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Freitag, 3. Mai 2013

Kein Walhai, dafür rotes Pferd

Hm, ok, ewig nüscht geschrieben. Hier mal die letzten Tage in Fernost. Wir treffen uns (fast) pünktlich um 6 mit George vorm Laden und düsen kurz danach mit dem Tricycle zum Legazpier Van Terminal. George hat irgendwie nur leichtes Gepäck dabei, das heißt wohl keine Übernachtung im Zelt. Auch gut. Dafür geht's mit dem (nach einigem Warten) wie immer vollen Van Richtung Pilar/Donsol in Sorsogon. Tine will Walhaie sehen. Wir fahren kurz am Hafen vorbei, von dem aus ich vor langer Zeit mit Quaste Richtung Masbate und Cebu aufgebrochen bin und kommen kurz danach im etwas leeren Walhai-Center von Donsol an. Nicht lange geschnackt, sondern Flossen geliehen (Schnorchel und Brille haben wir ja schon) und dann für viel Geld drauf aufs kurz darauf walhaisuchende Boot. Wir tuckern etwas vor der Küste hin und her und beobachten aufmerksam die etwas gelangweilt dreinschauende Besatzung. Die halten gar nicht so richtig Ausschau nach den Riesenfischen und nach ca. 2 Stunden Rumgegurke und Anfragen bei George gehen wir wenigstens ein bisschen vor der Küste schnorcheln. Die Sicht ist leider verglichen mit Calaguas miserabel, auch wenn wir eine Languste, eine Muräne und allerlei anderes Getier im trüben Wasser zu Gesicht bekommen. Nach einer halben Stunde steigen wir wieder ins Boot, nachdem der Skipper dies ebenfalls (wenn auch wieder wortlos) gemacht hat. Wir eiern noch eine halbe Stunde in Ufernähe rum und werden dann, nach einer kurzen Entschuldigung, wieder in den Hafen gekarrt. Das war wohl gar nichts. Monster ist so sauer, dass sie den Tränen nahe ist und kann erstmal eine Weile lang nichts sagen. Gut, dass so ein dicker alter Münchner mit seiner philippinischen Frau und zwei Kindern dabei war, sonst wäre der Ausflug unterirdisch dröge gewesen. George sagt auch jetzt noch nicht viel und auch ich bin ein bisschen enttäuscht, weil ich mir weitaus mehr erwartet hätte. Ob der Enttäuschung haben wir gar keinen Bock im nahen Resort zu übernachten und fahren schon mit dem Nachmittagsvan zurück. Als Ausgleich für die Enttäuschung lädt uns George zu einer Portion Halo-Halo ein, einem lustigen Gemisch aus geriebenem Kokoswassereis, echtem Eis, Gelee, Perlsago, Eischnee(!), Mais(!!) und geriebenem Käse(!!!). Schmeckt aber sehr gut und erfrischt bei der Bombenhitze ungemein. Auf dem Heimweg fährt uns jeder Jeepney trotz Ranwinkens vor der Nase weg und wir bemerken erst später, daß wir in einer No Loading/Unloading Zone stehen. Glücklicherweise kommt lachend Tito Alex angefahren, lädt uns und den ganzen Rubbel aufs Tricycle und karrt uns vor den Laden der Familie. Vor lauter Enttäuschung muss ich mir erstmal ein Bier reinstellen und mehrere weitere kaufen. Die werden dann auf dem Dach von Bessies Haus geleert und so langsam kann man auch über die Nichtwalhaie lachen. Dann geht es relativ früh ins Bett, denn wir müssen kurz vor 5 raus, weil morgen die ganze Truppe nach Rawis an den schwarzen Strand fährt. Wir quälen uns 4:45 aus dem Bett und werden wie immer mit Frühstück versorgt, steigen dann wieder mal zu sechst auf Tricycle und fahren zum Strand. Auch wenn man früh aufstehen muss, ist doch die Hitze am Morgen noch erträglich und wir schwimmen und schnorcheln was das Zeug hält. Kurz nach 8 ist der Spaß vorbei und alle müssen entweder arbeiten, zur Schule oder (wir) sich ausruhen. Dachten wir zumindest, doch schon bald wird klar, dass sich die Familie Lelis einen neuen Programmpunkt für den Nachmittag ausgedacht hat. Papa Taba (auf deutsch: "Papa fett", der Lolo, also der Opa der Familie) und Tito