Dienstag, 11. Juni 2013

(P)färte, Pannen, Promontory


Nach einem wirklich tollen Abstecher ins Outback machen wir uns wieder auf den Weg in die Zivilisation und damit in die nächste Großstadt: Adelaide. Aus Erde werden Sträucher, aus Sträuchern werden Bäume und nach wenigen Stunden sieht man wieder Autos, Pferde und sonstige Indizien für Leben auf und nahe dem Highway. Apropos Pferde. Um uns auf unseren langen Fahrstrecken ein wenig zu unterhalten, haben wir das sogenannte (P)ferdetourette eingeführt. Wer auch immer zuerst ein Pferd am Wegesrand entdeckt, ist angehalten, so laut wie möglich „Färt“ zu brüllen. Das macht Spaß, man kann ausgiebig über die erschreckten Zucker der Mitfahrer lachen und es hat bisher noch zu keinem Unfall geführt. Wir erreichen Adelaide gegen Abend und campieren auf einem Caravan Park mitten in der Stadt. Da wir noch ein paar Einkäufe zu erledigen haben, starten wir einen Spaziergang durch die sehr herbstlichen Wohnsiedlungen Adelaides, die mit klassisch viktorianischen Einfamilienhäusern aufwarten können. Uns fällt auf, dass wir sehr lange keinen wirklichen Sport getrieben haben. In den Rückweg zum Park werden also unzählige Kniebeuge (angekündigt durch lautes „Squat!“ Gebrülle und zur Erheiterung der vorbeifahrenden Autoinsassen) in unseren schwer bepackten Gang eingebaut. Nach unserer Rückkehr werden wir aus Stahl sein, das ist sicher! Zurück im Caravanpark wird das Abendessen wie so oft auf den fast überall verfügbaren BBQs bereitet. Nach dem Frühstück beginnen wir unsere Sightseeingtour durch Adelaide, wandern durch den Botanischen Garten, vorbei an der Universität und kehren in das Migrantenmuseum ein. Dort erfahren wir viel über die Besiedlung Australiens, ärgern uns über die „White Australian“-Politik und den Umgang mit den Aboriginies (Stichwort „Stolen Generation“) und lernen, wie es ein Mr. Stuart geschafft hat, nach mehreren gefährlichen Expeditionen von der Süd- zur Nordküste Australiens vorzudringen. Beeindruckt von seinem Mut schlagen wir uns weiter durch die Stadt und erreichen bald den Central Market. Dort lassen wir uns eine köstliche Familienplatte beim Libanesen schmecken und fühlen uns kurz an die wunderbar schmackhaften Falafelsandwiches beim Al Safa in Neukölln erinnert. Wir schlendern weiter, trennen uns in einem Park von Sophie, die sich die Herbstsonne auf den Leib scheinen lässt und erkunden die Nordstadt von Adelaide. Eigentlich sind wir nur auf der Suche nach einem Pub und finden kurze Zeit später das Wellington "Hotel", in dem wir den letzten Blogeintrag vollenden und uns einige Biere in den Hals stellen. Exi lernt auf dem Campingplatz noch unsere kleine, dicke, belgische Nachbarin kennen, die schon fast ein Jahr allein in der Weltgeschichte unterwegs ist und ihm großzügig ein 8,5-prozentiges belgisches Bier (das gute Duvel!) anbietet, was ihm den zweiten australischen Alkoholrausch beschert. Der kommende Tag führt uns in die Adelaide Hills und nach Hahndorf, einem von mehreren, von deutschen Auswanderern gegründeten, Dörfern in den Hügeln vor der Stadt. Die Landschaft erinnert ein bisschen ans Allgäu oder den Thüringer Wald und aufgrund des vielen Weinanbaus zeitweise auch an die Rhein- und Moselgegend. In Hahndorf gibt es eine handvoll Bäckereien (leider finden wir auch hier kein dunkles und festes im Steinofen gebackenes Brot) und jede Menge Restaurants, in denen deutsche Fleisch- und Wurstgerichte jeglicher Art, selbstverständlich nicht ohne Sauerkraut, gereicht werden. Aus ein paar Souveniershops ertönt (wie es sich gehört) bayrische Volksmusik und es gibt Weihnachtspyramiden und Holzspielzeug zu kaufen. Zeit das kleine Nest wieder zu verlassen und zum nächsten Campingplatz zu düsen. Der befindet sich südlich von Adelaide in Meningie, idyllisch gelegen am Lake Albert. Wir beobachten Pelikane und anderes Viehzeug und fürchten uns bei Einbruch der Dämmerung mächtig, denn es sollen Giftschlangen auf dem Platz gesichtet worden sein. Sophie und ich bewegen uns daraufhin nur noch begleitet von lautem Klatschen und Trampeln fort und wir verlassen Meningie am nächsten Morgen ohne Schlangenbisse in Richtung Mount Gambier. Auf dem Weg halten wir in Carpenter Rocks, einem kleinen Küstenörtchen, in dessen Nähe ein kostenlose Zeltplatz mit Leuchtturm und Strand liegt, auf dem wir übernachten wollen. Hier springt zum ersten Mal das Auto nicht mehr an. Nach kurzer Verwirrung und einem zweiten Versuch schaffen wir es doch über die holprige Dirtroad zum Zeltplatz am Leuchtturm. Da die Karre beim Versuch umzuparken wieder nicht anspringt, entscheiden wir uns, schon heute nach Mount Gambier zu fahren, um das Auto mal durchchecken zu lassen. Einfacher gesagt als getan: unser Speed Master G macht nämlich keinen Mucks mehr. Eine dreiviertel Stunde schieben und zerren wir an dem Gefährt (natürlich haben wir an einer Erhöhung geparkt) und nur unserer beeindruckenden Muskelkraft ist es zu verdanken, dass wir das Fahrzeug so anschieben können, dass es noch einmal zündet. Wir kommen jedoch nur bis Carpenter Rocks, denn auf dem Weg dahin fällt nicht nur der Tacho und alle anderen Anzeigen aus, sondern -gerade beim Einparken- auch noch die Servolenkung. Das war's. Der Pannendienst wird angerufen und kurze Zeit später ist George da, parkt den Van auf und uns in seinem Truck und los geht’s in die Werkstatt nach Mount Gambier. Diagnose: Lichtmaschine kaputt, deshalb Batterie alle und Ersatzteil wahrscheinlich erst in 4 Tagen vor Ort. Prima. Wir trösten uns im nahegelegenen Hotel mit ein paar Bier und Cider, finden dort ein paar neue Freunde und torkeln zurück zur Werkstatt auf deren Parkplatz wir die Nacht im Van verbringen können. Nach dem Frühstück erfahren wir, dass in Mount Gambier tatsächlich kein passendes Ersatzteil vorhanden ist (auch nicht in der „nächst“gelegenen, 2 Stunden entfernten größeren „Stadt“), weshalb wir uns auf den Weg ins örtliche Visitor Center machen, um die Übernachtungs- und Bespaßungsmöglichkeiten für die nächsten vier Tage auszuchecken. Etwas unglücklich kehren wir zur Werkstatt zurück, da die Übernachtungspreise auch hier in der Provinz weit über unserem Budget liegen. Doch Simon (Chef der Werkstatt) erlöst uns von allen Sorgen: freudestrahlend teilt er uns mit, dass sie ein gebrauchtes Ersatzteil auftreiben konnten und wir quasi sofort weiterfahren können. Mit bester Laune und ausgestattet mit kiloweise Informationsmaterial für die Weiterfahrt entlang der Südküste verlassen wir Mount Gambier in Richtung