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Mittwoch, 27. März 2013

Abschied aus Hanoi, Kaiserstadt und heiße Gräber

Nachdem die Mädels von ihrer, durch unhöfliche Verkäufer nur gering beeinträchtigten, weil erfolgreichen, Einkaufstour zurück sind, haben wir noch sauviel Zeit und laufen zum Mittagessen ins French Quarter Hanois. Hier sind die Häuser alle größer und nicht jedes beherbergt 5 Geschäfte. Das Hilton und die Oper lassen wir links liegen und finden einen Eckimbiss, wo es Bia Hoi, frittierten Tofu und Erdnüsse gibt. Da danach immer noch viel Zeit ist, beschließen wir noch einen touritischen "Höhepunkt" Hanois mitzunehmen: Das Gefängnismuseum Hoa Lo. Hier waren seit 1898 Tausende Menschen, erst aus Vietnam, dann aus den USA eingesperrt. Die Franzosen haben das Ding hochgezogen und es kommt auch ein bisschen Papillon-Feeling auf, wenn man so an der Guillotine und den Todeszellen vorbeiläuft. Weiter läuft man durch den Ausstellungsteil der über den Aufenthalt abgeschossener Ami-Piloten im "Hanoi Hilton" berichtet. Filme altbekannter Zonenmachart werden gezeigt, in denen sich Bilder abstürzender US-Flugzeuge, aufsteigender Raketen, heroischem Flakfeuer und toter Kinder abwechseln. Ich weiß das der Bombenkrieg der Amis ultrabeschissen war, allerdings täuschen die Bilder basketballspielender Piloten darüber hinweg, dass einige von ihnen hier wochenlang gefoltert worden. John McCain zum Beispiel. Dessen Druckanzug kann man dort auch bewundern; Hanoier hatten ihn nach seinem Abschuß aus dem nahe gelegenen Hoan Kiem-Lake (der in den Fotos des ersten Posts mit der kleinen Pagode) gefischt. Tinchen muss nacheinander mit 2 Vietnamesen posieren, während deren Kumpels Fotos schießen. Danach quackern wir uns noch ein Bierchen am Straßenrand rein und laufen langsam zurück ins Hotel. Toni verabschiedet uns herzlichst mit Drücker und wir sitzen im (weitaus billigeren als heute früh) Taxi und sind, zack, am Bahnhof und, schwupps, im Zug. Unser Mitfahrer Rio, ein Schweizer mit japanischen (Diplomaten-) Eltern und gerade abgeschlossenem Studium in Kalifornien steigt zu und wir quatschen etwas und schlafen relativ früh ein. Wir sind wie immer superpünktlich (8 Minuten Verspätung nach 14h Fahrt) in Hue und laufen die 1,5km vom Bahnhof in die "Touri-Ecke", wo die meisten Gästehäuser liegen. Wir schauen uns vier und deren Zimmer an und entscheiden uns für das mit Pool. Klasse. Gefühlte Sekunden später sausen unsere überweißen Körper ins Wasser. Herrlich. Nach dem Gebade laufen wir ein Stückchen durch Hue und speisen königlich in einem vegetarischem Restaurant (alles unglaublich lecker, Fakefleisch und Tofu und allerlei Rollen und gebratener Reis und so) und bezahlen lächerliche 7€ inkl. Getränke. Danach wandern wir über den lokalen Straßenmarkt, erstehen Obst und laufen durch enge Sträßchen. Zurück im Hotel geht es nochmal in den Pool und später etwas ziellos durch die Stadt. Leider werden hier in Hue (außer in den Touriläden) so gegen halb 10 die Bürgersteige hochgeklappt und unsere Suche nach Baguettes bleibt erfolgos, daher gibt es Cracker mit Senf und unser gekauftes Obst auf dem Balkon. Auch gut. Nach einer sehr warmen Nacht essen wir (europäisiertes) Frühstück und umgehen die Tourenangebote der Hotelbesitzer geschickt, indem wir uns Räder leihen und uns mit diesen am heißesten Tag der bisherigen Reise (37°)  auf den Weg zum Grabe Kaiser Tu Ducs machen. Tine graust bald vor dem Verkehr, allerdings hält sie tapfer durch und wir radeln, ölend wie die