statt der erwarteteten 3 Meter Schnee liegen gerade mal 20 Zentimeter am Straßenrand und dafür der Split faustdick auf der Straße. Kein Problem also für winterharte Europäer, was genug Zeit und Kraft läßt die umgebende Landschaft zu bestaunen. Gefühlte Kilometer hoch umschließen einen die vereisten Bergwände auf der Fahrt nach dem Homer-Tunnel. Beindruckend, vor allem wegen der, durch Nebel und Schnee scheinbar schwarz-weißen Felsmassen. Am eigentlichen Fjord angekommen, haben wir wieder Ruhe, denn alle Voraus- und Hinterherfahrenden erklimmen die bereitstehenden (und für uns wieder mal zu teuren) Boote und rauschen gen Westen. Wir hingegen erkunden die Umgebung, schießen hunderte Bilder (ja, auch vom Mitre Peak hinter Palmen, wie auf fast allen Neuseelandreiseführern!), die der Realität aufgrund des riesigen Kontrastbereiches leider nicht gerecht werden können und gönnen uns einen Kaffee im ansässigen Teehaus. Danach ist unser Abenteuer Milford Sound im Grunde vorbei, denn wir treten die, wieder atemberaubende, Rückreise nach Te Anau an. Ähnlich wie am Vortag, gabeln Tine und ich diesmal zwei Belgier auf, quatschen und trinken Bier, während Sophie kocht. Pieterjan (Rosenkohl- Spargel, Chicoree-Bauer) und Ellen (Lehrerin) verbringen ihre Flitterwochen im kalten Neuseeland. Der kommende Tag führt uns an die Südküste und den südlichsten Zipfel Neuseelands über das von Keith Richards einst als "Arschloch der Welt" bezeichnete Invercargill nach Bluff. Besonders spektakulär ist es hier nicht, deshalb trinken wir nur schnell Kaffee am "wannabe" Südkap Stirling Point und machen uns auf der Southern Scenic Route wieder auf gen Norden. Mit kurzem Übernachtungsstop irgendwo im Nirgendwo fahren wir weiter in Richtung Dunedin, machen kurz halt am Nugget Point, an dem man wunderbar Pinguine beobachten können soll. Wir finden keine Pinguine, dafür aber einen Klopper von Seelöwen, der sich erst faul ins Gras kuschelt, dann aber (sicher genervt von uns) nach kurzem Gepose wieder ins Meer stürzt. Am Nachmittag checken wir auf dem Campingplatz in Dunedin ein und machen uns auf den steilen den Weg in die Stadt. Dunedin ist eine kleine, recht alternative Universitätsstadt, die neben ein paar Kirchen und sehr vielen, sehr steilen Straßen einen Haufen Cafés und Bars zu bieten hat. Leider sind sowohl Sam als auch Sam (unsere beiden Kontakte in Dunedin) gerade heute nicht verfügbar, weshalb wir, nach einem schönen Stadtrundgang, fast unspektakulär in einer kleinen Bar und rechtzeitig wieder im Van landen. Da wir ganz verliebt in die spektakulären Berglandschaften der Südinsel sind, zieht es uns nach diesem kurzem Stadtintermezzo, vorbei an surrealen, von Schafen bevölkerten, Hügellandschaften zurück in die südlichen Alpen. Wir halten kurz in Alexandra, sind wenig beeindruckt von der dortigen "Shaky Bridge" und auch das wilde Daraufrumspringen bringt nicht den gewünschten Kick. Also wieder rein in die Karre und weiter nach Cromwell, wo wir die Nacht verbringen werden. Tinchen verpasst mir und Sophie einen neuen Haarschnitt und am Morgen schauen wir uns die, aus dem benachbarten Stausee gerette, Altstadt des kleinen Örtchens an. Der nächste Weg führt uns nach Mount Cook Village, einem 100 Seelendörfchen, welches sich in der Hauptsaison (den Touristen sei Dank) mindestens verzehnfacht. Nicht ohne Grund. Dutzende Wanderwege eröffnen hier grandiose Blicke auf Berge, Gletscher, Seen und Täler, doch wenn die Westküste das hübsche Gesicht Mount Cooks ist, zeigt sich hier (zumindest heute) sein nasser Hintern. Da unsere Zeitfenster hier immer knapp bemessen sind und wir uns am heutigen Tag alle beim Mittagessen überfressen haben, entscheiden wir uns für zwei kurze Walks, die uns zum Kea Point und zum längsten Gletscher Neuseelands, dem Tasman Glacier führen. Unter lautem Oh- und Ah-Geraune werden Bildchen gemacht, die Eisberge im Gletschersee bestaunt und immer wieder mit offenem Mund in die Gegend