Alex werden mit uns im Familienauto den Mayon umrunden und uns unter anderem zum Mayon Resthouse auf der anderen Seite des Vulkans bringen. Dort angekommen genießen wir den tollen Ausblick auf eine Halbinsel in der Legazpi Bay, die umliegende Hügellandschaft sowie Tabaco City, eine weitere Stadt am Fuße des Vulkans. Nur die Spitze des Mayons lässt sich am heutigen Tag wieder nicht blicken. Wir besuchen noch das Planetarium im Resthouse und sehen spektakuläre Bilder des Vulkans. Der bricht nämlich alle 3-4 Jahre aus und gehört damit zu den aktivsten der Erde. Später erfahren wir noch, dass sich Touristen extra einfliegen lassen und mit Bussen nach Legazpi gekarrt werden um dieses Naturschauspiel zu sehen. Es ist wohl auch die einzige Zeit, in der in der eigentlich touristenarmen Region alle Hotels und Unterkünfte ausgebucht sind. Auf dem Rückweg ersteht Tito Alex noch köstliche frittierte Bananen und nach insgesamt 3 Stunden Fahrt und einem beinahe Zusammenstoß mit einem Tricycle und wildem Gebrülle Papa Tabas erreichen wir am Nachmittag wieder Legazpi. Am Abend treffen wir uns alle wieder auf Bessies Dach, trinken Bier, quatschen und Tinchen versucht Bessie zu überzeugen sich doch einen Walhai anzuschaffen, mit dem sie dann in ein paar Jahren (wenn er eine zufriedenstellende Größe erreicht hat) schnorcheln gehen kann. Am nächsten Tag sind wir mit Roleine verabredet, der ältesten Schwester von Deth. Es geht in die Hoyop-Hoyopan Höhle, die wir zunächst mit dem Jeepney und weiter mit dem Tricycle erreichen. An der Höhle angekommen wartet schon ein Guide auf uns, der uns im Eiltempo durch die Höhle führt und von Roleine angewiesen, möglichst viele Fotos von uns schießt. Auf dem Rückweg gibts noch eine Portion Chilieis und wir beschließen erneut zum Boulvard zu fahren um dort bei ein paar Dosen Bier und einem wirklich köstlichen Tofugericht den schönen Tag mit Roleine ausklingen zu lassen. Zurück im Lakandula Drive wartet Tita Lenlen schon darauf uns das Abendessen zu servieren. Alle nennen sie mittlerweile schon Mama Lenlen, weil sie sich so sehr um unser leibliches Wohl kümmert. So richtig wüssten wir auch nicht was wir ohne sie machen würden, denn es ist wahrlich eine große Herausforderung sich hier auf den Philippinen fleischlos zu ernähren. Es herrscht hier zu unserem Unmut eine ausgeprägte Fast Food Kultur. Eine Schnellfresse reiht sich an der anderen, doch die Filipinos lieben es, was sich mittlerweile auch an der Größe bzw. der Breite der Menschen hier zeigt. Und auch das traditionelle philippinische Essen ist sehr fleisch-  und reislastig, Gemüse gibt es zwar zu Genüge aber es spielt in der Esskultur eine eher untergeordnete Rolle. Eine besondere Delikatesse, die es hier überall zu kaufen gibt (und selbstverständlich nicht vegetarisch ist) nennt sich Balut. Das sind angebrütete Enteneier, die 3-5 Tage vor dem Schlüpftermin des Entleins gekocht verspeist werden. Die haben dann übrigens schon Federchen, Knochen, einen Schnabel und hohen Blutdruck bekommt man beim Verzehr gratis dazu. Zum Glück ohne Balut dafür mit meinem neuen Lieblingsessen Kongee (einer Art Reisporridge mit gerösteten Zwiebeln und Ingwer) geht es am nächsten Morgen noch einmal an den schwarzen Strand in Legazpi. Am Abend sind wir zum Abschied in das Lelis Haus eingeladen, Tinchen bäckt einen Kuchen und mit ein paar San Miguel lassen wir unsere Bombenzeit in Legazpi mit all unseren neuen Freunden gemütlich ausklingen. Auf dem Weg nach Hause treffen wir noch Denmarl und seine Freunde, die sich vor Bessies Haus mit Riesenflaschen Red Horse (6,9%) die Kante geben. Wir beschließen sie beim Verzehr zu unterstützen