Mittwoch, 24. Juli 2013

Fjorde, Städte, Heuler

Wir verlassen den wahrscheinlich besten Caravanpark Neuseelands in Wanaka um nur wenige Fahrminuten später in der von Waynes Frau Claudia wärmstens empfohlenen Puzzling World einzukehren. Dort erwarten uns erstmal unzählige Knobelspiele, an denen wir größtenteils kläglich scheitern, weshalb wir uns die Illusion Rooms anschauen und unter Gelächter und Mittelohrverwirrung durchlaufen. Am Ende schauen wir uns das riesige, außen liegende 3D-Labyrinth an und schließen es Dank meines alten Tricks (immer links an der Wand lang) relativ fix ab. Lustig, wie man immer wieder allen Leuten begegnet und beobachten kann, wie sie bei der Kälte immer verzweifelter versuchen, den Ausgang zu finden. Harhar. Unser eigentliches Tagesziel ist heute Queenstown, eine auch im Winter (aufgrund der vorhandenen Skigebiete) sehr touristisch daherkommenden Kleinstadt. Wir werden auf dem Weg dahin erneut von sehr ansehnlichen Berglandschaften unterhalten und entscheiden uns nach einmaligem Durchfahren des aus allen Nähten berstenden Queenstown, dass das doch nicht unser Hood ist. Also schnell Kohle aus dem Automaten gezerrt und weiter nach Glenorchy, einem verschlafenen Alpenörtchen, welches, in traumhafter Kulisse gelegen, nicht viel mehr als eine Handvoll Pubs, Cafés und einen Campingplatz zu bieten hat. Milka hat hier übrigens seine Werbespots gedreht, da dieses Fleckchen Erde mehr nach Alpen aussieht als das europäische Pendant. Wir lassen uns im Glenorchy Café nieder, verdrücken ein paar Sandwiches (mal mit dunklem Brot, geil!) und schütten uns unglaublich leckeren Glühwein rein. Tinchen und ich trinken noch ein Bierchen im Pub und quatschen mit der bunten Truppe Gäste. Ich quäle mir mit verzerrtem Gesicht die erste Auster meines Lebens in den Mund und wir sind froh nicht das Oyster Raffle gewonnen zu haben. Danach schwanken wir durch die bittere Kälte (diesmal wirklich: so -10°) zum Van und freuen uns erneut über unseren Heater, denn das kleine, stromhungrige Gerät versüßt uns hier den Winter. Mit kleinem Kater besuchen wir am Morgen noch Paradise, einem noch kleineren Ort, der seinem Namen alle Ehre macht, denn in der atemberaubend stillen Umgebung hat schon Peter Jackson einen Haufen Szenen für den Herrn der Ringe gedreht. Gegen Mittag geht es entlang des Lake Wakatipu zurück nach Queenstown, Einkaufen, Tanken und weiter nach Te Anau. Te Anau ist die Basis für Fahrten ins neuseeländische Fjordland, was unseren Campingplatz ungewohnt bevölkert sein läßt. Dort angekommen schließen wir gleich Freundschaft mit zwei Aussies aus Adelaide, die hier ihren Winterurlaub verbringen und quatschen lange in Eiseskälte. Des Nachts entscheiden wir uns doch noch beim Milford Sound vorbeizuschauen; wenn man schon mal hier ist, kann man auch den bekanntesten der Fjorde Neuseelands besuchen. Am nächsten Morgen werden wir, kaum aus Te Anau raus an die Seite geleitet und befragt ob Schneeketten an Bord sind. Wir stellen uns auf das Schlimmste ein, versprechen ganz vorsichtig zu sein und müssen, nach etwa einstündiger Fahrt, Halten, denn auf der Strecke wird Schnee und Eis geräumt. Langsam sammeln sich Autos und Busse und die Touribusinsassen werden immer nervöser, schließlich haben sie ja zu fest gebuchten Zeiten auf dem Boot durch den Milford Sound zu fahren. Ich düse noch schnell an einem der vielen, aus den warmen Teilen Asiens kommenden, Touristen vorbei um die Serpentinen nicht im Schritttempo zu befahren, doch der nun vor mir fahrende Neuseeländer ist auch kein Geschenk. Statt der erwarteteten 3 Meter Schnee liegen gerade mal 20 Zentimeter am Straßenrand und dafür der Split faustdick auf der Straße. Kein Problem also für winterharte Europäer, was genug Zeit und Kraft läßt die umgebende Landschaft zu bestaunen. Gefühlte Kilometer