Dienstag, 9. April 2013

Mui Ne - wenig Sand, viel Meer

Da wir Mui Ne am Abend erst nach Sonnenuntergang erreicht haben, waren wir natürlich sehr gespannt wie es bei Tage aussieht und vor allem freuen wir uns nach ein paar Tagen Hochland auf das Meer und den Strand. Mui Ne ist sehr, sehr touristisch. Resort reiht sich an Resort, Dazwischen Spas und Restaurants, die weniger vietnamesische, mehr "internationale" Gerichte also Pizza, Pasta, Burger für (relativ) viel Geld anbieten. Mui Ne scheint einer der Lieblingsurlaubsorte von Russen in Vietnam zu sein. Quasi jeder Laden schmückt sich mit kyrillischer Schrift, was sicher schön für die Russen, aber weniger authentisch ist. Ist es aber eh nicht, denn hier wohnen so gut wie keine Vietnamesen. Unser erstes Ziel soll der Strand sein, zu dem wir uns nach einem kurzen aber teuren Supermarktfrühstück begeben. Der Zutritt gestaltet sich als nicht ganz so einfach, denn um diesen zu erreichen, muss man sich den Weg durch die direkt an den Strand angrenzenden Resorts bahnen. Man hat also entweder Glück und wird beim unbefugten Zutritt der Resorts nicht erwischt oder man wird gebeten das Feld zu räumen und es irgendwo anders zu versuchen. Unser erster Versuch glückt und wir stehen kurze Zeit später auf 50cm Sandstrand. Vor uns das Meer. Jetzt sehen wir was unser Bungalowvermieter Tuan (ein Angehöriger der King (sprich: Kin) Minderheit) meinte, als er davon sprach, dass das Meer nach und nach den Sand des Strandes wegspült. Viele der Resorts haben mittlerweile gar keinen Strand mehr. Da die Sonne schon morgens um 8 extrem drückt suchen wir nach einem schattigen Plätzchen, was sich ebenfalls als tricky herausstellt. Denn alles was an diesem Strand Schatten spendet ist Eigentum der Resorts. Mist. Naja wir entscheiden uns rebellisch zu sein, hocken uns in eine kleine Hütte und hoffen, nicht von der Security weggetragen zu werden. Wir halten es nicht lange am Strand aus und da das Wasser maximal wenige Grad kälter ist als die Luft entscheiden wir uns für eine kurze Abkühlung im Bungalow, der glücklicherweise mit Air Con ausgestattet ist. Mui Ne ist eine der wärmsten und trockensten Gegenden Vietnams. Es regnet so gut wie nie und es ist das ganze Jahr heiß. Am Strand weht häufig ein raues Lüftchen, weshalb Mui Ne ein Paradis für Kitesurfer ist. Wir entscheiden uns später ein bisschen auf Erkundungstour in Richtung dem 8 km entfernen Fischerdörfchen (das wahre Mui Ne) zu gehen. Sehr dumme Idee in der Mittagshitze  aufzubrechen. Wir zerlaufen quasi und werden von den Einheimischen abwechselnd angestarrt oder herzlich ausgelacht. Exi macht dann auch noch darauf aufmerksam, dass die meisten Kokosnusspalmen neben uns ziemlich viele Früchte (über uns) tragen. Für den Rest der Strecke werde ich zum Hans guck in die...Palme. Ich möchte unter keinen Umständen eine Kokosnuss auf der Rübe haben. Hätte er es nur nicht gesagt. Die Hitze ist so extrem, dass wir nach einer halben Stunde aufgeben und im "Sindbad" einkehren, einem kleinen Dönerladen, in dem wir uns einen überraschend guten Vegiedöner sowie Saft und Exi (wie immer) Bier schmecken lassen. Exi entdeckt auf der anderen Straßenseite die Pogo Beach Bar. Hier kehren wir direkt danach ein um uns den von uns heißgeliebten, eiskalten vietnamesischen Kaffee (Cà phê sữa đá) zu bestellen. Da wir mittlerweile keine Angst mehr vor Eiswürfeln haben, ist das neben Bier unser allerliebstes Getränk geworden. Kurz vor Sonnenuntergang machen wir uns auf den Nachhauseweg und bestaunen die unzähligen kleinen Straßenrestaurants, in denen die frisch gefangenen Meeresfrüchte, für jeden Gast sichtbar, ausgestellt