gestaunt. Ich möchte gern im Sommer noch mal her um die tagelangen Wanderungen in der Gegend zu machen, denn die müssen der Kracher sein. Nach der Nacht in Glentanner sind wir ganz aus dem Häuschen, denn sie Sonne beschert uns heute beste Aussichten auf Mount Cook und Umgebung und verbessert unsere Laune ungemein. Bei einem Stopp auf dem Mount John, der, malerisch am Lake Tekapo gelegen, herrliche Blicke in die umgebende Bergwelt bietet,entscheiden wir uns heute, statt nach Christchurch, ins 200 Kilometer weiter entferntere Kaikoura zu fahren. Tinchen bringt uns nach über 500 Kilometern und knapp 7 Stunden Fahrt sicher in die Whale-Watching-Hauptstadt Neuseelands und wir beziehen den Campingplatz gleich für 2 Nächte, denn alle haben das Fahren (wir knacken beim Einfahren die 6000er Marke!) etwas satt und freuen sich auf einen Tag außerhalb der Karre. Der nächste Tag bringt herrliches Wetter uns ich springe überwältigt vom Frühstückstisch auf, als mit einem Mal die hinter Kaikoura liegenden, fast 3000 Meter hohen, Berge durch die Wolken linsen. Klar, dass viele Leute herkommen, um vor dieser Kulisse Fotos von Walfluken zu schießen. Wir sind (wie so oft) zu arm und laufen stattdessen zum östlichen Ende der Halbinsel und erfreuen uns an den dort faul auf Wegen und Kaimauern liegenden Robben und dem Ausblick über den Pazifik. Auf dem Weg zurück scheucht ein sicher zentnerschweres Robbenmännchen die neben ihm posende Sophie durch aggressives Gähnen (Hahaha!) vom Bretterweg. Nach dem stundenlangen Laufen gönnen wir uns den, durch unsere Top 10-Mitgliedschaft kostenlosen, Spa des Zeltplatzes. Klasse! Bevor wir am nächsten Tag Richtung Süden und Christchurch fahren, donnern wir noch schnell an den Ohau Waterfall, denn hier tummeln sich angeblich... dutzender... kleiner... süßer... BABYROBBEN! Schon auf dem Weg zu den Fällen sitzen immer wieder Heuler im Wald, doch der Höhepunkt ist das Becken unter dem eigentlichen Wasserfall: Sicher 50 junge Robben springen und spielen im Wasser, schauen uns mit tränigen Augen an, oder prügeln sich untereinander. Niiiiiiieeeeeeedlich!!! Wir knipsen die kleinen Racker und fahren dann gen Süden. Nach kleinem Umweg über die Banks Peninsula kommen wir am Abend in Christchurch an und beginnen den Van für die Abgabe klar zu machen. Am Morgen waschen wir den Ponyhunter das erste und einzige Mal und geben ihn (im Gegensatz zu Australien ohne Probleme) bei seinen Besitzern ab. John vom Shuttleservice bringt uns fix ins Foley Towers Hostel, wir legen unseren Kram ab und machen uns gleich auf den Weg in die Stadt. Wenn man es noch Stadt nennen kann, denn nach dem Erdbeben vom Februar 2011 sieht diese eher aus wie das Set eines Katastrophenfilms; beinahe 1700 Gebäude wurden allein im Zentrum abgerissen und es gibt unglaublich viele Baulücken und Häuser, die nicht betreten werden dürfen und ebenfalls auf den Abriss warten. Krass. Tinchen hat kurz darauf ihre 15 (eigentlich 20) Minuten Ruhm, denn sie muss spontan dem Mullet Man bei seiner sehr witzigen Jonglier-Show auf der Mall assistieren (ich versuche demnächst mal das Video hochzuladen). Später sehen wir uns Teile des Botanischen Gartens an, trinken ein Bierchen und sind gegen frühen Abend zurück im Hostel, wo ich wieder zwei Belgier und einen Franzosen aufgabele und zum Biertrinken im nahen Pub überrede. Tine und ich wandern am nächsten Tag noch einmal in die Stadt, probieren das öffentliche Verkehrsnetz und sehen uns das Air Force Museum an. Gegen Nachmittag zurück im Hostel bestelle ich das erste Mal online Pizza (Willkommen im 21. Jahrhundert, Herr Exner) und wir verbringen den letzten gemeinsamen Abend sehr ruhig bei Sachenpacken und Bücherlesen. Vorhin verabschieden wir dann Sophie, denn sie fliegt heute zurück ins hoffentliche warme Europa, während wir uns noch den Tag in Christchurch um die Ohren schlagen, um am Abend nach Auckland und morgen vormittag nach Hawaii weiterzufliegen! Tora, Tora, Tora!