und uns bleiben am Ende nur noch wenige Stunden bis bis zum Aufstehen um unsere Reise nach Manila anzutreten. Deth bringt uns zum Busbahnhof und wir verabschieden uns mit dem Versprechen, uns bald wiederzusehen. Das Busticket war erstaunlich günstig, weshalb wir gespannt waren, was uns erwartet. Naja, das Wifi funktionierte nicht, die Sitze sind winzig und nach 14 Stunden Fahrt (für 465 km) hatten wir die schlimmsten Arschschmerzen unseres Lebens, waren aber glücklich die rasante Fahrt (man versucht hier auch gerne mal vor oder innerhalb einer Kurve zu überholen) überlebt zu haben. In Manila werden wir wieder von Brian und Lorelei erwartet und ins Hotel gekarrt. Für unseren letzten Tag in Manila stand ein Besuch im Freizeitpark an. Wir erreichen das "Enchanted Kingdom" kurz nach der Mittagszeit und werden von der sehr aufgeregten Lorelei direkt auf das fieseste Fahrgeschäft des gesamten Parks gezerrt. Ich schreie wie am Spieß und erstehe zum Schluß ein Foto unseres Höllenritts über welches wir uns auch jetzt noch köstlich amüsieren. Es werden so gut wie alle Fahrgeschäfte getestet; das mit Abstand lustigste waren kleine runde Boote mit integrierten Wasserkanonen, mit denen man sich gegenseitig, Takeshi's Castle-mäßig, einnässen konnte. Am Abend gibt es noch ein großes Feuerwerk, welches das letztes Highlight unserer fast perfekten (man erwähne erneut die Walhaie) Reise auf die Philippinen sein sollte. Wir werden tagsdrauf erneut von Lorelei und Brian abgeholt, zum Flughafen gekarrt und verabschiedet. Wir verplempern die letzten Peso für ein paar tröstende Dosen San Miguel bevor es in den Flieger nach Darwin geht. Ganz unten mal das Haus der Familie, unser Wasserloch und Fressstätte der letzten paar Tage. Btw.: Wir sind schon 4 Tage in Down Under, aber irgendwie dauert das Blogschreiben gerade so lange und die Netzverfügbarkeit ist zum Heulen. Es kann also noch ein bisschen dauern bis es neue Fotos gibt. Im Augenblick sind wir, falls es jemanden interessiert, in Newell Beach und morgen fahren wir weiter gen Norden ans Cape Tribulation, wo Captain Cook damals sein Schiff auf die Korallen gewummert hat.
 
 
 
 
 
 
   

Mittwoch, 17. April 2013

Mabuhay ang Pilipinas!


Nach sehr langem Warten (7 Stunden) am Saigoner Flughafen, unsere letzte vietnamesische Hotelbesitzerin hatte sicher unsere Abflugs- und gewünschte Abfahrtszeit verwechselt, landen wir nach kurzen 2,5 Stunden Flug wohlbehalten in der aufgehenden Morgensonne Manilas. Nach der Passkontrolle und dem Verabschieden von zwei Deutsch-Filipinos, die schon 40 Jahre in Hannover wohnen, ging's vor den Flughafen, wo uns nach wenigen Minuten Jay und Leianne finden und freudig begrüßen. Leianne (oder Lorelei, die Filipinos und -nas haben immer viele Namen) ist die kleine Schwester meiner Freundin Deth und Jay ihr Verlobter. Wir kennen uns eigentlich nur über Facebook aber abgeholt haben sie uns trotzdem und und ein kleines Frühstück gab's auch. Klasse! Beim Rausfahren aus dem Flughafengelände fällt mir gleich ein Unterschied zu vor elf Jahren auf: Manila hat inzwischen eine richtige Skyline gegen die die Frankfurter einfach lächerlich erscheint. Manila kann hier locker mit vielen amerikanischen Städten mithalten. Nach kurzer Suche im riesigen Straßengewirr erreichen wir unser Hostel in Makati City (Metro Manila besteht eigentlich, wie der Ruhrpott, aus vielen zusammengewachsenen Städten: Manila, Makati, Quezon City, Pasig usw.) und werden, trotz des frühen Morgens (so halb 8) und unserer schlechten Hygiene, sehr freundlich empfangen. Ein Zimmer gibt es natürlich noch nicht, aber die Madam hinter dem Schreibtisch quatscht mit