werden. Da weint das Vegetarierherz, neben allerhand alienartigem Getier stehen auch Schildkröten und kleine Haie auf dem Speiseplan. Wie fast überall in Vietnam gibt es auch hier mindestens 20 direkt nebeneinanderliegende "Seefood Restaurants", die alle exakt das Gleiche verkaufen. Trotzdem gab es viel zum Schauen. Wer also Lust auf kostenloses Aquarium hat, sollte sich diese 200 Meter der Küstenstraße auf jeden Fall geben. Selbstverständlich kehren wir nicht in eines der Restaurants ein, sondern entscheiden uns an diesem Tag ganz bodenständig für die gute alte mit Minimum 10 E Stoffen versetzte Supermarktnudelsuppe. Mui Ne hat neben dem Strand und der unzähligen Restaurants noch ein paar andere Attraktionen zu bieten. Wir entscheiden uns am nächsten Tag für den Fairy Stream, ein breites und flaches Bächlein, welches sich durch canyonartige Felsgebilde schlängelt. Wir sind zu geizig für ein Taxi und laufen eine Stunde durch die Hitze. Wieder eine sehr dumme Idee. Ob um 8 oder um 12. Hier ist es immer gleich heiß. Der Fairy Stream ist meistens wirklich nett anzuschauen und an diesem Tag nicht überlaufen. Wenn man aber etwas genauer hinsieht, fällt der viele Müll auf, der sowohl von Touristen, als auch von den dort ansässigen Menschen einfach in den Bach geworfen wird. Überhaupt nicht cool und sehr traurig zu sehen, wie sich die Einheimischen ihre eigene Existenzgrundlage zerstören. Eine weitere Attraktion sollen die roten und weißen Sanddünen sein, wenige Kilometer außerhalb des Touristreifens. Wir werden uns nicht auf den Weg dahin machen. Durch Müll, Millionen Touris und die vielen Quads, die man sich mittlerweile ausleihen kann um über die Dünen zu sausen, scheint dieses Ausflugsziel nicht mehr wirklich sehenswert zu sein; liest man zumindest im Netz. Wir glauben es und gehen lieber noch ein bisschen an den Strand um die vielen Kitesurfer zu bestaunen, die sich auf dem Meer tummeln. Am Abend finden wir dann doch noch ein tolles Restaurant direkt am Meer. Das versöhnt mich ein bisschen mit Mui Ne, obwohl ich doch ein wenig enttäuscht bin. Ob Mui Ne oder Berlin. Extremer Tourismus tut einem Ort meistens auf Dauer nicht gut. Morgen geht es nach Saigon! Fortsetzung folgt!
 
 
 
 
 

Donnerstag, 4. April 2013

Berge, Frühling und Motorräder


Uiui, lange nichts geschrieben, wir werden fauler. Vor 5 Tagen verlassen wir Hoi An per Nachtbus. Alle Wertgegenstände sind trotz der unterirdischen Reviews des Hotels noch vorhanden. Der Bus holt uns, wie immer, überpünktlich um 5:30 am Hotel ab und wir legen uns in unsere Schlafsessel. Diese sind, für Mitteleuropäer, natürlich viel zu klein, sodaß meine Füße ständig anstoßen und ich etwas verquer liege. Nach kurzer Zeit und weiteren Pick-ups startet die Crew eine Dance-Show des vietnamesischen Fernsehens aus der Konserve und wir schauen asiatischen Tanzkitsch auf dem Onboard-Entertainment-System. Nach kurzer Zeit entdecke ich, dass hinten im Bus gleich drei Liegesessel nebeneinander liegen, die zudem keine Fußhöhle haben. Bombe. Also meinen Scheiß hintergebracht und das Tinchen rangewunken. Wir passen zu zweit ganz wunderbar auf diese Couch und nach ein paar Minuten dämmere ich, wie auch der Tag (hier wird's ja immer um 6 dunkel) zum ersten Mal ein. Abgesehen von einem sehr lauten Pick-Up von ca. 10 Vietnamesen, die meines Dafürhaltens noch nie in einem solchen Bus gesessen haben und dementsprechend aufgeregt waren und einer kurzen Raucherpause passiert auf der Fahrt nach Nha Trang wenig und so steigen kurz nach 6 ebendort aus dem Bus. Wir warten ca. 1 Stunde, erstehen leckere Banh Mi vom Straßenrand und steigen dann in den