Sonntag, 19. Mai 2013

Erich, Evi und ellenlange Straßen

Wenn ich schon 3 Monate dabei bin, schreibe ich auch mal Blog: Am Montagmorgen fahren wir nach Shute Harbour, dort geht das Wassertaxi nach Hook Island ab. Weil wir Füchse sind parken wir nicht auf dem teuren Parkplatz direkt am Hafen, sondern oberhalb der Bucht, wo es um einiges billiger ist. Am Pier ist Phil schon dabei, das Boot startklar zu machen. Er ist ein lieber, aufgeregter Typ; das Boot ist klein und gelb, und nachdem wir uns Schnorchel, Flossen und Stinger Suits (schützen vor tödlicher Quallengefahr) ausgesucht haben und Phils Kumpel Dave angekommen ist, geht’s los. Wir brausen ca. 50 Minuten mit den Wellen zu Hook Island. Die Fahrt ist schon mal sehr schön, das Boot hüpft ab und an lustig und die Sonne strahlt. Die Bucht, in der wir die nächsten zwei Tage verbringen werden, heißt Maureen's Cove. Phil schmeißt uns und die Campingsachen raus, düst davon und wir tapsen robinsonmäßig den Strand hoch. Der ist nicht aus Sand, sondern aus Korallen- und Muschelresten: schön zum Strandgut suchen, schlecht zum drauf rumlungern. Wir sind die Einzigen auf dem kleinen Campingareal. Dort gibt es Platz für ein paar Zelte, eine Sitzgruppe unter einem riesigen Baum und ein Plumpsklo, gut bewacht von Erich, der Riesenspinne. Sobald wir die Zelte aufgebaut und das (gut sortierte) Campingzubehör begutachtet haben, pressen wir uns in die Stinger Suits (nicht jeder von uns sieht darin so heiß aus wie Tine...) und stürzen uns in die Fluten. Ich schnorchle zum ersten Mal außerhalb des guten alten Suhler Ottilienbades und schlucke einige Liter Salzwasser, weil ich immer mal wieder fasziniert das Mäulchen aufreißen muss: wir schweben maximal einen Meter über den Korallen, die sanft hin und her wiegen, tauchen durch Fischschwärme, bestaunen Regenbogenfische und hören, wie diese an den Korallen nagen. Kurzum: HERRLICH! Nachdem die Dunkelheit wie immer sehr früh hereingebrochen ist und wir gespeist haben, legen wir uns an den Strand um Sterne zu gucken. Exe beeindruckt uns mit seinem astronomischen Wissen und zeigt uns den Mars, Orion, die Milchstraße und einen Spionagesatelliten. Ich sehe die ersten Sternschnuppen meines Lebens (und wünsche mir Weltfrieden, also seht zu!) und fühle mich die ganze Zeit, als würde mir jemand ins Herz pinkeln ob der millionenfachen Schönheit. Der nächste Tag ist wettermäßig perfekt: strahlender Sonnenschein und sehr heiß. Also tun wir das: schnorcheln, unsere Astralkörper bräunen, lesen und Strandgut sammeln. Des Nachmittags ankert eine Yacht mit 6 nervigen Kids in der Bucht über die wir uns ein bisschen ärgern müssen, weil sie die Idylle durch Grunzlaute zerstören und -trotz nationalparkweiten Verbots- rumzündeln wollen. Tine spricht ein Machtwort, sie zeigen sich beeindruckt und verschwinden aufs nächste Strandstück. Diese Nacht ist ein bisschen bewölkter, also weniger Sterne, dafür mehr alte Geschichten (z.B. warum Exe damals eine Schlager Süßtafel an Evi Busch abgeben musste). Später in den Zelten fürchten wir uns noch ein bisschen vor den lauten Geräuschen, stellen dann aber fest, dass es nur Vögel sind, die sich ein bisschen aufplustern. Fun Fact: Wir sehen hier massig abgefahrene Vögel (z.B. Kakadus), die zwar schön aussehen, aber meistens Geräusche von sich geben, die sich anhören, als würde ein Säugling verenden. Da wir am nächsten Tag erst nachmittags vom Inselabenteuer wiederkehren, entschließen wir uns für eine weitere Nacht auf dem Flametree Campground in Airlie Beach, um uns die Salzkruste abzumeißeln und den Mückenstich-Sieger zu küren (Tine gewinnt nach Anzahl, Exes sind dafür am dicksten angeschwollen). Fröhlich und salzfrei machen wir uns am nächsten Morgen auf Richtung Eungella Nationalpark. Dort soll man die seltenen Schnabeltiere noch in freier Wildbahn sehen können und einen tollen Panoramablick von den Bergspitzen ins Tal haben. Auf dem Weg dorthin knacken wir unter lautem Gejohle die 2000 km Marke. Unser erster Halt ist die Fitch Hatton Gorge. Erst plaudern wir noch mit einem netten Aussie, dann fängt es plötzlich an, schlimmstmöglich zu regnen. Darum keine Gorge und keine Schnabeltiere, sondern wieder ins Auto und gleich zum Lookout auf den Bergen fahren. Tine bewältigt ihren ersten 12%igen Serpentinenanstieg bravourös, oben angekommen sehen wir jedoch -natürlich- nur die halbe Aussicht, da Nebel im Tal hängt. Klasse. Also alle nochmal Pipi und dann weitergefahren. Auf dem Weg nach unten feiern wir dann heimlich unsere Konfirmandenblasen, denn kurz vor uns ist plötzlich ein nicht sonderlich kleiner Baum mitten über die Straße gekracht. Exe krempelt sofort die Ärmel hoch, aber da offenbar auf jedem Aussiegrundstück ein Bagger rumsteht, kommen die ihm zuvor, also belässt er es beim wichtig gucken und Ästchen aufsammeln. Das Wetter bleibt bescheiden, darum entschließen wir uns, Strecke zu machen. Bei Einbruch der Dunkelheit erreichen wir St. Lawrence mit unserem ersten kostenlosen Campingplatz. Vor Freude fährt Tine den Van im Matsch fest. Unter fachkundiger Anleitung zwei älterer Frauen mit Hund und Mick, der mit dem Fahrrad die Küste hochfährt, befreit Exe den Karren. Der parkt jetzt aber in einer solchen Schräglage, dass Tine und ich uns ein bisschen davor fürchten, dass er des nachts umkippt. Als ich also später in meine Koje unterm Dach krieche, die ca. 50cm Liegehöhe hat und in der ich mich immer so ein bisschen wie die Fritzel-Tochter fühle, presse ich mich eifrig an den linken Rand. Nichts fällt um und der kommende Morgen ist sonnig und beschert und etwas Schönes: auf der weiten Ebene vor dem Campground hüpfen und kloppen sich ein Haufen Kängurus und veranlassen uns damit zu einigen Ohs und Ahs. Nachdem ein Mann mit Hund die Kängurus verjagt hat, isst Exe noch schnell 3 Bananen (die mussten weg!) und wir machen uns wieder auf den Weg. Wir unterbrechen unsere Fahrt heute nur in Rockhampton um zu tanken und einzukaufen. Weil er qualmt wie ein Schlot muss Exe hier zum ersten Mal australischen Tabak kaufen: 50 Gramm für 28 Dollar. Besonders schön: hier wird das mit den Warnhinweisen so ernst genommen, dass der Markenname nur in Schriftgröße 10 auf der Packung steht, den Rest nimmt das Foto eines widerlichen Gangrene-Fußes ein. Köstlich. Wir fahren weiter bis Agnes Water, einem kleinen Kaff an der Küste mit einem sehr schönen Campground von dem aus man runter an den Strand steigen kann. Auf der heutigen Fahrt haben wir übrigens die Tropen verlassen und die Subtropen erreicht. Das merke ich daran, dass ich nachts zum ersten Mal friere. Tags darauf geht es weiter nach Bundaberg. Dort gönnen wir uns eine geführte Tour durch die Bundaberg-Rum-Distillerie, schmachten Suzanna, unsere schöne Führerin an und dürfen am Ende in der Bar zweimal Rum verkosten. Wir haben alle nur 3 Kekse gefrühstückt und weil Tine fährt, übernehmen Exe und ich die Hälfte ihrer Drinks: danach sind wir rum (haha!). Wir fahren noch bis Hervey Bay, dem Tor zu Fraser Island und entschließen uns, mal wieder einen Offday einzulegen. Dieser ist heute. Gleich checken wir die Strandpromenade aus bevor ich mich mit den Klatschzeitungen aus dem Recreation Room auf die Couch verziehe und ein bisschen um Angelina Jolies Brüste trauere.









Sonntag, 12. Mai 2013

Rote Erde, Roadkill und viel Regen

Hui, das hat jetzt aber lange gedauert mit einem neuen Post. Die Internetversorgung ist in Australien, sicher auch der Größe des Landes geschuldet, unterirdisch. Regelmäßig bekommen wir Angebote wie $5 pro Stunde usw. Wir haben daher nur selten Zugang zum Netz und können deshalb leider nicht so regelmäßig posten.Ok, auf geht's. Wir landen kurz nach 24 Uhr am 30. April in Darwin und machen uns auf die Suche nach einem Schlafplatz. Da die Übernachtungspreise selbst in den einfachsten Hostels hier unverschämt teuer sind, siegt der Geiz und wir nächtigen abwechselnd auf dem Flughafenboden und einer mehr oder weniger bequemen Couch. Auf sleepinginairports.net kann man sich übrigens weltweit über die kostenlosen „Schlafmöglichkeiten“ in Flughäfen informieren. Naja, wir bekommen immerhin ein paar wenige Stunden Schlaf und lassen uns am nächsten Morgen mit dem Taxi in die Innenstadt von Darwin kutschieren. Wir kehren sofort ins nächstbeste Frühstückscafé ein um unsere Mägen nach 24-stündiger Essensabstinenz wieder zu füllen. Ein Supermarkt wird auch sofort ausgecheckt und wir stellen fest, dass die australischen Preise für Lebensmittel doch nicht so extrem hoch sind wie durch viele Horrorgeschichten aus Freundeskreis und Internetquellen erwartet. Da wir sämtliches Reisegepäck mit uns tragen, entscheiden wir uns gegen eine Tour durch die Stadt und für einen entspannten Tag im Park mit Blick aufs Meer. Hier sehen wir zum ersten Mal eine Gruppe Aboriginies und werden sagenhafte 3 Mal von so lustigen langschnäbligen Vögeln im Park angeschissen. Naja, soll ja Glück bringen. Am Abend sind wir dann mit Susen und ihrem Freund Tobi verabredet, einem sehr lieben Pärchen aus Erfurt, die schon seit einigen Jahren in Australien leben und uns zum Barbeque zu sich nach Hause eingeladen haben. Mit zwei weiteren Freunden der Beiden, die schon fast ein Jahr in Australien unterwegs sind, verbringen wir bei leckerem Essen und Bier einen wundervollen Abend und tauschen Geschichten und Erlebnisse aus. Kurz nach Mitternacht bringen uns die beiden wieder zum Flughafen, wir verbringen eine weitere Nacht auf dem Fußboden der Abflughalle bis es sehr früh am Morgen weiter nach Cairns geht. Wider Erwarten ist es in dort recht wolkig und kühl, was nach 6 Wochen Bullenhitze eine willkommene Abwechslung für uns darstellt. Unsere Freundin Sophie, die uns ab jetzt 3 Monate auf Reisen begleiten wird, erreicht wenig später, nach circa 30 Stunden Flugreise, unser Hostel und wir entscheiden uns ein wenig die Stadt zu erkunden (Sophie muss unbedingt wachgehalten werden, sonst droht ein Mörderjetlag). Beim Warten auf unser Abendessen machen wir erste Bekanntschaft mit der einheimischen Fauna. Hunderte Flughunde kreisen am Himmel und wir fühlen uns nach Transsylvanien versetzt. Das Abendessen ist (durch einen Voucher des Hostels) kostenlos und der begleitende Cider recht teuer. Durch langes Laufen in Berlin gestählt, machen wir uns auf den Rückweg ins Hostel und fallen ziemlich müde ins Bett. Am folgenden Tag holen wir unseren Campervan in Cairns ab. Ist eine ganz schön alte Kiste und hat schon eine halbe Million Kilometer auf dem Buckel. Gut, dass wir uns den Karren etwas genauer angeschaut haben, sonst wären wir gleich mit kaputtem Licht und nicht funktionierendem Zigarettenanzünder (für das Navi) losgedüst. Wir fahren in Richtung Norden und machen Halt in Newell Beach, einem winzigen Ort direkt an der Küste. Unsere Vorfreude auf das Meer wird bald getrübt. Erstens regnet es und zweitens wird überall trotz wunderschöner Strände dringend vom Schwimmen abgeraten. Zum Einen sind da besonderes gefährliche Quallen (Sea Wasps und Box Jellyfish), deren „Fangarme“ so giftig sind, dass eine Berührung mit der Haut tödlich sein kann. Zum Anderen wären da noch Salzwasserkrokodile die sich sowohl im Meer als auch am Strand aufhalten können und in der Vergangenheit schon den einen oder anderen Menschen gerissen haben. Na gut, dann lieber nicht baden. Dafür werden ein paar Bierchen gekippt, schön gekocht und unser neues Zuhause eingerichtet. Für den kommenden Tag haben wir uns vorgenommen ein Krokodil am Strand zu finden. Im Fluchtmodus laufen wir den Strand ab, allerdings bleibt die Suche erfolglos. Wir verlassen Newell Beach nach zwei Nächten wieder und machen uns auf den Weg zum Daintree National Park und Cape Tribulation. Wir entscheiden uns erneut für einen Campingplatz, den wir nach einer kurvigen Fahrt durch den Regenwald im strömendem Regen erreichen. Wir hatten eigentlich vor, das Great Barrier Reef von Cape Tribulation aus mit dem Kayak zu erkunden, die Wetterverhältnisse sprechen bisher aber dagegen, weshalb wir uns für einen weiteren Strandspaziergang und eine kleine Wandertour durch den Regenwald entscheiden. Später eiern wir noch circa 2 Stunden zu einem Wasserloch, um ein halbwegs schwimmbares Stück Fluß direkt neben der Furt der Straße Richtung Cooktown zu finden. Ich schwimme trotz eines Krokodilschildes (die Mädels haben die Güte mir dies erst später zu berichten) im flachen Wasser und begeistere Dutzende Fische mit meinen Füssen. Auf dem Rückweg machen wir nochmal Halt am Kap, machen Bildchen, klettern auf Felsen umher und schließen den Wandertag mit einem weiteren Spaziergang am Meer ab. Danach Bierchen und Kochen in der Camp Kitchen, während es wieder in Strömen regnet. Hier im Daintree sehen wir auch unsere ersten typisch australischen Tiere: Bauarbeiterhandtellergroße Spinnen in ihren Netzen, rotschnäblige, truthahnänhliche Vögel, die zwischen den Karren rumlatschen und eine mindestens einen Meter lange Echse, die aber beim Versuch sie zu fotografieren abhaut. Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg nach Süden, um uns die Atherton Tablelands anzuschauen. Wir fahren bis zu besagter Stadt und merken das erste Mal, dass es Herbst wird auf der Südhalbkugel. Bei kühlen 17° hängen wir auf dem Edelzeltplatz ab und essen, nachdem Tine und ich nochmal in der "Stadt" waren, Nudeln mit Tomatensoße während alle Aussies um uns herum Fleischklumpen auf die allgegenwärtigen BBQs schmeißen. Der nächste Tag beginnt früh und wir donnern Inland gen Westen, um den Undara National Park zu sehen. Eine alte Vulkanlandschaft mit den angeblich längsten Lavaröhren der Welt. Da die zweistündige Röhrentour saftige $52 pro Person kostet, machen wir 2 weitaus günstigere (nämlich für lau) Wanderungen; eine zu einem Aussichtspunkt, der uns auf die unendlich scheinende Ebene blicken läßt und einen Kraterrundgang, bei dem wir die ersten Wallabies aus nächster Nähe sehen können. Da der Tag noch jung ist, beschließen wir die Lava Lodge sein zu lassen und fahren auf demselben Weg zurück Richtung Innot Hot Springs. Dort kacheln wir uns in die heißen Becken und wärmen uns im (wieder einsetzenden) Regen wieder auf. Ein älteres deutsches Ehepaar im Mad Max-ähnlichen 4WD (geländegängiges Fahrzeug, gelle) gibt uns Tipps für die nächsten Tage (die sind zum 8. Mal hier und somit "rischche" Haudegen) und wir schlafen wie immer kurz nach 9 ein. Der folgende Tag führt uns über eine (sehr neblige) Scenic Route und an vielen an der Straße befindlichen Gemüsestände Richtung Ingham, wo wir uns Plane, Seil und Stöcker kaufen, um einen Regenschutz zu bauen, und weiter nach Tully wo wir mit den ersten Eingeborenen verabredet sind. Kristen (mein Bruder hat ca. 1 Jahr auf ihrer Bananenfarm gearbeitet) empfängt uns nach dem Nachhausekommen in Mission Beach bei Tully ganz herzlich und wir beginnen (besser gesagt ich mich) uns (wieder von extremen Regengüssen begleitet) auf ihrer Terrasse mit Bier zu vergnügen. Eins führt zum anderen und nach langen Gesprächen mit Kristen und Clinton gehe ich fast ohne Abendbrot ins Bett. Grandios. Nach dem "Ausschlafen" bis 8 essen wir Frühstück und nehmen Kristens (die schon lange auf Arbeit ist) Einladung an, uns die Farm anzuschauen. Nach langem Suchen finden wir den Shed und werden sehr privilegiert und unter neugierigen Blicken der hart arbeitenden Backpacker durch die Anlage geführt, machen Bilder, begrapschen eine frisch aus der Staude gefallene Schlange und verabschieden uns kurz danach im Regen (Tullys Umgebung ist mit 4,5 Metern Regen im Jahr die regenreichste Gegend Australiens) Richtung Süden. Das Tagesziel sind die Wallaman Falls, die höchsten freifallenden Australiens (268 Meter). Nach fiesem Ritt durch Berglandschaft, unterirdische Straßen und Regenwald kommen wir an den fast vollständig durch Nebel und Wolken verborgenen Kaskaden an. Wir lachen ob der Gemeinheit des Wetters und rollen alsbald (da noch Zeit ist) wieder den Berg hinab Richtung Paluma National Park, wo wir die Nacht verbringen werden. Tatsächlich wird mit der Entfernung vom Äquator das Wetter etwas besser, sodaß wir die erste trockene Nacht im ersten Nationalpark verbringen können. Am Morgen fahren wir Townsville an, begehen die Uferpromenade für 10 Minuten und verschwinden wieder gen Westen, um uns Charters Towers, eine alte Goldgräberstadt anzuschauen. Das Örtchen sieht tatsächlich aus wie eine Wildweststadt aber da die Straßen südlich vom angepeilten Campingplatz (besonders nach viel Regen) nur für 4WD geeignet sind bleiben wir nicht an den Burdekin Dam Falls sondern fahren die (für einen Nachmittag) Riesenstrecke von knapp 300km nach Bowen. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit ist Tine heute fast 500km gefahren und wir treffen auf dem Edelcaravanpark ein und bekommen unseren bisher teuersten, dafür aber meeresnächstes Stellplatz zugeteilt. Beim Abendbrot bekommen wir das erste Mal bewusst unheimlich viele Sterne zu sehen und ich begeistere mich innerlich (um nicht von den beiden Mädels gehänselt zu werden) für die Lage der Sterne auf der Südhalbkugel; der große Wagen im Norden und so Späße. Nach unseren gestrigen und vorgestrigen Riesenritten steht uns dann am Samstag die vergleichsweise kurze Strecke von Bowen nach Airlie Beach ins Haus, die wir locker in 2h (inklusive Gelaber und Tourenpreisvergleich) abfahren und es uns nach dem Buchen einer Whitsunday Islands Tour (Maureen's Cove auf Hook Island, wen's interessiert) auf dem Campingplatz gemütlich machen. Die Reise geht erst morgen (Montag, 13.5.) los, was uns heute einen Offday und Rumgehänge am Pool und allgemeines Nichtstun beschert. Auch klasse, da kommen wir wenigstens zum Blogschreiben. Achja: Wir haben gestern Abend unsere ersten Possums mit Äppeln gefüttert, gestreichelt und unter großem Uh und Ah fotografiert. Niedlich! So, die restlichen Bilder passen wie immer nicht in den Text, deshalb hier die restlichen Impressionen. Wir haben natürlich Millionen Bilder gemacht, aber für euch laden wir nur die in langen Sit-ins als schön genug bewerteten hoch.

 






Freitag, 3. Mai 2013

Kein Walhai, dafür rotes Pferd

Hm, ok, ewig nüscht geschrieben. Hier mal die letzten Tage in Fernost. Wir treffen uns (fast) pünktlich um 6 mit George vorm Laden und düsen kurz danach mit dem Tricycle zum Legazpier Van Terminal. George hat irgendwie nur leichtes Gepäck dabei, das heißt wohl keine Übernachtung im Zelt. Auch gut. Dafür geht's mit dem (nach einigem Warten) wie immer vollen Van Richtung Pilar/Donsol in Sorsogon. Tine will Walhaie sehen. Wir fahren kurz am Hafen vorbei, von dem aus ich vor langer Zeit mit Quaste Richtung Masbate und Cebu aufgebrochen bin und kommen kurz danach im etwas leeren Walhai-Center von Donsol an. Nicht lange geschnackt, sondern Flossen geliehen (Schnorchel und Brille haben wir ja schon) und dann für viel Geld drauf aufs kurz darauf walhaisuchende Boot. Wir tuckern etwas vor der Küste hin und her und beobachten aufmerksam die etwas gelangweilt dreinschauende Besatzung. Die halten gar nicht so richtig Ausschau nach den Riesenfischen und nach ca. 2 Stunden Rumgegurke und Anfragen bei George gehen wir wenigstens ein bisschen vor der Küste schnorcheln. Die Sicht ist leider verglichen mit Calaguas miserabel, auch wenn wir eine Languste, eine Muräne und allerlei anderes Getier im trüben Wasser zu Gesicht bekommen. Nach einer halben Stunde steigen wir wieder ins Boot, nachdem der Skipper dies ebenfalls (wenn auch wieder wortlos) gemacht hat. Wir eiern noch eine halbe Stunde in Ufernähe rum und werden dann, nach einer kurzen Entschuldigung, wieder in den Hafen gekarrt. Das war wohl gar nichts. Monster ist so sauer, dass sie den Tränen nahe ist und kann erstmal eine Weile lang nichts sagen. Gut, dass so ein dicker alter Münchner mit seiner philippinischen Frau und zwei Kindern dabei war, sonst wäre der Ausflug unterirdisch dröge gewesen. George sagt auch jetzt noch nicht viel und auch ich bin ein bisschen enttäuscht, weil ich mir weitaus mehr erwartet hätte. Ob der Enttäuschung haben wir gar keinen Bock im nahen Resort zu übernachten und fahren schon mit dem Nachmittagsvan zurück. Als Ausgleich für die Enttäuschung lädt uns George zu einer Portion Halo-Halo ein, einem lustigen Gemisch aus geriebenem Kokoswassereis, echtem Eis, Gelee, Perlsago, Eischnee(!), Mais(!!) und geriebenem Käse(!!!). Schmeckt aber sehr gut und erfrischt bei der Bombenhitze ungemein. Auf dem Heimweg fährt uns jeder Jeepney trotz Ranwinkens vor der Nase weg und wir bemerken erst später, daß wir in einer No Loading/Unloading Zone stehen. Glücklicherweise kommt lachend Tito Alex angefahren, lädt uns und den ganzen Rubbel aufs Tricycle und karrt uns vor den Laden der Familie. Vor lauter Enttäuschung muss ich mir erstmal ein Bier reinstellen und mehrere weitere kaufen. Die werden dann auf dem Dach von Bessies Haus geleert und so langsam kann man auch über die Nichtwalhaie lachen. Dann geht es relativ früh ins Bett, denn wir müssen kurz vor 5 raus, weil morgen die ganze Truppe nach Rawis an den schwarzen Strand fährt. Wir quälen uns 4:45 aus dem Bett und werden wie immer mit Frühstück versorgt, steigen dann wieder mal zu sechst auf Tricycle und fahren zum Strand. Auch wenn man früh aufstehen muss, ist doch die Hitze am Morgen noch erträglich und wir schwimmen und schnorcheln was das Zeug hält. Kurz nach 8 ist der Spaß vorbei und alle müssen entweder arbeiten, zur Schule oder (wir) sich ausruhen. Dachten wir zumindest, doch schon bald wird klar, dass sich die Familie Lelis einen neuen Programmpunkt für den Nachmittag ausgedacht hat. Papa Taba (auf deutsch: "Papa fett", der Lolo, also der Opa der Familie) und Tito Alex werden mit uns im Familienauto den Mayon umrunden und uns unter anderem zum Mayon Resthouse auf der anderen Seite des Vulkans bringen. Dort angekommen genießen wir den tollen Ausblick auf eine Halbinsel in der Legazpi Bay, die umliegende Hügellandschaft sowie Tabaco City, eine weitere Stadt am Fuße des Vulkans. Nur die Spitze des Mayons lässt sich am heutigen Tag wieder nicht blicken. Wir besuchen noch das Planetarium im Resthouse und sehen spektakuläre Bilder des Vulkans. Der bricht nämlich alle 3-4 Jahre aus und gehört damit zu den aktivsten der Erde. Später erfahren wir noch, dass sich Touristen extra einfliegen lassen und mit Bussen nach Legazpi gekarrt werden um dieses Naturschauspiel zu sehen. Es ist wohl auch die einzige Zeit, in der in der eigentlich touristenarmen Region alle Hotels und Unterkünfte ausgebucht sind. Auf dem Rückweg ersteht Tito Alex noch köstliche frittierte Bananen und nach insgesamt 3 Stunden Fahrt und einem beinahe Zusammenstoß mit einem Tricycle und wildem Gebrülle Papa Tabas erreichen wir am Nachmittag wieder Legazpi. Am Abend treffen wir uns alle wieder auf Bessies Dach, trinken Bier, quatschen und Tinchen versucht Bessie zu überzeugen sich doch einen Walhai anzuschaffen, mit dem sie dann in ein paar Jahren (wenn er eine zufriedenstellende Größe erreicht hat) schnorcheln gehen kann. Am nächsten Tag sind wir mit Roleine verabredet, der ältesten Schwester von Deth. Es geht in die Hoyop-Hoyopan Höhle, die wir zunächst mit dem Jeepney und weiter mit dem Tricycle erreichen. An der Höhle angekommen wartet schon ein Guide auf uns, der uns im Eiltempo durch die Höhle führt und von Roleine angewiesen, möglichst viele Fotos von uns schießt. Auf dem Rückweg gibts noch eine Portion Chilieis und wir beschließen erneut zum Boulvard zu fahren um dort bei ein paar Dosen Bier und einem wirklich köstlichen Tofugericht den schönen Tag mit Roleine ausklingen zu lassen. Zurück im Lakandula Drive wartet Tita Lenlen schon darauf uns das Abendessen zu servieren. Alle nennen sie mittlerweile schon Mama Lenlen, weil sie sich so sehr um unser leibliches Wohl kümmert. So richtig wüssten wir auch nicht was wir ohne sie machen würden, denn es ist wahrlich eine große Herausforderung sich hier auf den Philippinen fleischlos zu ernähren. Es herrscht hier zu unserem Unmut eine ausgeprägte Fast Food Kultur. Eine Schnellfresse reiht sich an der anderen, doch die Filipinos lieben es, was sich mittlerweile auch an der Größe bzw. der Breite der Menschen hier zeigt. Und auch das traditionelle philippinische Essen ist sehr fleisch-  und reislastig, Gemüse gibt es zwar zu Genüge aber es spielt in der Esskultur eine eher untergeordnete Rolle. Eine besondere Delikatesse, die es hier überall zu kaufen gibt (und selbstverständlich nicht vegetarisch ist) nennt sich Balut. Das sind angebrütete Enteneier, die 3-5 Tage vor dem Schlüpftermin des Entleins gekocht verspeist werden. Die haben dann übrigens schon Federchen, Knochen, einen Schnabel und hohen Blutdruck bekommt man beim Verzehr gratis dazu. Zum Glück ohne Balut dafür mit meinem neuen Lieblingsessen Kongee (einer Art Reisporridge mit gerösteten Zwiebeln und Ingwer) geht es am nächsten Morgen noch einmal an den schwarzen Strand in Legazpi. Am Abend sind wir zum Abschied in das Lelis Haus eingeladen, Tinchen bäckt einen Kuchen und mit ein paar San Miguel lassen wir unsere Bombenzeit in Legazpi mit all unseren neuen Freunden gemütlich ausklingen. Auf dem Weg nach Hause treffen wir noch Denmarl und seine Freunde, die sich vor Bessies Haus mit Riesenflaschen Red Horse (6,9%) die Kante geben. Wir beschließen sie beim Verzehr zu unterstützen und uns bleiben am Ende nur noch wenige Stunden bis bis zum Aufstehen um unsere Reise nach Manila anzutreten. Deth bringt uns zum Busbahnhof und wir verabschieden uns mit dem Versprechen, uns bald wiederzusehen. Das Busticket war erstaunlich günstig, weshalb wir gespannt waren, was uns erwartet. Naja, das Wifi funktionierte nicht, die Sitze sind winzig und nach 14 Stunden Fahrt (für 465 km) hatten wir die schlimmsten Arschschmerzen unseres Lebens, waren aber glücklich die rasante Fahrt (man versucht hier auch gerne mal vor oder innerhalb einer Kurve zu überholen) überlebt zu haben. In Manila werden wir wieder von Brian und Lorelei erwartet und ins Hotel gekarrt. Für unseren letzten Tag in Manila stand ein Besuch im Freizeitpark an. Wir erreichen das "Enchanted Kingdom" kurz nach der Mittagszeit und werden von der sehr aufgeregten Lorelei direkt auf das fieseste Fahrgeschäft des gesamten Parks gezerrt. Ich schreie wie am Spieß und erstehe zum Schluß ein Foto unseres Höllenritts über welches wir uns auch jetzt noch köstlich amüsieren. Es werden so gut wie alle Fahrgeschäfte getestet; das mit Abstand lustigste waren kleine runde Boote mit integrierten Wasserkanonen, mit denen man sich gegenseitig, Takeshi's Castle-mäßig, einnässen konnte. Am Abend gibt es noch ein großes Feuerwerk, welches das letztes Highlight unserer fast perfekten (man erwähne erneut die Walhaie) Reise auf die Philippinen sein sollte. Wir werden tagsdrauf erneut von Lorelei und Brian abgeholt, zum Flughafen gekarrt und verabschiedet. Wir verplempern die letzten Peso für ein paar tröstende Dosen San Miguel bevor es in den Flieger nach Darwin geht. Ganz unten mal das Haus der Familie, unser Wasserloch und Fressstätte der letzten paar Tage. Btw.: Wir sind schon 4 Tage in Down Under, aber irgendwie dauert das Blogschreiben gerade so lange und die Netzverfügbarkeit ist zum Heulen. Es kann also noch ein bisschen dauern bis es neue Fotos gibt. Im Augenblick sind wir, falls es jemanden interessiert, in Newell Beach und morgen fahren wir weiter gen Norden ans Cape Tribulation, wo Captain Cook damals sein Schiff auf die Korallen gewummert hat.