Dienstag, 23. April 2013

Oh brother, we art in heaven

Nachdem ich wieder einmal festgestellt habe, dass um 5 Uhr in der Früh Aufstehen nicht gerade zu meiner Paradedisziplin gehört, geht es geradewegs zu Tita Lenlen, bei der wir uns für den heutigen Morgen verabredet haben. Ray ist wieder so lieb und kutschiert uns mit Sack und Pack in den Lakandula Drive. Tita Lenlen erwartet uns schon mit einer Tüte voller Essen (und Bier), nachdem sie tagszuvor darauf bestanden hatte, uns mit allerlei Leckereien zu versorgen. Wir können ihr nicht genug danken und machen uns mit unserer Freundin Deth bald auf den Weg zum Busterminal um einen Van in Richtung Daet zu nehmen. Für die meisten Busse gibt es hier keine festgesetzten Abfahrtszeiten, man fährt einfach zum Busbahnhof, sichert sich einen Platz im Bus und wartet dann bis er voll ist und losfährt. Im besten Fall ist man der letzte Passagier im Bus und hat keinerlei Wartezeiten. Im schlimmsten Fall wartet man 10 Stunden wie es Exi hier vor vielen Jahren schon einmal erlebt hat. Wir haben es gut und nach ca. einer Stunde fährt unser Van los in Richtung Naga, einem Ort, 2 Autostunden von Legazpi entfernt. Dort steigen wir in einen zweiten Van um. Wir müssen wieder nicht lange warten, sitzen aber jetzt zu Viert auf drei Plätzen, was den Komfort ein wenig einschränkt, zumal mindestens die Hälfte der vier Personen über 1.70 groß ist und mehr als 40 Kilo wiegt. Schon nach kurzer Zeit bemerken wir, dass es unser Fahrer anscheinend recht eilig hat. Wir werden mächtig durchgeschüttelt, während er offensichtlich einen neuen Streckenrekord zwischen Naga und Daet aufstellen möchte. Wahrscheinlich haben die uns mit Absicht so eingepfercht, damit wir auf dem Ritt nicht durch den Bus geschleudert werden. Die Anschnallgurte sind nämlich hier auf den Philippinen nur zur Zierde da. Wir erreichen Daet und werden mit dem Tricycle zum Haus von Deths entfernter Verwandschaft gekarrt (die Familien sind hier so groß, dass die Familienmitglieder selbst schnell den Überblick verlieren wer hier wie und mit wem verwandt ist). Kuya Francis (Kuya nennt man hier respektvoll einen männlichen Verwandten also Bruder oder Cousin) öffnet uns die Pforten, wir stellen unser Gepäck ab und es geht direkt mit dem Tricycle zur Bagasbas Beach, dem Stadtstrand von Daet. Hier gibt es eine kleine Strandpromenade und allerlei Surfläden, in denen man sich Bretter ausleihen und Surfstunden nehmen kann. Das macht am heutigen Tage allerdings keinen Sinn, da die Wellen lächerlich klein sind. Das sehen die anderen Surfer auch so, denn es wird sich auch im Laufe des Tages keiner mehr im Wasser zeigen. Wir verspeisen unser mitgebrachtes Mittag, plantschen im Meer, hängen am Strand ab und warten auf Bessie und Rahel, Freunde aus Legazpi, die uns auf den Inseltrip begleiten werden, unseren Bus am Morgen allerdings verpasst haben. Die beiden sind gerade angekommen, da fällt uns ein großer weißer Typ mit albernen Hut auf, der über den Strand spaziert und uns so lange anstarrt bis Deth endlich das Schweigen bricht und ihn anquatscht. Kurzer Hand bietet sie ihm an, uns am nächsten Morgen auf den Island Trip zu begleiten, eine unüberlegte Geste, die wir alle später noch bereuen werden. Isaac heißt er, stammt aus Colorado in den USA und hat sich vorgenommen auszuwandern und auf den Philippinen zu leben. Wenig später entdecken wir ein Tattoo mit einem Skorpionmotiv auf Isaacs Fußspann, der anscheinend in den letzten Tagen auf das Vierfache