nächsten, kleineren Bus, der uns nach Da Lat bringt. Die Fahrt ist erst relativ belanglos, steigert sich aber nach dem Besuch einer kleinen Raststätte zu einer der schönsten Busfahrten unseres Lebens, denn wir klettern quasi innerhalb weniger Minuten von Meeresspiegelhöhe auf über 1500 Meter. Es bieten sich kilometerweite Sichten auf das Tiefland und unglaubliche Ausblicke auf die dicht mit Urwald bewachsenen Hänge gegenüber. Ich hechte mit der Kamera auf der Rückbank hin und her, um die schönsten Vistas einzufangen. Allerdings werden einzelne Bilder der Aussicht nicht gerecht. Wenn wir wieder da sind, bin ich sicher eine Woche mit Panoramas bauen beschäftigt. Nach circa 4 Stunden Fahrt erreichen wir Da Lat und suchen unsere Bleibe für diese Nacht. Angekommen, machen wir uns nach einer Dusche sofort auf die Socken, denn alle haben außer des kleinen Baguettes und etwas Geburtstagskuchen (Tine ist jetzt offiziell Ende 20, haha!) seit gestern Mittag nichts gegessen. Nach 150 Metern Fußmarsch bricht der heftigste Regensturm der Welt los und wir verbringen die nächsten 20 Minuten unter einem Vordach und bestaunen die Fluten, die sich die Straße entlang wälzen. Danach leiht eine nette Frau den beiden Mädchen Regencapes und es geht die 150 Meter zurück zum Hotel. Umziehen und von vorne los. Diesmal geht wettermäßig alles gut und wir essen dank Happycow und geschultem Blick in einem der vegetarischen Restaurants der Stadt. Nach dem Essen folgt ein kleiner Stadtrundgang und wir verspeisen, wenn schon keinen richtigen Geburtstagskuchen eine geeiste Kokosnuss, Tee und den hier wahnsinnig leckeren Kaffee. Auf dem Rückweg zum Hotel laufen wir am Office des Easy Rider Clubs Dalat vorbei und Long, ein älterer Vietnamese quatscht uns davor an. Long hat viele Jahre (wie wir! :D ) in der Zone verbracht, als Dolmetscher gearbeitet und spricht auch nach 22 Jahren noch super deutsch. Da wir relativ wenig Geld ausgeben können, aber diese Dalater Attraktion nicht missen möchten, entscheiden wir uns für eine Tagestour. Gesagt, getan. Nach einem kleinen Bier mit Son, der singenden Ranwinkdame des danebenliegenden Cafés geht es ins Hotel und schwupp ins Bett. Pünktlich 8:30 Uhr stehen Thien, Bom und Khouang vor dem Hotel und nach dem Aufsetzen der Helme geht es los. Woohoo, das erste Mal Moped fahren! Komisch, dass es so lange gedauert hat, schließlich gibt es in Vietnam circa. 33 Millionen. Wir fahren zu schönen Aussichten, auf eine Kaffeeplantage (und trinken Tee), eine Wieselkaffeeplantage (sehr fragwürdig; und trinken Wieselscheißekaffee), dann den Elephant Waterfall und den nahegelegen Tempel (mit Buddhas und Shivas, komisch), danach eine Seidenfarm und schlußendlich das "Crazy House" in Dalat. Dazu gibt es jeweils viele, viele Informationen seitens der 3 Jungs und zwischendurch auch Essen. Beim Begehen des Crazy Houses beginnt es wieder erst zu Tröpfeln und dann wie aus Eimern zu schütten. Wir setzen uns mit den 3 Easy Ridern unter die Plane eines Cafés, quatschen noch ein bisschen und trinken Bier. Ich hätte ja gerne eine der von Thien (sprich: Tin) vorgeschlagenen, längeren Touren durch das Hochland nach Mui Ne gemacht, aber dank des engen Budgets wird das nichts. Nach dem Regenguss wird sich mit Umarmungen verabschiedet und Tine und ich lassen Nici kurz allein im Hotel, denn sie fährt am Abend noch nach Saigon, während wir in die nächste (und viel schönere, aber gestern leider ausgebuchte) Bleibe umziehen. Nach einer guten Stunde treffen wir uns im Easy Rider Headquarter wieder, bezahlen die Jungs und machen uns, nach einem Eiskaffee, auf die längere Suche nach etwas zu Essen. Nach