Wasserfälle, zum Altar für Himmel und Erde. Der ist relativ langweilig, deshalb fahren wir nach kurzer Zeit weiter. Die Hitze ist inzwischen unerträglich und nach einem Anstieg halten wir an einem Laden und suchen uns Mützen aus (Danke Wumme! :) ). Wir setzen uns kurz unters Vordach, trinken das ebenfalls erstandene Wasser, ich verstopfe nach einem kleinen Magenkrampf die Toilette und wir fliehen etwas überstürzt zum nahe gelegenen Grab eines der letzten Herrschers der Nguyen-Dynastie, Tu Duc (sprich Tü Dük). Die Dame an der Kasse ist ordentlich unfreundlich und versucht Nici um 100.000 Glocken zu bescheißen, aber wir Füchse bemerken es fix und lachen mathematisch überlegen in uns hinein. Die Räder schnell unter dem Vordach einer netten Getränkeverkäuferin geparkt und ab in die Grabesstadt. Ja Stadt, denn das "Grab" ist locker 25ha groß. Wir begehen verschiedene Tempel, Pavillions und Gräber, wobei wir von ununterbrochenem Kindergebrüll umgeben sind. Scheinbar sind hier gerade 30 Klassen verschiedenster Schulen (weil unterschiedliche Uniformen) unterwegs um sich kulturell zu bilden. Wir sind ein großer Hit bei den Kiddies und müssen alle 30 Sekunden "Hello" sagen, winken oder das Peace-Zeichen machen. Toll. Nebenbei laufen wir weiter an vielen sehr chinesisch aussehenden, verfallenden (obwohl erst 150 Jahre alt) Gebäuden vorbei, die der Kaiser hier innerhalb von 3 Jahren errichten ließ. Nach circa einer Stunde sind wir durch, trinken einen, immer wieder leckeren, Không độ (Null Grad) Eistee und verradeln uns danach etwas, werden von Hunden bedrängt und müssen doch den Rückweg am verstopften Klo vorbei nehmen. Wollte ich eigentlich vermeiden. Naja, nichts passiert, Kopp runter, wir donnern fix vorbei und befinden uns auf dem Rückweg nach Hue. Wir nehmen eine andere Route durch noch mehr Verkehr, holen unsere Zugtickets ab und kommen ordentlich fertig (immerhin 20km hoch und runter bei der Hitze) im Hotel an. Ich entscheide mich für Bier und Pool, Nici und Monster laufen nochmal los und schauen sich die Zitadelle auf der anderen Flussseite an. Hier wird wieder mehrfach für vietnamesische Kinder gepost. Ich quatsche derweil mit einem Schotten und kippe mir mit ihm noch 2 weitere Biere rein und treibe etwas im Wasser, bevor die beiden nach circa 3 Stunden zurück sind und wir gemeinsam mit dem Schotten und seiner deutsch-ungarisch-schottischen Freundin ins nicht weit entfernte und vom Personal empfohlene "Zucca"-Restaurant gehen um Abendbrot zu essen. Ganz lecker, ganz günstig. Danach geht nicht mehr viel, alle sind durch Hitze und Fahrradfahrt erschöpft und fummeln dank freien WLANs noch kurz an ihren Handys rum und schlafen dann ein. Heute geht es nach dem Frühstück zum Bahnhof und dann mit dem Zug über den Wolkenpass nach Da Nang und schließlich mit dem Bus weiter nach Hoi An. Hier noch ein paar (chronologisch relativ ungeordnete) Impressionen aus Hue:

Sonntag, 24. März 2013

Lao Cai, Sa Pa und die Vielvölkerberge

Wie gewohnt werden wir pünktlich vom Taxi abgeholt und zum Bahnhof in Hanoi gekarrt. Es steigt das nette holländische Pärchen zu, was uns schon in Richtung Ha Long Bay im Bus begegnet ist. Am Bahnhof in Hanoi stellt Tine fest, dass ihre Wanderschuhe dabei sind auseinander zu fallen. Scheiße. Hätte man auch eher merken können, ärgert sie sich. Aber sie ist ja ein Fuchs und kauft gleich am Bahnhof eine Tube Superkleber um die Schuhe zu bearbeiten. Geht natürlich voll nach hinten los: der Kleber stinkt und qualmt beim Auftragen und auf-die-Haut-laufen