uns, ordert Kaffee und noch mehr kleine Brötchen und die Maids sausen durch den Raum und folgen. Gleich fällt mir wieder auf, was hier in Haushalten immer für eine Hierarchie herrscht. Jeder Gast wird mit "Sir" angesprochen und die Mutter des Hauses ist immer "Madam". Hätte ich fast vergessen, denn das ist manchmal ein bisschen unangenehm, wenn man aus einem Freundeskreis wie ich komme, wo man höchstens als "Prinz Valium" oder Schlimmeres bezeichnet wird. Naja. Wir drehen eine kurze Runde durch den erstmal fies an South Central erinnernden Neighbourhood, holen Geld und merken bald, dass alle Leute immer zurückgrüßen und sich freuen, uns Weißbrote hier zu sehen. Ich werde das erste Mal seit 11 Jahren wieder mit "Hey Joe" angequatscht und ich lache ob der Erinnerung, dass Quaste wegen seines Bartes hier immer "Osama" gerufen wurde. Hahaha. Nach der Rückkehr ins Hostel geht Tinchen nochmal allein raus, kauft Wasser und pennt dann auf einer Couch im Hostel ein. Ich halte tapfer durch und gehe zum Rauchen immer mal ins Zimmer der Madam und nutze die Zeit zum Aufholen der jüngsten und älteren Geschichte der Philippinen. Toll. So gegen halb 11 wird ein Zimmer frei, die Maids wirbeln mit Besen und Geschick durch und wir ziehen ein. Aufgrund des extremen Schlafmangels letzte Nacht, pennen wir beide nach kurzer Dusche ein und schlafen bis zum Nachmittag. Nach dem Schläfchen geben wir die Wäsche gegenüber ab und schon holen uns Jay und Lorelei wieder ab. Quaste und ich hatten ja das letzte Mal nicht besonders viel gesehen und so bin ich froh, dass die Zwei diesmal als Guides fungieren. Wir fahren durch den, verglichen mit Saigon natürlich lächerlichen, verglichen mit jeder europäischen Stadt haarsträubenden, Verkehr nach Intramuros, parken und sehen uns um. Wir besuchen Fort Santiago und verfolgen die letzten Schritte des, nach Angaben der Madam im Hotel amerikanisch-gemachten, Nationalhelden Rizal zur Erschießung durch die Spanier. Amerikanisch-gemacht deshalb, weil die eigentlich philippinischen Freiheitskämpfer mehr als nur Präsenz im spanischen (und später amerikanischen) Parlament forderten und dieses auch mit Waffengewalt durchsetzen wollten. Da passt natürlich ein hochgebildeter, aus der Oberschicht kommender Feingeist wie Rizal weit besser. Ok, danach fahren wir durch die Rush Hour zur Mall of Asia und schauen uns dieses Monstrum (die viertgrößte Mall der Welt) an und entschließen uns die beiden zum Essen einzuladen. Beim Betrachten der Preise rutscht mir das Lachen des reichen Europäers aus dem Gesicht. Der Fortschritt läßt sich vor allem daran ablesen. Monster und ich essen die beiden einzigen(!!!) vegetarischen Gerichte auf der Karte: gebratener Reis und Chili Cheese Sticks während sich die beiden über Rindfleischstücken und geröstete Schweineschwarte hermachen. Bier kostet in Manila nun 4-mal so viel, wie vor elf Jahren (früher 25 Cent / 13 Peso, gelle Quaste?) also kippen wir uns dank tightem Budgets jeder nur eins rein. Nach dem Essen fahren uns die beiden wieder nach Makati, wir verabschieden und verabreden uns für den morgigen Mittag und Tine und ich fallen in einen elfstündigen Schlaf. Am nächsten Mittag bereiten wir uns auf's Auschecken vor, denn wir hatten gestern schon Tickets für den Nachtbus nach Legazpi erstanden, holen die Wäsche ab und düsen mit den beiden Richtung "Duty Free", einem Laden, wo Ausländer und Filipinos mit ausländischen Pässen "steuerfrei" einkaufen können. Wir brauchen noch eine Taucherbrille also fix noch Geld geholt und rein in den Importpalast. Ich erkundige mich nach den Kippenpreisen und lache innerlich, denn die sind "steuerfrei" teurer als vor der Mall. Wer kauft die? Wir besehen uns die weiteren Produkte und kriegen denn Mund kaum zu: Erdnuss M&Ms die in den Staaten 80 Cent kosten, kosten hier $7. Krass! Lorelei wird dank Jay, der eigentlich in den Staaten lebt und meiner Shopping Card (denn ich hab den ausländischen Pass) Schokolade und Kosmetika im Wert von über $70 erstehen, während wir uns mit Taucherbrille und Schnorchel für $23 begnügen. Mehr ist nicht drin. Danach düsen wir wieder zur Mall um etwas an der Bay spazieren zu gehen, allerdings brennt die Sonne so unbarmherzig, dass wir wassertrinkend im Schatten der Kaimauer sitzen und anschließend Eisläufern zuschauen und witzig umhüllte, japanische Eiscreme essen. Nach kurzem Einkauf im riesigen, hiesigen Supermarkt fahren uns die beiden zum Bus und wir nehmen einen Abschiedstrunk im nahegelegenen "München", einer deutschen Expat-Kneipe. Das Rausgehen fühlt sich wie das Durchschreiten eines Wurmlochs an: vom heimeligen Interieur der Kneipe, inklusive Tellern auf Regalen, dunklem Holzbesatz und blau-weißen Platzdeckchen in das laute und etwas chaotische Manila mit Jeepneys und hupenden Taxis. Nach herzlichem Abschied sitzen wir im, durch die Klimaanlage eiskaltem, Bus und sind nach circa 2 Stunden Fahrt durch die Stadt aus Manila raus. Aufgrund der Kälte schlafen wir mehr schlecht als recht und kommen ordentlich gerädert früh kurz nach 6 (wie beim ersten Mal) in Legazpi an. Unser Host Rey (ein pensionierter Australier) holt uns trotzdem ganz fix vom Busbahnhof ab und wir nutzen den Vormittag zum Erholen und Reinigen. Am frühen Nachmittag fährt uns Rey in die Stadt, denn wir leben hier im Bonzenviertel und wir kaufen vegetarische Burger und Zwiebelringe am Marktstand. Die Preise hier sind nicht vergleichbar mit Manila, denn für jeweils 2x Burger und Zwiebelringe legen wir nur 1,10€ in die Hand der netten Verkäuferin. Dann folgt Tines erste Tricyclefahrt zum Haus im Lakandula Drive, wo Quaste und ich damals eine Woche wohnten. Ich frage die Kiddies im kleinen Laden am Haus nach "Tita Lenlen" und die brüllen ganz aufgeregt nach hinten, dass hier ein Ausländer steht, der Mamas Namen kennt. Tante Lenlen kommt nach vorn und nach kurzem "do I know you" werden wir mit großen Hallo ins Haus geführt und bekommen Bierchen und Snacks vorgesetzt. Das Haus sieht fast aus wie früher, der Fernseher ist neuer und die Wände sind inzwischen gestrichen aber der große Unterschied sind die Kinder von damals, denn die sind ja auch um 11 Jahre gealtert! Alle damaligen Teenager haben inzwischen eigene Kinder und Denmarl, unser Liebling ist inzwischen 20. Alle, ich voran, freuen sich sehr und wir quatschen locker 3 Stunden, bevor Ate  Rodeth (Ate ist die respektvolle Anredeform für ältere Mädchen, Tine ist ab jetzt auch bei allen "Ate Tine") von der Arbeit kommt. Deth hat ja immer den Kontakt mit mir gehalten und sie ist quasi die Hauptperson des Besuches. Geschockten Blicken erklären wir, Vegetarier zu sein und bekommen Reis mit Rührei zum Abendbrot. Dann springen wir in den nächsten Jeepney (wieder eine Premiere für's Monster) und fahren Richtung Magayon Festival. Deth gefällt der Trubel hier nicht so, also geht's erneut per Jeepney in die Stadt und in Deths Lieblingsbar "Wacky's Republic". Wir trinken 3 Buckets Red Horse (6,9%!) und quatschen und erzählen bis kurz vor Barschluß. Dann bekommen wir eine private Trikefahrt zurück zur Unterkunft und ich bin so glücklich, dass ich trotz Angedonnertheit noch ein San Miguel auf dem Balkon trinken muss. Danach fange ich mittels eines Glases eine riesige Küchenschabe, die sich frecherweise ins Zimmer geschmuggelt hat und wir schlafen, nach ihrer Entsorgung in die freie Wildbahn, mächtig erschöpft ein. Da ja alle arbeiten müssen, verbringen wir den Vor- und frühen Nachmittag auf der riesigen Terrasse der Unterkunft, trinken San Miguel und genießen die unglaubliche Aussicht auf die Legazpi Bay. Dann fährt uns Reys philippinische Frau Sally zum Haus der Familie und wir klettern mit Denmarl und einem Freund auf den nahegelegenen Lignon Hill von dem man einen Wahnsinnsausblick auf Mayon und Legazpi City hat. Ich hatte ganz vergessen zu erwähnen, dass Legazpi ja am Fuße eines der aktivsten und wahrscheinlich schönsten Vulkans der Welt liegt. Nordwestlich der Stadt thront der Mount Mayon und raucht aus seinem über 2400 Meter hohem, perfekt geformten Kegel. Dieser Klopper von Vulkan ist aufgrund seiner Größe fast überall aus der Stadt sichtbar und bietet ständig atemberaubende Ansichten. Wie nehmen erst die Straße und dann die direkte Abkürzung durch den Busch um den Gipfel des Lignon Hill zu erreichen und ich gönne mir mit den Jungs eine Kokosnuss, während Tinchen herumschlendert und Bilder macht. Nach dem (hier ja immer sauschnellen) Hereinbrechen der Dunkelheit machen wir noch mehr Bilder von der Stadt und machen uns nach einem kurzem Stromausfall (begleitet vom Gegröle der Häftlinge im nahegelegenen Knast von Legazpi) auf den Weg zurück. Unten schnell den zweiten Jeepney gestoppt (der erste war eine Privatfahrt mit Särgen) und ab zur Happy Lane, der Fressreihe auf dem Markt. Ich versuche die Fishballs, Tine verschiedenste Erdnüsse und wir enden wieder mit vegetarischem Burger und Zwiebelringen. Dann treffen wir Deth, die sich nach der Arbeit die Nägel machen läßt und ziehen gemeinsam nochmal zu Wacky's Republic. Dort gibt es wieder 2 Buckets (diesmal das schwächere San Miguel), viel, viel Erzählen und die nächtliche Tricycleheimfahrt zur Unterkunft. Am nächsten Tag haben wir bis Mittag Zeit, ruhen uns aus, genießen die Aussicht auf Legazpi Bay und Mount Mayon und werden kurz nach zwölf von Rey zum Haus der Familie gefahren. Tita Lenlen hat extra Essen für die Vegis gemacht und wir fahren mit ihrem Mann (Tito Alex) und den zwei Kindern Shermaine und Paul Alexis zu den Ruinen der Kirche in Cagsawa. Der Mayon ist ein fieser Berg und hat hier vor 199 Jahren über tausend Menschen in einer Kirche begraben. Außer dem oberen Teil des Turmes und des Kirchenschiffes gibt es hier nicht viel zu sehen, alles ist meterdick unter Asche (jetzt Erde) begraben. Neben vielen Verkaufsständen gibt es einen Pool, den wir nach circa einer Stunde im Schatten quatschen auch nutzen. Wir bekommen Bier, hausgemachte Vegi-Burger und unglaublich leckere Zwiebelringe zu essen, schwimmen (ich und Alexis) und unterhalten uns vorm Mayonpanorama, bevor es nach einigen Stunden wieder nach Hause geht. Im Haus der Lelis-Familie gibt es nochmal Bier und dann springen wir in den Jeepney Richtung Malls und Markt. In der Mall holen wir Geld und stellen fest, dass die Preise für Essen hier locker 5 mal so hoch sind, wie auf dem Markt und nur relativ wohlhabende Filipinos sich die Burgerketten leisten (können). Da wir nicht bereit sind, Weltkonzernen Geld für überteuertes (und beschissenes) Essen in den Rachen zu werfen, gehen wir wieder auf den Markt zur Burgertante, erstehen Eisandwich und Vegiburger, Fritten und ganz leckere Minipancakes und fahren dann mit dem Tricycle zum letzten Mal in die Expatsiedlung von Ridgeview. Auf der Dachterrasse essen wir das Gekaufte, kippen ein San Miguel und jetzt werden die Rucksäcke für den morgigen Island Trip gepackt. Früh um 6 geht es los nach Daet und dann übermorgen früh um 6 stechen wir von Vinzons aus in See. Bootfahren!