knapp 1,5 Stunden geben wir die Suche auf und essen im, eh in der Nähe von Nicis (und unserem alten) Hotel, gelegenem Vegi-Restaurant, dass wir auch gestern Abend besucht hatten. Dann noch kurzes Quatschen und Abhängen, gefolgt vom etwas traurigen Abschied von Nici. Alle sind jetzt ein bisschen stiller und Monster und ich laufen zum neuen Hotel zurück, wo vor dem Schlafen noch mit Tines Eltern geskypt wird. Am nächsten Morgen frühstücken wir in einem der vielen umliegenden Cafés und besuchen danach den Sommerpalast des letzten Kaisers von Vietnam. So Bauhausstil und wenig europäisch royal. Wurde aber auch erst 1938 fertig gebaut. Anschließend sitzen wir im Garten eines, relativ unscheinbaren aber tollen Cafés und trinken Eiskaffee, Bier, Avocadosmoothie und kalten Kakao (alles nacheinander und lecker). Gegen Mittag speisen wir im nächsten Vegi-Laden und ich esse das erste Mal Fake Roastbeef. So lecker, das ich mich Stunden später noch übers Rülpsen freue. Am Nachmittag quatsche ich auf der Dachterrasse mit dem Besitzer des Hotels und erfahre so einige interessante Sachen über die Psyche von Nord- und Südvietnamesen. Am Abend holen wir eine Ladung Bier und sitzen quatschend und trinkend auf dem Dach mit herrlichem Blick über Dalat. Am nächsten Morgen wie immer Frühstück im Café mit anschließendem Rundgang durch die weniger touristischen Viertel der Stadt. Hier wird man (vor allem Monster) noch interessiert bestaunt und kann die Leute mit " Xin chào"-Sagen erfreuen. Nach einem leider viel zu kurzem Gespräch mit unserer ganz lieben (und kleinen) Gastgeberin holt uns ein Minibus ab und wir besteigen ihn in der Erwartung, am Busbahnhof noch in einen größeren umzusteigen. Haha, weit gefehlt! Mehr und mehr Leute werden in das alte, koreanische Gefährt gequetscht, sodaß wir uns am Ende zu dreißigst (!!!) auf den Weg nach Mui Ne machen. Nach 2 etwas langweiligen Stunden im Hochland, klettert unser international besetzter Bus langsam den Pass ins Tiefland hinab. Als ich auf der Herfahrt dachte, die Aussischt sei ungeschlagen, konnte ich nicht ahnen, was sich einem hier bietet. Locker 200 Kilometer weit kann man, an den Bergen vorbei, bis zum Meer und viel weiter schauen. Imposant! Alle, Schanghaier, Franzosen, Polen, Russen und Deutschen im Bus versuchen möglichst eindrucksvolle Bilder zu schießen. Leider hält der eisern dreinstarrende und ständig rauchende Fahrer hier nicht an, sondern konzentriert sich, uns nicht den Abhang hinabrauschen zu lassen. Gut gemacht! Nach circa 4 Stunden Fahrt halten wir zur Pinkelpause, was uns die Gelegenheit zum Gespräch mit Daniel aus Polen, der in Mui Ne als Kitesurflehrer arbeitet und seiner aufreizend gekleideten, russischen "Schülerin", gibt. Nach einer weiteren Stunde Fahrt, dem Abliefern eines Paketes und dem Sonnenuntergang sind wir endlich auf der Resortstraße und finden unsere kleine Bungalowsiedlung auf der dem Meer abgewandten Seite der Straße. Unsere Hygiene ist nach 5 Stunden Busfahrt im Keller und nach einer Dusche und dem hastigen Genuss zweier "Tiger Beer" machen wir uns auf die Suche nach einer Abendbrotgelegenheit. Da das hier eine krasse Touriecke ist, schauen wir diesmal mit vegetarisch etwas blöd aus der Wäsche und enden, nach kurzem Streit, im "Smoky House" nicht weit vom Bungalow entfernt. Ich esse "Club Sandwich" mit Käse und (waren nicht drauf) Zwiebeln und Tine die vietnamesische, vegetarische Spezialität ""gebratener" (ja, in doppelten Anführungsstrichen) Reis mit Ananas". Im Vergleich sauteuer und unglaublich enttäuschend. Allein das günstige Bier lindert den Schmerz. Da müssen wir uns morgen wohl besser umschauen.
Hier noch ein paar (dank Blogger wieder zeitlich ungeordnete) Impressionen aus der teilweise unheimlich an den Thüringer Wald erinnernde Landschaft rings um Dalat:

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Samstag, 30. März 2013

Schneider, Lampions und Schneider

So, nach 3 realtiv ruhigen Tagen mal wieder ein Post. Vorgestern früh verlassen wir Hotel und Pool in Hue und düsen mit der Taxe an den Bahnhof. Tickets waren schon erstanden, also noch kurz gewartet und dann rein in den SE3 Richtung Süden. Diesmal kein Schlafwagen, wir sind ja nur 2,5h unterwegs. Dafür ganz viele Einheimische, die einen teils aufgeschlossen (die normalen), teils sehr mürrisch (so Dicke in so grünen Uniformen, die ich für Parteifunktionäre halte) anschauen. Das Touri-Einheimischenverhältnis ist heute sicher 1:5. Auch mal was Neues. Wir erfahren sicher eine der schönsten Bahnstrecken (ich bin ja sonst nicht so ein Bahnatiker) Südostasiens. Nämlich entlang des südchinesischen Meeres über den Wolkenpass. Fetzt. Erst knapp über Meeresspiegelhöhe, dann circa 200 Meter drüber. Bombenaussichten bieten sich, es wird gefilmt und fotografiert. Übrigens auch eine der gefährlichsten Bahnstrecken. Erst 2005 entgleiste hier ein Zug und kullerte den Abhang hinab. Am frühen Nachmittag ist der Spaß vorbei und wir stolpern, uns nach einem Weg nach Hoi An umsehend, aus dem Zug. Nach kurzen (nicht erfolgreichen, weil zu teuer) Verhandlungen mit diversen Taxifahrern, schleift uns jemand in den Shuttlebus von Mr. Dung, der uns für läppische 4$ nach Hoi An bringt. Unterwegs gibt es kurze Infos zu verfallenden, amerikanischen Airbases, den Marmorbergen, der Schneiderei seiner Schwester und diversen Resorts direkt an der Küste. In Hoi An angekommen, stehen wir, dank mangelndem Schlafstätte, etwas ratlos umher und werden von einem Local in ein Hotel um die Ecke geschleift. Sieht super aus, hat einen Pool und die Buchte kostet 18$ pro Tag. "Klasse" denken wir und checken ein. Später stellt sich heraus, dass wir im 69. von 70 Hotels auf der Trip Advisor Rankingliste gelandet sind. Letzte Woche wurde hier ständig geklaut und das Personal sei zum Kotzen. Wir sind etwas unruhig und nehmen von jetzt an immer alle Wertsachen mit. Allerdings gab es in den 2,5 Tagen keinerlei Vorkommnisse, was uns wieder frohen Mutes sein läßt. Nach Einchecken und Reinigen geht es auf Richtung Hoi Aner Innenstadt. Weltruhm erlangte die Stadt durch ihre knapp 600 Schneider, die hier maßgeschneiderte Mode für reiche Westler machen. Nici hat eine, daheim verfasste, ellenlange Liste dabei, die hier abgearbeitet wird. Unterstützt durch das Monster versuchen die beiden einen Weg durch den Taylordschungel zu finden. Ich setze mich derweil in ein nahegelegenes "Café" und donnere mir, nach dem Erfreuen der Besitzer durch mein fast fließendes Vietnamesisch, im Laufe von knapp 3 Stunden 5 Bia Sai Gon Lager in den Adonisleib. Zwischendurch schwanke ich kurz auf meinem Sitz, schaffe es aber einige Fotos zu schießen, bevor ich die Beiden wiedertreffe. Es wird im selben Lokal gespeist und ich verschwinde wenig später, durch Saigons Edelbräu und die Hitze geschwächt ins Hotel, während Monster und Nici noch einmal losziehen, um Klamotten anzuschauen. Das Angebot ist riesig und teilweise sehr günstig, Disziplintine, jedoch kauft nur Kleingebäck vom Wägelchen und wehrt allen Stoffangeboten. Der Abend endet für die beiden mit einem Rundgang durch die lampiongeschmückte Altstadt Hoi Ans. Am nächsten Morgen erlebe ich die Stadt selbst bei einem Rundgang und habe das Gefühl, durch eine europäisch, mediterrane Altstadt zu laufen, allein Schrift, Geruch und Menschen holen mich nach Mittelvietnam zurück.Wieder passieren wir hunderte Schneidereien, was uns mehr als einmal über deren Wirtschaftlichkeit nachdenken läßt, denn alle verkaufen ähnliche Produkte und sind doch oft nur eine Haustür voneinander entfernt. Allerdings gibt es hier auch sehr viele Touristen, die Dank etwas weniger Verkehrs auf Mopeds und Fahrrädern durch die Stadt brausen. Wie in Hue laufen wir Rio, unserem Zugjapanerschweizer über den Weg und quatschen kurz. Lustigerweise sehen und treffen wir ständig bekannte Gesichter. So auch den fiesen Hipster, der uns 3x in Hanoi, einmal in Sa Pa, danach in Hue und jetzt hier begegnet. Wir haben bis jetzt kein Wort mit ihm gewechselt uns aber Dutzende Male an seinem Oberlippenbart erfreut. Nachmittags lassen sich beide Mädchen im Spa um die Ecke die Nägel machen, danach schreitet Nicole zum ersten Fitting und Monster und ich essen dank Happycow.net unglaublich gut und günstig in einem sehr versteckt liegendem, kleinem Vegi-Restaurant. Das Minh Hien liegt in einer Seitengasse und ist gleichzeitig eine Bibliothek. Sehr witzig, wenn Schulmädchen ihre Bücher tauschen, während man sich außerordentlich leckere Reispapierrollen in den Mund drückt. Hier koste ich im Übrigen erst das zweite Mal Bia Hoi (frisches Bier) was einem in Hoi An meist für lächerliche 3000 Dong (12 Cent) hinterhergeworfen wird. Hervorragend an heißen Tropenmittagen. Gegen Abend treffen wir Nici nach ihrem zweiten Fitting und laufen (diesmal zu dritt) durch die toll beleuchtete Altstadt, finden nach einer ganzen Weile ein Straßenlokal und essen Pho und die lokale Spezialität Cao Lau. Wunderbar. Anschließend wird eine am Straßenrand sitzende Einheimische um frisch über dem Grill gebratene Süßkartoffelplätzchen erleichtert. Nach der Rückkehr ins Hotel bestaunen wir Geckos beim Fortpflanzen und gehen relativ früh schlafen, denn alle haben zum ersten Mal einen leichten Sonnenbrand und sind dementsprechend angeschlagen. Am dritten Tag leihen wir uns nach dem nun dritten Fitting wieder Klapperräder und düsen das erste Mal in 2 Wochen durch das Gehupe an den Strand. Kurz vor der Ankunft versucht uns ein Pseudopolizist zu stoppen, um die Räder zu parken. Ich fahre empört vorbei und wir versuchen die Räder an der Bar eines lokalen Edelhotels abzustellen. Schnell bittet man den Pöbel wieder zu gehen. Eine Frechheit! Also zurück zum Pseudopolizisten, der uns glücklicherweise nicht sieht, sodaß uns sein Kollege abkassiert. Ich bin zufrieden. Dann zum ersten Mal seit vielen Jahren: Palmen, Strand, Sonnenschein. Herrlich. Innerhalb von Sekunden planschen wir im Wasser. Etwas getrübt wird die Stimmung durch einen sehr unheimlichen Vietnamesen, der uns wieder und wieder bedeutet, die Nici heiraten zu möchten. Diese lehnt ab und wir verlassen, ob seiner lethargischen Geduld, unseren Spot und ziehen 100 Meter weiter. Sein nächstes Opfer ist unsere Nachbarin. Auch hier zeigt er große Ausdauer, sie aber gewinnt durch Ignorieren und er räumt das Feld. Fies. Es wird gebadet, Baguettes und Kleingebäck vom Stand gegessen und dicken Tommies beim Jetskifahren zugeschaut, bevor Wolken aufziehen und wir nach gut 3 Stunden wieder gen Hotel verschwinden. Nach der Dusche laufen wir wieder ins Minh Hien und essen wiederholt lecker und günstig. Auf dem Rückweg fällt uns vor Nicoles Modesalon ein Vietnamese mit einem "I love Bitterfeld" T-Shirt auf und wir kommen ins Gespräch. Er hat von 88-90 im Chemiekombinat Bitterfeld gearbeitet und nebenbei ordentlich Deutsch gepaukt. Wir sind beeindruckt und quatschen noch ein bisschen. Es gab bis jetzt leider viel zu wenig solcher Begegnungen, da die meisten in Verkaufsgesprächen für Touren oder ähnlichem enden oder überhaupt nicht möglich sind, weil unser vietnamesisch so beschissen ist. Am Abend findet Nicole wieder Anklang bei Männern, möchte aber nicht mit 2 Kanadiern "tanzen" gehen und so trinken wir noch ein Bier auf unserem Hotelrundgang (wie bei so Motels), ich schreibe Blog und Tinchen schläft. Morgen haben wir noch einen ganzen Tag hier in Hoi An und fahren dann 18:00 Uhr mit dem Nachtbus nach Nha Trang und dann direkt weiter nach Da Lat in den zentralen Highlands auf 1500 Meter Höhe. Die "Stadt des ewigen Frühlings", na ich bin gespannt. By the way: Wer Fragen zu Vietnam hat oder Kritik üben möchte, kann hier gern kommentieren oder mir eine Mail schreiben, ich versuche das dann so gut wie möglich zu beantworten.