Portland, einem historischen Städtchen (die älteste Stadt Victorias) an der Küste, von dem aus wir nach Cape Nelson aufbrechen, auf Felsklippen entlang wandern, den Leuchtturm bewundern und später weiter nach Cape Bridgewater fahren, wo wir übernachten werden. Am Campingplatz angekommen finden wir keine Menschenseele dafür aber ein Telefon, was uns mit den Besitzern des Areals unten im Ort verbindet. Wir werden von einem jungen Mädchen und einer äußerst hübschen Katze (die uns den ganzen Abend lang Gesellschaft leisten wird) eingewiesen und stellen fest, dass wir den riesigen Platz ganz für uns haben. Es wird gekocht, ich spaziere noch ein wenig entlang der malerischen Küste und es werden die nächsten Tage unserer Reise geplant. Am nächsten Morgen machen wir noch eine schöne kleine Wanderung entlang der Küste, passieren den höchsten Küstenpunkt Victorias (113m) und beobachten ein paar Robben, die sich aufgeregt im Wasser tummeln. Da ich Australien nicht verlassen möchte ohne einen Wal in freier Natur gesehen zu haben, geht es weiter nach Port Fairy, wo zu dieser Zeit im Jahr eine gute Chance besteht welche zu sichten. Wir umrunden die kleine Insel Griffith, die Wale zeigen sich heute nicht, dafür sind jede Menge Vögel und ein Wallaby zu beobachten. Weiter geht’s nach Warrnambool, auch hier soll man wunderbar Wale beobachten können. Zunächst legen wir uns aber im beheizten Indoorpool, besser gesagt, dem noch beheizteren Spa (kleiner warmer Whirlpool) ab. Der kommende Tag bringt irisches Wetter (Nieselregen, Sonne, Nieselregen, Sonne...) und gleich nach dem Frühstück machen Exi und ich uns auf den Weg Wale zu suchen. Nach einem schönen und einsamen Spaziergang auf dem Küstenwanderweg, erreichen wir schließlich die etwas höher gelegene Walbeobachtungsplattform, auf der schon einige gelangweilte Jugendliche Position eingenommen haben. Ihren Gesichtern zufolge ist noch kein Wal vorbeigekommen aber ich bin guter Dinge, dass es heute endlich soweit ist. Wir warten, starren eine Stunde aufs Meer und ...NÜSCHT. Ich weine innerlich ein bisschen, lasse mir aber die gute Laune nicht verderben. Wir verlassen Warrnambool und fahren direkt auf die Great Ocean Road. Wir nehmen dort jede Sehenswürdigkeit und jeden Lookout mit und staunen ob der rauen Schönheit der steilen Klippen und des tosenden Meeres. Im Winter herrscht hier gähnende Leere, nur einige wenige Touris verirren sich um diese Jahreszeit auf dieses schöne Fleckchen Erde. Denken wir, bis wir die 12 Apostel, die Hauptattraktion der berühmtesten Küstenstraße der Welt, erreichen. Hier tummeln sich hunderte Menschen, hauptsächlich Japaner und Chinesen, die aus Melbourne angekarrt werden und vor allem mit Posen und Fotografieren beschäftigt sind. Wir finden, dass die 12 Apostel zwar schön sind aber nicht mit dem davor Bestaunten mithalten können. Wir übernachten in einem Caravan Park an der Apollo Bay und machen uns Tags drauf auf den Weg den übrigen Teil der Great Ocean Road zu befahren. Diese schlängelt sich nun direkt am Meer entlang und gewährt tolle Ausblicke auf die Küste. Herrlich. Ich drehe wenig später fast durch vor Freude, denn ich habe während der Fahrt zwei in Bäumen sitzende Koalas entdeckt (die ersten in freier Wildbahn). Dadurch motiviert halten wir bei der nächsten Gelegenheit um in den Eukalyptuswäldern Ausschau nach weiteren der Baumbewohner zu halten. Wir sind heute Glückspilze und finden zwei dieser niedlichen Tierchen in den Ästen hängen. Unsere nächste Station ist Torquay, die Surfhauptstadt Australiens. Das erkennt man daran, dass es hier unzählige Surfläden und ein Surfmuseum gibt, welches ich natürlich, wenn schon keine Zeit fürs surfen (üben) ist, postwendend besuche. Durch Melbourne fahren wir am selben Tag noch nach Phillip Island, einer kleinen Insel südlich der Millionenstadt, die über eine Brücke vom Festland aus zu erreichen ist. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wir die südwestliche Spitze des Eilandes, denn wir wollen uns die Pinguin Parade anschauen, die daraus besteht, Pinguine dabei zu begaffen, wie sie aus dem Meer hüpfen und in ihre Nester schlüpfen. Was wir nicht wissen ist, dass auch diese Attraktion äußerst beliebt ist und man das Naturschauspiel wie im Fußballstadion mit tausenden anderer Menschen teilen muss und zusätzlich ordentlich zur Kasse gebeten wird. Wir entscheiden uns gegen die Pinguine, wollen aber am kommenden Tag das Koala Conservation Center auf Philipp Island besuchen. Hier leben die Tiere quasi in freier Wildbahn und man wird über verschiedene Wege durch die Eukalyptusbäume geführt. Da wir mittlerweile Vollprofis im „wildlifespotting“ sind, finden wir ganze 13 Koalas in den Bäumen und fahren höchst zufrieden nach Cape Woolamai, der südöstlichen Spitze von Philipp Island. Nach kurzer Wanderung und unzähligen Fotopanoramas (Exis liebstem Zeitvertreib) sitzen wir wenig später wieder im Van. Unser Ziel ist Wilsons Promontory, ein äußerst beliebter Nationalpark an der südlichen Spitze des australischen Festlandes. Es gibt innerhalb des Parks nur einen Zeltplatz (allerdings mit knapp 500 Stellplätzen), der in der Sommerzeit so beliebt ist, dass die Plätze per Losverfahren vergeben werden und es keine Seltenheit ist, seine Ferien festivalmäßig mit 3000-4000 anderen Touristen zu verbringen. Der Campingplatz ist herrlich gelegen zwischen hohen Bergen, dem Tidal River und Norman Beach, einem langen Sandstrand zu dem wir kurz vor Sonnenuntergang aufbrechen. Die Tierwelt im Nationalpark ist atemberaubend. Neben unzähligen Vogelarten (Kookaburra, Papagei und Co.) wimmelt es im Park nur so von grasenden Wombats, die offensichtlich keine Scheu vorm Menschen haben und sich manchmal sogar streicheln lassen. Besonders Sophie haben es diese braunen Fellwürste angetan und werden zum heimlichen Australien Highlight. Wilsons Prom hat neben der artenreichen Tierwelt auch hunderte Wanderstrecken zu bieten. Perfekte Voraussetzungen für uns Sportskanonen. Neben der Besteigung von Mount Bishop und Mount Oberon mit herrlichen Aussichten auf den südlichsten Zipfel Australiens, schlagen wir uns durch Regenwälder und raue Küstenlandschaften, sehen zig Emus und Kängurus während eines „Wildlifewalks“ und bestaunen während unserer letzten Wanderung ein besonderes Highlight: mitten in der grünsten Natur tut sich plötzlich eine riesige Sandwüste auf. Harrlich!!! Doch nun genug Natur und auf in den Großstadtschungel! Amy, Alli und Kelly warten schon in Melbourne auf unseren Besuch.




Donnerstag, 30. Mai 2013

Mad Max, Minen, Menschenleere


Lange im Outback verschollen, kommen wir erst jetzt dazu einen neuen Post zu verfassen. Stehen geblieben waren wir in Hervey Bay, einem kleinen Küstenörtchen, von dem aus die meisten Touris nach Fraser Island aufbrechen, welche wir ganz rebellisch links liegen lassen und einen ruhigen „Off day“ verbringen. Wir entscheiden uns für einen Strandspaziergang mit Abstecher auf den Marktplatz, auf dem zwei Omis Countrymusik zum Besten geben und ein Haufen australische Familien ihren Sonntag verbringen. Wir besuchen noch einen kleinen Wasserpark, der zwar für über 3-jährige nicht wirklich spektakulär ist uns aber daran erinnert, dass unser Campingplatz mit Pool und Spa ausgerüstet ist, in die wir uns postwendend begeben. Wie jeden Abend wird professionell gekocht und wir beobachten beeindruckt eine Gruppe Holländer, bestehend aus zwei fetten Weibern und einem spindeldürren Typen, die sich am Barbeque enorme Fleischberge zubereiten, von denen locker eine 10-köpfige Familie satt werden würde. Wir lästern ordentlich und lassen uns unser supergesundes Abendmahl schmecken. Wir lernen noch Robin und ihren Mann kennen, die im Caravan Park arbeiten und, wie eigentlich alle Australier, die wir bisher getroffen haben, mächtig über die derzeitige Regierung schimpfen. Unsere nächste Station ist Noosa, ebenfalls an der australischen Ostküste gelegen. Wir hoffen im nahegelegenen Nationalpark unsere ersten Koalas zu sichten. Trotz intensiver Suche werden wir nicht fündig, werden aber durch die wunderschöne Wanderstrecke direkt an der Küste entlang entschädigt und beobachten wie ein paar Angler aus Versehen eine Seeschildkröte fangen, diese aber sofort wieder freilassen. Die Nacht verbringen wir in Coolum Beach und treffen uns abends - nach kurzem (und bisher letztem) Bad im Pazifik - mit Andrew und seiner südafrikanischen Freundin Jenna. Wir betreten das erste Mal einen der vielen Clubs (hier den Live Saving and Surf Club) und müssen uns namentlich anmelden. Dafür trinken wir die ersten Getränke außerhalb der Vanumgebung. Prima. Die Zeit ist leider sehr kurz und wir fliegen kurz nach zehn aus dem Laden, weil dieser geschlossen wird. Nun ja. Nach mehreren Wochen Provinz steht mit Brisbane nun die erste Großstadt auf dem Programm. Unser Speed Master G (SMG-811) wird schnell auf dem Campingplatz in Rochedale und wir im Bus geparkt und auf geht’s ins Vergnügen. Sofort fällt auf, dass Busse hier ihre eigene Autobahn haben und aufgrund der nahegelegenen Uni unglaublich viele Asiaten mit uns fahren. Das australische „Hinterland“ ist durchsetzt mit kernigen Quasicowboys während die Städte sehr international daherkommen. Wir steigen am westlichen Ende der South Bank aus und springen nach dem Überqueren der Victoria Bridge sofort auf die heranrauschende Fähre um unser teures ($7,50) Ticket vollends auszukosten. Vorbei geht’s an der Skyline in den Nordosten wo wir dem Gefährt im tiefen Business District entsteigen und uns auf die Suche nach etwas Essbarem machen, da ich beginne quengelig zu werden. Nach erfolgloser Suche (weil alles sehr teuer) besuchen wir die St. John's Cathedral und laufen entlang der St. Ann's Street Richtung Rathaus. Da meine Laune aufgrund des Hungers immer schlechter wird kehren wir nach Begehen des Food Courts in der Queen Street und des Sicherns von Tickets für die Glockenturmbegehung im Rathaus in den lokalen Coles ein und versorgen uns mit Baguette, Aufstrich und Käse. Danach finden wir nach einigem Gesuche das, uns öfter empfohlene, Roma Street Parkland, spazieren und begaffen rattenartige Beuteltiere, zwei pubertierende Pärchen bei den ersten „Gehversuchen“ (hihi) und den äußerst niedlichen Nationalvogel, den Cookaberra. Kurz darauf eilen wir zurück zum Rathaus um uns den Glockenturm anzusehen, der großartige (wenn auch „von unten“: ein Typ in der Kathedrale erzählte, dass dieser in seiner Jugend das höchste Gebäude gewesen sei) Blicke in die Stadt ermöglicht. Nach der Begehung entern wir das lokale, vegetarische „Govindas“ Hare Krishna Lokal und essen per „All you can eat“ für 13 Glocken das zweite Mal auswärts. Pappensatt schwanken wir zurück zur Victoria Bridge um die, vor einigen Jahren in einen Park verwandelten, South Bank zu begutachten. Herrlich. Es bieten sich unzählige Möglichkeiten die nächtlich beleuchtete Skyline zu fotografieren und wir bewundern die Schönheit der Parkanlage mit ihrem (kostenlosen und sehr sauberen) öffentlichen Pool direkt am Flußufer. Da wir hier ziemliche Luschen sind, was das Nachtleben (und Aufbleiben) angeht, fahren wir (wieder für $7,50) statt in den Partybezirk zurück zum Zeltplatz, lassen uns auf dem Weg vom Bus mehrmals von fiesen Kötern (einmal rettet uns nur ein Zaun vorm Zerfleischtwerden) anbellen und schlafen wie immer recht früh (aber später als sonst!) ein. Der Morgen bringt erneut strömenden Regen und den Start Richtung Byron Bay; nicht jedoch ohne vorher im Daisy Hill Koala Conservation Centre vorbei zu fahren. Dort sehen wir die ersten (und bisher einzigen) faulen, schlafenden Koalas. Beide Mädchen freuen sich unglaublich und können sich nur mit Mühe zurückhalten, die Tiere aus ihren Astgabeln zu reißen und zu herzen. Auf dem Weg nach Byron Bay biegen wir kurz inländisch ab um die Hippy- und „Lebenskünstler“- Hochburg Nimbin zu besuchen. Wir lehnen alle angebotenen Drogen erfolgreich ab, verspeisen einen Pie in der hiesigen Bäckerei und fahren im Regen weiter Richtung Küste. Der Caravan Park in Broken Head bei Byron Bay ist so lala und die Lichter der Campküche gehen erst kurz nach 6 an, was uns Gelegenheit gibt, unsere frisch erstandene Öllampe zu probieren, in deren Schein wir auf Barbequeplatten Erbsensuppe zubereiten. Ganz großes Kochen. Wir quatschen mit Steve, einem bekifften Wellenreiter aus Vanuatu, der Tine die geborene Surferseele bescheinigt, jagen Buschtruthähne und kippen uns Cider und Hollandia in die nassen Astralleiber. Am Morgen verjagt die Sonne die restlichen Wolken und wir begehen bei unglaublich schönem Wetter die Gegend rings um den Leuchtturm Byron Bays. Tine ist zudem ganz aus dem Häuschen, denn sie hat nahe des Ufers Delfine erspäht! Klasse! Wir beobachten Flipper und seine Kumpels und versuchen ein paar anständige Bilder zu schießen, was uns nur halbwegs gelingt. Die Ausblicke von den Klippen (immerhin der östlichste Punkt des australischen Festlandes) und dem tiefergelegen Felsenstrand sind atemberaubend und wir verbringen einige Zeit mit Schauen und Laufen. Vom Sichten der Delfine optimistisch gestimmt, fahren wir weiter gen Süden nach Woolgoolga, denn dort sollen Wale zu sehen sein. Wir beobachten angestrengt die See und sehen nach den Hinweisen zweier im Auto grasrauchender Aussies in der Ferne auch das hochspritzende Wasser springender Wale. Wir fahren 20 Kilometer weiter Richtung Emerald Beach um einen besseren Blick werfen zu können, doch die Meeressäuger bleiben verborgen. Entschädigt werden wir durch ein Paar Känguruhs, die am Hügel grasen und uns bis auf wenige Meter annähern lassen. Wir beschließen unsere heutige Fahrt in Coffs Harbour, entkräften uns auf dem „Jumping Pillow“ des Parks und essen zu Abend während wir (wie fast immer) mit Aussies quatschen. Des Nachts wird unser Van vom (von den Aussies angekündigten) Sturm derart geschüttelt und gepeitscht, dass wir am Morgen ans 50 Meter entfernte Toilettenhäuschen FAHREN und unsere Reise ohne ordentliches Frühstück fortsetzen. Da wir die Nase vom küstennahen Unwetter voll haben, fahren wir durch herrliche Regenwald (haha, ich weiß!)-Nationalparks gen Westen und erreichen am Abend das mehr als 400 Kilometer inländisch gelegene Coonabarabran. Der Zeltplatz ist etwas heruntergekommen, aber es gibt Feuerstellen und Unmengen von Holz, mit deren Hilfe wir ein Koch- (schön Folienkartoffeln!) und Lagerfeuer entfachen und eine trockene (und später ziemlich kalte) Nacht verbringen. Der nächste Morgen führt uns durch den (nicht durch uns) total abgebrannten Warrumbungle Nationalpark weiter Richtung Westen (durch die Brandschäden konnte man kaum etwas begehen) nach Cobar, einer alten Minenstadt im Outback. Der örtliche Lookout bietet Ausblicke auf eine der alten Minen und nach dem Ansteuern des Zeltplatzes schreiben wir Postkarten, stellen uns zu ausgewählten Hits eines Alleinunterhalters unseren restlichen Biervorrat in die Adonis- (und Adona-)Körper (zum 2. Mal, habt ihr's gemerkt?) und senken den Altersdurchschnitt trotz meines mehr als Dritteljahrhunderts erheblich. Zwei Australier retten den Abend durch Schenkung einer halben Flasche hiesigen Chiraz'. Der nächste Tag bringt eine weitere lange Fahrt durch das Outback Richtung Broken Hill, der „Hauptstadt“ des neusüdwalisischen Hinterlandes. Broken Hill hatte seine besten Tage zu Zeiten des australischen Goldrausches, ist aber immer noch wunderschön anzusehen und bietet neben letztjahrhundertlicher Architektur (das ist hier selten!) bergmännischen Charme. Da wir in den letzten 3 Tagen ca. 1400 Kilometer abgerissen haben, gönnen wir uns einen freien Tag um die Umgebung zu erkunden: wir besuchen Silverton, eine Quasigeisterstadt, in und um derer einige Filme (unter anderem Mad Max) gedreht wurden, den Mundi Mundi Lookout, der Ausblicke in die umgebende Wüste und auf zwei Gräber ermöglicht und das „Living Desert Sanctuary“ mit seiner Outbackflora und -fauna (wir sehen Dutzende Känguruhs aller Größen und überfahren beinahe eines auf dem Weg dahin) und Skulpturenpark. Wir nutzen die kostenlosen BBQs der Picknick Area zum Mittagssnack und fahren zurück nach Broken Hill. Dort besuchen wir die Südstadt und Bell's Milk Bar wo wir den berühmten Spider probieren, einen Softdrink mit Eiscreme. Nach dem Vollziehen des „Heritage Walks“ stürzen wir noch kurz in die Black Lion Inn (hier heißen Bars fast immer „Hotel“), Tinchen gewinnt einen klasse Grillwender (der doppelt soviel wert ist wie die beiden Biere, jawoll!) und der Abend endet mit der Zubereitung des wohl leckersten „Würstchengulaschs“, den wir je gegessen haben und langem Quatschen mit 2 dicken rauchenden Australiern, die uns weitere Attraktionen Südaustraliens empfehlen. Im Augenblick sitzen Tine und ich im Wellington „Hotel“ in der Nordstadt Adelaides und ich beschließe diesen Eintrag mal, denn das Cooper Pale kostet sieben Dollar und der Eintrag ist eh schon lang genug. Mehr dann sicher aus Melbourne!