seiner eigentlichen Größe angeschwollen ist. Naja, die Geschichte zum Tattoo gibts dann noch gratis dazu. Isaac hatte einen Traum, in dem er von Magic Mushrooms benebelt von einem Skorpion gebissen wurde während er durch die Wüste lief und zu verdursten drohte. Nach dem Stich erwacht er in seinem Traum, liegt auf einem Highway und wird dann beinahe von einem Auto überfahren. Der Schreck läßt ihn erst richtig halluzinieren. Alter. Ich habe ihn dann leider noch gefragt, warum er sich die Philippinen zum Leben ausgesucht hat, woraufhin er uns fragt, ob wir "ready for the Story" sind und erzählt eine Vision gehabt zu haben, in der er seine zukünftige Ehefrau in Sorsogon trifft. Wir fangen bereits langsam an zu zweifeln, ob es eine gute Idee ist diesen merkwürdigen Typen mit auf die Insel zu nehmen. Wer weiß wieviele Pilze der mit hat. Es wird noch schlimmer kommen. Isaac verschwindet kurz im Hotel, verspricht aber wieder zu kommen. Das tut er auch, hat aber diesmal seine Gitarre im Schlepptau. Ich ahne Schlimmes und bewege mich fluchtartig in Richtung Wasser. Jeder der mich kennt weiß, wie sehr ich Musik liebe aber fremde Leute, die ungefragt ihre Gitarre auspacken, ihr (Nicht)Können präsentieren und im absolut schlimmsten Fall auch noch anfangen zu singen finde ich echt richtig richtig Scheiße. Mir wurde später erzählt, dass Isaac fies zusammengefrickelten Flamenco zum Besten gegeben hat. Als ich zurückkehre brechen wir zu meiner Erleichterung direkt in Richtung Stadt auf und ich überlege schonmal wie ich den anderen sagen kann, dass wir Isaac (und seine Gitarre) unter keinen Umständen mit auf die Insel nehmen können. Wir kaufen noch auf dem Markt ein (Exi kocht heute Kartoffelbrei mit gebratenen Zwiebeln), fahren nach Hause und stehen kurze Zeit später vor verschlossener Tür. Zum Glück gibt es nebenan eine etwas veruchte Karaokebar, die wir zwar nicht besuchen aber deren Gäste uns mit ihrem Gejaule bespaßen. Zurück im Haus werden wir von Tita Wilma begrüßt, mit Mango Ice-Candy versorgt, kochen, quatschen und fallen müde ins Bett. Isaac hatte uns übrigens für den kommenden Tag abgesagt, nachdem wir ihm vorher am Strand nahegelegt hatten vielleicht wegen seines entzündeten Fußes zum Arzt zu gehen bevor er amputiert werden muss und die ganze Tattooaktion für die Katz war. Am Morgen treffen wir uns ziemlich früh am Haus unseres Tourguides Win und dessen Schwester Ezzy, die gleichzeitig eine sehr gute Freundin von Deth ist. Es gibt Bananen und Pilinut Roll (eine Art Biskuitrolle mit einer Füllung aus Pilinüssen, einer Spezialität hier in der Bicol-Region). Wir fahren zum Hafen und können mit dem Eintreten der Flut endlich unser Boot besteigen, was uns auf die Insel Calaguas bringen wird. Insbesondere Deth ist unglaublich aufgeregt, es ist nicht nur ihr allererster Urlaub, es ist auch ihre erste(!!!) Bootsfahrt. Dementsprechend wird viel gegackert und vor allem fotografiert. Exi und ich haben uns noch nicht ganz daran gewöhnt, einfach immer und überall für Fotos posen zu müssen, lassen es aber weiterhin brav über uns ergehen. Wir haben eh keine Wahl. Die Bootsfahrt dauert ungefähr zwei Stunden und bereits wenige Kilometer vor dem Ziel wird uns klar, dass wir geradewegs eine Trauminsel mit weißem Sand und türkisblauem Meer ansteuern. Mit offenem Mund betreten wir das Eiland, nehmen einen kleinen Snack ein und springen ins glasklare Wasser, schnorcheln was das Zeug hält und werden selbstverständlich wieder Objekt unzähliger Fotos. Später besteigen wir dann noch den größten Hügel der Insel (So richtig abenteurmäßig schlagen wir uns durch den Urwald) um den Wahnsinnsausblick zu genießen, schauen uns wieder unten angekommen den Sonnenuntergang an, bauen unsere Zelte auf, quatschen und trinken Bier. Das Tolle an dieser Insel ist, dass sie noch nicht überfüllt ist und dadurch wirklich paradiesisch wirkt. Wir sind hier zudem die einzigen Weißbrote (zusammen mit einem Albino-Filipino, der uns schon zementsackschleppenderweise am Hafen aufgefallen war). Ein bisschen schwierig gestaltet sich für uns die Nahrungsaufnahme auf der Insel, denn das einzig Vegetarische am Buffet sind Reis und Früchte zum Nachtisch. Exi hat sich ein bisschen am Fisch probiert, für mich gibt es am Mittag Reis mit Sojasauce und am Abend Reis mit Ketchup. Zum Frühstück am nächsten Morgen wird dem Reis freundlicherweise noch ein bisschen Schweinefleisch untergejubelt. Naja, nicht so cool für uns, aber die Filipinos stehen drauf. Wir haben noch kurz Zeit ins Wasser zu springen und ein bisschen zu schnorcheln bis uns unser Boot schon wieder abholt. Diesmal herrscht ein rauher Seegang, der ein bisschen an unsere Busfahrt am Tag zuvor erinnert. Zurück in Ezzys und Wins Haus stellen sich die Jungs in der Mittagshitze schön jeweils zwei Red Horse rein (6,9%), wir essen köstlich (endlich vegetarisch) und kehren danach zu Tita Wilma und Kuya Francis zurück. Hier werden wir von Antonio begrüßt, ein Cousin zweiten Grades von Deth, der eigentlich seit vielen Jahren in den USA lebt aber zum Studieren für ein paar Jahre in die Heimat zurückgekehrt ist. Ein letztes Mal kehren wir an den Strand zurück, schauen diesmal Surfern beim Wellenreiten zu und lassen den Tag am Strand ausklingen. Am Abend halten wir erneut für die Fotos im Familienalbum her, es gibt Tomatensalat für mich und Tomaten mit gesalzenen Eiern für den Rest, ein philippinisches Gericht, was traditionell wie fast alles andere auch, zusammen mit Reis verspeist wird. Bevor es wieder zurück nach Legazpi geht machen wir am Morgen noch einen kleinen Spaziergang mit Tita Wilma, die uns von ihrer Zeit in Kuwait und Singapur erzählt und Exi und mich später zwingt uns in einer Kutsche mit Pferd fotografieren zu lassen. Wir machen es natürlich, zumal Tita Wilma, wie eigentlich alle Filipinos, die wir bisher getroffen haben, extrem herzlich und gastfreundlich war und fast ein bisschen traurig war, dass wir nicht länger bleiben konnten. Im Van gehts dann kurze Zeit später wieder nach erst nach Naga und dann nach Legazpi, wo uns Tita Lenlen schon mit selbstgemachtem Fruchtsalat und einer anderen, violetten Süßspeise erwartet. Später geht es ein paar Häuser weiter zu Bessie. Diese wohnt im Haus ihrer Mutter (Tita Christy), die in Aruba lebt und Exi und Quaste damals vor 11 Jahren nach Legazpi eingeladen hatte. Hier wohnen wir jetzt zusammen mit Bessies beiden Kindern, einem Alligatorfisch, einer Schildkröte, drei Hunden und drei kleinen Welpen. Am Abend besuchen wir nach einer kleinen Shoppingtour in der Stadt noch eine alte Kirche nahe Legazpi, in der (weil Sonntag ist) gerade eine Messe stattfindet, weshalb wir uns ins danebenliegende Restaurant setzen und bei Bier, Mangoshake, Mount Mayon und Sonnenuntergang den Tag ausklingen lassen. Exi trifft noch am gleichen Abend George wieder, mit dem er und Quaste damals den Mayon bestiegen hat und wir beschließen, morgen mit ihm aufzubrechen um etwas Neues zu erleben. Wir sind gespannt.