und die Schuhe sind kaputter als davor. Sie Wandern nach der Ankunft in Sa Pa in den Müll und befinden sich bei unserer Abreise im selben Eimer. Da die Einheimischen in Sa Pa eh barfuß oder in Badelatschen die Berge hoch und runter rammeln kommt man sich ohne Wanderschuhe gar nicht mehr blöd vor. Wir kaufen ein paar kalte Hülsen und steigen in den Nachtzug nach Lao Cai von wo aus wir in die Berge weiterreisen. Wir beziehen eine 4er Softsleeper Kabine, die wir uns mit einem Vietnamesen teilen, der weder Bier noch Cracker noch Waffeln von uns haben möchte. Klasse: Zwischen den Wagen wird geraucht wie die Schlote. Der Uniformierte auf dem Klappstuhl direkt davor stört sich nicht daran und kämpft mit einem Haufen Papier. Nebenbeobachtung: Hier gibt es unermeßlich viele Menschen in Uniformen aller Couleur. Selbst die Bahnübergangswächter tragen eine. Allerdings trägt selbst die Polizei hier keine Waffen und nur selten Schlagstöcke, was irgendwie beruhigend ist; scheinbar werden diese nicht benötigt. Die Nachtzüge sind übrigens ziemlich bequem und man spart sich eine Übernachtung im Hotel. Kurz nach 6 rollen wir in den Ga (Bahnhof) Lao Cai ein, einer Stadt an der vietnamesisch-chinesischen Grenze. Man erwartet uns und es geht im Minibus eine Stunde entlang tiefer Schluchten und der ersten Reisterrassen Richtung Sa Pa. Im Bus bemerken wir das israelisches Pärchen mit übergewichtigem Sohn, der uns schon auf Monkey Island aufgefallen war, weil er am Affenstrand wie ein nasser Sack aus dem Boot gehievt werden musste. Ich hab ihn beim Zurückschauen im Bus immer für ein Mädchen gehalten, weil er so große Brüste hat. Wir taufen ihn "Ball 2". Der Original "Ball" war ein dicker Kanadier mit seiner Freundin "Stock". Gut, wir erreichen unseren Tourausgangspunkt in Sa Pa und werden mit Frühstück versorgt. Ball 2 läßt drei(!!!) Omelletes zurückgehen und entscheidet sich schließlich doch für gebratene Nudeln mit Gemüse. Seine Mutter schafft es bis zum Abend nicht einmal "Please", "Thank you" oder andere Höflichkeiten zu äußern. Sehr unangenehm. Naja. Wir treffen Lem, unsere Führerin. Lem ist eine schwarze H'Mong und trägt wie alle unserer Begleiterinnen desselben Stammes eine ziemlich coole Tracht und raschelnde Stulpen. Nach kurzem Warten geht es los und wir laufen im Verhältnis 2:1 Touris zu H'Mong erst Straße und dann im Stammesgebiet schmale Bergpfade entlang. Lem kauft Zuckerrohr für alle und wir setzen unsere Wanderung mampfend und die Aussicht bestaunend fort. Unsere Begleitmädels quatschen mit uns und basteln uns nebenbei lustige Pferdchen aus Pflanzen. Wir laufen direkt zwischen den Reisterrassen der einen Seite des Hanges, welche atemberaubende Blicke auf die gegenüberliegende Seite mit Gipfeln und mehr Reisterrassen bieten. Die Berge ringsum sind immerhin über 3000 Meter hoch! Leider ist es etwas diesig, sodaß sich die Peaks eher mystisch als Schatten in den Wolken abzeichnen. Am beeindruckendsten sind aber die Terrassen. Es muss Jahrtausende gedauert haben, die Berge so umzuformen. Scheinbar jeder Meter der Hänge ist mit diesen, Höhenlinien formenden, aus Lehm geschichteten Bauwerken, bedeckt. Wahnsinn. Nach circa 4 Stunden Marsch erreichen wir ein Dorf der H'Mong und kapieren endlich, warum alle so ultralieb zu uns sind: die Mädels verkaufen natürlich Handwerk! Man bestürmt uns geradezu mit Armreifen, kleinen und großen Beuteln, Mützen und allerlei anderem hausgemachten Sachen. Ich greife bei einem Beutel zu und bezahle natürlich viel zu viel. Im Laufe der 2 Tage werden die Preise immer weiter nach unten gehen. Wer also mal hierher kommt, sollte ordentlich Handeln können oder Geduld haben und warten bis die Preise im Laufe der Zeit sinken. Na schön, die Leute wollen ja hier auch einen Teil der Einnahmen der Tourimaschine. Wir essen, gemeinsam mit 3 Australierinnen (Kelly, Ally und Amy) und einer Holländerin (Judith) zu Mittag und unterhalten uns ganz gut. Danach laufen wir weiter (an Handwerksläden vorbei), besuchen 2 Schulen und sehen eine Subotnik-Baustelle, wo Dorfbewohner und Uniformierte den Weg betonieren. Lem erzählt mir, dass die Leute hier im Jahr 24 Tage gemeinnützige Arbeit leisten müssen/sollen/wollen. Ich kann schlecht einschätzen, wie die H'Mong zur Regierung stehen; im Vietnamkrieg (hier Amerikanischer Krieg) kämpften sie, unterstützt durch die CIA auf der südlichen Seite und lieferten sich mit der NVA Kämpfe im Bergland von Laos und Nordvietnam. Jedenfalls bezeichnet Lem die Mehrheit des Landes als Vietnamesen und sich selbst als H'Mong. Sie gibt auch wenig Auskunft auf solche Fragen, also lasse ich es. Wir sehen auf der Route noch mehr Menschen verschiedenster Völker, die hier in Nachbarschaft leben, aber sehr unterschiedliche Sprachen sprechen und alle andere Trachten tragen. Vietnamesisch lernen die Kinder hier erst in der Schule. Nach weiteren 2,5-3h kommen wir an unserem Nachtlager, einem sog. "Homestay" an. Wir werden die Nacht also im Haus einer Famile verbringen. Das hört sich erstmal spannend an, jedoch macht die Sprachbarriere (und die zum 1000. Mal gestellten Fragen) tiefere Gespräche unmöglich. Also kippen wir uns in der lokalen, von einem Niederländer geführten Bar 2 Bier rein, hören uns sein Genörgel über die umliegenden Homestays (Konkurrenz, gelle) an, nutzen das kostenlose W-LAN und laufen danach zur Unterkunft zurück, um Abendbrot zu essen. Das ist gut und reichhaltig, und bietet die Grundlage zum weiteren Biertrinken. Wir quatschen mit den Ozzies und 3 Französinnen, die Israelis sind schon bald im Bett (jeder war von ihrer groben Art genervt), trinken kaltes Bia Ha Noi und lassen uns Tipps für Australien geben. Gegen halb 9(!!!) werden wir freundlich aber bestimmt gebeten, unsere Getränke zu leeren und schafen zu gehen. Die Vietnamesen gehen echt saufrüh ins Bett (und stehen früh auf), also gibt es noch eine Gute Nacht Zigarette und dann geht es hoch unter die Moskitonetze. Mitten in der Nacht drängt mich die Blase zum Klo und ich meistere dank einer Kombi aus katzengleichen Augen, Körperbeherrschung und fotografischem Gedächtnis den stockdunklen Weg nach unten, 2x um die Ecke und aufs Klo. James Bond sieht ganz, ganz alt aus, gegen mich. Am Morgen wecken uns krakehlende Hähne und es gibt leckere Pfannkuchen mit Honig und Banane. Dann laufen wir eine weitere Stunde durch teilweise schwieriges Gelände (Ball 2 wird öfter mal von H'Mong Frauen gestützt) und erreichen nach Überqueren einer weiteren, wackligen Seilbrücke unseren Mittagsort. Dort gibt es Nudelsuppe (leider aus der Tüte) und danach den Bus nach Sa Pa. Wir eiern ca. 20 Minuten über holprige Straßen am Abgrund und erreichen (gerade rechtzeitig für mich) unseren Ausgangspunkt im Hotel (und dessen Klo). Ich glaube, ich vertrage so Tütensuppen einfach nicht. Wir haben noch einige Zeit bis zur Abfahrt nach Hanoi, also treiben wir uns auf den lokalen Märkten umher und die Mädchen begreifen, wie günstig ein Armreif sein kann, wenn man ihn hier kauft. Wieder was gelernt.Wir gammeln kurz im Garten des Hotels rum, essen Abendbrot und sitzen, schwupp, im Bus nach Lao Cai, wo unser Nachtzug wartet. Schnell Bierchen gekauft und rein in das Abteil. Unser vierter Mann steigt erst eine Station später zu, ich bin relativ müde und alle gehen früh schlafen. Leider wackelt der Zug diesmal ganz extrem (hier in den Bergen wird Schmalspur gefahren), sodaß ich nur äußerst schlecht schafen kann. Pünktlich um 4:55 sind wir in Ha Noi und werden wider Erwarten nicht abgeholt. Nach 20 Minuten haben wir das Warten satt und die örtlichen Taxifahrer bekommen unser (inzwischen) brutales Handelsgeschick zu Spüren. Nach der Ankunft am Hotel sitzen wir noch 20 Minuten vor verschlossener, aber W-LAN-durchlässiger Tür bis uns ein verschlafener Michael die Tür öffnet. Wir drehen noch eine kurze Runde zum See, wo die Leute (Sonntag früh um 6!!!) in Massen Federball spielen, Tai Chi machen, oder Tanzstunden nehmen. Wir sehen die Schildkröte im See und laufen zurück ins Golden Time. Wir werden wieder unglaublich nett mit kostenlosem Frühstück und ebensolchem Zimmer versorgt. Ich kann mir endlich die Haare und den Bart schneiden, dann gehen Monster und Nicole sich mit Judith und den Ozzies treffen. Ich kuller hier rum und schreibe Blog. Nachher springen wir wieder in den Zug und fahren über Nacht nach Hué. Aufregend!





Donnerstag, 21. März 2013

Ha Noi, die Zweite (und 2 Posts mit einem Mal, wegen Netz und so)

H-hm, zweiter Tag. Relativ lange geschlafen, unten in der Minirezeption gefrühstückt und mit Alice über die Touren der nächsten Tage gequatscht. Alle Hotels bieten hier die Buchung von Schiffs- (zur Ha Long Bay) und Wandertouren (ins nordwestliche Hochland nach Sa Pa) an. Also die Glanzbroschüren angeschaut und für 2 Touren zu ebendiesen Zielen entschieden. Es ist hier relativ schwer den Dschungel von Angeboten zu durchschauen, aber im Endeffekt ist nichts überteuer und die Mädchen und Jungs in den Hotels sind immer unglaublich hilfsbereit was das Buchen angeht. Man kann mit Sicherheit weitaus weniger Geld ausgeben, wenn man alles selber bucht, allerdings fehlen mir da Sprach- und Ortskenntnisse.
Am frühen Nachmittag kommen wir endlich los und laufen (für Nici ist ja alles neu) durch die Altstadt Richtung Ho Chi Minh Mausoleum. Auf dem Weg laufen wir am "Blechviertel", kunstvoll zusammengeklebten Obstkörben und verdächtig nach Hund aussehenden, gebratenen Tieren vorbei. Alles neu, alles interessant. Auf der Karte des Hotels liegt das Mausoleum ganz unten links in der Ecke und scheint nur eine halbe Stunde entfernt. Weit gefehlt, man verläuft sich. Ordentlich. Auf den Lonely Planet Stadtkarten sind übrigens auch nur Hauptstraßen eingezeichnet, was die Orientierung nicht erleichtert, da Straßennamen oft abgekürzt werden und Hanoi groß ist. Also den nächsten Einheimischen gefragt (begrüßt man die Leute mit Sin Chao (Danke Thai! ;) ) sind sie gleich viel aufgeschlossener und schauen nicht so mürrisch) und eine ungefähre Richtung gesagt bekommen. Dann zur Sicherheit nochmal in ein Café gestolpert, sehr guten Kaffee genossen und das freie WLAN genutzt um wirklich sicher zu sein und weiter. Komischerweise gibt es im immer offizieller werdenden Hanoi immer weniger Touris, dafür mehr Straßendurchsagen. So aus Lautsprechern unter roten Bannern, wo oft "Ho Chi Minh" draufsteht. Ich spekuliere mal und nehme an, dass dort "Sinnsprüche" wie aus ostbekannten Zeiten stehen. Dann werden die Straßen breiter, die Gebäude staatsmännischer und man steht auf dem riesigen Platz mit Mausoleum. Eigentlich unspektakulär, denn das erste Mal sind weniger Menschen in der Nähe und niemand hupt. Vorbeigelaufen, heimlich ein Foto geschossen (irgendjemand hat gesagt das wäre verboten) und zurück Richtung Unterkunft gelaufen. Auf dem Weg dahin erleben wir die krasseste Rush-hour Hanois (und meines Lebens): Pro Meter Straße stehen mindestens 30 Mopeds nebeneinander, jeder hupt und es stinkt nach Abgasen. Auf dem Gehweg weichen wir elegant den Rowdys aus, die diesen als Mopedweg benutzen. Beeindruckend. Jeder fünfte trägt eine Gesichtsmaske. Konträr zu den bis jetzt gehörten Erklärungen, dass diese vor der Sonne schützen und den Träger blass lassen sollen, bekommen wir im Hostel auf Nachfrage von Alice erklärt, dass die Masken Staubfilter sind, die vor Abgasen und anderem Quatsch in der Luft schützen sollen. Hätte mich auch gewundert, da die Leute sie ja auch nachts tragen. Gut, dann am Hotel vorbei und im lokalen Supermarkt eingekauft. Es gibt Öttinger. Die Plärre hat es also auch bis hierher geschafft. Naja, wir kaufen Wasser, Kekse, Mückendings und andere Kosmetika. Dann den Rubbel fix ins Hotel geschafft, zwei langweilige Deutsche an der Rezeption getroffen und nach (für mich) endlos gefühlter Laberei endlich wieder raus in den von "Michael" empfohlenen Nudelladen um die Ecke. Dort werden Monster und mir gebratene Reisnudeln mit Gemüse und Nici gebratene Reisnudeln mit Bò serviert. Was auch auffällt, ist das es hier unglaublich viele junge Leute gibt. Hier im Laden arbeiten 2 Mädels und ein Junge, die frühe Teenager zu sein scheinen. Dazwischen rennen 2 ganz kleine Menschen umher. Zum (sehr leckeren) Essen gibt's für jeden Bia Ha Noi und wir zahlen zusammen 185.000 Dong, was ca. 7,5€ entspricht. Unglaublich. Achso: Hinter uns sitzt ein Einheimischer und stopft sich unter Schmatzen und Rülpsen sein Essen in den Mund, während eine Russin am Nebentisch mit der Pho und den Stäbchen kämpft und nach 15 Minuten gefühlte drei Nudeln gegessen hat. Haha, lacht man in sich hinein. Nach dem Essen laufen wir Richtung "Beer Corner" und schütten uns in derselben Bar wie gestern leckeres Bier in den Kopf und kaufen gebackene Teigbällchen von strohbehuteten Frauen. So gegen 11 tauchen Uniformierte auf und der Barbesitzer bittet uns erst hinein und dann hinaus. Sperrstunde. Na schön, dann am "Späti" noch eins erstanden und heim gen Hotel. Morgen geht es ja früh los Richtung Ha Long Bay. Wir sind gespannt!


Montag, 18. März 2013

Berlin -> Moskau -> Hanoi


Woohoo, erster Post! Vorgestern früh die letzten Habseligkeiten in treue Hände gegeben und dann durchs kalte Berlin nach Schönefeld. Eingecheckt, Tine hat 13kg, ich knapp 15kg Gepäck. Geht. Schwupp ab in den ersten Flieger nach Moskau. Osteuropa ist landschaftlich von oben nicht sehr interessant, man kann kein Land (Brandenburg, Polen, Weißrussland, Russland) unterscheiden und alles ist extrem flach und voller Schnee. Nach knapp 2,5h in Moskau gelandet und das nächste Gate gesucht. Dann nochmal durch Sicherheits- und Passkontrolle und ab in die Karre gen Hanoi. Der eigentliche Plan war, unsere Freundin Nicole in Moskau zu treffen und gemeinsam nach Hanoi zu fliegen.
Allerdings gab es früh einen ordentlichen Schneesturm in Moskau, sodaß Nicis Flieger nicht rechtezeitig nach Hamburg abfliegen konnte und dementsprechend auch wieder viel zu spät in Moskau gewesen wäre. Long story short: Nici fliegt über Frankfurt und Seoul (Juhu, Seetangsuppe und Relaxsessel) in etwas über 30h nach Hanoi. Wir sind also vorerst allein.
Im Flugzeug nach Hanoi treffen wir die beiden Deutsch-Vietnamesen wieder, deren massives Gepäck wir schon in Berlin bestaunt hatten. Wir quatschen und holen uns ein paar Tipps ab: Wenig Fleisch (fällt uns ja nicht schwer) und keinen Salat essen (wegen der Scheißerei und so). Dann noch ein paar widersprüchliche Tipps zu Geldautomaten (da kommen Euro raus, die wir dann umtauschen müssen), aber egal. Wir stehen in Moskau noch 'ne knappe Stunde am Terminal, stellen fest, dass Nici es doch locker geschafft hätte und dann geht's los. Der Flug verläuft relativ ereignislos, da wir in der Mitte der Riesenröhre sitzen. Mist! Wir hatten in Berlin extra nach 'nem Fensterplatz gefragt, aber der galt nur für den Moskauflug. Mein Entertainmentsystem spinnt und ich kann keine Filme schauen. Also gibts klassische Musik und die Inflight Informations. Hätten wir am Fenster gesessen und wäre es ein Tagflug gewesen hätten wir Russland, Kasachstan, Usbekistan, Afghanistan, Pakistan (ganz viele -tane), Indien, Bangladesch, Burma und Laos gesehen. So wurden es halt Russland und Vietnam. Auch gut.
Nach 9,5h FLug sind wir in Hanoi und setzen nach hoffnungsvollem Warten, den Nebel zu durchbrechen ganz plötzlich auf. Der Nebel geht bis zum Boden. Erster tropischer Eindruck. Ok, raus aus der Karre, den Pass gezeigt, unser Gepäck und Geld (3 MILLIONEN Dong) geholt, unseren Fahrer gesucht und gefunden und los.
Das erste was auffällt sind die vielen Leute auf der Straße, die sich in verschiedensten Vehikeln mit und entgegen der Fahrtrichtung bewegen. Ich bin froh, dass wir einen Fahrer haben, aber denke auch immer mal: Alter, Alter! Es wird ständig gehupt und hin- und hergefahren. Allerdings nie hektisch. Nach ca. einer Stunde sind wir im Zentrum und werden sehr nett von "Michael" in Empfang genommen. Auch die Vietnamesen geben sich also westliche Namen, damit man sich nicht beim Aussprechen der echten lächerlich macht. Hoch aufs Zimmer, das ist relativ klein, aber hat ein Bad  und einen kleinen Balkon zur Straße. Und kostet uns ganze 17€ pro Nacht. Zu dritt.
Ok, wir müssen den Jetlag überwinden, also ist keine Zeit für Pausen. Nur kurz geduscht und ab in die Stadt. Wir drehen eine Runde um den See, lassen uns den Kaffee im Magen gurgeln, schlucken jeder eine Kohletablette (zur Vorsorge, bisher ist nichts passiert) und laufen stundenlang durchs Old Quarter. Alles ist hier ganz eng und geschäftstüchtig. So auch die Frau, die Tine und mir ihre ihre typisch vietnamesische Trage auf die Schulter legt und danach für 2 Fotos und etwas altes Obst einen Riesenbetrag verlangt. Wir hatten natürlich nur große Scheine (100.000) und bekommen kein Wechselgeld. Die Sau. Naja, wieder was gelernt: Ist die Trage nicht übervoll dient sie zur Touriabzocke. Die Lernkurve ist hier am Anfang sehr hoch, man lernt über die Straße zu gehen (kein Scheiß, lauft hier mal über ne 4-spurige!), die Bier- und allgemeinen Preise, den Umgang mit den Leuten usw. Sehr interessant. Nach ein paar Bier in einem kleinen Cafe am Straßenrand (ich liebe es ja, Leute anzuglotzen) geht's in einen Straßenimbiss und wir essen frittierten Tofu ohne Fleisch (không thịt) und Reisnudeln mit Soße. Sehr anders, sehr lecker. Auch der Magen hält. Danach stolpern wir immer müder werdend über den Nachtmarkt und bestaunen immer wieder den Verkehr und die Menschenmassen. Dann sitzen wir nochmal am Hoan-Kiem-See und beschließen ins zurück Hotel zu gehen. Es ist halb 10 und Nici kommt gegen Mitternacht an. Wir schleppen uns durch die letzten 2 Stunden bis Nici kommt und begrüßen sie mit müdem Hurra. Dann wird sich noch etwas ausgetauscht, Nici duscht, ich penn ein. 
Hier noch ein paar Eindrücke: