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Sonntag, 24. März 2013

Lao Cai, Sa Pa und die Vielvölkerberge

Wie gewohnt werden wir pünktlich vom Taxi abgeholt und zum Bahnhof in Hanoi gekarrt. Es steigt das nette holländische Pärchen zu, was uns schon in Richtung Ha Long Bay im Bus begegnet ist. Am Bahnhof in Hanoi stellt Tine fest, dass ihre Wanderschuhe dabei sind auseinander zu fallen. Scheiße. Hätte man auch eher merken können, ärgert sie sich. Aber sie ist ja ein Fuchs und kauft gleich am Bahnhof eine Tube Superkleber um die Schuhe zu bearbeiten. Geht natürlich voll nach hinten los: der Kleber stinkt und qualmt beim Auftragen und auf-die-Haut-laufen und die Schuhe sind kaputter als davor. Sie Wandern nach der Ankunft in Sa Pa in den Müll und befinden sich bei unserer Abreise im selben Eimer. Da die Einheimischen in Sa Pa eh barfuß oder in Badelatschen die Berge hoch und runter rammeln kommt man sich ohne Wanderschuhe gar nicht mehr blöd vor. Wir kaufen ein paar kalte Hülsen und steigen in den Nachtzug nach Lao Cai von wo aus wir in die Berge weiterreisen. Wir beziehen eine 4er Softsleeper Kabine, die wir uns mit einem Vietnamesen teilen, der weder Bier noch Cracker noch Waffeln von uns haben möchte. Klasse: Zwischen den Wagen wird geraucht wie die Schlote. Der Uniformierte auf dem Klappstuhl direkt davor stört sich nicht daran und kämpft mit einem Haufen Papier. Nebenbeobachtung: Hier gibt es unermeßlich viele Menschen in Uniformen aller Couleur. Selbst die Bahnübergangswächter tragen eine. Allerdings trägt selbst die Polizei hier keine Waffen und nur selten Schlagstöcke, was irgendwie beruhigend ist; scheinbar werden diese nicht benötigt. Die Nachtzüge sind übrigens ziemlich bequem und man spart sich eine Übernachtung im Hotel. Kurz nach 6 rollen wir in den Ga (Bahnhof) Lao Cai ein, einer Stadt an der vietnamesisch-chinesischen Grenze. Man erwartet uns und es geht im Minibus eine Stunde entlang tiefer Schluchten und der ersten Reisterrassen Richtung Sa Pa. Im Bus bemerken wir das israelisches Pärchen mit übergewichtigem Sohn, der uns schon auf Monkey Island aufgefallen war, weil er am Affenstrand wie ein nasser Sack aus dem Boot gehievt werden musste. Ich hab ihn beim Zurückschauen im Bus immer für ein Mädchen gehalten, weil er so große Brüste hat. Wir taufen ihn "Ball 2". Der Original "Ball" war ein dicker Kanadier mit seiner Freundin "Stock". Gut, wir erreichen unseren Tourausgangspunkt in Sa Pa und werden mit Frühstück versorgt. Ball 2 läßt drei(!!!) Omelletes zurückgehen und entscheidet sich schließlich doch für gebratene Nudeln mit Gemüse. Seine Mutter schafft es bis zum Abend nicht einmal "Please", "Thank you" oder andere Höflichkeiten zu äußern. Sehr unangenehm. Naja. Wir treffen Lem, unsere Führerin. Lem ist eine schwarze H'Mong und trägt wie alle unserer Begleiterinnen desselben Stammes eine ziemlich coole Tracht und raschelnde Stulpen. Nach kurzem Warten geht es los und wir laufen im Verhältnis 2:1 Touris zu H'Mong erst Straße und dann im Stammesgebiet schmale Bergpfade entlang. Lem kauft Zuckerrohr für alle und wir setzen unsere Wanderung mampfend und die Aussicht bestaunend fort. Unsere Begleitmädels quatschen mit uns und basteln uns nebenbei lustige Pferdchen aus Pflanzen. Wir laufen direkt zwischen den Reisterrassen der einen Seite des Hanges, welche atemberaubende Blicke auf die gegenüberliegende Seite mit Gipfeln und mehr Reisterrassen bieten. Die Berge ringsum sind immerhin über 3000 Meter hoch! Leider ist es etwas diesig, sodaß sich die Peaks eher mystisch als Schatten in den Wolken abzeichnen. Am beeindruckendsten sind aber die Terrassen. Es muss Jahrtausende gedauert haben, die Berge so umzuformen. Scheinbar jeder Meter der Hänge ist mit diesen, Höhenlinien formenden, aus Lehm geschichteten Bauwerken, bedeckt. Wahnsinn. Nach circa 4 Stunden Marsch erreichen wir ein Dorf der H'Mong und kapieren endlich, warum alle so ultralieb zu uns sind: die Mädels verkaufen natürlich Handwerk! Man bestürmt uns geradezu mit Armreifen, kleinen und großen Beuteln, Mützen und allerlei anderem hausgemachten Sachen. Ich greife bei einem Beutel zu und bezahle natürlich viel zu viel. Im Laufe der 2 Tage werden die Preise immer weiter nach unten gehen. Wer also mal hierher kommt, sollte ordentlich Handeln können oder Geduld haben und warten bis die Preise im Laufe der Zeit sinken. Na schön, die Leute wollen ja hier auch einen Teil der Einnahmen der Tourimaschine. Wir essen, gemeinsam mit 3 Australierinnen (Kelly, Ally und Amy) und einer Holländerin (Judith) zu Mittag und unterhalten uns ganz gut. Danach laufen wir weiter (an Handwerksläden vorbei), besuchen 2 Schulen und sehen eine Subotnik-Baustelle, wo Dorfbewohner und Uniformierte den Weg betonieren. Lem erzählt mir, dass die Leute hier im Jahr 24 Tage gemeinnützige Arbeit leisten müssen/sollen/wollen. Ich kann schlecht einschätzen, wie die H'Mong zur Regierung stehen; im Vietnamkrieg (hier Amerikanischer Krieg) kämpften sie, unterstützt durch die CIA auf der südlichen Seite und lieferten sich mit der NVA Kämpfe im Bergland von Laos und Nordvietnam. Jedenfalls bezeichnet Lem die Mehrheit des Landes als Vietnamesen und sich selbst als H'Mong. Sie gibt auch wenig Auskunft auf solche Fragen, also lasse ich es. Wir sehen auf der Route noch mehr Menschen verschiedenster Völker, die hier in Nachbarschaft leben, aber sehr unterschiedliche Sprachen sprechen und alle andere Trachten tragen. Vietnamesisch lernen die Kinder hier erst in der Schule. Nach weiteren 2,5-3h kommen wir an unserem Nachtlager, einem sog. "Homestay" an. Wir werden die Nacht also im Haus einer Famile verbringen. Das hört sich erstmal spannend an, jedoch macht die Sprachbarriere (und die zum 1000. Mal gestellten Fragen) tiefere Gespräche unmöglich. Also kippen wir uns in der lokalen, von einem Niederländer geführten Bar 2 Bier rein, hören uns sein Genörgel über die umliegenden Homestays (Konkurrenz, gelle) an, nutzen das kostenlose W-LAN und laufen danach zur Unterkunft zurück, um Abendbrot zu essen. Das ist gut und reichhaltig, und bietet die Grundlage zum weiteren Biertrinken. Wir quatschen mit den Ozzies und 3 Französinnen, die Israelis sind schon bald im Bett (jeder war von ihrer groben Art genervt), trinken kaltes Bia Ha Noi und lassen uns Tipps für Australien geben. Gegen halb 9(!!!) werden wir freundlich aber bestimmt gebeten, unsere Getränke zu leeren und schafen zu gehen. Die Vietnamesen gehen echt saufrüh ins Bett (und stehen früh auf), also gibt es noch eine Gute Nacht Zigarette und dann geht es hoch unter die Moskitonetze. Mitten in der Nacht drängt mich die Blase zum Klo und ich meistere dank einer Kombi aus katzengleichen Augen, Körperbeherrschung und fotografischem Gedächtnis den stockdunklen Weg nach unten, 2x um die Ecke und aufs Klo. James Bond sieht ganz, ganz alt aus, gegen mich. Am Morgen wecken uns krakehlende Hähne und es gibt leckere Pfannkuchen mit Honig und Banane. Dann laufen wir eine weitere Stunde durch teilweise schwieriges Gelände (Ball 2 wird öfter mal von H'Mong Frauen gestützt) und erreichen nach Überqueren einer weiteren, wackligen Seilbrücke unseren Mittagsort. Dort gibt es Nudelsuppe (leider aus der Tüte) und danach den Bus nach Sa Pa. Wir eiern ca. 20 Minuten über holprige Straßen am Abgrund und erreichen (gerade rechtzeitig für mich) unseren Ausgangspunkt im Hotel (und dessen Klo). Ich glaube, ich vertrage so Tütensuppen einfach nicht. Wir haben noch einige Zeit bis zur Abfahrt nach Hanoi, also treiben wir uns auf den lokalen Märkten umher und die Mädchen begreifen, wie günstig ein Armreif sein kann, wenn man ihn hier kauft. Wieder was gelernt.Wir gammeln kurz im Garten des Hotels rum, essen Abendbrot und sitzen, schwupp, im Bus nach Lao Cai, wo unser Nachtzug wartet. Schnell Bierchen gekauft und rein in das Abteil. Unser vierter Mann steigt erst eine Station später zu, ich bin relativ müde und alle gehen früh schlafen. Leider wackelt der Zug diesmal ganz extrem (hier in den Bergen wird Schmalspur gefahren), sodaß ich nur äußerst schlecht schafen kann. Pünktlich um 4:55 sind wir in Ha Noi und werden wider Erwarten nicht abgeholt. Nach 20 Minuten haben wir das Warten satt und die örtlichen Taxifahrer bekommen unser (inzwischen) brutales Handelsgeschick zu Spüren. Nach der Ankunft am Hotel sitzen wir noch 20 Minuten vor verschlossener, aber W-LAN-durchlässiger Tür bis uns ein verschlafener Michael die Tür öffnet. Wir drehen noch eine kurze Runde zum See, wo die Leute (Sonntag früh um 6!!!) in Massen Federball spielen, Tai Chi machen, oder Tanzstunden nehmen. Wir sehen die Schildkröte im See und laufen zurück ins Golden Time. Wir werden wieder unglaublich nett mit kostenlosem Frühstück und ebensolchem Zimmer versorgt. Ich kann mir endlich die Haare und den Bart schneiden, dann gehen Monster und Nicole sich mit Judith und den Ozzies treffen. Ich kuller hier rum und schreibe Blog. Nachher springen wir wieder in den Zug und fahren über Nacht nach Hué. Aufregend!





Donnerstag, 21. März 2013

Ha Noi, die Zweite (und 2 Posts mit einem Mal, wegen Netz und so)

H-hm, zweiter Tag. Relativ lange geschlafen, unten in der Minirezeption gefrühstückt und mit Alice über die Touren der nächsten Tage gequatscht. Alle Hotels bieten hier die Buchung von Schiffs- (zur Ha Long Bay) und Wandertouren (ins nordwestliche Hochland nach Sa Pa) an. Also die Glanzbroschüren angeschaut und für 2 Touren zu ebendiesen Zielen entschieden. Es ist hier relativ schwer den Dschungel von Angeboten zu durchschauen, aber im Endeffekt ist nichts überteuer und die Mädchen und Jungs in den Hotels sind immer unglaublich hilfsbereit was das Buchen angeht. Man kann mit Sicherheit weitaus weniger Geld ausgeben, wenn man alles selber bucht, allerdings fehlen mir da Sprach- und Ortskenntnisse.
Am frühen Nachmittag kommen wir endlich los und laufen (für Nici ist ja alles neu) durch die Altstadt Richtung Ho Chi Minh Mausoleum. Auf dem Weg laufen wir am "Blechviertel", kunstvoll zusammengeklebten Obstkörben und verdächtig nach Hund aussehenden, gebratenen Tieren vorbei. Alles neu, alles interessant. Auf der Karte des Hotels liegt das Mausoleum ganz unten links in der Ecke und scheint nur eine halbe Stunde entfernt. Weit gefehlt, man verläuft sich. Ordentlich. Auf den Lonely Planet Stadtkarten sind übrigens auch nur Hauptstraßen eingezeichnet, was die Orientierung nicht erleichtert, da Straßennamen oft abgekürzt werden und Hanoi groß ist. Also den nächsten Einheimischen gefragt (begrüßt man die Leute mit Sin Chao (Danke Thai! ;) ) sind sie gleich viel aufgeschlossener und schauen nicht so mürrisch) und eine ungefähre Richtung gesagt bekommen. Dann zur Sicherheit nochmal in ein Café gestolpert, sehr guten Kaffee genossen und das freie WLAN genutzt um wirklich sicher zu sein und weiter. Komischerweise gibt es im immer offizieller werdenden Hanoi immer weniger Touris, dafür mehr Straßendurchsagen. So aus Lautsprechern unter roten Bannern, wo oft "Ho Chi Minh" draufsteht. Ich spekuliere mal und nehme an, dass dort "Sinnsprüche" wie aus ostbekannten Zeiten stehen. Dann werden die Straßen breiter, die Gebäude staatsmännischer und man steht auf dem riesigen Platz mit Mausoleum. Eigentlich unspektakulär, denn das erste Mal sind weniger Menschen in der Nähe und niemand hupt. Vorbeigelaufen, heimlich ein Foto geschossen (irgendjemand hat gesagt das wäre verboten) und zurück Richtung Unterkunft gelaufen. Auf dem Weg dahin erleben wir die krasseste Rush-hour Hanois (und meines Lebens): Pro Meter Straße stehen mindestens 30 Mopeds nebeneinander, jeder hupt und es stinkt nach Abgasen. Auf dem Gehweg weichen wir elegant den Rowdys aus, die diesen als Mopedweg benutzen. Beeindruckend. Jeder fünfte trägt eine Gesichtsmaske. Konträr zu den bis jetzt gehörten Erklärungen, dass diese vor der Sonne schützen und den Träger blass lassen sollen, bekommen wir im Hostel auf Nachfrage von Alice erklärt, dass die Masken Staubfilter sind, die vor Abgasen und anderem Quatsch in der Luft schützen sollen. Hätte mich auch gewundert, da die Leute sie ja auch nachts tragen. Gut, dann am Hotel vorbei und im lokalen Supermarkt eingekauft. Es gibt Öttinger. Die Plärre hat es also auch bis hierher geschafft. Naja, wir kaufen Wasser, Kekse, Mückendings und andere Kosmetika. Dann den Rubbel fix ins Hotel geschafft, zwei langweilige Deutsche an der Rezeption getroffen und nach (für mich) endlos gefühlter Laberei endlich wieder raus in den von "Michael" empfohlenen Nudelladen um die Ecke. Dort werden Monster und mir gebratene Reisnudeln mit Gemüse und Nici gebratene Reisnudeln mit Bò serviert. Was auch auffällt, ist das es hier unglaublich viele junge Leute gibt. Hier im Laden arbeiten 2 Mädels und ein Junge, die frühe Teenager zu sein scheinen. Dazwischen rennen 2 ganz kleine Menschen umher. Zum (sehr leckeren) Essen gibt's für jeden Bia Ha Noi und wir zahlen zusammen 185.000 Dong, was ca. 7,5€ entspricht. Unglaublich. Achso: Hinter uns sitzt ein Einheimischer und stopft sich unter Schmatzen und Rülpsen sein Essen in den Mund, während eine Russin am Nebentisch mit der Pho und den Stäbchen kämpft und nach 15 Minuten gefühlte drei Nudeln gegessen hat. Haha, lacht man in sich hinein. Nach dem Essen laufen wir Richtung "Beer Corner" und schütten uns in derselben Bar wie gestern leckeres Bier in den Kopf und kaufen gebackene Teigbällchen von strohbehuteten Frauen. So gegen 11 tauchen Uniformierte auf und der Barbesitzer bittet uns erst hinein und dann hinaus. Sperrstunde. Na schön, dann am "Späti" noch eins erstanden und heim gen Hotel. Morgen geht es ja früh los Richtung Ha Long Bay. Wir sind gespannt!