hoch umschließen einen die vereisten Bergwände auf der Fahrt nach dem Homer-Tunnel. Beindruckend, vor allem wegen der, durch Nebel und Schnee scheinbar schwarz-weißen Felsmassen. Am eigentlichen Fjord angekommen, haben wir wieder Ruhe, denn alle Voraus- und Hinterherfahrenden erklimmen die bereitstehenden (und für uns wieder mal zu teuren) Boote und rauschen gen Westen. Wir hingegen erkunden die Umgebung, schießen hunderte Bilder (ja, auch vom Mitre Peak hinter Palmen, wie auf fast allen Neuseelandreiseführern!), die der Realität aufgrund des riesigen Kontrastbereiches leider nicht gerecht werden können und gönnen uns einen Kaffee im ansässigen Teehaus. Danach ist unser Abenteuer Milford Sound im Grunde vorbei, denn wir treten die, wieder atemberaubende, Rückreise nach Te Anau an. Ähnlich wie am Vortag, gabeln Tine und ich diesmal zwei Belgier auf, quatschen und trinken Bier, während Sophie kocht. Pieterjan (Rosenkohl- Spargel, Chicoree-Bauer) und Ellen (Lehrerin) verbringen ihre Flitterwochen im kalten Neuseeland. Der kommende Tag führt uns an die Südküste und den südlichsten Zipfel Neuseelands über das von Keith Richards einst als "Arschloch der Welt" bezeichnete Invercargill nach Bluff. Besonders spektakulär ist es hier nicht, deshalb trinken wir nur schnell Kaffee am "wannabe" Südkap Stirling Point und machen uns auf der Southern Scenic Route wieder auf gen Norden. Mit kurzem Übernachtungsstop irgendwo im Nirgendwo fahren wir weiter in Richtung Dunedin, machen kurz halt am Nugget Point, an dem man wunderbar Pinguine beobachten können soll. Wir finden keine Pinguine, dafür aber einen Klopper von Seelöwen, der sich erst faul ins Gras kuschelt, dann aber (sicher genervt von uns) nach kurzem Gepose wieder ins Meer stürzt. Am Nachmittag checken wir auf dem Campingplatz in Dunedin ein und machen uns auf den steilen den Weg in die Stadt. Dunedin ist eine kleine, recht alternative Universitätsstadt, die neben ein paar Kirchen und sehr vielen, sehr steilen Straßen einen Haufen Cafés und Bars zu bieten hat. Leider sind sowohl Sam als auch Sam (unsere beiden Kontakte in Dunedin) gerade heute nicht verfügbar, weshalb wir, nach einem schönen Stadtrundgang, fast unspektakulär in einer kleinen Bar und rechtzeitig wieder im Van landen. Da wir ganz verliebt in die spektakulären Berglandschaften der Südinsel sind, zieht es uns nach diesem kurzem Stadtintermezzo, vorbei an surrealen, von Schafen bevölkerten, Hügellandschaften zurück in die südlichen Alpen. Wir halten kurz in Alexandra, sind wenig beeindruckt von der dortigen "Shaky Bridge" und auch das wilde Daraufrumspringen bringt nicht den gewünschten Kick. Also wieder rein in die Karre und weiter nach Cromwell, wo wir die Nacht verbringen werden. Tinchen verpasst mir und Sophie einen neuen Haarschnitt und am Morgen schauen wir uns die, aus dem benachbarten Stausee gerette, Altstadt des kleinen Örtchens an. Der nächste Weg führt uns nach Mount Cook Village, einem 100 Seelendörfchen, welches sich in der Hauptsaison (den Touristen sei Dank) mindestens verzehnfacht. Nicht ohne Grund. Dutzende Wanderwege eröffnen hier grandiose Blicke auf Berge, Gletscher, Seen und Täler, doch wenn die Westküste das hübsche Gesicht Mount Cooks ist, zeigt sich hier (zumindest heute) sein nasser Hintern. Da unsere Zeitfenster hier immer knapp bemessen sind und wir uns am heutigen Tag alle beim Mittagessen überfressen haben, entscheiden wir uns für zwei kurze Walks, die uns zum Kea Point und zum längsten Gletscher Neuseelands, dem Tasman Glacier führen. Unter lautem Oh- und Ah-Geraune werden Bildchen gemacht, die Eisberge im Gletschersee bestaunt und immer wieder mit offenem Mund in die Gegend gestaunt. Ich möchte gern im Sommer noch mal her um die tagelangen Wanderungen in der Gegend zu machen, denn die müssen der Kracher sein. Nach der Nacht in Glentanner sind wir ganz aus dem Häuschen, denn sie Sonne beschert uns heute beste Aussichten auf Mount Cook und Umgebung und verbessert unsere Laune ungemein. Bei einem Stopp auf dem Mount John, der, malerisch am Lake Tekapo gelegen, herrliche Blicke in die umgebende Bergwelt bietet,entscheiden wir uns heute, statt nach Christchurch, ins 200 Kilometer weiter entferntere Kaikoura zu fahren. Tinchen bringt uns nach über 500 Kilometern und knapp 7 Stunden Fahrt sicher in die Whale-Watching-Hauptstadt Neuseelands und wir beziehen den Campingplatz gleich für 2 Nächte, denn alle haben das Fahren (wir knacken beim Einfahren die 6000er Marke!) etwas satt und freuen sich auf einen Tag außerhalb der Karre. Der nächste Tag bringt herrliches Wetter uns ich springe überwältigt vom Frühstückstisch auf, als mit einem Mal die hinter Kaikoura liegenden, fast 3000 Meter hohen, Berge durch die Wolken linsen. Klar, dass viele Leute herkommen, um vor dieser Kulisse Fotos von Walfluken zu schießen. Wir sind (wie so oft) zu arm und laufen stattdessen zum östlichen Ende der Halbinsel und erfreuen uns an den dort faul auf Wegen und Kaimauern liegenden Robben und dem Ausblick über den Pazifik. Auf dem Weg zurück scheucht ein sicher zentnerschweres Robbenmännchen die neben ihm posende Sophie durch aggressives Gähnen (Hahaha!) vom Bretterweg. Nach dem stundenlangen Laufen gönnen wir uns den, durch unsere Top 10-Mitgliedschaft kostenlosen, Spa des Zeltplatzes. Klasse! Bevor wir am nächsten Tag Richtung Süden und Christchurch fahren, donnern wir noch schnell an den Ohau Waterfall, denn hier tummeln sich angeblich... dutzender... kleiner... süßer... BABYROBBEN! Schon auf dem Weg zu den Fällen sitzen immer wieder Heuler im Wald, doch der Höhepunkt ist das Becken unter dem eigentlichen Wasserfall: Sicher 50 junge Robben springen und spielen im Wasser, schauen uns mit tränigen Augen an, oder prügeln sich untereinander. Niiiiiiieeeeeeedlich!!! Wir knipsen die kleinen Racker und fahren dann gen Süden. Nach kleinem Umweg über die Banks Peninsula kommen wir am Abend in Christchurch an und beginnen den Van für die Abgabe klar zu machen. Am Morgen waschen wir den Ponyhunter das erste und einzige Mal und geben ihn (im Gegensatz zu Australien ohne Probleme) bei seinen Besitzern ab. John vom Shuttleservice bringt uns fix ins Foley Towers Hostel, wir legen unseren Kram ab und machen uns gleich auf den Weg in die Stadt. Wenn man es noch Stadt nennen kann, denn nach dem Erdbeben vom Februar 2011 sieht diese eher aus wie das Set eines Katastrophenfilms; beinahe 1700 Gebäude wurden allein im Zentrum abgerissen und es gibt unglaublich viele Baulücken und Häuser, die nicht betreten werden dürfen und ebenfalls auf den Abriss warten. Krass. Tinchen hat kurz darauf ihre 15 (eigentlich 20) Minuten Ruhm, denn sie muss spontan dem Mullet Man bei seiner sehr witzigen Jonglier-Show auf der Mall assistieren (ich versuche demnächst mal das Video hochzuladen). Später sehen wir uns Teile des Botanischen Gartens an, trinken ein Bierchen und sind gegen frühen Abend zurück im Hostel, wo ich wieder zwei Belgier und einen Franzosen aufgabele und zum Biertrinken im nahen Pub überrede. Tine und ich wandern am nächsten Tag noch einmal in die Stadt, probieren das öffentliche Verkehrsnetz und sehen uns das Air Force Museum an. Gegen Nachmittag zurück im Hostel bestelle ich das erste Mal online Pizza (Willkommen im 21. Jahrhundert, Herr Exner) und wir verbringen den letzten gemeinsamen Abend sehr ruhig bei Sachenpacken und Bücherlesen. Vorhin verabschieden wir dann Sophie, denn sie fliegt heute zurück ins hoffentliche warme Europa, während wir uns noch den Tag in Christchurch um die Ohren schlagen, um am Abend nach Auckland und morgen vormittag nach Hawaii weiterzufliegen! Tora, Tora, Tora!

Donnerstag, 11. Juli 2013

Stadt, Land, Fluß, Gebirge


Na schön. Aufgehört hatten wir nach der etwas enttäuschenden Vulkanexpedition in Taranaki. Wir bahnen uns also den regnerischen Weg nach Wellington und erreichen die neuseeländische Hauptstadt nach der bisher längsten Fahrt in Neuseeland, ganzen 400 Kilometern. Bei der Einfahrt werden wir Zeugen eines kleinen Buschbrandes, der professionell unter Benutzung eines Helikopters und hektoliterweise Hafenwassers gelöscht wird. Die Sorge, dass der Brand Papa Schmidts Haus betreffe, erweist sich nach kurzer Stadtrundfahrt durch den nervig durch Einbahnstraßen geführten Rushhour-Verkehr als unbegründet, denn wir erreichen ihn durch die in Whangarei gekaufte SIM-Karte auf dem Handy und er beschreibt uns den Weg ins Hataitai Village, wo sein Häuschen steht (und nicht brennt). Nach weiteren nervenzerrenden Minuten durch den dichten Verkehr der relativ kleinen Hauptstadt, treffen wir ihn und folgen ihm auf engsten Straßen den Hügel hinauf zu unserer Bleibe der nächsten 2 Nächte. Die untergehende Sonne und der Wohnzimmerblick über die Evans Bucht begeisterten sofort mit atemberaubenden Aussichten auf den Flughafen und die Halbinsel Miramar direkt gegenüber. Zusätzlich haben Jana und Sebastian (so heißt der Mann im echten Leben) Zimmer für uns vorbereitet, ein Fakt der aufgleich mit der Öffnung eines Bieres gefeiert wird. Klasse! Nachdem Seb vom Meeting zurück- und Jana ebenfalls von der Arbeit heimgekehrt ist, fahren wir nochmal hinab ins Städtchen, um beim ehemals Hataitaithai (inzwischen Nakhon Thai, da gab's sicher viele witzige Anrufe) zu Abend zu essen. Wieder oben, sitzen wir noch eine Weile bei (sehr gutem) Whiskey und Rosé und tauschen Reise- und Auswandergeschichten aus. Am Morgen gibt es ein weit vielfältigeres Frühstück als wir gewohnt sind und nachdem Papa Schmidt sich gen Maloche verabschiedet, rollen wir mit Jana zum Sightseeing. Wir besuchen die Weta Cave, quasi die Hardwareversion der Weta Special Effects, sehen Gollum, Gandalf und fiese Orkfiguren, bewundern bei einer geführten Tour die Handfertigkeit der anwesenden Künstler und bestaunen Reliquien bekannter Filme wie District 9, Herr der Ringe und früher Kracher Peter Jacksons wie Braindead. Danach umrunden wir Miramar, fahren an PJs Haus vorbei (und schießen aufgeregt Touribilder), besuchen die Wind Turbine (die Wahnsinnsblicke über die Stadt bietet) und natürlich den Victoria Lookout, von dem aus man die gesamte Stadt samt CBD (Central Business District) sehen kann. Das alles bei Bombenwetter und nur wenig Wind. Wunderbar. Nach der Stadtrundfahrt setzt uns Jana bei der Cuba Street ab, Tine und ich kaufen uns Neoprenanzüge (Tine handelt den einen fies runter, weil Staub dran ist, ich bin da ja immer 'ne Flasche) und wir begießen den Kauf mit Bierchen im Irish Pub und anschließendem Essen mit Seb und Jana beim vegetarischen Asiaten. Zuhause gibt es noch viele alte und neue Geschichten, Whiskey und Wein. Wir verabschieden uns von Jana, denn die muss früh raus und am Morgen ebenfalls von Papa Schmidt, denn der muss zur Arbeit und wir zur Fähre, es soll heute noch auf die Südinsel gehen. Gesagt, getan, fahren wir den Ponyhunter nach Kaffee und etwas Warten auf eine ehemals dänische Fähre und starten pünktlich vom Kai. Wir umrunden Miramar (und versuchen Blicke auf den aktuellen Hobbit-Drehort zu erhaschen), bewundern den Wellingtoner Hafen und Umgebung bei herrlichem Wetter und kurze Zeit später die bereits zu sehenden, schneebedeckten Gipfel der Südinsel. Schön. Keinem wird schlecht und nach 3 Stunden Fahrt, die letzte davon durch den doch nicht so fjordigen Queen Charlotte Sound, legen wir zur Dämmerung in Picton an, kaufen kurz im Minisupermarkt ein und fahren auf den hiesigen Top 10 Campingplatz. Nach kurzem Quatschen mit der Rezeptionsdame, bietet mir diese an, im Netz nach meinem Freund Wayne zu suchen. Ich hatte Wayne vor 10 Jahren in Erfurt beim Punkrock vs. Hardcore (Danke Heini) kennengelernt und ihm versprochen, ihn zu besuchen, falls es mich mal nach Neuseeland verschlägt. Allerdings war online wenig über ihn zu finden, allein der netten Frau fällt ein, doch mal ins Telefonbuch zu schauen. Siehe da, ich bekomme eine Nummer und ungefähre Adresse, also durchgeklingelt und einem etwas fragend klingenden Wayne die Geschichte von damals erzählt. Das hält ihn nicht davon ab, uns den Weg zum Berghof bei Motueka (deshalb die ungefähre Adresse) zu erklären und mir seine Handynummer durchzugeben. Gespannt fahren wir also am nächsten Tag Richtung Osten, halten in Nelson, kaufen ein und besuchen wenige Kilometer weiter die Stoke Brewery, wo wir uns die Brauerei zeigen lassen und anschließend 14(!!!) Biere verkosten. Trotz der Minibecher bin ich froh, dass Tine fährt und ich zudem Sophies und ihre "Reste" trinken darf. Ungewohnt entschlußfreudig bestelle ich ein weiteres der sehr leckeren Hausgebräue und texte Wayne unsere ungefähre Ankunftszeit. Wir sind schnell in Motueka und ich erinnere mich tatsächlich fast vollständig an den relativ komplizierten Anfahrtsweg, der uns, nach nur einem Mal verfahren über den rutschigsten, schlammigsten Anstieg der Welt, den Berg hinauf zum Hause der Familie Manderson führt. Wayne begrüßt uns und fängt dank meines erkannten Gesichtes an, sich besser an die Nacht vor 10 Jahren zu erinnern. Wir treffen die, inzwischen 3, Kinder, sehen das neugeborene Lamm und die Schafe am Hang, essen Abendbrot und quatschen lange über Gott und die Welt. Die Mädchen werden schneller müde, Wayne und ich hören noch lange Punkrock und schauen eine hervorragend witzige Doku über den Auftritt der "Blistering Tongues", einer Dunediner Punkband, im lokalen Stripschuppen. Hahaha. Nach dem Aufstehen treffen wir auch Claudia, Waynes deutsche Frau, Mutter seiner Kinder und wie Tine und ich Erfurterin. Es gibt selbstgebackene Brötchen, was uns freut wie die Kinder, denn nach den Vietnamesen, den Filipinos und Aussies können auch die Kiwis leider nur weißes, labberiges "Brot". Nach dem Einholen vieler Tipps, kurzer Begehung des "Grundstückes" (es geht bis weit über den Berg) und Betrachten der Folgen eines Erdrutsches auf ebendiesem verabschieden wir uns wieder, versprechen in Kontakt zu bleiben und rollen den Berg hinab Richtung Tanke in Motueka. Nach dem Benzinkauf fahren wir weiter Richtung Nordwesten um nach einstündiger Serpentinenfahrt Takaka und das kurz dahinter liegende Onekaka (kindische Gemüter haben hier ihren Spaß) und die dort befindliche Mussel Inn zu besuchen. Die Gegend hier ist die Craft Brewing Hauptstadt Neuseelands und so hat auch diese Kneipe eine angeschlossene, 1200 Liter-Brauerei (Torben, die helle Freude!). Ich durchtrinke die Karte (in sehr kleinen Gläsern), Sophie Cider und das Monster alkoholfreies Ingwerbier während wir uns die Zeit mit englischem Scrabblespiel vertreiben. Danach chauffiert uns die Tine zum heutigen Zeltplatz in Pohara, wo zum ersten Mal unsere wet suits im 13° kalten Wasser ausprobiert werden. Das geht leider nicht lange, denn es frieren alle nicht vom Anzug bedeckten Hautteile sofort so unglaublich, dass ich die Wassertemperatur in Gedanken um 10° senke. Die Neos allerdings halten und wir sind mit dem Kauf zufrieden, allerdings müssen sie wohl noch eine Weile auf ihren realen Einsatz warten, denn die Fahrt Richtung Süden verspricht Frost und noch kälteres Wasser. Nach dem Abbruch der Zelte (besser gesagt dem Entfernen des wärmebringenden Stromkabels vom Van) geht die Fahrt am nächsten Tag zuerst weiter nordwärts entlang der Grenzen des Abel Tasman Nationalparks, wo wir einen Wasserfall begehen, dann, nach einem weiteren Rundwanderweg, zu den Pupu (Haha, ich weiß!)-Springs, den größten Frischwasserquellen der Südhalbkugel und schließlich weit nach Süden. Wir übernachten heute in Murchison und erfreuen uns an den vielen Tieren, die hier neben dem Zeltplatz wohnen. 3 Emus, ein Wallaby (alle 4 aus Australien eingeführt), ein Dutzend Enten, Hühner und ein Schwein sowie ein Reh. Der folgende Morgen führt uns zur Buller (Hihihi!) Gorge Swingbridge, der längsten Einpersonenhängebrücke Neuseelands. Ein Superlativ jagt bei dieser Reise das nächste. Wir überqueren die wackelnde Brücke für schlappe 5 Dollar, begehen den dahinter liegenden Wald, sehen alte Goldgräberhütten, sind aber zu geizig den Rückweg per Zipline zu bestreiten. Also wieder per pedes über den Fluß und weiter Richtung Westport. Wir besuchen trotz australischen (sprich: schwersten Regen-) Wetters die lokale Seerobbenkolonie und "unterhalten" uns und die Tiere durch laute "OuOuOu"-Rufe. Spaß muss sein. Kurz danach bewundern wir die Pancake Rocks, und die, mit dem Meer kämpfenden (und uns, ob ihrer Schroffheit, oft an die Great Ocean Road erinnernden) Felsformationen bei Punakaiki und geben zwei französisch und kanadischen Mädels Starthilfe, denn unser neuseeländischer Camper ist weitaus fitter als der australische. Unsere heutige Fahrt beschließen wir in Greymouth, welches seinem Namen beim Tanken und Einkaufen durch Selbstmörderwetter alle Ehre macht, gegen Abend jedoch Wahnsinnsblicke auf den Strand und die südlicher liegenden Alpen bietet. Der nächste Tag führt uns in genau diese lange Bergkette und wir besuchen unter vielem Laufen, Staunen und Schnaufen erst den Franz-Josef und dann den, unserer Meinung nach wilder und gefährlicher aussehenden Fox-Gletscher. Zwischendurch erfreuen wir uns erschöpfungslos an krass schönen Bergpanoramen, die hier ständig durch den die Straße oft umschließenden Regenwald blitzen. Da wir uns wie immer nicht überviel leisten können, nehmen wir keine der geführten Gletschertouren oder Hubschrauberflüge, sondern umrunden zu Fuß den nahe gelegen Lake Matherson, der hier in der Abendsonne unglaublich tolle Reflektionen des Mount Cook und des benachbarten Mount Tasman bieten. In der gegen Abend einsetzenden Kälte sind wir (abgesehen von den großen Touriattraktionen), wie so oft, allein unterwegs. Wir können uns also das Lichtspiel der untergehenden Sonne auf den Bergen ganz in Ruhe und ohne nerviges Gedränge ansehen. Wun-der-bar. Nach der Nacht auf dem Zeltplatz in Fox Glacier düsen wir dann heute den Highway 6 weiter nach Süden, passieren den, nur teilweise schneebedeckten und sonst wie fast alles hier wunderschön grünen Haast-Pass und landen nach sehr vielen Fotografierhalten in Wanaka. Hier entstieg ich vor kurzer Zeit dem kostenlosen Spa und sitze nun bei Kaminfeuer in der Lounge am Rechner um euch am Reisen teilhaben zu lassen, während die Mädchen fleißig Karten schreiben. So gefällt mir das.








Sonntag, 7. Juli 2013

Nordland, Auckland, Feuerland

 Das Tolle an unserer kleinen Weltreise ist, dass wir selten lange Strecken zu fliegen haben und so landen wir schon nach 3 ½ Stunden Flug (5 ½ Stunden mit Zeitverschiebung) gegen Abend in Auckland. Wir haben uns gut auf die Einreise nach Neuseeland vorbereitet, unsere Schuhe gesäubert, auf die Einfuhr von Lebensmitteln, Pflanzen sowie toten oder lebenden Tieren verzichtet und stehen nach kurzer Befragung und Musterung vor dem Flughafengelände und werden kurze Zeit später von Laurel, der Besitzerin des Motels eingesammelt, in dem wir die erste Nacht in Neuseeland verbringen werden. Dort angekommen nehmen wir auch gleich den nächsten Shuttle-Service wahr und lassen uns von einem freundlichen Inder ins nahe gelegene ebenfalls indische Restaurant karren. Mit uns fährt John, ein Australier, der seinen Anschlussflug in den Skiurlaub verpasst hat und seinen Abend wohl oder übel mit uns verbringen muss. Es wird lecker gespeist und John erzählt uns etwas überrascht ob unserer Unwissenheit vom sogenannten „Drop Bear“ dem bösen Cousin des Koalas, der sich auf hinterlistige Übergriffe auf „Koalas in Astgabeln suchende“ Menschen spezialisiert hat. Nach kurzem Gelächter geht’s wieder ab ins Motel und der Abend endet unspektakulär in unserem saunawarmen Zimmer. Der kommende Tag bringt Sonnenschein und ein neues Auto, was uns die nächsten Wochen durch Neuseeland kutschieren wird. Molly von der Autovermietung kümmert sich ganz rührend um uns und wir sind ganz aus dem Häuschen, denn unser neues Zuhause hat einen kleinen Heizlüfter, den wir in Australien an der ein oder anderen Stelle vermisst haben. Ein portables Klo ist auch mit an Bord, vom Gebrauch werden wir wohl absehen, wer will schon über Scheiße schlafen. Unsere erste Station ist Orewa, ein Örtchen nur wenige Kilometer von Auckland entfernt. Wir kosten das erste neuseeländische Bier, richten unser neues Zuhause ein und checken die Umgebung aus. Am Abend lernen wir noch Kaare und Fabian kennen, zwei Deutsche, die auf die Ankunft deutscher Abiturienten warten, da sie verzweifelt versuchen ihr Auto zu verkaufen. Über kurvige Straßen, saftige Wiesen und sehr an das Auenland erinnernde Landschaften bahnen wir uns tagsdrauf den Weg nach Norden, statten der kleinen Industriestadt Whangerei inklusive ihres semispektakulären Wasserfalls einen kurzen Besuch ab und pausieren an einem der vielen schönen Strände im Nordosten der Insel. Auf einer kurzen Küstenwanderung treffen wir drei Jugendliche Kiwis, die keine Mühen gescheut haben ein ruhiges Plätzchen zu suchen um dem Marihuanakonsum nachzugehen. Etwas überrascht ob unserer Anwesenheit an dem abgelegenen Ort bieten sie uns sofort an von ihrem Kraut zu kosten, was dankend abgelehnt wird. Nach kurzer Übernachtungspause (wir haben ganze 9 Tage Zeit um die Nordinsel Neuseelands zu erschließen) an der Bay of Islands geht es im strömenden Regen weiter Richtung Norden zum Cape Reinga. Dort treffen der Pazifische Ozean und die Tasmanische See aufeinander, gleichzeitig ist es auch der nördlichste (zumindest offiziell) und ein wirklich schöner Punkt Neuseelands. Für die Maori ist Cape Reinga ein besonderer Ort, denn hier starten die Seelen der Toten ihren Weg nach Hawaiki (das mythische Herkunftsland der Maori). Am Abend setzen wir mit der Fähre nach Rawene über und parken uns auf dem von zwei Schweizer Mädels geführten Campingplatz in dessen Campküche Exi wohl die beste Erbsensuppe seines Lebens zubereitet. Der kommende Tag führt uns in den Waipoua Forest, einen der wenigen verbliebenen Kauriwälder Neuseelands (Die weißen Siedler haben es geschafft, den Bestand innerhalb weniger Jahre fast vollständig zu dezimieren). Kauris sind riesige, beeindruckende Bäume, die laut Sophies Reiseführer selbst den stärksten Mann ganz schön klein und schwach aussehen lassen. Um einen guten Ausblick auf die endlosen Küsten werfen zu können, quälen wir uns (mit wir meine ich mich) zur Feier des Tages noch zum Maunganui Bluff hinauf, werden mit einem beeindruckenden Blick auf den endlosen Küstenstreifen belohnt und landen am Abend wieder in Orewa. Auckland erwartet uns am Morgen mit strahlendem Sonnenschein und wir beschließen die Stadt zu Fuß zu entdecken. Der Weg führt uns über einen (nicht mehr aktiven) Vulkan mit bester Aussicht auf die Stadt, durch einen riesigen Stadtpark zum Skytower, dem höchsten Gebäude Aucklands. Am Hafen schauen wir uns ein paar Bonzenyachten an und beschließen noch ins „hippe“ Viertel Ponsonby zu wandern um uns mit ein paar Bierchen zu stärken. Nach über 20km Fußweg geht’s mit dem Bus und erneutem Kneipenabstecher wieder zurück zum Campingplatz. Im wahrsten Sinne des Wortes wärmstens empfohlen wurde uns der Hot Water Beach auf der Coromandel Halbinsel. Auch wenn es in Neuseeland wärmer ist als gedacht, kommt uns eine natürliche Badewanne ganz gelegen und so fahren wir entlang der Küste durch atemberaubende Landschaften nach Hot Water Beach nicht aber ohne vorher in einem der vielen Cafés am Wegesrand zu halten um uns omamäßig bei Kaffee und Kuchen die Sonne auf den Leib scheinen zu lassen. Angekommen am Caravanpark werden wir sofort mit Schaufeln ausgestattet und graben uns wenig später unser eigenes Loch am Strand. Bald ist unser Werk vollendet und wir können unsere Astralkörper in unserem wunderbar heißen Spa ablegen. Unbezahlbar. Beeindruckt von der hier herrschenden thermalen Aktivität zieht es uns weiter nach Rotorua, einem kleinen Örtchen an einem See, der nicht besonders viel zu bieten hat, aber bekannt für seine dampfenden und teils stinkenden Thermalfelder ist. Wir glotzen uns also ein paar blubbernde Schlammlöcher an und landen gegen Abend schließlich in Taupo, idyllisch gelegen am gleichnamigen See und ganz in der Nähe der höchsten Vulkane Neuseelands, die wir uns am kommenden Tag mal ganz aus der Nähe anschauen wollen. Voller Erwartungen fahren wir zum Mount Tongariro und zum Mount Ngauruhoe, besser bekannt als der Schicksalsberg aus dem Herrn der Ringe, in den Frodo den Ring der Macht neinjepfeffert hat. Der perfekte Ausblick auf die Vulkane bleibt uns leider verborgen, denn dicke Wolken versperren uns frecherweise die Sicht. Aus Trotz fahren wir noch ein Stück ins Skigebiet des dritten im Bunde, Mount Ruapehu (mit 2797m der höchste Vulkan Neuseelands), dessen Gipfel wir dadurch kurz zu sehen bekommen. Wir trösten uns mit Kaffee und Kuchen in Taumarunui einem kleinen aber bedeutungsvollen Städtchen, denn hier sind nicht nur drei verschiedene Maoristämme angesiedelt, auch das umgrenzende Land ist das einzige Neuseelands, welches nie aus Maorihänden gegeben wurde. Sophie siehtihren ersten Maorigruß (liebevolles Nasenaneinanderpressen) und weiter geht es durch grünes Auenland auf dem Forgotten World Highway Richtung Westküste. Wir passieren die freie RepublikWhangamomona, in der wir uns eigentlich als Einwohner registrieren lassen wollten. Das ansässige Hotel mit Pub und Bürgeramt ist leider geschlossen und so bleibt Berlin wohl unser einziger derzeitiger Wohnsitz. Am Abend erreichen wir New Plymouth am Fuße des (selbstverständlich in Wolken verhüllten) Mount Taranaki, bleiben eine Nacht und machen uns am Morgen, nach dem Umrunden des Mount Taranaki auf den Weg nach Wellington. Dort erwartet uns Peter Jackson und Papa Schmidt, Exis ehemaliger Kommilitone, der uns lieberweise für ein paar Nächte Obdach gewährt.