 
 

Mittwoch, 27. März 2013

Abschied aus Hanoi, Kaiserstadt und heiße Gräber

Nachdem die Mädels von ihrer, durch unhöfliche Verkäufer nur gering beeinträchtigten, weil erfolgreichen, Einkaufstour zurück sind, haben wir noch sauviel Zeit und laufen zum Mittagessen ins French Quarter Hanois. Hier sind die Häuser alle größer und nicht jedes beherbergt 5 Geschäfte. Das Hilton und die Oper lassen wir links liegen und finden einen Eckimbiss, wo es Bia Hoi, frittierten Tofu und Erdnüsse gibt. Da danach immer noch viel Zeit ist, beschließen wir noch einen touritischen "Höhepunkt" Hanois mitzunehmen: Das Gefängnismuseum Hoa Lo. Hier waren seit 1898 Tausende Menschen, erst aus Vietnam, dann aus den USA eingesperrt. Die Franzosen haben das Ding hochgezogen und es kommt auch ein bisschen Papillon-Feeling auf, wenn man so an der Guillotine und den Todeszellen vorbeiläuft. Weiter läuft man durch den Ausstellungsteil der über den Aufenthalt abgeschossener Ami-Piloten im "Hanoi Hilton" berichtet. Filme altbekannter Zonenmachart werden gezeigt, in denen sich Bilder abstürzender US-Flugzeuge, aufsteigender Raketen, heroischem Flakfeuer und toter Kinder abwechseln. Ich weiß das der Bombenkrieg der Amis ultrabeschissen war, allerdings täuschen die Bilder basketballspielender Piloten darüber hinweg, dass einige von ihnen hier wochenlang gefoltert worden. John McCain zum Beispiel. Dessen Druckanzug kann man dort auch bewundern; Hanoier hatten ihn nach seinem Abschuß aus dem nahe gelegenen Hoan Kiem-Lake (der in den Fotos des ersten Posts mit der kleinen Pagode) gefischt. Tinchen muss nacheinander mit 2 Vietnamesen posieren, während deren Kumpels Fotos schießen. Danach quackern wir uns noch ein Bierchen am Straßenrand rein und laufen langsam zurück ins Hotel. Toni verabschiedet uns herzlichst mit Drücker und wir sitzen im (weitaus billigeren als heute früh) Taxi und sind, zack, am Bahnhof und, schwupps, im Zug. Unser Mitfahrer Rio, ein Schweizer mit japanischen (Diplomaten-) Eltern und gerade abgeschlossenem Studium in Kalifornien steigt zu und wir quatschen etwas und schlafen relativ früh ein. Wir sind wie immer superpünktlich (8 Minuten Verspätung nach 14h Fahrt) in Hue und laufen die 1,5km vom Bahnhof in die "Touri-Ecke", wo die meisten Gästehäuser liegen. Wir schauen uns vier und deren Zimmer an und entscheiden uns für das mit Pool. Klasse. Gefühlte Sekunden später sausen unsere überweißen Körper ins Wasser. Herrlich. Nach dem Gebade laufen wir ein Stückchen durch Hue und speisen königlich in einem vegetarischem Restaurant (alles unglaublich lecker, Fakefleisch und Tofu und allerlei Rollen und gebratener Reis und so) und bezahlen lächerliche 7€ inkl. Getränke. Danach wandern wir über den lokalen Straßenmarkt, erstehen Obst und laufen durch enge Sträßchen. Zurück im Hotel geht es nochmal in den Pool und später etwas ziellos durch die Stadt. Leider werden hier in Hue (außer in den Touriläden) so gegen halb 10 die Bürgersteige hochgeklappt und unsere Suche nach Baguettes bleibt erfolgos, daher gibt es Cracker mit Senf und unser gekauftes Obst auf dem Balkon. Auch gut. Nach einer sehr warmen Nacht essen wir (europäisiertes) Frühstück und umgehen die Tourenangebote der Hotelbesitzer geschickt, indem wir uns Räder leihen und uns mit diesen am heißesten Tag der bisherigen Reise (37°)  auf den Weg zum Grabe Kaiser Tu Ducs machen. Tine graust bald vor dem Verkehr, allerdings hält sie tapfer durch und wir radeln, ölend wie die Wasserfälle, zum Altar für Himmel und Erde. Der ist relativ langweilig, deshalb fahren wir nach kurzer Zeit weiter. Die Hitze ist inzwischen unerträglich und nach einem Anstieg halten wir an einem Laden und suchen uns Mützen aus (Danke Wumme! :) ). Wir setzen uns kurz unters Vordach, trinken das ebenfalls erstandene Wasser, ich verstopfe nach einem kleinen Magenkrampf die Toilette und wir fliehen etwas überstürzt zum nahe gelegenen Grab eines der letzten Herrschers der Nguyen-Dynastie, Tu Duc (sprich Tü Dük). Die Dame an der Kasse ist ordentlich unfreundlich und versucht Nici um 100.000 Glocken zu bescheißen, aber wir Füchse bemerken es fix und lachen mathematisch überlegen in uns hinein. Die Räder schnell unter dem Vordach einer netten Getränkeverkäuferin geparkt und ab in die Grabesstadt. Ja Stadt, denn das "Grab" ist locker 25ha groß. Wir begehen verschiedene Tempel, Pavillions und Gräber, wobei wir von ununterbrochenem Kindergebrüll umgeben sind. Scheinbar sind hier gerade 30 Klassen verschiedenster Schulen (weil unterschiedliche Uniformen) unterwegs um sich kulturell zu bilden. Wir sind ein großer Hit bei den Kiddies und müssen alle 30 Sekunden "Hello" sagen, winken oder das Peace-Zeichen machen. Toll. Nebenbei laufen wir weiter an vielen sehr chinesisch aussehenden, verfallenden (obwohl erst 150 Jahre alt) Gebäuden vorbei, die der Kaiser hier innerhalb von 3 Jahren errichten ließ. Nach circa einer Stunde sind wir durch, trinken einen, immer wieder leckeren, Không độ (Null Grad) Eistee und verradeln uns danach etwas, werden von Hunden bedrängt und müssen doch den Rückweg am verstopften Klo vorbei nehmen. Wollte ich eigentlich vermeiden. Naja, nichts passiert, Kopp runter, wir donnern fix vorbei und befinden uns auf dem Rückweg nach Hue. Wir nehmen eine andere Route durch noch mehr Verkehr, holen unsere Zugtickets ab und kommen ordentlich fertig (immerhin 20km hoch und runter bei der Hitze) im Hotel an. Ich entscheide mich für Bier und Pool, Nici und Monster laufen nochmal los und schauen sich die Zitadelle auf der anderen Flussseite an. Hier wird wieder mehrfach für vietnamesische Kinder gepost. Ich quatsche derweil mit einem Schotten und kippe mir mit ihm noch 2 weitere Biere rein und treibe etwas im Wasser, bevor die beiden nach circa 3 Stunden zurück sind und wir gemeinsam mit dem Schotten und seiner deutsch-ungarisch-schottischen Freundin ins nicht weit entfernte und vom Personal empfohlene "Zucca"-Restaurant gehen um Abendbrot zu essen. Ganz lecker, ganz günstig. Danach geht nicht mehr viel, alle sind durch Hitze und Fahrradfahrt erschöpft und fummeln dank freien WLANs noch kurz an ihren Handys rum und schlafen dann ein. Heute geht es nach dem Frühstück zum Bahnhof und dann mit dem Zug über den Wolkenpass nach Da Nang und schließlich mit dem Bus weiter nach Hoi An. Hier noch ein paar (chronologisch relativ ungeordnete) Impressionen aus Hue: