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Freitag, 28. Juni 2013

Melbourne, Mountains, Mistwetter

Nach 3 Tagen Wildnis, Bergen und allerlei Getier fahren wir die knapp 230 Kilometer zurück nach Melbourne um uns mit den drei Mädels zu treffen, die wir in Vietnam kennengelernt haben. Gesagt, getan, stehen wir knappe 3 Stunden später auf einem Parkplatz in Sandringham, im Süden Melbournes, verabreden uns per SMS mit Amy und trinken griechischen Kaffee vom Kocher. Keine Stunde später betreten wir nach mehr als 5 Wochen wieder ein richtiges Haus und beziehen unsere extra hergerichteten Zimmer. Awesome! Gleich darauf laufen wir mit Amy zum Strand, bestellen Fish, Chips und allerlei vegetarische, frittierte Leckereien im Restaurant, das gleichzeitig Amys Arbeitstelle als Managerin ist. Wir mampfen, verscheuchen Möwen und beobachten den Sonnenuntergang an der Phillip Bay. Supi. Danach waschen wir uns (ich hatte es bitter nötig), wechseln von den Outdoor- in die Zivilisationsklamotten und düsen mit Amy zu Kelly, die direkt in St. Kilda, einem der Kneipenviertel wohnt. Nach einem kurzen Spaziergang entlang der Kneipenmeile, entscheiden wir uns nach kurzer Musterung der riesigen Maori-Rausschmeißer und einer Einlassdame, nach deren Aussage ich „too cas(ual)“ bin, aber reindarf, weil ich Mädels mitgebracht habe (u-uh!), nicht für den Vineyard sondern das weitaus angenehmere (und vor allem billigere!) „Le Roche“, wo uns der Jug Cider ganze 11$ kostet. Bombe. Amy, Kelly, Sophie, Tinchen und ich sitzen bis spät auf, durch Heizpilzen gewärmten, Bänken vor dem Etablissement, quatschen und trinken mehr Cider. Gegen eins (eine unglaublich späte Zeit für uns, die doch sonst so gegen 9, halb 10 im Bett liegen), erreichen wir das Haus von Amys Eltern und schlafen in richtigen Betten ein. Am Morgen (dank des angeblichen Geburtstages der Queen hat Amy frei) fahren wir, von Vegemite Sandwiches gestärkt, mit der S-Bahn in die Stadt. Wir machen einen schönen Rundgang, sehen das Parlament, die beeindruckende Staatsbibliothek und ihren krass traditionellen Lesesaal (obwohl auch hier die Hälfte der Studenten Facebook checkt; Frechheit!) und viel mehr der Innenstadt Melbournes. Nach kurzem Trip mit dem kostenlosen Touribus, laufen wir durch die Brunswick Street (die uns alle ein bisschen an Berlin erinnert) zur Vegi-Bar und speisen königlich zu (Nach-)Mittag. Auf dem Rückweg durch die Stadt quatschen Amy und Tine, während Sophie und ich immer wieder die viktorianischen Townhouses bestaunen und fotografieren. Mit der, der Berliner und Erfurter total ähnlichen, Straßenbahn geht es zurück nach St. Kilda, wo wir Ally, die dritte im Bunde, auf Getränk und Süppchen treffen. Da die Mädels alle immer fleißig arbeiten und damit früh raus müssen, endet der Abend diesmal weitaus früher und nüchterner, allerdings kochen Amys Eltern noch Dinner und wir bekommen Curry und original südafrikanischen Kürbispudding (Grandios!) vorgesetzt. Die Turners sind erst vor 15 Jahren aus Südafrika ausgewandert und dann über Neuseeland nach Australien gekommen. Wir bekommen also immer mal Afrikaans zu hören und ich erfreue mich an Geschichten und Bildern Nelson Mandelas. Der nächste Tag verläuft sehr ruhig, wir organisieren uns Unterkünfte in Sydney und Auckland, waschen unsere Wäsche und feiern ganz leise und fast nebenbei Sophies Geburtstag (sie bekommt einen Plüschwomabt und Cupcakes, weil sie sich bisher so gut geführt hat). Am Abend düsen wir, wieder mit der S-Bahn, in die Chapel Street und treffen uns noch einmal mit Ally und Kelly. Wir essen die billigste (und sehr leckere) Pizza Melbournes, trinken Bier im La-La-Land (Kneipe) und beschließen den leider relativ kurzen Abend bei Tee in Amys Küche. Wir verabschieden uns von Ally und Kelly und am nächsten Morgen auch von Amy und dem ziemlich liebgewonnenen und uns sehr an Berlin erinnernde Melbourne, und düsen weiter ostwärts, den Snowy Mountains und Canberra entgegen. Der heutige Campingplatz in Bruthen gefällt uns sehr gut, denn er ist sehr günstig, wir sind die einzigen und: er hat einen Doppelkamin in der männermäßig aus Baumstämmen zusammengezimmerten Campküche, vor dem wir den Abend verbringen und Klatschzeitungen und Bücher lesen. Unser Platzwart bescheinigt uns am nächsten Morgen eine „Superstraße“ Richtung Jindabyne, auch wenn diese im Atlas gestrichelt (also unbetoniert, oh-oh) eingezeichnet ist. Frohen Mutes fahren wir die 80 Kilometer normale Straße bevor wir auf eine der halsbrecherischsten, direkt an gähnenden Abgründen vorbeiführenden, kurvigsten und von den berühmten Spurrillen nur so übersähten Straßen der Welt ankommen. Gute 100 Kilometer wackeln und schunkeln wir unter großem "Hfff" und "Eieiei" mit höchstens 30 km/h durch die, zugegebenermaßen, atemberaubende Landschaft und holen alle tief Luft, als wir nach mehr als 3 Stunden endlich wieder Bitumen unter den Rädern haben. Unser Speedmaster läuft trotz der Schinderei hervorragend; wir rollen wohlbehalten in Jindabyne ein, finden den Caravan Park und verbringen die kalte Nacht (nach einem herrlich angenehmen Bad in den hier vorhandenen Badewannen) eingemummelt in Schlafsäcke und Decken. Der nächste Tag führt uns durch die Hochebene Richtung Hauptstadt, das immer wieder gern vergessene Canberra. Die wahrscheinlich, verhältnismäßig, kleinste Hauptstadt der Welt bietet das Australian National Museum, schnurgerade Avenuen, allerlei witzige, da dem Baustil des entsprechenden Landes nachempfundene, Botschaften (die deutsche allerdings ist mit Abstand die Hässlichste) und immer wieder staatstragende Gebäude wie das Parlament auf dem Hügel, welches wir ebenfalls begehen. Nach dem Besuch des War-Memorials (und dem heimlichen Filmen der alltäglichen Schließungszeremonie) fahren wir das erste Mal im Dunklen zur Bleibe im benachbarten Queansbeyan. Da wir noch mehr Zeit als Strecke übrig haben, gehen wir die nächsten Tage ruhig an: wir besuchen Pebbly Beach, streicheln das erste Mal (wilde) Känguruhs und verbringen zwei realtiv ruhige Tage in Shellharbour und Camden (hier besuchen wir das erste Mal ein McDonalds "Restaurant", da die WLAN-Situation hier im teuren Osten Australiens zum Heulen ist) bevor wir uns am nächsten Tag auf die kurze Reise Richtung Katoomba in den Blue Mountains machen. Noch am selben Nachmittag stellen wir unsere Powerwalkfähigkeiten unter Beweis und laufen innerhalb zweier Stunden einige der sehr beeindruckenden Sehenswürdigkeiten, nämlich die Katoomba Falls, die drei Schwestern, die Giant Stairway runter (vor der wir einen unglaublich fertigen asiatischen Opa sehen, der sich da grad hochgequält hatte) und die Forber Steps ab. Die sich anschließende Nacht ist die mit Abstand kälteste bisher und wir bibbern vor dem Einschlafen ordentlich und Sophie schläft aus Wärmegründen das zweite Mal mit unten. Von der Sonne geweckt und einigermaßen wieder aufgewärmt, fahren wir weiter nach Blackheath und schauen uns das Megalong Valley an, das nach Aussage der Australier natürlich viel besser, da länger und breiter, als der Grand Canyon sei. Etwas großkotzig, was der Imposanz allerdings keinerlei Abbruch tut. Vom Gipfel hunderter Meter hoher, vertikaler Wände schauen wir kilometerweit ins (trotz des Winters) von Wäldern begrünte Tal. Sieht man nicht alle Tage. Allerdings haben wir die Nase gehörig voll vom nächtlichen Beinahefrost und so kullern wir die blauen Berge wieder hinab Richtung Sydney. Kurz vorher biegen wir nach Norden ab und erreichen am Abend Toowoon Bay. Die letzten beiden Tage bestehen weitgehend aus Ausruhen, Karre aufräumen und säubern (denn die geben wir am Freitag ab), Sachen packen, Spaziergang in der Umgebung und Kaffee trinken im lokalen, und für die Kleinstadt ganz schön hippen, Café. Wir verbringen die letzte Nacht im Speed Master, den wir nach über 7 Wochen sehr lieb gewonnen haben (auch wenn er seine Macken hat, gelle). Am morgen geht’s dann rein nach Sydney, das Autochen wird hübsch gewaschen und bei seinen Besitzern abgegeben. Danach geht’s schnell ins Hostel in Potts Point direkt neben Kings Cross, dem „Rotlichtviertel“ (wenn man es so nennen kann) Sydneys. Wir nehmen auf der hosteleigenen Dachterasse, mit Superausblick auf die Skyline, einen kleinen Snack ein, quackern uns den letzten Goon in den Kopp und stürzen uns wenig später in die Nacht und auf die Suche nach einer coolen Kneipe. Wir finden das Green Park "Hotel", kippen ein paar Bier und ich freunde mich mit zwei sehr netten, älteren, schwulen Herren an, während die Mädels Pizza essen gehen und quatschen und wir turkeln kurz vor Mitternacht zurück ins Hostel. Dem fehlenden Reinheitsgebot der Biere hier in Australien ist es sicher geschuldet, dass alle drei am kommenden Tag mit einem Schädel wie ein Haus aufwachen. Naja, wir sind hart im nehmen, pellen uns in unsere Regenklamotten (es schifft natürlich seit den frühen Morgenstunden wie aus Eimern) und schlurfen ins Stadtgetümmel. Der Weg führt uns ganz klassisch durch den Botanischen Garten zur berühmten Oper. Da wird grad gebaut und aus der Nähe sieht sie auch gar nicht so klasse aus. Gut, dann also weiter Richtung Harbour Bridge. Die ist weitaus imposanter und ich klettere zum Knipsen auf den Pillar Lookout auf einem der Brückenpfeiler. Auf der Nordseite speisen wir kurz und laufen (weiterhin im strömenden Regen) am natürlichen Hafen entlang zum Lunapark, wo wir lustige Bilder machen und den Rotor (eine der Attraktionen wo Leute in einem großen, rotierenden Fass an der Wand kleben, witzig!) in Aktion sehen. Statt mit der teuren Fähre laufen wir zurück gen Hostel und sind nach 6 Stunden klatschnass und etwas missmutig. Nach der Aufwärmdusche geht es saufrüh ins Bett und entsprechend früh wieder raus, denn Glebe und seine "angesagten" Cafés und Kneipen warten auf uns. Wieder entlang des (unglaublich großen) Harbours geht es also in den Westteil der Stadt. Glebe und die umliegenden Bezirke gefallen, wir trinken Kaffee und essen, passend zum gerade stattfindenden "Vegan Day Out" Tofuburger mit allerlei gesundem Zeuch. Der Rückweg durch den Central Business District fühlt sich wie ein Spaziergang durch eine asiatische Großstadt an, denn hier sind sicher 80% aller Menschen entweder Chinesen, Koreaner oder Vietnamesen. Da es wie gestern ununterbrochen wie aus Kübeln gießt, wärmen wir uns nach sicher 5 Stunden Rumgelatsche im Regen im, noch sehr leeren und nach der letzten Nacht stinkenden, O'Malleys, dem lokalen Irish Pub, auf und ich kehre nach dem kurzen Ablegen von Klamotten im Hostel, vom Monster begleitet dorthin zurück, um die Mission "Letztes Geld Vertrinken" zu erfüllen. Diese wird ein voller Erfolg und der nächste Tag ein harter, denn wir verlassen den fünften Kontinent in Richtung Osten. Nach dem Auslachen der Kassenfrau am Schalter der S-Bahn, denn die Fahrt zum Flughafen kostet $16,70, während unsere vorgestrige, nur eine Station kürzere, ganze $3,60 kostete, entscheiden wir uns für den Shuttlebus (immerhin 12 Glocken) und kommen nach kurzer Stadtrundfahrt am Flughafen an. Das der Flug und alles offensichtlich ohne Probleme verlief, seht ihr an diesem Eintrag und (hoffentlich bald) lassen wir uns auch über die ersten Erlebnisse in Peter Jacksons Heimat aus.









Donnerstag, 30. Mai 2013

Mad Max, Minen, Menschenleere


Lange im Outback verschollen, kommen wir erst jetzt dazu einen neuen Post zu verfassen. Stehen geblieben waren wir in Hervey Bay, einem kleinen Küstenörtchen, von dem aus die meisten Touris nach Fraser Island aufbrechen, welche wir ganz rebellisch links liegen lassen und einen ruhigen „Off day“ verbringen. Wir entscheiden uns für einen Strandspaziergang mit Abstecher auf den Marktplatz, auf dem zwei Omis Countrymusik zum Besten geben und ein Haufen australische Familien ihren Sonntag verbringen. Wir besuchen noch einen kleinen Wasserpark, der zwar für über 3-jährige nicht wirklich spektakulär ist uns aber daran erinnert, dass unser Campingplatz mit Pool und Spa ausgerüstet ist, in die wir uns postwendend begeben. Wie jeden Abend wird professionell gekocht und wir beobachten beeindruckt eine Gruppe Holländer, bestehend aus zwei fetten Weibern und einem spindeldürren Typen, die sich am Barbeque enorme Fleischberge zubereiten, von denen locker eine 10-köpfige Familie satt werden würde. Wir lästern ordentlich und lassen uns unser supergesundes Abendmahl schmecken. Wir lernen noch Robin und ihren Mann kennen, die im Caravan Park arbeiten und, wie eigentlich alle Australier, die wir bisher getroffen haben, mächtig über die derzeitige Regierung schimpfen. Unsere nächste Station ist Noosa, ebenfalls an der australischen Ostküste gelegen. Wir hoffen im nahegelegenen Nationalpark unsere ersten Koalas zu sichten. Trotz intensiver Suche werden wir nicht fündig, werden aber durch die wunderschöne Wanderstrecke direkt an der Küste entlang entschädigt und beobachten wie ein paar Angler aus Versehen eine Seeschildkröte fangen, diese aber sofort wieder freilassen. Die Nacht verbringen wir in Coolum Beach und treffen uns abends - nach kurzem (und bisher letztem) Bad im Pazifik - mit Andrew und seiner südafrikanischen Freundin Jenna. Wir betreten das erste Mal einen der vielen Clubs (hier den Live Saving and Surf Club) und müssen uns namentlich anmelden. Dafür trinken wir die ersten Getränke außerhalb der Vanumgebung. Prima. Die Zeit ist leider sehr kurz und wir fliegen kurz nach zehn aus dem Laden, weil dieser geschlossen wird. Nun ja. Nach mehreren Wochen Provinz steht mit Brisbane nun die erste Großstadt auf dem Programm. Unser Speed Master G (SMG-811) wird schnell auf dem Campingplatz in Rochedale und wir im Bus geparkt und auf geht’s ins Vergnügen. Sofort fällt auf, dass Busse hier ihre eigene Autobahn haben und aufgrund der nahegelegenen Uni unglaublich viele Asiaten mit uns fahren. Das australische „Hinterland“ ist durchsetzt mit kernigen Quasicowboys während die Städte sehr international daherkommen. Wir steigen am westlichen Ende der South Bank aus und springen nach dem Überqueren der Victoria Bridge sofort auf die heranrauschende Fähre um unser teures ($7,50) Ticket vollends auszukosten. Vorbei geht’s an der Skyline in den Nordosten wo wir dem Gefährt im tiefen Business District entsteigen und uns auf die Suche nach etwas Essbarem machen, da ich beginne quengelig zu werden. Nach erfolgloser Suche (weil alles sehr teuer) besuchen wir die St. John's Cathedral und laufen entlang der St. Ann's Street Richtung Rathaus. Da meine Laune aufgrund des Hungers immer schlechter wird kehren wir nach Begehen des Food Courts in der Queen Street und des Sicherns von Tickets für die Glockenturmbegehung im Rathaus in den lokalen Coles ein und versorgen uns mit Baguette, Aufstrich und Käse. Danach finden wir nach einigem Gesuche das, uns öfter empfohlene, Roma Street Parkland, spazieren und begaffen rattenartige Beuteltiere, zwei pubertierende Pärchen bei den ersten „Gehversuchen“ (hihi) und den äußerst niedlichen Nationalvogel, den Cookaberra. Kurz darauf eilen wir zurück zum Rathaus um uns den Glockenturm anzusehen, der großartige (wenn auch „von unten“: ein Typ in der Kathedrale erzählte, dass dieser in seiner Jugend das höchste Gebäude gewesen sei) Blicke in die Stadt ermöglicht. Nach der Begehung entern wir das lokale, vegetarische „Govindas“ Hare Krishna Lokal und essen per „All you can eat“ für 13 Glocken das zweite Mal auswärts. Pappensatt schwanken wir zurück zur Victoria Bridge um die, vor einigen Jahren in einen Park verwandelten, South Bank zu begutachten. Herrlich. Es bieten sich unzählige Möglichkeiten die nächtlich beleuchtete Skyline zu fotografieren und wir bewundern die Schönheit der Parkanlage mit ihrem (kostenlosen und sehr sauberen) öffentlichen Pool direkt am Flußufer. Da wir hier ziemliche Luschen sind, was das Nachtleben (und Aufbleiben) angeht, fahren wir (wieder für $7,50) statt in den Partybezirk zurück zum Zeltplatz, lassen uns auf dem Weg vom Bus mehrmals von fiesen Kötern (einmal rettet uns nur ein Zaun vorm Zerfleischtwerden) anbellen und schlafen wie immer recht früh (aber später als sonst!) ein. Der Morgen bringt erneut strömenden Regen und den Start Richtung Byron Bay; nicht jedoch ohne vorher im Daisy Hill Koala Conservation Centre vorbei zu fahren. Dort sehen wir die ersten (und bisher einzigen) faulen, schlafenden Koalas. Beide Mädchen freuen sich unglaublich und können sich nur mit Mühe zurückhalten, die Tiere aus ihren Astgabeln zu reißen und zu herzen. Auf dem Weg nach Byron Bay biegen wir kurz inländisch ab um die Hippy- und „Lebenskünstler“- Hochburg Nimbin zu besuchen. Wir lehnen alle angebotenen Drogen erfolgreich ab, verspeisen einen Pie in der hiesigen Bäckerei und fahren im Regen weiter Richtung Küste. Der Caravan Park in Broken Head bei Byron Bay ist so lala und die Lichter der Campküche gehen erst kurz nach 6 an, was uns Gelegenheit gibt, unsere frisch erstandene Öllampe zu probieren, in deren Schein wir auf Barbequeplatten Erbsensuppe zubereiten. Ganz großes Kochen. Wir quatschen mit Steve, einem bekifften Wellenreiter aus Vanuatu, der Tine die geborene Surferseele bescheinigt, jagen Buschtruthähne und kippen uns Cider und Hollandia in die nassen Astralleiber. Am Morgen verjagt die Sonne die restlichen Wolken und wir begehen bei unglaublich schönem Wetter die Gegend rings um den Leuchtturm Byron Bays. Tine ist zudem ganz aus dem Häuschen, denn sie hat nahe des Ufers Delfine erspäht! Klasse! Wir beobachten Flipper und seine Kumpels und versuchen ein paar anständige Bilder zu schießen, was uns nur halbwegs gelingt. Die Ausblicke von den Klippen (immerhin der östlichste Punkt des australischen Festlandes) und dem tiefergelegen Felsenstrand sind atemberaubend und wir verbringen einige Zeit mit Schauen und Laufen. Vom Sichten der Delfine optimistisch gestimmt, fahren wir weiter gen Süden nach Woolgoolga, denn dort sollen Wale zu sehen sein. Wir beobachten angestrengt die See und sehen nach den Hinweisen zweier im Auto grasrauchender Aussies in der Ferne auch das hochspritzende Wasser springender Wale. Wir fahren 20 Kilometer weiter Richtung Emerald Beach um einen besseren Blick werfen zu können, doch die Meeressäuger bleiben verborgen. Entschädigt werden wir durch ein Paar Känguruhs, die am Hügel grasen und uns bis auf wenige Meter annähern lassen. Wir beschließen unsere heutige Fahrt in Coffs Harbour, entkräften uns auf dem „Jumping Pillow“ des Parks und essen zu Abend während wir (wie fast immer) mit Aussies quatschen. Des Nachts wird unser Van vom (von den Aussies angekündigten) Sturm derart geschüttelt und gepeitscht, dass wir am Morgen ans 50 Meter entfernte Toilettenhäuschen FAHREN und unsere Reise ohne ordentliches Frühstück fortsetzen. Da wir die Nase vom küstennahen Unwetter voll haben, fahren wir durch herrliche Regenwald (haha, ich weiß!)-Nationalparks gen Westen und erreichen am Abend das mehr als 400 Kilometer inländisch gelegene Coonabarabran. Der Zeltplatz ist etwas heruntergekommen, aber es gibt Feuerstellen und Unmengen von Holz, mit deren Hilfe wir ein Koch- (schön Folienkartoffeln!) und Lagerfeuer entfachen und eine trockene (und später ziemlich kalte) Nacht verbringen. Der nächste Morgen führt uns durch den (nicht durch uns) total abgebrannten Warrumbungle Nationalpark weiter Richtung Westen (durch die Brandschäden konnte man kaum etwas begehen) nach Cobar, einer alten Minenstadt im Outback. Der örtliche Lookout bietet Ausblicke auf eine der alten Minen und nach dem Ansteuern des Zeltplatzes schreiben wir Postkarten, stellen uns zu ausgewählten Hits eines Alleinunterhalters unseren restlichen Biervorrat in die Adonis- (und Adona-)Körper (zum 2. Mal, habt ihr's gemerkt?) und senken den Altersdurchschnitt trotz meines mehr als Dritteljahrhunderts erheblich. Zwei Australier retten den Abend durch Schenkung einer halben Flasche hiesigen Chiraz'. Der nächste Tag bringt eine weitere lange Fahrt durch das Outback Richtung Broken Hill, der „Hauptstadt“ des neusüdwalisischen Hinterlandes. Broken Hill hatte seine besten Tage zu Zeiten des australischen Goldrausches, ist aber immer noch wunderschön anzusehen und bietet neben letztjahrhundertlicher Architektur (das ist hier selten!) bergmännischen Charme. Da wir in den letzten 3 Tagen ca. 1400 Kilometer abgerissen haben, gönnen wir uns einen freien Tag um die Umgebung zu erkunden: wir besuchen Silverton, eine Quasigeisterstadt, in und um derer einige Filme (unter anderem Mad Max) gedreht wurden, den Mundi Mundi Lookout, der Ausblicke in die umgebende Wüste und auf zwei Gräber ermöglicht und das „Living Desert Sanctuary“ mit seiner Outbackflora und -fauna (wir sehen Dutzende Känguruhs aller Größen und überfahren beinahe eines auf dem Weg dahin) und Skulpturenpark. Wir nutzen die kostenlosen BBQs der Picknick Area zum Mittagssnack und fahren zurück nach Broken Hill. Dort besuchen wir die Südstadt und Bell's Milk Bar wo wir den berühmten Spider probieren, einen Softdrink mit Eiscreme. Nach dem Vollziehen des „Heritage Walks“ stürzen wir noch kurz in die Black Lion Inn (hier heißen Bars fast immer „Hotel“), Tinchen gewinnt einen klasse Grillwender (der doppelt soviel wert ist wie die beiden Biere, jawoll!) und der Abend endet mit der Zubereitung des wohl leckersten „Würstchengulaschs“, den wir je gegessen haben und langem Quatschen mit 2 dicken rauchenden Australiern, die uns weitere Attraktionen Südaustraliens empfehlen. Im Augenblick sitzen Tine und ich im Wellington „Hotel“ in der Nordstadt Adelaides und ich beschließe diesen Eintrag mal, denn das Cooper Pale kostet sieben Dollar und der Eintrag ist eh schon lang genug. Mehr dann sicher aus Melbourne!